4:30 Uhr: Das Klimaticket gilt schon mal nicht. Das ist zwar ein
Postbus aber eine Ausnahme. VAL: Vienna Airport Service. Egal. Zahle
gerne 9 € statt 40 fürs Taxi und rollkoffere zum Munterwerden zum
Westbahnhof. Die Berufsmunteren sind klar von den Urlaubsmüden zu
unterscheiden. Mögen die Müden erholt wieder zurückkomen. Ich bin
einer der Müden. Ich fahre auf Urlaub. Spontan. Mit Robert.
Jausensackerlgeraschel, verkabelt Kommunizierende, Schlafende,
Vor-sich-hin-Starrende, Tablettiger, Kopfhörerabgekapselte und ein
Notizbuchschreiber. Mach mich wach durch Rundumschau. Barcelona ich
komme!
5:30 Uhr: Gepäck
losgeworden, ohne Pieps durch den Körperscan, gönn mir
Frühstückespresso und Banane from home. Glückt mir jetzt noch eine
kompakte Stoffewechselproduktverabschiedung auf heimischem Boden, bin
ich bereit für Barcelona.

6:30 Uhr: Kompaktes Glück war nicht
– explosives sehr wohl. Die Allerglücklichsten aber scheinen grad
Rauchende zu sein. Denn in den Rauchzellen – den Fumarien –
herrscht ausgelassene Stimmung. Rauchen ist verbindender als
Gassigehen. Gemeinsames Abaschen hat was Existenzialisitisches.
Feuergeben ist die selbstverständlichste, alle Sprachbarrieren,
sozialen Schichten und sonstige Differenzen überwindende Geste, die
einfacher Solidaritätsakt bleiben oder gleich zu einem Gespräch
führen kann. Schon allein deshalb kann sich rauchen lohnen. Sprich
am Flughafen zu dieser Zeit sonst mal einfach so wen an – kommt
akward bis creepy. Im Fumarium ist alles Schall und Rauch. Ein paar
Züge lang ist alles leicht, sind alle gleich. Sucht verbindet. Am
Wiener Flughafen sind die Glasboxen fröhlich bunt verpixelt,
gewähren Einblick, bieten aber auch Sichtschutz. Der nichtrauchende
Notierende staunt über die Frequenz und beneidet die
Schicksalsgemeinschaft, die sich international mit Rauchzeichen
verständigt. Es sind sehr erwachsene, erfahrene Rauchende. Alle
verlassen ihren Versammlungsort mit einem Lächeln auf den Lippen,
die wohl auch noch sanft brennen. Ein loderndes Lächeln nach einer
kurzen Auszeit unter Gleichgesinnten. Schön eigentlich. Saufen ist
aufwendiger. Die Effizienz von Zigaretten als gesellschaftliches
Bindeglied gehört wieder mehr thematisiert. Das aber können nur
Nichtrauchende machen, die Nutznieser*innen dieser letzten Bastion
des beglückenden Kurzzeitausstiegs sind wohl nicht daran
interessiert, Trittbrettrauchende anzulocken. Apropos beglückender
Kurzzeitausstieg: Barcelona, ich boarde!

7:30 Uhr: Fenster
platz. Unter mir werden die Gepäckstücke ins Flugzeug befördert.
Es rumpelt im Flugzeugbauch. Muss an Grönemeyer denken. Hinter mir
hat ein Stinker Platz genommen. Noch riecht man das. Bald wird das
Klima ein alles Überdeckendes und Verzeihendes sein. Furzen im
Flieger war noch nie ein Problem. Der Schweißmann hinter mir setzt
sich aktuell aber noch ganz schön durch. Die Koffer und Kinderwägen
sind verstaut. Das Förderband-Fahrzeug schleicht sich ebenso wie der
Gepäckstücktransporter, der einer Mini-Rangierlok gleicht und am
Rollfeld von dannen gleitet. Die Reihen sind voll besetzt. Die
Zustiegsschlange zeiht sich zurück. Es ist keine Röhre, es ist ein
Kanal, ein Schacht, der sich zurückschachtelt, abdockt und nunmehr
mit dem Andockelement in der Luft hängt. Die AUA-Strauß-Klänge
sind vom Klimaanlagengesurre unterlegt – Symphonieorchester mit
Stausaugergebläse. Hinter dem dem benachbartem Flieger flirrt die
Luft bereits. Die Turbinen sorgen für Wirbel. Habe Blick auf die
Flügel und schon parkt ein ankommendes Flugzeug. Die Räder werden
ganz old school mit gelben Pflöcken verkeilt. Die Schlange kommt
wieder aus ihrem Nest und schmatzt sich um den Ausstieg. Das
Gepäcksförderbandfahrzeug ist auch wieder zu Stelle. Der Tankwagen
ebenso. Unter dem Hinterausgang wird angezapft. Wir verrollen uns
rückwärts. Der Schwitzer ist immer noch zu riechen. Jetzt schnarcht
er auch noch. Es folgen die Sicherheitsanweisungs-Demonstrationen der
Flugbegleiter*innen. Es war echt mal, cool Schwimmwesten aus Fliegern
mitgehen zu lassen. In unserem WG-Klog hing eine. Ready for take off!
Barcelona, ich fliege!

8:30 Uhr: Die
Schweiz von oben ist ein Juwelierladen voller edel weiß gekörnten
Bergketten. Da und dort hingeworfene Häuserhäufchen.
9:30 Uhr: Die
Schneespitzen werden weniger, die Besiedlung dichter. Plötzlich ein
Becken. Der Flieger wird ganz schön gebeutelt: unruhige Luft und
kein Frühstück, nur Wasser und ein AUA-Schokoladentaler. Wo sind
wir? Ist das schon Frankreich? Leider keinerlei Informationen vom
Chefpiloten und auch keine Monitoren. Schade. Sehe so viel und kann
es nicht benennen. Die Landschaft wird immer weicher, die
schneebedeckten Berge rücken immer mehr in die Ferne. Unter mir
jetzt auch schon Küstenstädte. Landeanflugslautstärke. Wir kreisen
über dem Meer, fahren das ganze Rollfeld ab: Straußgedudel am
Asphaltparkett. AUA-Flieger auf Parkplatzsuche. Barcelona, willst du
mich nicht?
10:30 Uhr: Sitze im
Zug, stehe in der Pampa. Aber Barcelona in Sicht!
11:30 Uhr: Sitze mit
Espresso in der Sonne. Rund um das Hotel sitzen lauter Jugendliche am
Boden. Das ist hier nicht automatisch eine Protestaktion. Es ist warm
genug, am Boden zu sitzen. Alle tragen Sonnenbrillen. Ich auch. Alle
schauen auf ihre Smartphones. Ich abwechselnd in dem Baedeker und den
Marco-Polo-Reiseführer. Die große Faltkarte habe ich noch nicht
ausgepackt. Trau mich nicht. Ich find mich auch so in dir zu recht:
BARCELONA.