Samstag, 24. Juni 2023

Telfs ist Knust


Zwischen Raiffeisenbank [sic!] und Altem Rathaus führt ein Durchgang zum Eduard-Wallnöfer-Platz, dieser Durchgang wurde zum Kunst-ist-Tunnel erhoben.
Vier Positionen: drei Männer, eine Frau.
Von der Malerin bis zum Musiker, von der Ein- bis zur Vierwortantwort.
Bezieht man den Ort mit ein, an dem die Kunst-ist-Poster aufgehängt wurden, muss man sagen: Kunst ist ein dunkel-düsterer Tunnel, der nach den Ausschweifungen der vergangenen Nacht stinkt.

Aber Kunst stinkt nicht, unkst du.
Kunst ist Stunk.
Kunst ist Knust.
Kunst ist, mit Vorhandenem auf andere Sichtweisen hinweisen.

Kunst ist, wenn sie sich ein "i" und ein "s" leiht, Sunkist.
Kunst ist ein Sonnenkuss.
Poesie ist Kunst.

Poesie ist Ei-Pose (Gegockel)?
Eis-Poe (Hinternteile mit Erfrierungen dritten Grades)?

Poesie ist der Spielraum im Haus Leben,
Kunst sind die Fenster.

Kunst ist alles,
was du dir nicht auf Anhieb vorstellen
kunst.



Freitag, 23. Juni 2023

Kreisverkehrskultur


Das Erfreuliche zuerst. Gestern zog eine Lesekulturkarawane über den Telfer Rathausplatz, während die Blasmusik gerade dabei war, den Platz für sich und ein Konzert in Beschlag zu nehmen. Die Lesekarawane zog von der Bücherei - in der das 2. Literaturfestival FABULA RASA eröffnet wurde - ins Noaflhaus, wo die Lesung vor vollem Haus stattfand. 

Das ist ganz wunderbar und war ein unübersehbares Zeichen, eine Machtdemonstration der Kraft von Literatur. Literatur kann Leute in Bewegung bringen. Literatur ist beweglich. Literatur lässt sich nicht vertreiben. Literatur findet Wege und Orte und Leser*innen und Buchkäufer*innen. Vielen Dank dafür, liebes fabula-rasa-Team. 

Weil dere Festivalname aber schon auch ermuntert, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen (so weit käm's noch im Schatten der Hohen Munde), lasse ich mich gerne ein wenig ein auf Telfs und den Telfer Kulturbegriff. 


Mir wurde nämlich Informationsmaterial ausgehändigt. Genau genommen wurde es eingesackelt und am Hotelbett für mich hinterlegt. Es handelt sich dabei nicht um Geheimes oder gar Geleaktes, es handelt sich um offizielles Material der Gemeinde. 

Ich hielt also die Broschüre "Kulturrundgang Telfs" in Händen und machte mich schlau.
10 A4-Seiten, 18 Stationen, das sollte an einem Nachmittag zu schaffen sein. Ich bin gut zu Fuß, ich kann lesen. Ich lege also und lese los und ich staune sogleich:
Fasnacht, Fasnacht, Fasnacht.
Brunnen, Brunnen, Brunnen.
Da ein paar Heiligenfiguren, dort ein paar Wildeskulpturen.
Zeisel, Noafl-, Rathaus.
Fasnacht, Fasnacht, Fasnacht.
Franziskaner, Laniniger, Kriegerdenkmal.
Fresken, Giebel, Erker und immerhin Forellenmarmor.
Das war's. Das ist der Kulturrundgang. 

Das ist der gegenwärtige Kulturbegriff von Telfs. Ich wunder mich, denn ich hab ja grad eine meiner schönsten Lesungen hinter mir.

Ich frag mich: Was ist Kultur? Brunnenfiguren und Fasnachtsbräuche? Eh, auch. Aber nicht nur. Kultur ist, was wir draus machen und das Team rund um das Festival fabula rasa macht ja ganz ausgezeichnete Kulturarbeit. Wo also bleibt der Vermerk der Bücherei im Kulturrundgang? 

Der Kulturbegriff ist nicht festgeschrieben, in Stein gemeiselt, in Alu gegossen. Ja, eine Glocke ist auch Kultur. Kultur ist ein ständiger Prozess, ist immer im Wandel. Es ist an uns, den Kulturbegriff einer Region zu prägen. Kulturelle Werte sind nicht unveränderlich. Traditionelles hat natrürlich seinen Platz, aber die Kultur eines Ortes darf nicht im Kulturbegriff vom vorvorigen Jahrhundert hängen bleiben. 

Was macht Telfs aus?
Die Kreisverkehrsgestaltungen?
Die Minarettikett? Die Erinnerungs- und Lesekultur?
Sagt es mir und reklamiert euch rein in den Kulturrundgang.
Es telf sich was verändern!

Und viel Erfolg für die nächsten Literaturfestivals. 

Im Bild ist übrigens der Mampfred Bucher zu sehen. Mampfred ist ein Nerdmännchen, das sich von Büchern ernähert. Er sagt sich:
Ich saß auf einem Steine
Und zog mir Bücher eine
Ich bin im Kreisverkehr daheim
Der Rest kann mir gestohlen bleim