Montag, 8. Mai 2023

Das Kreuz mit der Schifffahrt

Es mag so ausschauen, als hänge mir die Kreuzschifffahrt aus dem Hals raus. So weit ist es noch nicht, wird es aber wohl bald kommen. Jedenfalls ist das das erste Foto meiner Triestankunft am Sonntag, den 7. Mai 2023. Am nächsten Morgen standen da dann schon wieder zwei neue Pötte und die Kreuzfahrt-People schwappten in die Altstadt, nein, überschwemmten diese. Mein Apartment ist inmitten der Altstadt an der Piazza Cavana. Ich muss das Zimmer gar nicht verlassen, um die ganze Atmosphäre aufzusaugen. Perfekte Lage, Negozi Alimentari und Kaffeegenussplätze die Menge rundum. Alles ganz toll und ganz schön voll. 

Ich bin grad mal am mich und den Kühlschrank Einrichten. Die Bora hat sich mir noch nicht persönlich vorgestellt. Und das ist meine Aussicht:

Gestern Sonnenschein, in der Nacht Regen, jetzt Wolken - Triest zeigt mir schon mal einige Seiten und ich bin bereit, sie zu lesen. Apropos lesen. 

Mit der Einfahrt in den schönen Kopfbahnhof von Triest habe ich "Rosa gegen die Verschwendung der Welt" fertig gelesen und werde den neuen Roman von Nadja Bucher auch in der nächsten Ausgabe des DUMs besprechen. Womit der persönliche Arbeitsauftrag schriftlich festgehalten wäre, und somit auch eingehalten werden muss. 

Ansonsten werd ich mich der italiensichen Küche hingeben und vermutlich in ein neues Projekt reinknien und täglich ein Blogeintrag sollte sich auch ausgehen. 



Mittwoch, 3. Mai 2023

mea ois wia miad

Ja, ich bin mehr als müde und überglücklich. Das war eine großartige Zeit in Leipzig. Lauter tolle Veranstaltungen, mehr Menschen als man sich erwünschen hätte können, auch mehr Kolleg*innen. Wir haben gleich zum Auftakt das Slam-Ländermatch gegen Deutschland super-spannend-knapp gewonnen und uns so sieben Bäume in Sachsen gesichert, die demnächst gepflanzt werden und wir künftig besuchen können. 

Es war die ganzen Tage über perfektes Aprilwetter, man ging also gerne rein in die stickig-wohligen Messehallen und Veranstaltungsräume. Das Ur-Krostizer kann man gut trinken. Ich habe die erste Fettbemme meines Lebens gegessen und muss sagen: ist auch nur ein Schmalzbrot mit Gurken. Aber dagegen gab es ja noch nie was zu sagen. 

Die Literadio-Lesung war die reinste Freude und ist hier nachzuhören. Da entstand auch das Kopfhörer-Headset-Foto (vielen Dank!). Die Sonderzahl-Lesung in der Galerie KUB zum Thema "In vollen Zügen" war auch der Publikumshit schlechthin (Danke Jaroslav Rudiš! Oben zu sehen Dieter Bandhauer und der Sonderzahl-Stand). 

Foto: Literradio.org
Dazwischen war Zeit genug, zwischen Halle 4 und 5 abzuhängen - mehr schaffte ich leider nicht und da hab ich es auch nicht zu allen Ständen, die ich mir vorgenommen habe, hinzugehen. 

Aber es war ein Fest der Literatur, das ich mit Bieren im Hexenkessel bei 1990er Musik ausklingen ließ, um dann in den FLIX-Bus nach München einzusteigen, und um 4:45 Uhr im ZOB ausgespuckt zu werden. München von seiner schönsten Seite: Betrunkene in Lederhosen und Miniröcken, alles am Bahnhof noch zu und auch alle zua. Verdichtung total.
So muss ein Buchmessenwochenendeausklang. 

Hinterleuchtete City-Light-Poster in Rotation erwarteten und begrüßten uns in Leipzig. Dass es davon auch noch ein Postkartenset gibt (25 Karten), freute uns natürlich ganz besonders.

Mittwoch, 26. April 2023

Papageil


Buchpräsentation in der Wagnerschen in Innsbruck. Robert Renk hat extra sein Zeitungshemd aus Barcelona angezogen, um sich einen seriös-journalistischen Anstrich zu verleihen. Gast Markus hat sich auch nicht lumpen lassen und schlüpfte zum ersten Mal in sein neues Berlin-Hemd, das nicht nur sehr pink ist, sondern auch sehr papageil. 

Muss ja auch mal über das Outfit geredet werden bei Lesungen, kann ja nicht immer nur um Text, muss schon auch mal um Textilien gehen. Textilien also schon mal exquisit, Text konnte mithalten, behaupte ich hier einfach ganz forsch, ist ja mein Blog, mein Text, mein Hemd. 

"Mein Blog, mein Text, mein Hemd" wäre ein guter Titel für einen Raptrack, "Das Dorf ist wie das Internet, es vergisst nichts" ist ein guter Debütromantitel. Es ist mein vierter Debütroman. Irgendein Alleinstellungsmerkmal braucht man eben. Ich mach in viele Debüts. 


Robert Renk ist nicht nur der charmanteste Moderator, er ist auch der beste Buchhändler und - das bleibt jetzt leider picken - ein Chef zum Verlieben. Es wurde gequatscht, gelauscht, gelacht. Es wurde auch getankt und gekauft. In Summe also ein voller Erfolg. Manche gingen mit Büchern heim, manche mit einem Räuschchen, niemand allein. So soll es sein. Danke Robert, danke Innsbruck-Publikum, Juhui und bis zum nächsten Buchbesuch. 

Jetzt geht es gleich Richtung Leipzig. Die Deutsche Presse scheint mich schon mal zu lieben: https://www.tagesspiegel.de/kultur/tourguide-in-die-alpenmentalitat-markus-kohles-romandebut-9711731.html


Freitag, 21. April 2023

Sternlesung in Güssing


Drei sechste Klassen des BORG Güssing versammelten sich im Werkraum der Schule und gaben ein interessiertes, aufmerksames und fragendes Publikum ab. Der erkrankten Lehrerin Beatrice Halper sei an dieser Stelle gedankt, Kollege Peter Grandits hat übernommen, irgendwer hat mich auch mit Kaffee versorgt und irgendwer hatte auch Geburtstag. Es ging also hoch her im Lehrerzimmer und im Werkraum. 

Im Auftrag des Projekts "Sternlesen" initiiert von Marlen Schachinger (#sternlesen, #institutfuernarrativekunst) trat ich also die Reise ins vermeintlich nahe Burgenland an, um dort "Herzblessuren" (von Ines Strohmaier) und meinen Roman "Das Dorf ist wie das Internet, es vergisst nichts" auszupacken und auch vor Ort zu lassen, auf dass beide Bücher möglichst herumgereicht und gelesen werden mögen.

Dass am Sonntag Welttag des Buches ist, ließ sich beiläufig sagen. Bekanntlich kann man alles, was man sagen kann auch beiläufig sagen - Danke Elfriede Gerstl! 


Dass grad in allen Bundesländern Sternlesende unterwegs sind, wissen die sechsten Klassen des BORG Güssing auch und dass es morgen, bei strahlendem Sonnenschein auf dem Rathausplatz St. Pölten zu einem großen Sternleseauflauf kommen wird, bei dem zwar keine Sterne vom Himmel geholt, aber sicher unter anderem NÖ die Leviten gelesen werden, ist auch kein gehütetes Geheimnis. Im Gegenteil es sei hiermit hochoffiziell ins Internet eingraviert: 


Ab 17 Uhr Rathausplatz. Sternlesen ohne Maulkorb mit allen Beteiligten. Siehe:  www.ink-noe.net

 

 

Ein Herz für Brutalismus: Güssing


Wenn einer eine Lesereise tut, dann hat er was zu erzählen. Er hat auch was zu sehen. Er ist ich und ich staunte über die Vielzahl von klassisch brutalistischen Bauwerken in Güssing und Umgebung. 

Das Kulturzentrum und die Stadtbücherei in Güssing sind schön kubisch einbetoniert und somit gut verankert in der Stadt und neben dem Rinnsal, das ich grad nicht zu benennen weiß. Was ich aber weiß, ist, dass die Uferpromenade (um das Wegerl hier mal so hochtrabend zu benennen) den Namen einer Medaillengewinnerin der Winterolympiade in Sotschi 2014 trägt. Ich glaube es war irgendwas mit Snowboard und Paralell und das ist - so flach wie hier einem alles entgegenkommt - schon sehr bemerkenswert. 


Dass Waschbetonplatten hier gerne Fassadengestaltungselement sind, ist mir auch aufgefallen und dann, dann war ich natürlich angetan von den Güssinger Garnelen. 

Ja, wer eine Sternlesereise (#sternlesen, #institutfuernarrativekunst) tut, hat was zu erzählen, was zu sehen und gegessen habe ich dann im traurigsten China-Restaurant der Welt. Was schade ist, denn geschmeckt hat es gut. Also Essen vier Sterne, Atmosphäre ein schwarzes Loch. 

Güssing - Ort der Extreme.
Güssing - Heimat der Superlative.
Güssing - already missing you!


 


Donnerstag, 20. April 2023

Burgenland - eine fremde Welt

Es wird einem nicht einfach gemacht, nach Güssing zu kommen. Güssing ist im Nachbarland Burgenland. Da sorgt der Herr Doskozil für funktionierenden öffentlichen Verkehr, denkt man sich. 

So schwierig kann das nicht sein. Ist es aber doch. Wenn ich vor 10 Uhr 45 in Güssing ankommen will, was ich will, vereinbart ist die Sternlesung (#sternlesen #institutfuernarrativekunst) um 10 Uhr im BORG Güssing, dann müsste ich um 4:00 vier Stunden lang fahren: von Wiener Neustadt nach Oberwart, von dort nach Stegersbach, um dann schließlich um 8:14 Uhr im Schulzentrum Güssing aussteigen zu dürfen. Ich finde, das ist nicht zumutbar. Ich entschließe mich also, am Vortag schon anzureisen. Ich möchte den Ort ja auch zu spüren kriegen. 

Erste Challenge: Finde die Haltestelle am Matzleinsdorferplatz. Da ist grad alles eine einzige Baustelle und die Haltestelle ein improvisiertes Nichts im Nichts. Hinweise und Informationen sucht man vor Ort vergebens. Ich bin sehr früh dran und finde mich leidlich zurecht. Aber er kommt pünktlich, der Bus G1. 

Es ist ein Doppeldecker, er ist voller Schlafwilliger. Die Fenster sind verdunkelt, die Sitze im Liegemodus. Ich erwische den letzten freien Platz und will lesen. Bin ja immerhin auf Lesereise. Ein Buch hält hier aber kein Mensch in Händen. Die Menschen sind müde. Es sind Pendler*innen die wohl mindestens seit 4:00 Uhr auf den Beinen sind. Es ist ruhig im Bus: Kopfhörer und Nackenhörnchen Standardausrüstung. Es läuft immerhin kein Radiogedudel. Wir rollen stadtauswärts. 

Erste Windräder, letzte Möbellager, Shoppingcity Süd. Äcker, Felder, schüttere Wälder. Linkerhand Flachland, rechterhand Hügelchen. Jetzt aber im Schallschutzmauertunnel. Nur mehr Autos und LKWs zu sehen und im Himmel Starkstromleitungsgeflechte. Zeit, selbst die Augen zu schließen. Es gibt hier nichts zu Versäumen.

Nach 75 Minuten erster stopp im Park & Ride Schäffern an der A2. Geschätzte 100 PKWs warten auf ihre Lenker*innen. Die Einfamilienhäuser mit Garten, Garage und Zaun warten auch. Da eine bedienungslose Tankstelle mit Amazon-Abhol-Station - dort die üblichen Supermärkte mit großzügigen Parkplätzen. 


Ja, Österreich ist das Autoland schlechthin. Werde ich sie finden, die großen Inovations-Zentren für Nehammersche E-fuels? 

Vorerst sehe ich ein Schild mit Doppel-Ö: Felsöör. Ungarn muss nah sein. Stelle mir unter Felsöör ein sehr schroffes, gebirgiges Ohr vor. Aber Felsöör ist wohl einfach Oberwart. Wer weiß das schon?! 

Bausündenfallstudien an der Grazerstraße. Tore, Dächer, Steiinmetzeleien. Ein Gewerbegebiet mit einem Herzstück aus dem ältesten Gewerbe der Welt: A2 Laufhaus und rundum Hallen, Lager, Schauparks. Strangregulierung, Thermostatventile und Wärmepumpen. Sind Laufhäuser nicht auch nur Wärmepumpen?

Das Vitalhotel in Ollersdorf wirbt mit Leberspezialitäten und Steakwochen. 

Der Gurkenprinz ist in Stegersbach daheim. 

Am Straßenrand wird für die Erotik-Messe, die Schlagernacht und für Kürbiskernöl geworben. 

Um 17 Uhr komme ich in Güssing an. Güssing scheint kein Interess an nicht autofahrenden Gästen zu haben. Mein Hotel ist nicht im Zentrum.

Es hat die Adresse Europastraße an der Wienerstraße. Die Wienerstraße war wohl immer schon das Letzte und die Europastraße wurde wohl erst unlängst, im Zuge der Gemeindegebietserweiterung, erfunden. 

Das Hotel heißt Freiraum und erwaratet mich mit viel Landschaft.



Mittwoch, 19. April 2023

Sternlesung zum Welttag des Buches


Der Welttag des Buches fällt auf einen Sonntag. Aber vorgelesen darf natürlich immer werden.
Ich mache das am Freitag, den 21. April im BORG in Güssing und am Samstag, den 22. April am Rathausplatz in St. Pölten und zwar im Rahmen des Projekts Sternlesung initiiert von Marlen Schachinger:
#sternlesen 

#institutfuernarrativekunst

Der Presse gefällt das: https://www.noen.at/st-poelten/welttag-des-buches-abschluss-von-sternlesen-in-st-poelten-mit-lese-flashmob-und-mehr-st-poelten-363084091 

Ich werde mich schon morgen in Güssing einquartieren, um ein bisschen den Spirit vor Ort aufzunehmen.
Gebloggt wird hier dann auch.

Donnerstag, 16. März 2023

Kurzzeitausstieg im Stundentakt

 

4:30 Uhr: Das Klimaticket gilt schon mal nicht. Das ist zwar ein Postbus aber eine Ausnahme. VAL: Vienna Airport Service. Egal. Zahle gerne 9 € statt 40 fürs Taxi und rollkoffere zum Munterwerden zum Westbahnhof. Die Berufsmunteren sind klar von den Urlaubsmüden zu unterscheiden. Mögen die Müden erholt wieder zurückkomen. Ich bin einer der Müden. Ich fahre auf Urlaub. Spontan. Mit Robert. Jausensackerlgeraschel, verkabelt Kommunizierende, Schlafende, Vor-sich-hin-Starrende, Tablettiger, Kopfhörerabgekapselte und ein Notizbuchschreiber. Mach mich wach durch Rundumschau. Barcelona ich komme!

5:30 Uhr: Gepäck losgeworden, ohne Pieps durch den Körperscan, gönn mir Frühstückespresso und Banane from home. Glückt mir jetzt noch eine kompakte Stoffewechselproduktverabschiedung auf heimischem Boden, bin ich bereit für Barcelona.

6:30 Uhr: Kompaktes Glück war nicht – explosives sehr wohl. Die Allerglücklichsten aber scheinen grad Rauchende zu sein. Denn in den Rauchzellen – den Fumarien – herrscht ausgelassene Stimmung. Rauchen ist verbindender als Gassigehen. Gemeinsames Abaschen hat was Existenzialisitisches. Feuergeben ist die selbstverständlichste, alle Sprachbarrieren, sozialen Schichten und sonstige Differenzen überwindende Geste, die einfacher Solidaritätsakt bleiben oder gleich zu einem Gespräch führen kann. Schon allein deshalb kann sich rauchen lohnen. Sprich am Flughafen zu dieser Zeit sonst mal einfach so wen an – kommt akward bis creepy. Im Fumarium ist alles Schall und Rauch. Ein paar Züge lang ist alles leicht, sind alle gleich. Sucht verbindet. Am Wiener Flughafen sind die Glasboxen fröhlich bunt verpixelt, gewähren Einblick, bieten aber auch Sichtschutz. Der nichtrauchende Notierende staunt über die Frequenz und beneidet die Schicksalsgemeinschaft, die sich international mit Rauchzeichen verständigt. Es sind sehr erwachsene, erfahrene Rauchende. Alle verlassen ihren Versammlungsort mit einem Lächeln auf den Lippen, die wohl auch noch sanft brennen. Ein loderndes Lächeln nach einer kurzen Auszeit unter Gleichgesinnten. Schön eigentlich. Saufen ist aufwendiger. Die Effizienz von Zigaretten als gesellschaftliches Bindeglied gehört wieder mehr thematisiert. Das aber können nur Nichtrauchende machen, die Nutznieser*innen dieser letzten Bastion des beglückenden Kurzzeitausstiegs sind wohl nicht daran interessiert, Trittbrettrauchende anzulocken. Apropos beglückender Kurzzeitausstieg: Barcelona, ich boarde!

7:30 Uhr: Fenster platz. Unter mir werden die Gepäckstücke ins Flugzeug befördert. Es rumpelt im Flugzeugbauch. Muss an Grönemeyer denken. Hinter mir hat ein Stinker Platz genommen. Noch riecht man das. Bald wird das Klima ein alles Überdeckendes und Verzeihendes sein. Furzen im Flieger war noch nie ein Problem. Der Schweißmann hinter mir setzt sich aktuell aber noch ganz schön durch. Die Koffer und Kinderwägen sind verstaut. Das Förderband-Fahrzeug schleicht sich ebenso wie der Gepäckstücktransporter, der einer Mini-Rangierlok gleicht und am Rollfeld von dannen gleitet. Die Reihen sind voll besetzt. Die Zustiegsschlange zeiht sich zurück. Es ist keine Röhre, es ist ein Kanal, ein Schacht, der sich zurückschachtelt, abdockt und nunmehr mit dem Andockelement in der Luft hängt. Die AUA-Strauß-Klänge sind vom Klimaanlagengesurre unterlegt – Symphonieorchester mit Stausaugergebläse. Hinter dem dem benachbartem Flieger flirrt die Luft bereits. Die Turbinen sorgen für Wirbel. Habe Blick auf die Flügel und schon parkt ein ankommendes Flugzeug. Die Räder werden ganz old school mit gelben Pflöcken verkeilt. Die Schlange kommt wieder aus ihrem Nest und schmatzt sich um den Ausstieg. Das Gepäcksförderbandfahrzeug ist auch wieder zu Stelle. Der Tankwagen ebenso. Unter dem Hinterausgang wird angezapft. Wir verrollen uns rückwärts. Der Schwitzer ist immer noch zu riechen. Jetzt schnarcht er auch noch. Es folgen die Sicherheitsanweisungs-Demonstrationen der Flugbegleiter*innen. Es war echt mal, cool Schwimmwesten aus Fliegern mitgehen zu lassen. In unserem WG-Klog hing eine. Ready for take off! Barcelona, ich fliege!

8:30 Uhr: Die Schweiz von oben ist ein Juwelierladen voller edel weiß gekörnten Bergketten. Da und dort hingeworfene Häuserhäufchen. 

9:30 Uhr: Die Schneespitzen werden weniger, die Besiedlung dichter. Plötzlich ein Becken. Der Flieger wird ganz schön gebeutelt: unruhige Luft und kein Frühstück, nur Wasser und ein AUA-Schokoladentaler. Wo sind wir? Ist das schon Frankreich? Leider keinerlei Informationen vom Chefpiloten und auch keine Monitoren. Schade. Sehe so viel und kann es nicht benennen. Die Landschaft wird immer weicher, die schneebedeckten Berge rücken immer mehr in die Ferne. Unter mir jetzt auch schon Küstenstädte. Landeanflugslautstärke. Wir kreisen über dem Meer, fahren das ganze Rollfeld ab: Straußgedudel am Asphaltparkett. AUA-Flieger auf Parkplatzsuche. Barcelona, willst du mich nicht?

10:30 Uhr: Sitze im Zug, stehe in der Pampa. Aber Barcelona in Sicht!

11:30 Uhr: Sitze mit Espresso in der Sonne. Rund um das Hotel sitzen lauter Jugendliche am Boden. Das ist hier nicht automatisch eine Protestaktion. Es ist warm genug, am Boden zu sitzen. Alle tragen Sonnenbrillen. Ich auch. Alle schauen auf ihre Smartphones. Ich abwechselnd in dem Baedeker und den Marco-Polo-Reiseführer. Die große Faltkarte habe ich noch nicht ausgepackt. Trau mich nicht. Ich find mich auch so in dir zu recht: BARCELONA.


 

Freitag, 17. Februar 2023

Wanna see? Wannsee

Besuche Doris im LCB am Wannsee und das ist direkt an diesem. Mit Blick auf den See, wenn es der Nebel zulässt. Aber ich bin natürlich ein reisender Engel und bringe Sonnenschein mit und daher auch diese Fotos! Spazieren den See in beide Richtungen entlang, bis wir nicht mehr können. Erreichen einerseits das Wannsseekonferenzhaus und andererseits nicht das Strandbad. Der See ist riesig und irgendwo, so weit sind wir nicht vorgedrungen, auch die Pfaueninsel. Die schauen wir uns das nächste Mal an.
Abends liest Christoph Ransmayer und wir sitzen im Zug, also in der Zugluft, die uns, in Kombination mit der Matratze, eine Ganzkörperverspannung am nächsten Tag beschert. Wir gehen mit einer forcierten Bewegungsoffensive dagegen an und gehen sogar bei Tageslicht am Berghain vorbei, dass das nicht ganz zentral ist, liegt auf der Hand. Wir shoppen aber auch ganz gut. Ich finde Hemden, die für Aufsehen sorgen werden. Ich finde Shirts, die ich bei Auftritten tragen werden. Ich finde ganz besonders toll, das mir eines davon nicht mal berechnet wird. Vielen Dank Berlin!

Wir trinken erstaunlich viel guten Kaffee und gleich schon mal am ersten Abend Bier. Fürs Essen bleibt da nicht ausreichend Zeit. Aber einmal so richtig gut vietnamesisch irgendwo in der Prenzlauer-Berg-Gegend war schon dabei - sehr, sehr gut. Ansonsten die fadeste Currywurst in einer an sich gemütlich ausschauenden Kneipe und den lebensrettendsten Döner gegen Mitternacht beim Hackeschen Markt nach dem Biertrinken. Die S7 kommt verlässlich immer, ohne groß warten zu müssen. LOB.
Die Deutsche Bahn muss eher nicht gelobt werden, aber die S-Bahn - TOP. 


 

Montag, 2. Januar 2023

Neues Jahr - neues Buch

Seit heute ist es im Handel - mein neues Buch. Es ist ein Roman und heißt: "Das Dorf ist wie das Internet, es vergisst nichts". Das wunderschöne Cover stammt von Matthias Schmidt, der auch für das Lektorat verantwortlich zeichnet. Es geht um Österreich, es geht um Herkunft, es geht um alles. 

Die Buchpräsentation findet am Dienstag, den 10. Jänner 2023 in der Alten Schmiede statt.
Es beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei, Johannes Tröndle moderiert und ich habe die Freude, mitteilen zu können, dass ich den Abend gemeinsam mit Anais Meier bestreiten darf.
Ihren Roman habe ich für DUM besprochen. Bitte gerne hier nachlesen.

Am Foto halte ich den Roman in die Landschaft von Goldegg und ich finde, er macht sich gut mit diesem Hintergrund.