Mittwoch, 29. August 2018

Sommerfrische mit Schiller und Chillern

"Kapitulation vor der Sonne" heißt eines der letzten Gedichte von Charles Bukowski aus dem Jahre 1993 und Bukowski ist ja der Friedrich Schiller der 1970er Jahre. Dass Schiller in St. Veit wohnte, ist nicht belegt, dass er es gerne bunt hatte, auch nicht. Fürs Foto aber machte sich das alles prächtig. 
Nach Griechenland kapitulierten wir vor der Sonne in Wien und flüchteten nach Kärnten. Wir machten Sommerfrische am Weissensee.
„Trinken? Oder denken? Lieber trinken.", entscheidet Buk und fügt hinzu: "Wir wurden zu Philosophen aus Stein auf der Suche nach Besserem. Wir haben viel Schaden angerichtet und sehen jetzt, was übrigbleibt: wir, ihr, sie und die Maschinerie.“ 
Kapitulation ist auch das Thema der Lesungen beim diesjährigen Volksstimmefest am Samstag, den 1. September (und auch am 2.) im Prater.
Der Sommer war lang un heiß, möge ein metaphorisch heißer Herbst folgen. Ansonsten gilt das Credo der Kids des Nachbartisches beim Frühstück neulich am Weissensee. "Du, chill mal mehr, du."

Dienstag, 15. Mai 2018

Meine Bank

Deine Bank sorgt für dich. Deine Bank stellt dich ins richtige Licht. Deine Bank rückt dich zurecht. Deine Bank lässt dich nicht im Sand versinken. Deine Bank weiß, was dir gut tut. Deine Bank ist dein Schuhlöffel in die Budapester Leben. Deine Bank spricht deine Sprache. Deine Bank kann überall sein - auch in Salzburg. Deine Bank mag etwas schräg sein, aber das passt zu dir. Deine Bank deckt dich zu mit Zinsen. Deine Bank will auch nur geliebt werden. Deine Bank kann dir viel sein. Deine Bank will nicht wie eine Xbeliebige behandelt werden. Deine Bank möchte dich besitzen. Ja, deine Bank ist paradox.

Donnerstag, 29. März 2018

Der Vollmond rückt an. Vollmondphasen sind meine Hauptschreibphasen. Da heule ich den großen Himmelkäse an und schreibe wie wild. Die letzte dieser Phasen hatte ich in Stainach zu überstehen. Da drängte sich mir dieses Bild auf.

Ich muss dazu sagen, dass ich mit einer derartigen Blumengießkanne groß geworden bin. Ja, meine Mutter hatte eine solche und so schleuderte mich der Anblick sofort in die Kindheit zurück.

Umfrage: Wer hatte zuhause auch eine derartige Gießkanne? Ich bin gespannt.

Überschrift zu diesem Zum-Bild-Text:
Das Gießkannenumkehrprinzip

Mann im Rock mit Hut stopft Gieskannenhals
Dem Gießkannenhals fehlt der Kopf
Der Beregnungsfunktionskopf

Dienstag, 27. März 2018

Nebelrollenspiel mit Ohren


Da ist eine derridasche Falte auf deiner Stirn
Da blitzt Butler in deinen Augen
Da liegt ein Wittgenstein auf deiner Zunge
Den Hals voll Bachmann, im Magen nietzscht's
Es will was Krauss
Der Kehlkopf ein schmurgelnder Kofler
Im Nacken ein Ringelnatz
Clar, Peter, du bist mein de Man
Meine fünf Freunde der Theorie wollen nur spielen
Besser zwei linke Handke als ein rechter Jünger

Neulich präsentierten wir die Nebelrolle in Klagenfurt.
Das Musil-Haus nahm uns herzlich auf.
Die Hauptplatz-Hasen hatten nur Ohren für uns.
Am Ostersonntag, den 1. April, geht unser Korrespondenzpoesie-Projekt weiter.
Peter ist in Portugal. Ich halte in Wien die Stellung.


Donnerstag, 15. Februar 2018

StaTTschreiber Porträt auf WT1



Hätte ich nicht die eine oder andere Nacht im Hotel verbracht, ich wüsste nicht, dass es ein Wels TV gibt.
WT1 wusste aber, dass es mich gibt und hat ein supernettes Porträt gestaltet. Das es hier zu sehen gibt: https://www.wt1.at/programm/28-09-2017/episode/portrait-stattschreiber-markus-koehle
Vielen Dank Sophie Hochhauser!

Freitag, 12. Januar 2018

Winterfrische

Es stehen mir drei Wels-intensiv-Tage bevor. Meine StaTTschreiberzeit ist zwar vorbei - schön war's - aber ich habe mir da noch ein spezielles Projekt einfallen lassen, das sich an die Sommerfrische vom Stadtschreiber 2015 Stefan Petermann anlehnt. Die Winterfrische erlaubt es mir, drei Tage (Nächte) im Greif zu verbringen und fleißig Geld in Wels auszugeben. Darüber habe ich dann zu berichten und zwar im MKH. "Winterwortsport" heißt der Abend am Donnerstag, den 25. Jänner 2018 und ihr seid alle herzlich eingeladen, zu lauschen, was mich umgetrieben haben wird in den nächsten drei Tagen.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Jahresrückblick - Lesungen II

Slam, Oida Präsentation im Stifterhaus Linz mit Sevi und Sarah-Anna (Foto: Dominika Meindl)
Die zweite Jahreshälfte war natürlich geprägt von meiner StaTTschreiber Zeit in Wels. Von 1. September bis 10. Dezember (mit Tourunterbrechungen) hielt ich mich in Wels auf und bloggte fleißig (alles hier nachzulesen).

Ich las für den Buchclub, für den Club 41, für den Treffpunkt Mensch & Arbeit, für die BuchZeit im Puchberg, ich las auf einem Geburtstagsfest im Traunzeit, auf einem Weihnachtsmarkt in der Alten Rahmenfabrik und im Kornspeicher für die Menschen, ich lieferte einen Beitrag bei der Eröffnung des YOUKI-Festivals und nahm dreimal am Welser Poetry Slam teil, ich gab Workshops für angehende BibliothekarInnen, für HAK SchülerInnen und für ApothekerInnen in spe in der Berufsschule, ich schrieb Kolumnen für die Oberösterreichischen Nachrichten und ließ mir ein Zusatzprojekt mit dem Titel „Winterwortsport“ einfallen, das am 25. Jänner 2018 im MKH Wels präsentiert wird.

Aber am Allerschönsten waren natürlich Anfang und Schluss. Antrittslesung und Verabschiedung. Leider hab ich gar kein Foto von der StaTTschreiber Antrittslesung in Wels am 10. September im Hotel Hausner (Bitte um Zusendung! Danke.) Die Verabschiedung mit Kaffee, Kekse, Köhle Mieze Medusa und Peter Clar sowie DJ Fasthuber wurde dann am 10. Dezember im großen Schl8hof Backstageraum abgewickelt. Ach, schön war's.

Besonders schön war natürlich auch die „Slam, Oida!“ Präsentation in der Wagner'schen (mit Special Guest Christoph Simon und den Innsbrucker Slammer_innen Käthl, Rebecca Heinrich, Stefan Abermann, Martin Fritz und Markus Koschuh) am 30. Oktober als zweiter Termin des von Robert Renk initierten Köhle-Dripple-Features im Herbst in Innsbruck (Teil 1 mit Klaus Zeyringer und Antonio Fian in der Stadtbibliothek, Teil 3 mit Mieze Medusa im Literaturhaus am Inn).

Dieser Paarlauf am 14. Dezember war dann auch der Saisonschluss. Mieze Medusa las aus „Meine Fußpflegerin stellt Fragen an das Universum“ und „Alles außer grau“, ich aus „Kuh, Löwels, Mangoldhamster“, „Wonnebrand“ und „Jammern auf hohem Niveau“ und zum Schluss durfte ich mich dann auch noch in DJ Knut verwandeln. Ein würdiger Abschluss!



Weitere Leseorte 2017 (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

In Wien und Umgebung:
Schule für Dichtung, Café Anno, 7stern, Uni, Alte Schmiede, Brunnenpassage, Spektakel, Café Oben, Wien Museum, Literaturbuffet Lhotzky, Seeseiten Buchandlung, Literaturhaus, Drahtwarenhandlung, Buch im Beisl, BuchWien; 40er Hof Langenlois, Tischlerei Melk;
In Graz und Umgebung:
Kultum Graz, Literaturhaus Graz, Brücke Graz, CCW Stainach, Kunsthaus Muerz;
In Tirol und Vorarlberg:
Bäckerei Innsbruck, Stromboli Hall; poolbar Feldkirch, Stadtbibliothek Bregenz;
In Wels Umgebung:
Salonschiff Fräulein Florentine Linz; Ottensheim;

Und außerhalb Österreichs:
Österreich Bibliothek Tiflis, Herder Zentrum Danzig, Sommerakademie Zakynthos;

Dienstag, 2. Januar 2018

Jahresrückblick - Lesungen


2017 war ein lesetechnisch äußerst erfolg- und abwechslungsreiches Jahr. Die Bücher „Jammern auf hohem Niveau“, „Slam, Oida!“ (mit Mieze Medusa) und „Wonnenbrand“ (mit Peter Clar) und die dreimonatige Zeit als StaTTschreiber in Wels bescherten mir zahlreiche Auftritte mit unterschiedlichem Programm. Einige besondere Abende der ersten Jahreshälfte seien hier noch einmal in Erinnerung gerufen.

„Literatur um 8. Zu zweit durchs Lesen“ mit Gerhard Benigni und musikalischer Begleitung von der Alphornmusi aus'm Katschtal im Parkhotel Villach am 8. Frebruar. Mit 2 Alphörnern auf der Bühne – der Wahnsinn! Und zwei Tage später beim Konzertanz im vierundeinzig in Innsbruck dann gleich mit einem ganzen Steichorchester und Tänzer_innen – noch mehr Wahnsinn!

Das Motto lautete „Der hohen Minne tiefer Fall“. Unter der Leitung von Ya-Wen Yang haben Käthl, Martin Fritz und ich zur Musik von G. P. Telemann: Don Quixote Suite und E. Elgar: Serenade for Strings getextet und Constanze Korthals, Evi Kofler und Tarek Tillian getanzt. Foto oben von Harry Triendl - vielen Dank!

Mit Mieze Medusa gab es im vergangenen Jahr zahlreiche besondere Auftritte. Hervorhebenswert, weil auch mit Kurzurlaub verbunden, war die Performance im Literatur- und Wohlfühlhotel Wasnerin in Bad Aussee am „Tu felix Austria“ Wochenende am 20. Mai (und Armin Thurnher am 21. Mai).

Besonders herzlich war der „DUM im Wiederlesen“ Abend am 15. Juni in Imst. Das DUM-Team rückt vollzählig aus (Wolfgang Kühn, Martin Heidl und Markus Köhle), um einen Jubiläumsabend in der sympathischen Buchhandlung in Imst zu bestreiten. Annemarie Regensburger und Kyn moderierten, Angelika Polak-Pollhammer, ChristiAna Pucher, Ingeborg Schmid-Mummert und der Wortvertreter a. D. lasen und sehr viele DUMs wurden verkauft.

Oberndorf hat sein Dorfjubiläum gefeiert und uns in die VS-Aula geladen (Danke Jochen Burger)



Montag, 1. Januar 2018

Jahresrückblick: Roman Empfehlungen


Dem Silvestermuffel ist im neuen Jahr mehr Zeit gegeben. Das gilt zumindest für den ersten Tag im neuen Jahr, der dafür genützt werden soll. Höhepunkte des vergangenen Jahres noch einmal kurz Revue passieren zu lassen.

Für eine Weihnachtsgeschenke-Empfehlungsliste ist es zu spät. Aber wenn noch wer was Umtauschen oder einfach Neukaufen will. Hier meine Lieblings-Romane 2017. „Das Floß der Medusa“ von Franzobel. Franzobel nimmt einen spannenden, historischen aber hochaktuellen Stoff in die Hand und bearbeitet ihn auf seine Weise. Da kann er all seine Qualitäten ausspielen. Da geht sein Sprachreichtum auf. Da darf barock gewuchert werden. Da hat sich einer freigeschrieben und eine eigenwillige Erzählform und Metaphernsprache gefunden, um diesen Stoff zugänglich zu machen.

Die Überraschung des Jahres war für mich der polnische Autor Ziemowit Szczerek. Das Buch hat mich vom Titel und von der Covergestaltung her angesprochen. Ich mag die Sonar-Serie bei Voland & Quist. Aber dass „Mordor kommt und frisst uns auf“ mich dermaßen überzeugen würde, dachte ich nicht. Bitter böse. Politisch. Dreckig. Alte Beat-Poeten-Schule und doch neu. Ein Roadmovie-Roman in den wilden Osten. Eine Ukraine-Erkundung eines Polen, der diesen dort demonstrativ raushängen lässt. Geografie, Geschichte, Getränke. Ein süffiges Stück Literatur eines Autors, dessen Namen man sich schwer merken kann, den man sich aber merken sollte.

Wer mehr über Russland und seine verworrene Geschichte erfahren möchte, der darf gerne zu „Die Welt des Herrn Bickford“ von Andrej Kurkow greifen. Da macht sich wer mit einem Tornister auf den Weg quer durch das Land und zieht eine Zündschnur hinter sich her. Skurril, witzig, toternst und erhellend.

Ein Sprung zur Supermacht auf der anderen Seite des Pazifiks sei an dieser Stelle gemacht und John Wrays „Lowboy“ nahegelegt. „Der Retter der Welt“ heißt dieser Roman in der deutschen Übersetzung. Wray ist ja halb Amerikaner und halb Kärntner und dass er auch auf deutsch schreiben kann, hat er beim diesjährigen Bachmannpreis-Lesen bewiesen. Lowboy ist bereits 2009 erschienen, bildete seit 2010 einen Fundamentbaustein meines Noch-zu-lesen-Büchertrums und hatt mich gleich in seinen Bann gezogen. Es geht in den Untergrund, in die New Yorker U-Bahn und tief in die Psyche des Helden Will Heller.

Ganz und gar nicht schlecht auch:
Der Fisch in der Streichholzschachtel“ von Martin Amanshauser. Kreuzfahrt. Piraten. Zeitlöcher. Beziehungsgeplänkel und viel Meer.
Ein weißes Feld“ von Lucas Cejpek. Ein Mann sieht weiß und macht das zum Konzept, das aufgeht, einleuchtet und fasziniert.
Kraft“ von Jonas Lüscher. Nach „Frühling der Barbaren“ mit Engländern und einem Schweizer in Tunesien und der totalen Kapitalismus-Katastrophe geht es jetzt ins Silicon Valley, zu einem Wettbewerb „Weshalb alles, was ist, gut ist und wie wir es dennoch verbessern können“. Rhetorikprofessor Kraft setzt alles auf eine Karte und wir schauen ihm schaudern und belustigt dabei zu.
Eine Klassiker-Lücke habe ich dieses Jahr auch endlich gefüllt und zwar mit großer Begeisterung:
Die größere Hoffnung“ von Ilse Aichinger ist bereits 1948 erschienen und scheint mir eines der stärksten Bücher über den Krieg und seine Folgen. Ihrer Zeit weit voraus findet Aichinger eine poetische Sprache und dekonstruiert Formen und Muster lange bevor dies zum State of the art wurde. Grandios!

Lyrikbände, Literaturzeitschriften, Essays und Bücher mit Bildern oder so hab ich natürlich auch brav gelesen. Vielleicht demnächst (oder im nächsten Jahr) mehr darüber.