Freitag, 28. August 2026
Bizau - nichts für Nachtvögel
Zu Mittag war ich nämlich noch auf der Lorea, einem der Hausberge Nassereiths. Zwar bin ich die ganze Woche schon im Wandermodus aber die Wochen vorher war ich ja ein Sand- und Waserwesen und ich hör die Signale des Körpers, die mir sagen: Na, jetzt entscheid dich mal: Wasser, Sand, Stein, Strandliege oder Wanderstöcke?
Ich mach grad alles, dazwischen einen Fernseh-Dreh, eine Slam-Show und die erste Lesung aus dem Arbeiterkind, das nächste Woche dann schon erscheinen wird. Aber zurück zum Start beziehungsweise nach Bizau.
Ich steige aus und das Bergmassiv, das mich empfängt, haut mich fast um. Das Ding hat Nationalparkcharakter. Das ist ein Tempel von einem Berg. Wie heißt der? Ja, ich gestehe dem Ort sofort magische Kräfte zu. Der Berg kann was - so viel ist sicher. Am Abend wird der Felsblock dann von den letzten Sonnenstrahlen in ein Licht gesetzt - zum Niederknien! Vom Fußballplatz aus hat man den besten Blick auf dieses Naturwunder.
Ich begnüge mich mit der Hilkat auf der anderen Seite und wandere durch den schönsten Buchenwald, den ich je gesehen hab. Nicht minder magisch. Dass der Mond fast voll ist, trägt zu meiner Stimmung bei, ich bin kurz davor, ihn anzuheulen, denn um 21:30 Uhr - nach getaner Arbeit, haben sowohl die Taube (da bin ich untergebracht) als auch das Biohotel bereits geschlossen.
Kein Feierabend-Bier, keine Nachbesprechung, kein Einschlafen. Denn ich bin aufgedreht und höchst erfreut, dass die Arbeiterkind-Lese-Premiere gut über die Bühne gegangen ist. Gerne hätte ich darüber noch mit den Veranstaltern geplaudert. So blieb mir nichts weiter über, als den Mond an zu himmeln und BIZAU-Akrosticha zu fabrizieren. Denn in BIZAU steckt so viel:
Bleibe Immer Zurückhaltend, Arbeite Unauffällig
Bleibe Im Zweifel Auch Umsichtig
Benenne Immer Ziele Auch Unmögliche
Bei Immerwährenden Zerwürfnissen Aufstand Unternehmen
Bisweilen Intensive Zurechtrückung Aller Unangepassten
Bekenntnisse Intellektueller Zunft Allenthalben Unterdrücken
Bei Interessenskonflikten Zählen Auch Untergriffe
Bier Ist Zum Abrauschen Ungeeignet
Brenn Irdische Zwetschken Aus Uberzeugung
Buchen Immer - Zirben Auch Unumgänglich
Bregenz Ist Zentrum Aber Ungemütlich
Bloß Immer Zeitig Aufstehen - Unbedingt
Und wenn um 22:00 Uhr bereits alles dicht gemacht hat, kann niemand so dicht sein, nicht früh am Morgen aufstehen zu können.
Bin übrigens als junger Dichter aus Tirol angekündigt worden. Das freut mich natürlich. Dieses Label hab ich seit 25 Jahren und ich fürchte mich schon vor dem Tag, an dem ich plötzlich ein alter Tiroler Dichter bin. Denn eine Übergangsphase gibt es hier glaub ich genauso wenig wie bei den Jahreszeiten - gerade noch voll die Hitze und dann Zack - Herbst und kalt. Gerade noch der junge Dichter und dann Zack - alt und bald kalt. Ich glaub, das Arbeiterkind ist gut geeignet, mich noch eine Zeit lang jung zu halten. Danke Bizau!
Freitag, 10. Juli 2026
Unterfalkenretzbachstein liest uns weiter
In Unterretzbach enterten wie die Open-Air-Bühne nach einer Big-Band, die Jazz-Standards ebenso spielte, wie vertraute Melodien aus Funk- und Fernsehen. Wie lange habe ich die Autofahrer-unterwegs Kennmelodie nicht mehr gehört... aber sofort erkannt. Die Bühne ist groß, das Publikum weit weg, aber zahlreich vorhanden. Das Wetter ist sommerlich, die Stimmung freundlich, die Aufmerksamkeit voll gegeben. Der ausrichtende Kulturverein hat da ein tolles Festival auf die Beine gestellt. Am Vorabend spielten u. a. Attwenger, nach uns - dann im Vereinslokal REKURA (Retzer Kulturraum) - gibt es noch Trixi Neundlinger zu erleben. Grund genug, ein REKURA-Akrostichon zu verfassen. Es war Teil des Jaschke-Programms und soll hier nachgelesen werden können.
REKURA
Retzer*innen erleben
Kunst und richtige Autor*innen
Recht eindrücklich
komponierte Ur-Sonate rettet Auftakt
Redselige
Einheimische kuratieren Umtrunk reichlich ausgewogen
Roter Essig kann
unglaublich resch abgehen
Rentner*innen
erobern Küche und ramponieren alles
Redlicher Erfolg
kürt ungewöhnlich radikalen Auftritt
Rührend, expressiv,
kühn und regelrecht ausgelassen
Richtungsweisende
Eindrücke komprimiert und recht aufrichtig
Reinigend,
erfrischend, konzeptionell umfänglich, rechtfertigt Applaus
Um nach Falkenstein zu kommen, mussten wir bis Staatz mit dem Zug fahren und dann von Fritz abgeholt werden. Weil Staatz quasi an der Staatsgrenze und Tschechien ganz nah liegt. Auf der Staatzer Kalksteinklippe steht ebenso wie in Falkenstein und in Mikulov eine Burgruine. Die sind ganz hübsch anzuschauen und leicht zu erklimmen, also die Hügel, nicht die Burgzinnen. Wir wandern also vor dem Auftritt durchs Gebüsch Richtung Burg und bereuen es nicht. Tolle Aussicht, tolle Bäume, voll das Abenteuerfeeling. Das Wetter spielt auch mit. Erst sonnig, dann ein Regenguss zur Abkühlung und kurz vor Auftrittsbeginn dann wieder heiter. Das lässt das Publikum zu Kunst im Stadel strömen. "Kunst im Stadel" wird von Gabriela Waberer und Fritz Herzog betrieben und hat sich als perfekte Location erwiesen. Wir danken euch dafür!
Donnerstag, 5. März 2026
Zur Kunst kommen
Dieses Verhältnis lief ganz ausgezeichnet: Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko; Dann war mal gut, die Welt hatte schließlich auch was zu bieten: Industrielle Revolution, da war vorerst mal gut mit Kunst. Dann aber wurde die Kunst-Kirche-Affäre wiederbelebt mit Klassizismus und Neo-Alles-was-schon-mal-da-war. Dann wieder Welt - diesmal Kriege - und eh wurden in den 1950er und 60er Jahren auch ein paar neue Kirchen gebaut, aber an sich war die moderne Kunst dieser Zeit ein rotes Tuch für die Kirche (erst sprichwörtlich und dann - mit Nitsch - konkret). Und nun - Anno 2026 - das!
Es ist Fastenzeit und Innsbrucks Kirchen leisten sich Altarverhüllungen ganz besonderer, moderner Art. Fastentücher dienen dazu, das Vertraute zu verdecken und den Blick auf Neues zu lenken. Sie wurden auch Hungertücher genannt und waren anfangs meinst schlicht, entwichelten sich aber zunehmend zu einer Kunstform. Die Fastentücher, mit denen sieben Kirchen in Innsbruck jetzt aufwarten, sind ein Crashkurs in zeitgenössischer Bildender Kunst und das alles frei zugänglich.Zur Kunst und in die Kirche gehen (Teil 1)
"Spuren des Feuers" von Jakob Kirchmayr im St. Jakobs Dom ist eine geraffte, geschliffene, geschundene Wucht mit Gucklöchern. Barocker Glanz trifft auf evidentes Elend, auf künstlich geschaffenes Elend zwar, aber eindrücklich vermittelt - gezielt herbeigeführte Verelendung. Wer da nicht den Bezug zur Gegenwart herstellen kann, dem (ja, bewusst nur männlich gegendert) ist nicht zu helfen. Der Dom sprotzt ohnehin vor Kunst: Illusionsmalerei da und dort, ein Boden, der dich einsaugt und Orgelpfeifen, die dich umblasen. Aber Kirchmayr setzt noch eins drauf, er hängt dem Altar einen Fetzen an, der uns alle nachhaltig berauscht.
Für Prunk stehen die Jesuiten nicht - für Bildung schon eher. Dass "Blababels" von Ronald Kodritsch das nichtssagende Altarbild der Jesuitenkirche zudecken, ist stimmig. Dem Schwarz-Weiß-Raum tut das Pink gut. Das Bild des "Bad Painters" verträgt sich mit dem Neue-Sachlichkeit-Barock-Gemisch. Die Message liegt auch auf der Hand. Sprechblasen sind - da brauchen sie gar nicht erst gefüllt werden - sprechend genug. Oder, um es mit einem großen Präsidenten und Rhetoriker zu sagen: I have all the words. I have the best words.
Zur Kunst und in die Kirche gehen (Teil 3)
Flieger reich mir den Himmel.
Piloten ist nichts verboten.
Spann deine Schwingen - Ikarus-Spinner.
Breit deine Flügel aus - Armleuchter.
Geh steil! Flieg o (Flieg ab)!
Flieger tauch ein ins Blau.
Flieger sind auch nur Schwimmer im Himmelsmeer.
Flieg er - ist auch Imperativ Singular, dritte Person.
Wer einen Flieger hat, ist blau.
Flieger kreuz das Himmelsblau.
Thomas macht den Feuerstein.
Thomas glaubt nicht alles.
Feuerstein entflammt.
Thomas Feuerstein gelingt es mit "Planetares Blau", die Pfarrkirche St. Nikolaus zu einer Attraktion zu machen. Ein ausrangiertes Segelflugzeug aus den 1960er Jahren kriegt ein aus Kieselalgen produziertes, ultramarinblaues XXL-Stoffhoserl und bäumt sich auf, erhebt sich, färht in den Himmel ein. Die Baselitz-Hängung wäre ein höllischer Sturzflug. Feuerstein macht alles richtig und lockt die Menschen an.
Montag, 2. Februar 2026
Leberpastete mir gut
Altaussee begrüßte mich mit Sonnenschein. Schnee ist nicht sehr viel. Die Ablenkungsgefahr - Wintersport zu betreiben - also nicht sehr groß. Die Wohnung mit Seeblick (das Foto oben ist von der Küche, das unten vom Wintergarten aus fotografiert) ist gemütlich und perfekt ausgestattet. Die äußeren Bedingungen sind also ausgezeichnet. Jetzt liegt es nur noch an mir. Heute ist erstmal Lebensmittelbeschaffung (Grimming Erdäpfel, Monschein Leberpastete vom Bio-Freilandschwein) und Groborientierung angesagt und am Abend werd ich wohl ein Wirtshaus aufsuchen. Morgen dann mit frischem Schwung rein ins Schreibvergnügen. Juhui - ich freu mich!
Dienstag, 9. Dezember 2025
Putin kommt - ich gehe
Putin besucht Kollegen Modi in Delhi, ich trete meine Heimreise an. 22 Stunden, die es in sich hatten, aber angekommen bin ich letztlich pünktlich, mein Koffer auch. Zwischendurch gab es Panik- und Freudenmomente, 22 Stunden Spannung. Jetzt, aus sicherer Entfernung noch ein paar Nachträge.
Ad Touri-Tour in Delhi: Aus der Rikscha seh ich kaum raus. Der Dachvorsprung ist mein Sichtfeld. Ich muss mich sehr bücken. Dann aber sehe ich einen Wachmann, der am Boden vor dem zu bewachenden Bankomat liegt. Sehe Randsteine-Schwarz-Weiß-Bepinsler, sehe am Straßenrand Pinkler, sehe Tuk-Tuks, E-Bike-Rikschas und all den anderen Verkehr an uns vorbei rauschen. Sehe Modi von Bussen und Wänden auf alles schauend. Und ich spüre, was ein Schlagloch für eine Rikscha bedeutet. Und ich sehe das am meisten missachtete Verkehrszeichen ganz Indiens: "No honking zone".
Unser Driver hört Musik. India-Happy-Music. Die Stimme hochgepitcht, dann wieder ergreifendes Gesumme, helle Trommeln, dumpfe auch, dazu Sithar Gezupfe, ein besänftigender Chor und ein catchy Refrain, fröhliche Flötenintermezzi, Streicher - das volle Programm. Ja, nach dem Chorpart ist alles wieder gut und die indische Harfe hat ihr Solo. Nice.
Ad Long Night of Literatures New Delhi: Die Eröffnung. Große Bühne, große Show. Auftakt mit vorproduzierten Videos aller 14 Poet*innen. Licht aus - los geht’s. Wir sehen den Desktop des Technikers auf der Riesenleinwand. Wir sehen, wie er ein Video-File von einem Datenträger auf den Desktop kopiert. Wir ahnen, was passieren wird. Es beginnt mal alles wie geplant. Dann ist erst der Ton weg, dann die Videos. Es erscheint der Festival-Design-Hintergrund und dann sehen wir wieder die App-Vorlieben des Haustechnikers und wie er verzweifelt versucht, neue Dinge zu kopieren und zu starten. Es wird ihm nicht gelingen. Die im Vorfeld an die Autor*innen gestellten Fragen bleiben unbeantwortet. Was lernen wir daraus? Immer den Desktop gut aufräumen oder eben rechtzeitig Dinge vorbereiten und testen.
Ad Dabolim: Sehr kleinlich sind sie im Hotel Argo by Trance. Es gibt eine Liste, was man alles kaputt machen oder mitgehen lassen kann und was das dann kostet. Vom Seifenhalter über die Obstschale, Badetücher, Handtücher, Fernseher (da war kein Fixbetrag angegeben), Kissenbezug, Matratze, Wasserflasche. Alles nicht sehr teuer außer die Matratze. Aber der Wäscheservice wäre billig gewesen. 70 Rupien pro Shirt. 80 für eine Hose. Für 50 hätte ich auch eine Wasserflasche vom Balkon Richtung Brunnen werfen können.
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| Überraschung - Weihnachten ist hier big! |
Die immer wieder kurzen Stromausfälle in den Strandbars sind vor allem Beim Karaoke lustig. Es sind schöne Momente der blitzartig eintretenden Stille, gefolgt von einer Unruhe, Gemurmel, aktivierten Handytaschenlampen und dann wieder den diversen Hochfahrgeräuschen von allen möglichen elektrischen und elektronischen Geräten.
Generell: Wie hier noch mit Pickel und nicht Schaufel sondern Schaffel, also Schüssel gearbeitet wird, macht mich fertig. So wie wir vor circa 40 Jahren die Verbindung zum Kanal am Ende unseres Grundstückes gegraben haben - nur wir mit Pickel, Gartenhaue und Schaufel. Das war dann das Ende des Surelers, des Bauern, der immer mit seinem Surbansen zu uns kam, um das angesammelte Abwasser und mehr aus der Sickergrube abzusaugen. Ach, es war so schön, die alte Scheiße nochmal zu sehen und ihr dann eine gute Reise zu wünschen. Mit dem Kanal ging alles den Bach runter und blieb nicht mehr in der Grube unter uns.
Donnerstag, 4. Dezember 2025
Indien-Resümee mit diversen Fokussen
Hab mir weder Kopf noch zehen blutig gestoßen, keine Blasen eingehandelt und hab auch tadellos alles verdaut. Freilich stand der Hintern gelegentlich in Flamme, auch spuckte ich bisweilen Feuer, aber auch da muss ich sagen, wäre dem nicht so gewesen, es hätte was gefehlt. Die Reiseapotheke bringe ich unangetastet zurück. Nicht mal den Obstler hab ich ausgesoffen.
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| Die Promenade ist auch Yogalehrpfad |
Die Locals sind ULTRAS, trinken Starkbier. Die alten Engländer natürlich Premium. Das ist nicht Light Beer - so ist Bier! So ist mir.
Glücksspielkreuzritter auf dem Mandovi
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| Ein starker Rücken kann viel Huckepack nehmen |
Es gibt eine lange Promenade vom Stadtzentrum dem Flussauslauf entlang Richtung Meer. Da lässt sich wunderbar flanieren, nur nichts konsumieren: Alkoholverbot! Auch wenn man nur ein Limesoda möchte, muss man ab von der Promenade und sich was suchen. Das ist mir dann doch ein bisschen zu konsumfeindlich.
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| Big Daddy wirbt mit "Dream Big" und zeigt einen Schachbauern, der König werden will |
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| Fast wie daheim: Kreuz, Kirche, Mariamuttergottes! |
Mittwoch, 3. Dezember 2025
Recte Bananis est
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| Fotokontrastprogramm zur Erzählung |
Ob das jetzt eine Banane aus Kolkata, Delhi oder Dabolim war, lässt sich nicht mehr feststellen. Den Rucksack aber kann ich vergessen. Ich hatte ihn schon fast fertiggepackt, da umschwirrten mich auffallend viele Fliegen und es stach mir dann doch mal ärger in die Nase. Das Übel war schnell gefunden und ich dachte anfangs noch an Schadensbegrenzung und holte das neue Lebewesen - die Schimmelane, den Banschimmel - mit Hilfe von Toilettenpapier aus seinem Habitat und da reckte es mich so richtig. Der Magen pumpte, der Schweiß auf der Stirn war sofort zur Stelle, ich eilte zur Klomuschel und kniete kurz davor. Der Magen kam wieder zur Ruhe, ich nahm wahr, dass ich nun der Klomuschel doch näher war, als man das sonst so - mit dem Kopf - ist und erholte mich langsam wieder.
Nichts passiert. Der Rucksack aber bleibt hier. Mit Ehrgeiz und Chemie kann man ihn sicher noch retten. Dazu fehlen mir hier die Mittel. Letzter Tag in Colva. Doch noch ein kleines Abenteuer - wieder aus dem Bereich der Natur und ihrerer Vielfalt - erlebt. Weiter geht's.
Dienstag, 2. Dezember 2025
Strandschauspiele
Ja, viel Überlebenskampf hier am Strand. Fühlte mich wie in eine Universum-Folge "Strandleben am Indischen Ozean" hineinversetzt. Mehr davon bitte! Ebbe und Flut verschieben sich übrigens täglich bis zu mehreren Stunden. Heute war zum Beispiel um 7 Maximalstand und wird der Strand gegen
14 Uhr am weitesten sein.
Mit nicht weniger Erstaunen schaue ich zum Beispiel aber auch auf den Bus, der im Rückfenster in der Mitte ein Neonröhren-Kreuz mit Dornenkronenhaupt dahinter und links und rechts Neonröhren-Kerzen hat, alles natürlich festlich beleuchtet. Fühlt man sich in diesem Bus wohl? An dein Seitenfenster auch noch ein paar Kreuze und anderes Katholenzeugs. Nein, das ist kein Leichenwagen sondern ein Linienbus in Goa. Eh sind die Busse lebensgefährlich unterwegs, aber die farbenfrohen Hindu-Busse in Kolkata waren mir lieber als die Katholen-Busse in Goa. Auch sind gelb-orange Blumenketten schmucker als Rosenkränze, die die Rosen ja nur im Namen haben, aber aus schnöden Holzperlen bestehen.
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| Superminikrabbenmuster mit Fahrradspur |
Dass ich alles immer "plain" will, irritiert. Zucker zieh ich mir aus Bier, kann ich schlecht antworten. Hab ich jetzt aber - wo das Angebot da wäre - auch nicht wirklich gemacht. Ein Natur-, Wellness-, Kulinarik- und Schreibaufenthalt also.
Sonntag, 30. November 2025
Bauchfleisch und Kraulfinger
Ich schaue englischen Bierbäuchen beim Rotwerden zu.
Ich schaue auf Blumen, die ich nicht zu benennen weiß, sie sind dunkel-pink, so, als ob englisches Bauchfleisch den ganzen Tag ungewendet in der Sonne gebrutzelt hätte.
Ich schaue auf Palmen, deren Stämme wie aus Beton gegossen ausschauen, aus denen aber dann plötzlich das Grün aus dem Grau explodiert.
Ich schaue einem neuen, fitten Gast zu, wie er sehr beeindruckend eine Länge krault, eine zweite, dann kracht er in seinem Überschwang mit dem Schädel auf den Beckenrand, weil er nicht sah, dss der Pool eben nicht infinit ist. Das Blut schießt nicht gleich aus seiner Platzwunde, es hat den Anstand zu warten, bis der perplexe Sportsmann mit Hand am Aua den so gottlob nicht besudelten Pool verlässt. Dann aber ist es sofort zur Stelle und saftelt durch die kräftigen Kraulfinger. Anfängerpech.
Willkommen im Skylark Resort. Übermut ist hier nicht angesagt, Übergewicht schon eher. Das war's wohl für den Kraulmeister mit dem Schwimmen im Pool. Jetzt gehört er wieder der alten, zähen, englischen Lady und mir. Sie schwimmt langsam aber lange. Wir haben das interne Match längst begonnen. Wir verständigen uns über einzelne, wertschätzende Blicke. Wir verstehen uns. Wir mögen uns. Beim heutigen Sonntagsfrühstück haben wir uns sogar begrüßt. Alle andern schwimmen nicht, die tümpeln nur rum und wenden ihr Bauchfleisch.
Ich schaue auf Krähen, die sich was von mir erwarten und mehr röcheln als krähen. Skylark Resort - ich ein Vogel unter vielen.

























