Freitag, 1. November 2019

Laber- statt Biberkopf in Berlin

In bester Rainald Goetz Manier loslabern aber auf den Spuren von Alfred Döblin wandern, das war mein Begehr.
Ich nützte meinen Berlin Aufenthalt, um mir den Alexanderplatz vorzuknüpfen. 90 Jahre nachdem Franz Biberkopf vom Großstadterlebnis Berlin überwältigt wurde und die Stadt mit allen Sinnen in allen Fasern wahrgenommen hatte und Alfred Döblin somit einen Klassiker der deutschen Moderen geschaffen hatte, begab ich mich per U-Bahn Richtung Alex, um aufzuschreiben, was mir unterkommt, wenn ich mich von der U-Bahnstation bis zur Weltzeituhr begebe.
155 Schritte, jede Menge Eindrücke, an sich nicht zu fassen, was einen alles umgibt. Ich konzentrierte mich auf 70 Minuten und danach war ich fertig aber glücklich.

Der Text wird dann demnächst im Musilhaus in Klagenfurt bei einem Döblin & Musil Symposion zu hören sein. Ich freu mich.

Dienstag, 8. Oktober 2019

Meat Pepo in Aich-Assach im Ennstal

Der Meat-Pepo-Poetry-Slam in Aich-Assach ist aus mehrerlei Gründen legendär. Erstens ist es das kleinste Dorf, das einen regelmäßigen Poetry Slam veranstaltet und das mittlerweile seit satten 11 Jahren. Zweitens hat der Meat-Peop-Poetry-Slam die begehrten Slömys der Kategorie "beschissenste Anreise" und "Beste After-Show-Party" eingeheimst - nicht nur einmal. Drittens ist es der einzige Slam Österreichs, der in einer temporär errichteten Blockhütte ausgetragen wird (ja, links im Bild der Veranstaltungsort, das Aicher-Herbst-Kultur-Quartier; rechts im Bild die luxuriöse Raucher-Lounge); Viertens gibt es für alle Teilnehmer*innen einen Sack voll Fleisch bester Güte; Ja, das muss man alles einmal gesehen und mitgemacht haben. Danke Heinz (im Bild am roten Teppich)!

Dienstag, 24. September 2019

Sommer, SOAK, Nachlese

Der Herbst hat uns in seinen Krallen, höchste Zeit, nochmal etwas Urlaubs- und Griechenlandfeeling nachzulegen. Hatte ja vier schöne Wochen dort, mit Sommer, Sonne, SOAK

Mikro griechisch-Crashkurs kulinarisch-soakisch

Sand-Schweiß-Sonnencremegemisch, Himmel, wie pick i
Knoblauch-Gurken-Joghurt-Gemisch: Tsatsiki

Adoptierte Hunden & Katzen sind lucky
Hühner & Schweine am Spieß: Souvlaki

Toilettenpapier in den Kübel, nichts ins Klo
Röhrennudeln und Hackfleisch: Pastizio

Skandal im Coffeehouse: Eklat, keiner da!
Melanzani, Faschiertes, mit Pommes Garniertes: Moussaka

Beliebtes griechisches Getränk mit Wasser und Eis: Ouzo
Beliebter griechischer Sänger mit Liebe und Bart: Demis Ruso

Beliebtes Lamm, arni furno, lamb in the oven
Beliebter Kurs um 17 Uhr – Poetry Slam
Und danach Zak-zak-zak-yn-thos Wasser!

Sonntag, 7. Juli 2019

Urlaub im Kongi

Die Nase in die Sonne hängen. Den Körperrest durch sie aufziehen und schlucken und Wohlergehen empfinden. Sich sein eigener Schluckauf sein, aber dabei nicht hicksen sondern lachen.
Die Augen verdrehen, groß machen und eine 180 Grad Augapfeldrehung vollziehen, auf dass der Blick ins Eingemachte, ins Eigeninnere in den eigenen Hirnbrokkoli gerichtet ist, dort nichts anrichtet, aber richtig scharf stellt und die Gehrinwindungsautobahn entlangrast, um vollkommen durchzublicken, sich zu sehen, sich zu erkennen, sich ganz und gar zu verstehen und dann nicht Tränen in den Augen haben zu müssen, sondern ein Grinsen, ein breites, pralles Augapfellächeln.
Den Mund sich mal an die Lippen ranmachen lassen, an diesen erst zu saugen, sie dann aber abrupt zu schnappen und zu schlucken. Denn wenn man Lippen schürzen kann, sind sie auch nur Gewand, Gewand vom Mund verschluckt, lässt diesen bloß erscheinen, gebleckte Zähne, nackte Zahnhälse und ein entblößtes Zahnfleisch. Den Mund darauf darob pfeifen lassen. Nicht frivol friedvoll, lieblich fröhlich. Wo fidel gepfiffen wird, da wird nicht blöd geredet, weil pfeifende Menschen nicht..., oh doch. Der Pfiff ist auch Kommando, ist Befehlsausdruck und Kommentar und doch: Ich pfeif euch was, nicht aus dem letzten Loch. Ich pfeif mir ein, was mir beliebt und pfeif auf das, was mir nichts gibt. Ich pfeif mir meinen Mund ein und bin dann ganz in mir daheim und lächle mit gebleckten Zähnen.
Die Ohren ausfahren, spitzen, am Läppchen packen und daran anerkennend ziehen, sich an den henkelgleichen Muscheln festhalten, zupacken und es den Ohren reinsagen. Ohren freilegen, Ohren durchputzen, Ohren ausfegen. Den Trommelfellen einen Wirbel machen. Der Ohrschnecke eins auf den Deckel geben, am Waschelkaktus rütteln, den Amboss behämmern, bearbeiten, verhauen. Es den Ohren ordentlich besorgen, sie ganz klein, sie sich in ihr Hirnschalenhaus zurückziehen machen. Und dann ganz Ohr sein. Mit einem Lachen bis über beide Ohren.
Oh ja, so bin ich geboren.

Montag, 15. April 2019

Gehsteigpoesie

Such Schlitz Strom ist Befehl und Alliteration
Gehsteig, Asphalt, Randstein, wird’s bald?
Brillen sind Schaufenster der Augen
Wer Teppiche nicht prackt, muss wohl Staubsaugen

Schnauzer sind der Oberlippen Mützen
Weint wer viel, wird es bald pfützen
Kapuzen sind die Schwestern der Schleier
Braucht wer hohen Cholesterin er/sie esse Eier

Tau ist der Pflanzen Nachtschwitze
Flatulenzen sind abgesonderte Innenhitze
Zwischen den Schulterblättern blüht der Nackenbaum
Was der Nase der Rotz, ist dem Bart der Flaum

Nase brennt, Rotz floss, jetzt stockt er 
Huste, schneuze, kann nicht mehr!
Bin seit zwei Wochen krank
Aber es gibt ja Bücher - den Verlagen sei Dank!

Dienstag, 12. März 2019

Trugfüße

Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Füßen haben. Manche Füße kommen dem Kopf schon erstaunlich nahe. In einem Sonnenstudio in der Lerchenfelderstraße beispielsweise sind die Nägel mit den Füßen auf Augenhöhe. Ja, ich weiß, der Wiener Winter ist schon lang. Man weiß nicht mehr wo hinten und vorn ist, wo Sonne und Mond und plötzlich sind halt die Füße auf Schlüsselbeinhöhe. Freilich haben auch Schlüsselbeinchen Füsschen mit Zehchen. Die kann man sich in diesem Sonnenstudio bescheinen lassen und ist danach sicher nicht hirnverbrannt höchstens ein wenig angekokelt.

Mittwoch, 6. Februar 2019

Thomas Bernhard Brezina und Sinn & Seife

In Österreich braucht man immer ein Problem. Geht auf Fehlersuche. So funktioniert auch Literatur im deutschen Sprachraum: Man sucht sich ein Problem, und darum herum wird dann die Geschichte gebaut. Und der Autor bekommt dafür viel Applaus. Diese Art, die bewundere ich nicht.“ sagt nicht Thomas Bernhard sondern Thomas Brezina.
Aber Thomas Bernhard und Thomas Brezina haben mehr gemein, als man vermuten möchte. Beide haben die gleichen Initialen und sind bzw. waren auch tatsächlich Menschen, die sich ihre Initialen in Stofftaschentücher und andere Gebrauchsgegenstände sticken ließen. Beide sind ungemein erfolgreich. Thomas Bernhard zwar seit 30 Jahren tot, aber tot verkauft gut und Thomas Brezina hat vermutlich 30 Ghostwriter_innen eingestellt, um eine derartige Fülle von Büchern veröffentlichen zu können. Thomas Brezina war mal der Tintifax im Kasperltheater. Thomas Bernhard war mal das Rumpelstilzchen der österreichischen Theaterszene und im Städtebeschimpfen ist Bernhard natürlich ein Großmeister: „
Salzburg, Augsburg, Regensburg, Würzburg, ich hasse sie alle, weil in ihnen jahrhundertelang der Stumpfsinn warmgestellt ist.“
Thomas Brezina hingegen kommt heute bei der Lesebühne Sinn & Seife zum Zug. Er ist Teil des Skandals der Woche: Jonas Scheiner trifft Thomas Brezina im Whirlpool beim 3-D-Schach. Schaut, hört euch das an:
https://ntry.at/sinnundseifehttps://ntry.at/sinnundseife

Samstag, 29. Dezember 2018

On the rail again


Ja, ich schiffe gerne in den Almsee in Oberösterreich und selbst wenn ich das nicht wirklich tue, freu ich mich, dass mir die ÖBB diese Vorstellung ermöglicht und mich von einem zugigen Scheißhaus kurzzeitig in eine wildromantische Idylle entführt und eben in den Almsee eintauchen und mit diese – qua Urinstrahl – gar Verbindung aufnehmen lässt. 
Ich scheiß aber auch gern auf Sölden.

Und ich steh auf die Österreich-Card. 2018 war wieder ein intensives Zugjahr. Ich kann aber dennoch nicht behaupten railjetlagged zu sein. Ich bin kaum zu spät angekommen, gelegentlich zu spät heim, hab kaum keinen Platz bekommen, gelegentlich war's eng. Es hat mir nie wer auf die Füße gekotzt, einen Kaffee aufs Auftritts-Shirt der nächsten drei Tage geleert oder das Gepäck geklaut. Ich durfte die happy hour von Prag nach Wien gezapftes Budweiser trinkend genießen und probierte mich durch die DON Speisekarte, ohne gröbere Schäden davon zu tragen, weil ich diese - um wieder zum Anfang dieses Eintrags zurück zu kehren - stets vor (dem stillen) Ort ließ und eben mit Genuss in die jeweilige Landschaft pfefferte. 
Danke ÖBB! Auf viele zukünftige Kilometer und Entleerungen. Schönes neues 2019.


Samstag, 22. Dezember 2018

Die Babelfischfarm der hyperrealistischen Hyperbel

Ein beliebter Schlachtgesang lautet: „Immer wieder Österreich“. Helmuth Schönauers aktueller Roman trägt den Titel: „Nie wieder Tirol“. Das ist eine Ansage. Der Untertitel lautet: „Fahren Sie weiter! Es gibt nichts zu sehen!“ Die Gattungsbezeichnung: „Kampf-Roman“. Damit ist schon sehr viel gesagt, quasi: Immer wieder nie wieder Tirol und zwar in 15 Entladungen (Dick-, Dünn-, Mast- und 12 Fingerdarm = insgesamt 15).
Wer Literatur von HeSchö kennt, weiß: Auch derb muss sein. Offen wie ein künstlicher Darmausgang ist diese Prosa. HeSchö demonstriert, dass Locker-Room-Talk für Tiroler nichts anderes ist, als locker rumreden. Sei's im Landtag, sei's in der Literatur und der aktuelle Fall des SPÖ-Vorsitzenden Dornauer beweist, wie treffend die bewusst übertriebene Literatur HeSchös im Kern eigentlich ist. Da bleiben die Formulierungen oftmals in der Horizontalen und kommen nicht recht auf, prangern aber genau diese Ausdrucksweise damit auch an. Ja, Literatur ist ein Spiegel. HeSchös Literatur ist kein gesellschaftlicher Schminkspiegel sondern ein kollektive Darmspiegelung.
Werner Schwab hat einen Essay mit dem Titel „Der Dreck und das Gute“ geschrieben. HeSchös Literatur ist sehr sekret- und körperabriebaffin und immer geht es um alles, um alles, was scheiße ist. Tagespolitik gehört da naturgemäß dazu. Von Missständen im Festspielhaus Erl, über Mist in diversen, geförderten Startup-Zentren, bis zum Stau an allen Fronten: Kopf, Grenzen, Genitalien. Der Verkehr wird als Grundproblem entlarvt. Zuviel Verkehr da – zu wenig Verkehr dort. Und wenn sich so viel anstaut, dann muss es irgendwann explosiv raus. HeSchös Grundstilmittel dafür: die Hyperbel. Die Hyperbel könnte auch eine Figur in HeSchös Romanen sein. Sie könnte beispielsweise in einem zu Tode tourismus-terrorisierten Seitental japanische Schlafschachteln vermieten. Und HeSchö ist hyperrealistisch, nichts ist ganz aus der Luft gegriffen (Darf ich mir einen Roman mit dem Titel „Die Babelfischfarm der hyperrealistischen Hyperbel“ wünschen?). Alles, was er thematisiert, schwirrt schon in der Luft, stinkt schon längst und gehört ausgesprochen. HeSchö speibt's gern raus. Er ist Katalysator. Das müssen nicht alle mögen. Man kann es aber auch so sehen. HeSchö greift für uns ins Klo und wir können uns an seiner Literatur abputzen.
Endlich ist die Schranzhocke literarisch verewigt, endlich hat auch mal jemand über Reutte geschrieben, endlich hat das Bergisel Museum eine entsprechende Würdigung erhalten. HeSchö prangert den Landausverkauf gleichermaßen an wie die Ausbeutung von temporären Arbeitskräften im Bio-Radieschen-Ernteeinsatz in den Thaurer Feldern. HeSchö hat seinen Spaß an der Vorlass-Kisten-Bearbeitungs-Germanistik und der Verzwergung der heimischen Verlage. Wir lernen, was es bedeutet, einen Felix zu machen und wie das Klier-Aquarell-Lebensmodell funktioniert. Und weil HeSchö immer auch Bibliothekar und Literaturvermittler ist und bleibt, gibt es am Ende eine leser_innenfreundliche Thesenstraffung: „Dieses Buch macht Ihnen ein Angebot für den günstigsten, erlebnisreichsten und witzigsten Urlaub, den Sie je erlebt haben. Bedingung: Sie dürfen nicht nach Tirol fahren!“
Wer brav über sein Land schreibt, darf zur Belohnung Gebrauchsanweisungen, Reiseführer oder gar Kolumnen in offiziellen Tirol-Magazinen verfassen. HeSchö schreibt seit Jahrzehnten über Tirol (was die Kontinuität betrifft also sehr, sehr brav) aber niemals inhaltlich brav und das ist gut so, denn brav und gut und harmlos ist schon so vieles. Nie wieder brav! Immer wieder Schönauer.

Helmuth Schönauer
Nie wieder Tirol
Edition BAES 2018

Montag, 26. November 2018

Joshua Cohen bei Anderswelten

Gestern war Joshua Cohen bei Literatur im Herbst im Odeon Theater. Gestern war auch DUM Präsentation im Anno. Klar, ich war im Anno. Klar, ich wäre gerne auch bei Cohen gewesen. Ilija Trojanow hat ihn vorgestellt und im Wespennest nicht wirklich positiv besprochen. Dem möchte ich meine Begeisterung entgegen halten und hier mein Lektüreprotokoll, so wirr wie das Buch irre ist, preisgeben.

Joshua Cohen beauftragt Joshua Cohen mit dem Schreiben einer Biografie. J. C. 1 Ist der Große Vorsitzende von „Tentration“ (nenn's Google). J.C. 2 ist ein Schriftsteller am absteigenden Ast, was seinen Zynismus nährt. Mit erfolgreichen Menschen – auch seinen Freunden, auch seiner Frau – hat er ein Problem, für andere – zB den neuen Schauspielerfreund seiner (Noch)Frau hat er nur Verachtung über. Drogen aller Art werden nicht als Problem wahrgenommen. Das gemeinsame Kind nicht als Möglichkeit eines Neustarts. Ein nachlässig geführtes Interview mit dem GroVo bringt ihn schließlich den Job ein, der alles ändern könnte, könnte er sich bloß ändern, dieser J.C.2. Dazu sieht er aber vorerst keine Veranlassung. Er sieht nur sich und findet sich gut. Nach Suchen ist ihm nicht. Suchen aber ist das große Geschäft von J.C.1., der sich seinen Ghostwriter nicht ohne Hintergedanken ausgesucht hat. Klar, der GroVo hat was am Kasten, ist Techie aber auch philosophisch und theologisch beschlagen, kommt aus gutem, spannendem Hause und hat in seinen Tonbandprotokollen viel zu sagen und zu berichten. J.C.1 ist zweifellos genial, das Hardware-Genie Mo bringt den nötigen Wahnsinn in die Story und in das Unternehmen und bis mal wer kapiert, was diese Freaks mit ihrem Algi vorhaben, machen andere Start-ups schon Millionen. Das kommt für Tentration auch noch. Dass wer sucht, von anderen gefunden werden kann, ist das big business: big data im alten Jahrtausend. Mo, der Tüftler, Bastler, Fernbedienungs- und andere Gerätschaften-Erfinder. J.C.1 der, der in der Wir-Form von sich spricht und für humanistisch-theoretisch-technologischen Hinterbau sorgt. Denn die studentischen Experimente führten nur deshalb nicht zum Rausschmiss, weil die M-Einheit (so wird die Mutter genannt), Uni-Prof und ein Heimkehren-immer-möglich war. Der Aufstieg gelang dann erst, als die Geldgeber ihre Bedingungen durchsetzten – einen Geschäftsführer, der sich wäscht und auftreten kann (Kar). Und weil am GroVo der Bauchspeicheldrüsenkrebs nagt, packt er aus und J.C.2 hat zu transkribieren.
1 – 0 – 1 so ist das Buch der Zahlen unterteilt. Der mittlere ist die Tonbandtranskription. Im ersten die Einführung J.C.2 und im dritten Ava's (Frau von J.C.2) Blogeinträge, diverse Mails an den Abgetauchten J.C.2 und dessen Trip von Dubai nach Berlin, Frankfurt, Wien, die geschlagene, verschleierte Frau und J.C.2s-Heldenaktion inklusive erneutem Seitensprung wäre noch zu erwähnen. Die Buchmesseneskapade oder auch der Tod seines Agenten und und und. Der Y2K Bluff, die diversen Vorgeschichten, das Jüdische, Buddhistische, Hinduistische, anderweitig Metaphysische...
Formal gibt es: Mails, Blogeinträge, Transkriptionen, Romanauszüge, Mitschriften von Museumsführungen, Zitat aus Forschungsliteratur, Gestrichenes, noch Auszuarbeitendes, …
Inhaltlich: Suff, Sex, Gewalt, Genialität, Wahnsinn und Überwachung, Stadt, Macht und Kontrolle...
Da wird aus einer Wissensfülle geschöpft, die platt macht und auch poetisch besticht. Die Sprache ist so was von auf der Höhe der Zeit und vom klassischen Literatursound wohlig abgespeckt – da spritzt das Fett (=Wortgeschmacksverstärker) bloß so...
Alles drinnen in diesem Buch und dann noch funkelnde Details und generell brillantes Schreiben, egal, um was es grad geht. Mutig, frech, klug, unantastbar ist das, unerreichbar. Kein Nach-unten-treten vielmehr ein Den-Mächtigen-die-Stirn-bieten. Keine Angst vor gar nichts aber alles können und sich erlauben und es dabei nicht unlesbar heraushängen lassen.
Ein Ziegel, ein gewichtiges, wichtiges Stück extrem aktueller Literatur mit Vexierspiel- und Schlüsselromanmomenten. Weltliteratur – the hottest shit you can get 2018. Kniefall, Bewunderung, Perplexität und große Freude!