Freitag, 10. Juli 2026

Unterfalkenretzbachstein liest uns weiter

Wir machen eine Mini-Tour durchs Weinviertel. Wir machen mit "Lies uns weiter" quasi Weinviertel-Stationenlesetheater. Wir sind Mieze Medusa, Wolfgang Kühn und ich. Wir haben Texte von Ilse Tielsch, Norbert Silberbauer und Gerhard Jaschke im Gepäck. Alle haben was mit der Region zu tun. Wir wollen das in Erinnerung rufen und haben das bereits in Unterretzbach und Falkenstein höchst erfolgreich gemacht. Pillersdorf wird die letzte Station sein. Wir freuen uns.

In Unterretzbach enterten wie die Open-Air-Bühne nach einer Big-Band, die Jazz-Standards ebenso spielte, wie vertraute Melodien aus Funk- und Fernsehen. Wie lange habe ich die Autofahrer-unterwegs Kennmelodie nicht mehr gehört... aber sofort erkannt. Die Bühne ist groß, das Publikum weit weg, aber zahlreich vorhanden. Das Wetter ist sommerlich, die Stimmung freundlich, die Aufmerksamkeit voll gegeben. Der ausrichtende Kulturverein hat da ein tolles Festival auf die Beine gestellt. Am Vorabend spielten u. a. Attwenger, nach uns - dann im Vereinslokal REKURA (Retzer Kulturraum) - gibt es noch Trixi Neundlinger zu erleben. Grund genug, ein REKURA-Akrostichon zu verfassen. Es war Teil des Jaschke-Programms und soll hier nachgelesen werden können.

REKURA 
Retzer*innen erleben Kunst und richtige Autor*innen 
Recht eindrücklich komponierte Ur-Sonate rettet Auftakt
Redselige Einheimische kuratieren Umtrunk reichlich ausgewogen 
Roter Essig kann unglaublich resch abgehen 
Rentner*innen erobern Küche und ramponieren alles
Redlicher Erfolg kürt ungewöhnlich radikalen Auftritt 
Rührend, expressiv, kühn und regelrecht ausgelassen 
Richtungsweisende Eindrücke komprimiert und recht aufrichtig 
Reinigend, erfrischend, konzeptionell umfänglich, rechtfertigt Applaus

Der Applaus folgte, der Bücherverkauf florierte und wir kamen problemlos noch nach Wien zurück. Wir werden Unterretzbach - auch aufgrund der legendären Freibord-Sommerfeste - immer in guter Erinnerung behalten.  

Um nach Falkenstein zu kommen, mussten wir bis Staatz mit dem Zug fahren und dann von Fritz abgeholt werden. Weil Staatz quasi an der Staatsgrenze und Tschechien ganz nah liegt. Auf der Staatzer Kalksteinklippe steht ebenso wie in Falkenstein und in Mikulov eine Burgruine. Die sind ganz hübsch anzuschauen und leicht zu erklimmen, also die Hügel, nicht die Burgzinnen. Wir wandern also vor dem Auftritt durchs Gebüsch Richtung Burg und bereuen es nicht. Tolle Aussicht, tolle Bäume, voll das Abenteuerfeeling. Das Wetter spielt auch mit. Erst sonnig, dann ein Regenguss zur Abkühlung und kurz vor Auftrittsbeginn dann wieder heiter. Das lässt das Publikum zu Kunst im Stadel strömen. "Kunst im Stadel" wird von Gabriela Waberer und Fritz Herzog betrieben und hat sich als perfekte Location erwiesen. Wir danken euch dafür! 

 

Donnerstag, 5. März 2026

Zur Kunst kommen

Früher hat die Kirche schon gewusst, dass es auch auf die Location ankommt - nicht nur auf das Programm. Das Programm läuft - in unterschiedlichen regionalen Varianten - schon seit über 2000 Jahren. Lange wirkten die in den Evangelien beschriebenen Wunder, dann half die Architektur und schließlich die Inneneinrichtung nach (Liturgie, Chöre und Orgelmusik nachtürlich nicht zu vergessen). Die Kunst gab der Kirche also über Jahrhunderte hinweg Nachhilfeunterricht (in Sachen Bezauberung der Massen) und wurde gut dafür bezahlt. 

Dieses Verhältnis lief ganz ausgezeichnet: Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko; Dann war mal gut, die Welt hatte schließlich auch was zu bieten: Industrielle Revolution, da war vorerst mal gut mit Kunst. Dann aber wurde die Kunst-Kirche-Affäre wiederbelebt mit Klassizismus und Neo-Alles-was-schon-mal-da-war. Dann wieder Welt - diesmal Kriege - und eh wurden in den 1950er und 60er Jahren auch ein paar neue Kirchen gebaut, aber an sich war die moderne Kunst dieser Zeit ein rotes Tuch für die Kirche (erst sprichwörtlich und dann - mit Nitsch - konkret). Und nun - Anno 2026 - das!

Es ist Fastenzeit und Innsbrucks Kirchen leisten sich Altarverhüllungen ganz besonderer, moderner Art. Fastentücher dienen dazu, das Vertraute zu verdecken und den Blick auf Neues zu lenken. Sie wurden auch Hungertücher genannt und waren anfangs meinst schlicht, entwichelten sich aber zunehmend zu einer Kunstform. Die Fastentücher, mit denen sieben Kirchen in Innsbruck jetzt aufwarten, sind ein Crashkurs in zeitgenössischer Bildender Kunst und das alles frei zugänglich.  

Zur Kunst und in die Kirche gehen (Teil 1)
"Spuren des Feuers" von Jakob Kirchmayr im St. Jakobs Dom ist eine geraffte, geschliffene, geschundene Wucht mit Gucklöchern. Barocker Glanz trifft auf evidentes Elend, auf künstlich geschaffenes Elend zwar, aber eindrücklich vermittelt - gezielt herbeigeführte Verelendung. Wer da nicht den Bezug zur Gegenwart herstellen kann, dem (ja, bewusst nur männlich gegendert) ist nicht zu helfen. Der Dom sprotzt ohnehin vor Kunst: Illusionsmalerei da und dort, ein Boden, der dich einsaugt und Orgelpfeifen, die dich umblasen. Aber Kirchmayr setzt noch eins drauf, er hängt dem Altar einen Fetzen an, der uns alle nachhaltig berauscht.

Zur Kunst und in die Kirche gehen (Teil 2)
Für Prunk stehen die Jesuiten nicht - für Bildung schon eher. Dass "Blababels" von Ronald Kodritsch das nichtssagende Altarbild der Jesuitenkirche zudecken, ist stimmig. Dem Schwarz-Weiß-Raum tut das Pink gut. Das Bild des "Bad Painters" verträgt sich mit dem Neue-Sachlichkeit-Barock-Gemisch. Die Message liegt auch auf der Hand. Sprechblasen sind - da brauchen sie gar nicht erst gefüllt werden - sprechend genug. Oder, um es mit einem großen Präsidenten und Rhetoriker zu sagen: I have all the words. I have the best words.

Zur Kunst und in die Kirche gehen (Teil 3)
Flieger reich mir den Himmel. 
Piloten ist nichts verboten. 
Spann deine Schwingen - Ikarus-Spinner. 
Breit deine Flügel aus - Armleuchter. 
Geh steil! Flieg o (Flieg ab)! 
Flieger tauch ein ins Blau. 
Flieger sind auch nur Schwimmer im Himmelsmeer. 
Flieg er - ist auch Imperativ Singular, dritte Person. 
Wer einen Flieger hat, ist blau. 
Flieger kreuz das Himmelsblau.
Thomas macht den Feuerstein.
Thomas glaubt nicht alles.
Feuerstein entflammt.



Thomas Feuerstein gelingt es mit "Planetares Blau", die Pfarrkirche St. Nikolaus zu einer Attraktion zu machen. Ein ausrangiertes Segelflugzeug aus den 1960er Jahren kriegt ein aus Kieselalgen produziertes, ultramarinblaues XXL-Stoffhoserl und bäumt sich auf, erhebt sich, färht in den Himmel ein. Die Baselitz-Hängung wäre ein höllischer Sturzflug. Feuerstein macht alles richtig und lockt die Menschen an.

Montag, 2. Februar 2026

Leberpastete mir gut

Schreibzeit in Altaussee. Der elendslange Jänner ist vorbei, nun kann ich in aktuelle Projekte abtauchen und schreiben, schreiben, schreiben. In Arbeit sind grad drei Dinge: Eine Indiengeschichte - nennen wir sie "Ö-Masala im Nebel"; das "Arbeiterkind" - wird im Herbst im Ritter-Verlag erscheinen; ein neuer Roman, der vorerst mal den Arbeitstitel "Tunnelblick" erhält und gewissermaßen eine Fortsetzung von "Das Dorf ist wie das Internet, es vergisst nichts" ist.

Altaussee begrüßte mich mit Sonnenschein. Schnee ist nicht sehr viel. Die Ablenkungsgefahr - Wintersport zu betreiben - also nicht sehr groß. Die Wohnung mit Seeblick (das Foto oben ist von der Küche, das unten vom Wintergarten aus fotografiert) ist gemütlich und perfekt ausgestattet. Die äußeren Bedingungen sind also ausgezeichnet. Jetzt liegt es nur noch an mir. Heute ist erstmal Lebensmittelbeschaffung (Grimming Erdäpfel, Monschein Leberpastete vom Bio-Freilandschwein) und Groborientierung angesagt und am Abend werd ich wohl ein Wirtshaus aufsuchen. Morgen dann mit frischem Schwung rein ins Schreibvergnügen. Juhui - ich freu mich!


 


 

Dienstag, 9. Dezember 2025

Putin kommt - ich gehe

Putin besucht Kollegen Modi in Delhi, ich trete meine Heimreise an. 22 Stunden, die es in sich hatten, aber angekommen bin ich letztlich pünktlich, mein Koffer auch. Zwischendurch gab es Panik- und Freudenmomente, 22 Stunden Spannung. Jetzt, aus sicherer Entfernung noch ein paar Nachträge.
Ad Touri-Tour in Delhi: Aus der Rikscha seh ich kaum raus. Der Dachvorsprung ist mein Sichtfeld. Ich muss mich sehr bücken. Dann aber sehe ich einen Wachmann, der am Boden vor dem zu bewachenden Bankomat liegt. Sehe Randsteine-Schwarz-Weiß-Bepinsler, sehe am Straßenrand Pinkler, sehe Tuk-Tuks, E-Bike-Rikschas und all den anderen Verkehr an uns vorbei rauschen. Sehe Modi von Bussen und Wänden auf alles schauend. Und ich spüre, was ein Schlagloch für eine Rikscha bedeutet. Und ich sehe das am meisten missachtete Verkehrszeichen ganz Indiens: "No honking zone".

Unser Driver hört Musik. India-Happy-Music. Die Stimme hochgepitcht, dann wieder ergreifendes Gesumme, helle Trommeln, dumpfe auch, dazu Sithar Gezupfe, ein besänftigender Chor und ein catchy Refrain, fröhliche Flötenintermezzi, Streicher - das volle Programm. Ja, nach dem Chorpart ist alles wieder gut und die indische Harfe hat ihr Solo. Nice.

Ad Long Night of Literatures New Delhi: Die Eröffnung. Große Bühne, große Show. Auftakt mit vorproduzierten Videos aller 14 Poet*innen. Licht aus - los geht’s. Wir sehen den Desktop des Technikers auf der Riesenleinwand. Wir sehen, wie er ein Video-File von einem Datenträger auf den Desktop kopiert. Wir ahnen, was passieren wird. Es beginnt mal alles wie geplant. Dann ist erst der Ton weg, dann die Videos. Es erscheint der Festival-Design-Hintergrund und dann sehen wir wieder die App-Vorlieben des Haustechnikers und wie er verzweifelt versucht, neue Dinge zu kopieren und zu starten. Es wird ihm nicht gelingen. Die im Vorfeld an die Autor*innen gestellten Fragen bleiben unbeantwortet. Was lernen wir daraus? Immer den Desktop gut aufräumen oder eben rechtzeitig Dinge vorbereiten und testen.

Ad Dabolim: Sehr kleinlich sind sie im Hotel Argo by Trance. Es gibt eine Liste, was man alles kaputt machen oder mitgehen lassen kann und was das dann kostet. Vom Seifenhalter über die Obstschale, Badetücher, Handtücher, Fernseher (da war kein Fixbetrag angegeben), Kissenbezug, Matratze, Wasserflasche. Alles nicht sehr teuer außer die Matratze. Aber der Wäscheservice wäre billig gewesen. 70 Rupien pro Shirt. 80 für eine Hose. Für 50 hätte ich auch eine Wasserflasche vom Balkon Richtung Brunnen werfen können.

Überraschung - Weihnachten ist hier big!
Ad Goa: Hier hält man noch nichts von Helmen - anders in den Städten.
Die immer wieder kurzen Stromausfälle in den Strandbars sind vor allem Beim Karaoke lustig. Es sind schöne Momente der blitzartig eintretenden Stille, gefolgt von einer Unruhe, Gemurmel, aktivierten Handytaschenlampen und dann wieder den diversen Hochfahrgeräuschen von allen möglichen elektrischen und elektronischen Geräten.

Generell: Wie hier noch mit Pickel und nicht Schaufel sondern Schaffel, also Schüssel gearbeitet wird, macht mich fertig. So wie wir vor circa 40 Jahren die Verbindung zum Kanal am Ende unseres Grundstückes gegraben haben - nur wir mit Pickel, Gartenhaue und Schaufel. Das war dann das Ende des Surelers, des Bauern, der immer mit seinem Surbansen zu uns kam, um das angesammelte Abwasser und mehr aus der Sickergrube abzusaugen. Ach, es war so schön, die alte Scheiße nochmal zu sehen und ihr dann eine gute Reise zu wünschen. Mit dem Kanal ging alles den Bach runter und blieb nicht mehr in der Grube unter uns.

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Indien-Resümee mit diversen Fokussen

Nicht ein Hund ist mir blöd, knurrend oder kläffend gekommen. Bin weder in Hunde- noch Kuhscheiße getreten. Die Affenbanden haben mich verschont. Habe nicht eine Kakerlake gesehen, dafür letztlich doch sehr viele Kühe (Sie halten sich nicht an den Linksverkehr!), viele Streifenhörnchen, kaum Katzen, unzählige Muscheln, Krabben in den Größen Supermini (mit Erdlöchern und Mustern im Sand), Mini (mit Kampfeinsatz), Klein und Mittel (im Curry), Vögel auch richtig große, Schmetterlinge auch, keine ernst zu nehmenden Spinnen, Ratten vermutlich schon (in Kolkata) aber auch nicht der Rede wert. 
Hab mir weder Kopf noch zehen blutig gestoßen, keine Blasen eingehandelt und hab auch tadellos alles verdaut. Freilich stand der Hintern gelegentlich in Flamme, auch spuckte ich bisweilen Feuer, aber auch da muss ich sagen, wäre dem nicht so gewesen, es hätte was gefehlt. Die Reiseapotheke bringe ich unangetastet zurück. Nicht mal den Obstler hab ich ausgesoffen.  
 

Die Promenade ist auch Yogalehrpfad
Das Roof-Top-Bar-Konzept in Colva hat mir sehr gefallen. Da habe ich recht viel geschrieben.  Auf die Straße runter schauen, das Geschehen im Blick haben und schreiben. Diese Roof-Top-Bar erinnert an Vietnam-Kriegs-Filme, es ist so ein typischer Kamerablick von diesen Sitzplätzen - mit dem Rücken zur Bar aber dem Geschehen zugewandt. In den Filmen ging es in den Bars dann immer um Glücksspiel, Saufen und Drogen. Hier ist es Saufen und Sportübertragungen. Sie zeigen Premier-League-Spiele. Es schüttet. Alle am Spielfeld tragen Handschuhe und langes Zeug und laufen dem Ball hinterher, damit ihnen warm wird. Die im Publikum und auf der Bank sind in dicke Mäntel mit Kapuze gehüllt und schauen finster auf das Geschehen. Ist das noch ein Spiel oder schon erster Dezember? Wann lassen sich die Fußballer eigentlich all diese Tattoos stechen? Tut das nicht weh, stört das nicht beim Training? Ich verstehe Fußball offenbar nicht. Bleibt nur noch das Trinken über. 
Die Locals sind ULTRAS, trinken Starkbier. Die alten Engländer natürlich Premium. Das ist nicht Light Beer - so ist Bier! So ist mir. 

Glücksspielkreuzritter auf dem Mandovi

Ein starker Rücken kann viel 
Huckepack nehmen
Zum Abschluss nochmal die volle Ladung von allem. Panaji ist das Las Vegas von Goa. Von den 36 Regionen Indiens ist Goa die libaralste. Hier ist Glücksspiel erlaubt. Es wird an den Straßen auch fast ausschließlich dafür geworben. Dazwischen ein paar Einzelunternehmer mit Weisheiten wie: Poor people sav money. Middle class people invest money. Rich people trade money. Was Glücksspiel ist? Investment? Ich glaube nicht. It's just gambling. Aber vielleicht haben Kartenspiele wie Sportwetten da und dort Geschicklichkeits- und nicht Glücksspielstatus - dann schaut die Sache schon wieder ganz anders aus. Über das Glücksspielrecht in Indien mag ich mich nicht weiter informieren, das lässt sich alles googeln. Auffälig hier ist aber, dass die Casions auf geparkten Kreuzfahrtschiffen eingerichtet sind, die in Panaji unweit der großen Schrägseilbrücke (Atal Setu) fix im Mandovi verankert sind und nächtens eine irre Lichtshow abliefern und die Umgebung weitum lichtverstrahlen mit Lasern und allem drum und dran. Ist mir bei der Ankunft in Goa vor circa 10 Tagen schon aufgefallen. Mag ich nicht, brauch ich nicht, pfui.

Es gibt eine lange Promenade vom Stadtzentrum dem Flussauslauf entlang Richtung Meer. Da lässt sich wunderbar flanieren, nur nichts konsumieren: Alkoholverbot! Auch wenn man nur ein Limesoda möchte, muss man ab von der Promenade und sich was suchen. Das ist mir dann doch ein bisschen zu konsumfeindlich. 

Big Daddy wirbt mit "Dream Big" und zeigt einen 
Schachbauern, der König werden will
Auch in der Stadt lässt sich kaum ein Platz finden, wo man gemüchtlich das Feierabendbierchen trinken könnte. Alle stehen vor den zahlreichen Schnapsläden rum und lassen sich Hochprozentiges einpacken, das sie dann weiß was ich wo, in Kellern oder Hinterzimmern schlucken. Aber öffentlich schön brav heuchlerisch. Die Laster werden konzentriert auf ausgemusterten Kreuzfahrtschiffen. Mit kleinen Booten werden die Glücksspielkreuzritter hin und her transportiert. Sie ziehen erwartungsvoll los und kommen mit leeren Taschen und voller Hucke wieder zurück.  Ja, wenn dich das Glück verlässt, muss dich der Alkohol Huckepack nehmen.

Fast wie daheim:
Kreuz, Kirche, Mariamuttergottes!
Habe mir endlich Bata-Schuhe gekauft: Sandalen für den nächsten Griechenland-Aufenthalt. Dass Bata und Indien eine besondere Geschichte verbinden muss, ahnte ich, als ich da und dort auf das mir aus Tschechien bekannte Logo stieß. Dass die Inder Bata für indisch halten, ist interessant. Dabei ist Bata so indisch wie KTM. Nur dass Bata halt schon seit 1931 in Indien produziert. Glaube nicht, das Bata sonst noch wo auf der Welt Schuhspuren hinterlassen hat, die so nachhaltig sind wie hier in Indien. Damit wäre gut die Kurve zu KTM gekratzt und ich könnte den Blog hier quasi abbremsen. Es wird aber noch ein Resümee geben müssen. Bin ja viele, viele Stunden unterwegs: Panaji - Mopa Airport, Mopa - Neu Delhi, Neu Delhi - Dubai, Dubai - Wien;

 

Mittwoch, 3. Dezember 2025

Recte Bananis est

Fotokontrastprogramm zur Erzählung
Und dann wird eine Banane zum Problem. Da habe ich wochenlang alle Schwierigkeiten gut umschifft, hab stets geschaut, dass ich Wasservorräte und eine Notfallbanane dabei hab und dann wird die Notfallbanane zum Notfall. Naja, Fällchen, Problemchen halt. Denn die hatte sich so schön eingepasst in die Rucksackaußentasche, dass ich sie nie mehr gesehen, vergessen und eben nie gegessen hab und so hat sich die Banane im Verbund mit diversen Schimmelpilzen und Tierchen ganz gut eingerichtet in meinem Rucksack und wenn ich mich jetzt nicht sechs Nächte am gleichen Ort aufgehalten hätte, wäre mir das ja auch schon viel früher aufgefallen. So aber lag der Rucksack im Kasten und der war zu. Zwar lag lange eine zarte Bananennote in meinem Zimmer, da sie aber zart war, störte sie nicht. Die vielen kleinen Schmeißfliegen hätten mir zu denken geben sollen, aber da ist mein erster Gedanke halt auch nicht Verwesung. 
Ob das jetzt eine Banane aus Kolkata, Delhi oder Dabolim war, lässt sich nicht mehr feststellen. Den Rucksack aber kann ich vergessen. Ich hatte ihn schon fast fertiggepackt, da umschwirrten mich auffallend viele Fliegen und es stach mir dann doch mal ärger in die Nase. Das Übel war schnell gefunden und ich dachte anfangs noch an Schadensbegrenzung und holte das neue Lebewesen - die Schimmelane, den Banschimmel - mit Hilfe von Toilettenpapier aus seinem Habitat und da reckte es mich so richtig. Der Magen pumpte, der Schweiß auf der Stirn war sofort zur Stelle, ich eilte zur Klomuschel und kniete kurz davor. Der Magen kam wieder zur Ruhe, ich nahm wahr, dass ich nun der Klomuschel doch näher war, als man das sonst so - mit dem Kopf - ist und erholte mich langsam wieder. 

Nichts passiert. Der Rucksack aber bleibt hier. Mit Ehrgeiz und Chemie kann man ihn sicher noch retten. Dazu fehlen mir hier die Mittel. Letzter Tag in Colva. Doch noch ein kleines Abenteuer - wieder aus dem Bereich der Natur und ihrerer Vielfalt - erlebt. Weiter geht's.   

Dienstag, 2. Dezember 2025

Strandschauspiele

Bei Sonnenuntergang schau ich den Fischern zu, wie sie die Boote durch den Sand Richtung mehr schieben und wie lange es dauert, bis sich gewassert sind und wie viele es dazu braucht. Am Morgen schau ich den Fischern zu, wie sie Qullen und anderes Zeugs aussortieren, auf einen Haufen schmeißen und wo die Quallen dann austrocknen, von Vögeln geholt werden, vom Meer? Der Strand ist gespickt mit kleinen Muscheln und Schnecken (hier auffallend viele in Füllhornform) in allen Brauntönen, weiß bis lila. Nachmittags wuseln unsichtbare Tierchen über den Sand, zeichnen Muster in diesen und verschwinden, bevor man sie je sehen könnte, in Löcher, die am nächsten Morgen wieder weg, vom Meer zugedeckt sind. Die Gezeiten sind mächtig, was da alles an Naturkraft im Gang ist, lässt mich staunen und schauen, schauen, schauen. 

Gestern hatte ich eine Art Trickfilm-Erlebnis am Strand. Da, wo das Wasser gerade noch hinreichte, beobachtete ich einen Zentimeter große Krabben beim Balgen, wie ich zuerst meinte. Bis eine der anderen einen ihrer Scherenarme abzwickte und die Verstümmelte dann eilig das Weite suchte. Es gab auch Zuschauerinnen - also ging es sicher um Rang- und Fortpflanzungsordnung. Aber es sah so süß aus, so im Trickfilm-Fast-Forward-Modus. Dann spülte das Meer mir zig Seesterne vor die Füße und ich traute mich sogar, einen aussichtslos gestrandeten ins Meer zurückzuwerfen. Die Unterseite war spürbar eine Art Muskel, der noch intakt war, kurz war ich besorgt, ob Seesterne vielleicht Superkräfte haben, die sie gegen mich verwenden könnten, mir ist aber nichts geschehen und der Seestern dürfte es auch überlebt haben. Ach, was sich da alles tut zwischen Ebbe und Flut. Wie flink sich die Krabben in den Sand eingraben, sie twerken sich da gewissermaßen Hintern voran rein und weg sind sie. Gezwickt, sanft, haben mich auch ein paar. Dann hat ein vorbeifliegender Raubvogel seine Beute verloren und ganz irritiert dem Abgefallenen nachgeschaut. Bin unkonzentriert heute, wird er sich gedacht haben. Muss aufpassen, Fehler kann ich mir nicht leisten. Eine Schlange, die lange und dich genug gewesen wäre, ovr ihr Angst zu haben, schön gemustert war sie aber auch, lag am Strand und ich hätte es nicht gewagt, ihr näher zu treten, hätte ihr nicht sichtlich ein Fressfeind den Kopf abgerissen. 
Ja, viel Überlebenskampf hier am Strand. Fühlte mich wie in eine Universum-Folge "Strandleben am Indischen Ozean" hineinversetzt. Mehr davon bitte! Ebbe und Flut verschieben sich übrigens täglich bis zu mehreren Stunden. Heute war zum Beispiel um 7 Maximalstand und wird der Strand gegen

14 Uhr am weitesten sein. 

Mit nicht weniger Erstaunen schaue ich zum Beispiel aber auch auf den Bus, der im Rückfenster in der Mitte ein Neonröhren-Kreuz mit Dornenkronenhaupt dahinter und links und rechts Neonröhren-Kerzen hat, alles natürlich festlich beleuchtet. Fühlt man sich in diesem Bus wohl? An dein Seitenfenster auch noch ein paar Kreuze und anderes Katholenzeugs. Nein, das ist kein Leichenwagen sondern ein Linienbus in Goa. Eh sind die Busse lebensgefährlich unterwegs, aber die farbenfrohen Hindu-Busse in Kolkata waren mir lieber als die Katholen-Busse in Goa. Auch sind gelb-orange Blumenketten schmucker als Rosenkränze, die die Rosen ja nur im Namen haben, aber aus schnöden Holzperlen bestehen.

Superminikrabbenmuster mit Fahrradspur
Das Skylark hat neue, indische Gäste bekommen. Links und rechts von mir. Sie sitzen im Kleidung am Pool, gehen nicht rein, haben dafür aber Laptopkonferenzen. Die Inder und Inderinnen am Meer gehen auch eher mit Kleidern ins Wasser. Trocknet eh schnell, klar. Auch die Kuhscheiße trocknet quasi im Handumdrehen und ist dann leicht einzusammeln - was definitiv wer macht. Denn gesehen hab ich noch kaum welche. Es riecht je nach Tageszeit entweder verbrannt, nach Fisch oder eben nach nichts Besonderem. Die Stechmücken sind es offenbar nicht gewöhnt, gejagt und erschlagen zu werden. Nachdem ich jetzt ein paar Nächte ihr Opfer war, hab ich heute mal das Handtuch geschwungen, da haben sie blöd geschaut, bevor sie auf der Wand klebten.  

Dass ich alles immer "plain" will, irritiert. Zucker zieh ich mir aus Bier, kann ich schlecht antworten. Hab ich jetzt aber - wo das Angebot da wäre - auch nicht wirklich gemacht. Ein Natur-, Wellness-, Kulinarik- und Schreibaufenthalt also. 

Sonntag, 30. November 2025

Bauchfleisch und Kraulfinger

 

Es gibt keine Postkarten mehr. Ich bin traurig. Hier gibt es Souvernirstände ohne Ende, aber eine Postkarte habe ich noch nirgends gesehen. Warum so eine schöne Sache aufgeben? Ich bin ein alter Mann. Die englischen Männer am Pool sind aber noch älter. Ich schwimme im Pool und schaue schwirrenden Libellen beim Paarungstanz zu. 
Ich schaue englischen Bierbäuchen beim Rotwerden zu.
Ich schaue auf Blumen, die ich nicht zu benennen weiß, sie sind dunkel-pink, so, als ob englisches Bauchfleisch den ganzen Tag ungewendet in der Sonne gebrutzelt hätte. 
Ich schaue auf Palmen, deren Stämme wie aus Beton gegossen ausschauen, aus denen aber dann plötzlich das Grün aus dem Grau explodiert. 
Ich schaue einem neuen, fitten Gast zu, wie er sehr beeindruckend eine Länge krault, eine zweite, dann kracht er in seinem Überschwang mit dem Schädel auf den Beckenrand, weil er nicht sah, dss der Pool eben nicht infinit ist. Das Blut schießt nicht gleich aus seiner Platzwunde, es hat den Anstand zu warten, bis der perplexe Sportsmann mit Hand am Aua den so gottlob nicht besudelten Pool verlässt. Dann aber ist es sofort zur Stelle und saftelt durch die kräftigen Kraulfinger. Anfängerpech. 
Willkommen im Skylark Resort. Übermut ist hier nicht angesagt, Übergewicht schon eher. Das war's wohl für den Kraulmeister mit dem Schwimmen im Pool. Jetzt gehört er wieder der alten, zähen, englischen Lady und mir. Sie schwimmt langsam aber lange. Wir haben das interne Match längst begonnen. Wir verständigen uns über einzelne, wertschätzende Blicke. Wir verstehen uns. Wir mögen uns. Beim heutigen Sonntagsfrühstück haben wir uns sogar begrüßt. Alle andern schwimmen nicht, die tümpeln nur rum und wenden ihr Bauchfleisch.
Ich schaue auf Krähen, die sich was von mir erwarten und mehr röcheln als krähen. Skylark Resort - ich ein Vogel unter vielen.

Freitag, 28. November 2025

Gefegefeuer

Schon schön, gell?
Alte Engländer, Einheimische, Russen und ich - das ist Colva. Die guten Plätze sind die, wo die alten Engländer abhängen. Die trinken abends Bier, was sie untertags schon geübt haben. Sie können es. Am Abend bin ich mit dabei. Juhui! Das Essen freilich kommt nicht zu kurz. Mit den Nelken und Zimtstangen, die hier in einm Seafood-Biryani sind, kochen wir das ganze Jahr Apfelmus. Heute hab ich meinen Seafood-Sizzler aus einer halben Ananas gefuttert. Von der Haupt- direkt zur Nachspeise, ein süßer Hochgenuss. 
Etwas befremdlich sind hingegen die Straßenrandfeuerchen am frühen Morgen. Da wird einfach das Kehrricht verbrannt und wenn etwas Plastik dabei ist, stinkt's und raucht's halt sehr. Das Meer am Morgen (Sonnenaufgangsspanziergang - um kurz vor Sieben geht sie auf, um kurz vor Sechs unter) hat sich ganz schön zurückgearbeitet ans Land. Am Nachmittag ist der Strand dann wieder breiter. Ewig lang ist er sowieso. Bin 35 Mintuen in eine Richtung gegangen - kein Ende oder nicht ganz so schöner Strand in Sicht. Wahnsinn. 
Nur anfangs verstörend sind die Kühe am Strand. Sind auf der Autobahn, im Stadtzentrum, sie sind überall, warum also nicht auch am Strand. Mir scheint, sie genießen es. Aber als ich dachte, da heult jetzt aber eine Kuh ordentlich auf, da war es dann doch ein Motorboot. 
Ein Geräusch, das einem hier immer begleitet: es fegt immer wer. Tag und Nacht wird gefegt und dann halt das Gefegte verbrannt: Gefegefeuer!
Köhle und Kuh
Vor der Bank ist rauchen und spucken verboten, vor einem Tempel in Kolkata stand: "Do not urinate and spit here". Vor die Bank darf man also an sich pieseln. Ich begrüße das. Ich sehe mit Staunen, dass hier in Goa die Kennzeichen GAO lauten. Warum auch immer. Das mit den vieeinhalb Stunden Zeitverschiebung war mir ja auch neu. Dachte immer, das ging nur stundenweise. Alles geht in Idien. Also eigentlich fährt ja alles und die Fahrt von Dabolim nach Colva war ein richtiges Erlebnis. Da sind jetzt auch die Linienbusse unterwegs, die haben Hupen, da springst du vor Schreck freilwillig einem Wasserbüffel an die Hörner. Gut, dass schlafende Polizisten hier sehr häufig eingesetzt werden (Speed breaker). Auf den Landstraßen gilt das Recht des Stärkeren. Fuhr quasi durch den Dschungl, an allen Ecken kleine Kingfisher-Standeln, die Häuser bunt und bunter, die Bäume phantastisch. Luftwurzler, Lianen, Palmen in allen Formen, eine grüne Pracht und dann auch noch die Lotusblumenfelder in stehendem Gewässer. Wild romantisch! Zuerst also die Hölle - Dabolim, jetzt das Paradies - Colva. Eines nicht ohne das Andere zu haben - gleiches Glaubenskonstrukt. Meine Goa-Reise - eine Entwicklungsgeschichte.