Bestandsaufnahme Status Quovid 19 am 19. März 2020
Donnerstag, 19. März 2020
Mittwoch, 18. März 2020
Coronahotspot
Jetzt also auch Sölden und St. Christoph unter Quarantäne. Verdachtsfälle? Der Bürgermeister sagt mal so: "56 Personen sollen jetzt mal daheim bleiben." Wie bitte? Daheim bleiben sollen alle und alle, die mit dem infizierten Barkeeper - auch hier, wie in Ischgl also ein Barkeeper - in Kontakt waren, müssen in Quarantäne.
Ich muss ja gestehen. Ich war von 6. bis 8. März in St. Johann in Tirol. Auch das ein Tourismusort erster Güte. Ich war allerdings beim artacts Improvisationsmusik und Free Jazz Festival. Viel los war auch dort.
Auch am 10. März war ich wieder in Innsbruck, weil ich an sich eine Lesung in der Bücherei Arzl halten sollte, die dann abgesagt wurde. Dann gingen wir halt auf ein paar Bier - auch da kommt man in Kontakt mit Menschen. Nicht ganz so eng wie im "Kitzloch" aber schon auch. Und Barkeeper sind die Coronaschleudern, soviel ist schon mal sicher.
Schlechte Gedichte helfen nicht gegen Corona, aber Humor ist in diesen Tagen ganz besonders wichtig und schlechtes Bier war ja noch nie eine Lösung, kein Bier aber auch nicht. Deshalb hier ein weiteres Gedicht. Mögliche Titel:
Sport spart Sprit
Ausgangsbeschränkung ist ein sperriges Wort
Spazierengehen ist noch kein Sport
Corona ist als Virus besser als als Bier
Und hier steht als Nummer vier
Ich muss ja gestehen. Ich war von 6. bis 8. März in St. Johann in Tirol. Auch das ein Tourismusort erster Güte. Ich war allerdings beim artacts Improvisationsmusik und Free Jazz Festival. Viel los war auch dort.
Auch am 10. März war ich wieder in Innsbruck, weil ich an sich eine Lesung in der Bücherei Arzl halten sollte, die dann abgesagt wurde. Dann gingen wir halt auf ein paar Bier - auch da kommt man in Kontakt mit Menschen. Nicht ganz so eng wie im "Kitzloch" aber schon auch. Und Barkeeper sind die Coronaschleudern, soviel ist schon mal sicher.
Schlechte Gedichte helfen nicht gegen Corona, aber Humor ist in diesen Tagen ganz besonders wichtig und schlechtes Bier war ja noch nie eine Lösung, kein Bier aber auch nicht. Deshalb hier ein weiteres Gedicht. Mögliche Titel:
Sport spart Sprit
Ausgangsbeschränkung ist ein sperriges Wort
Spazierengehen ist noch kein Sport
Corona ist als Virus besser als als Bier
Und hier steht als Nummer vier
Dienstag, 17. März 2020
Bezuschussung
Es gibt Schönes zu berichten. Klar, wir haben alle Verdienstausfälle. Aber die Literarmechana fühlt sich dafür zuständig und handelt mehr als schnell. Eine einfache Aufstellung der Termine, die ausgefallen sind mit kurzer Beschreibung über Veranstaltung und vereinbartem Honorar reicht und man erhält wenig später die positive Nachricht, demnächst einen einmaligen Zuschuss für die erlittenen Einbußen überwiesen zu bekommen. Das ist unkompliziert und höchst erfreulich. Da sitzt man doch gleich noch lieber am Schreibtisch und haut in die Tasten, auf dass Neues entstehe, für das sich die Literarmechana künftig ebenfalls zuständig fühle. Wir sind nicht allein.
Ein Teenager will man gerade nicht sein. Ich kenne welche. Bin verwandt mit ihnen. Zum Teil sind sie grad in der Sturm-und-Drang-Phase, das klingt mehr nach Literaturgeschichte als es sollte. Sagen wir es grad heraus: Sozialkontaktvermeidung ist das Letzte das sie gerade wollen. Das haben sie die vergangenen 15 Jahre lang gemacht (Familie ausgenommen) und jetzt, da das andere Geschlecht, die vielen anderen Geschlechter gerade so richtig interessant wären, es all die anderen Menschen in der näheren Umgebung nicht nur online sondern for real zu erkunden gälte, jetzt soll man im Zimmer hocken und nichts und niemanden angreifen. Das ist sehr, sehr ungerecht.
Ein billiger Zweizeiler ist hier alles andere als hilfreich, folgt aber.
Möglicher Gedichttitel:
Smells Like Teen Spirit Corona-Style
Ich bin 18 und will ausgeh'n
Und was muss ich? Daheim bleiben wegen Covid 19
Ein Teenager will man gerade nicht sein. Ich kenne welche. Bin verwandt mit ihnen. Zum Teil sind sie grad in der Sturm-und-Drang-Phase, das klingt mehr nach Literaturgeschichte als es sollte. Sagen wir es grad heraus: Sozialkontaktvermeidung ist das Letzte das sie gerade wollen. Das haben sie die vergangenen 15 Jahre lang gemacht (Familie ausgenommen) und jetzt, da das andere Geschlecht, die vielen anderen Geschlechter gerade so richtig interessant wären, es all die anderen Menschen in der näheren Umgebung nicht nur online sondern for real zu erkunden gälte, jetzt soll man im Zimmer hocken und nichts und niemanden angreifen. Das ist sehr, sehr ungerecht.
Ein billiger Zweizeiler ist hier alles andere als hilfreich, folgt aber.
Möglicher Gedichttitel:
Smells Like Teen Spirit Corona-Style
Ich bin 18 und will ausgeh'n
Und was muss ich? Daheim bleiben wegen Covid 19
Montag, 16. März 2020
Aufbackbrötchenparty
Beim Laufen am Vormittag in der Kleingartensiedlung auf der Schmelz begegne ich vorwiegend Menschen mit Kinderwägen oder Hunden. Es ist ein wunderschöner Frühlingstag, auf den Bänken sitzt fast niemand. Die Schrebergartenbesitzerinnen und -besitzer machen Gartenarbeit, ein paar Joggerinnen und Jogger drehen Runden. Sonst nicht viel los an diesem Montag, den 16. März ein paar Stunden vor dem Zusperren aller Lokale.
Die Schulen sind weitgehend leer, das Betreuungsangebot allerdings aufrecht. Die Straßenbahnen und Busse sind mehr genützt, als vermutet, aber viele Menschen sind nicht am Weg. Um 15 Uhr dürfte sich das Bild - so sich alle daran halten - noch einmal drastisch ändern. Ich bin gespannt.
Mein dringender Grund, das Haus zu verlassen, ist ein Verhütungsengpass. Die Kondome werden knapp. Packungen in unterschiedlichem Design der Firma "Einhorn" (fair, aus Berlin) sind ausreichend lagernd im BIPA-Nahversorger. Ich wähle eine Pommestüte und eine Packung mit Regenbogen scheißenden Einhörnern und freue mich schon auf den Abend.
Es ist 15 Uhr, ich spaziere die Thaliastraße entlang und schaue, ob die Kebabläden und Wettbüros tatsächlich zusperren, was sie machen. Ich schlendere auch über den Spielplatz vor dem Amtshaus und stelle fest, er ist gänzlich menschenlos. Ich denke mir, jetzt noch in den SPAR, mach es, will mich mit Obst und Gemüse eindecken, was ich mache. Es ist genügend Angebot vorhanden, einzig die Bio-Bananen sind aus. Ansonsten die üblichen leeren Regale: Klopapier, Pastasoße, Dosenmais - aber, neu - auch Aufbackbrötchen erfreuen sich aktuell sehr großer Beliebtheit - und, das ist dann doch eine Überraschung - das Schnapsregal ist leer. Sollen die Menschen ruhig Schnaps trinken und Brote aufbacken, so lang sie zuhause bleiben.
Die Schulen sind weitgehend leer, das Betreuungsangebot allerdings aufrecht. Die Straßenbahnen und Busse sind mehr genützt, als vermutet, aber viele Menschen sind nicht am Weg. Um 15 Uhr dürfte sich das Bild - so sich alle daran halten - noch einmal drastisch ändern. Ich bin gespannt.
Mein dringender Grund, das Haus zu verlassen, ist ein Verhütungsengpass. Die Kondome werden knapp. Packungen in unterschiedlichem Design der Firma "Einhorn" (fair, aus Berlin) sind ausreichend lagernd im BIPA-Nahversorger. Ich wähle eine Pommestüte und eine Packung mit Regenbogen scheißenden Einhörnern und freue mich schon auf den Abend.
Es ist 15 Uhr, ich spaziere die Thaliastraße entlang und schaue, ob die Kebabläden und Wettbüros tatsächlich zusperren, was sie machen. Ich schlendere auch über den Spielplatz vor dem Amtshaus und stelle fest, er ist gänzlich menschenlos. Ich denke mir, jetzt noch in den SPAR, mach es, will mich mit Obst und Gemüse eindecken, was ich mache. Es ist genügend Angebot vorhanden, einzig die Bio-Bananen sind aus. Ansonsten die üblichen leeren Regale: Klopapier, Pastasoße, Dosenmais - aber, neu - auch Aufbackbrötchen erfreuen sich aktuell sehr großer Beliebtheit - und, das ist dann doch eine Überraschung - das Schnapsregal ist leer. Sollen die Menschen ruhig Schnaps trinken und Brote aufbacken, so lang sie zuhause bleiben.
Sonntag, 15. März 2020
Katzenstreuengpässe
Nach Hause telefonieren ist weiterhin erlaubt. Nach Hause telefonieren hatte schon ET für sich als Allheilmittel erkannt. Nein, ET hatte Sehnsucht, aber Telefonkabel zu ETs Planeten waren nicht verlegt und Satellitentelefone gab es noch nicht. Man stelle sich vor, das Telefon und Internetz bräche dieser Tage zusammen. Wie lange es die Menschen dann wohl in ihren Wohnungen und Häusern aushielten? Vermutlich nicht lange. Noch sind sie ja auch noch nicht lange in denselben. Kanzler Kurz verkündete heute Vormittag: "Es gilt. Bleiben Sie zu Hause!"
Die Österreichischen Maßnahmen die vor zwei Tagen angekündigt wurden, wurden natürlich von der Bevölkerung nicht ernst genommen. Jetzt aber richtig. Ab Dienstag sind alle Lokale zu. Die Grenzen zu Deutschland sind ab sofort auch zu. Spiel- und Sportplätze zu. Österreich wird runter gefahren. Der Neustart kann dauern.
Bruder Bernhard bekam gestern keine Katzenstreu mehr. Er tröstete sich mit Blumenerde. Blumenerde nicht anstelle von Katzenstreu aber zur Balkonblumengestaltung. Glücklich, wer einen Balkon hat. Glücklicher, wer einen Garten hat. Am glücklichsten, wer Haus im Grünen hat. Aber permanentes Glück ist ja, kann ja kein Ideal sein.
Persönliches Glück, also die Beziehungstragfähigkeit wird sich in den kommenden Wochen, in den jeweiligen circa vier Wänden weisen. Wahrscheinlich ist der Faktor "Quadratmeter Wohnfläche" (qmwof) in der Beziehungsglücksformel relevant, der Faktor "Zeit" (t) sowieso. Weitere Faktoren stellen sich mit der Zeit erst heraus. Das heißt, von einer Formel kann noch nicht gesprochen werden. Die Entwicklung ist aber im Gang.
Die Österreichischen Maßnahmen die vor zwei Tagen angekündigt wurden, wurden natürlich von der Bevölkerung nicht ernst genommen. Jetzt aber richtig. Ab Dienstag sind alle Lokale zu. Die Grenzen zu Deutschland sind ab sofort auch zu. Spiel- und Sportplätze zu. Österreich wird runter gefahren. Der Neustart kann dauern.
Bruder Bernhard bekam gestern keine Katzenstreu mehr. Er tröstete sich mit Blumenerde. Blumenerde nicht anstelle von Katzenstreu aber zur Balkonblumengestaltung. Glücklich, wer einen Balkon hat. Glücklicher, wer einen Garten hat. Am glücklichsten, wer Haus im Grünen hat. Aber permanentes Glück ist ja, kann ja kein Ideal sein.
Persönliches Glück, also die Beziehungstragfähigkeit wird sich in den kommenden Wochen, in den jeweiligen circa vier Wänden weisen. Wahrscheinlich ist der Faktor "Quadratmeter Wohnfläche" (qmwof) in der Beziehungsglücksformel relevant, der Faktor "Zeit" (t) sowieso. Weitere Faktoren stellen sich mit der Zeit erst heraus. Das heißt, von einer Formel kann noch nicht gesprochen werden. Die Entwicklung ist aber im Gang.
Die Palmkätzchenkur
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Noch ist das ja alles offiziell erlaubt. Ob sich das Verhalten am Montag massiv ändern wird, wage ich zu bezweifeln. Telefonieren jedenfalls ist gut und tut niemandem weh. Bruder Thomas berichtet aus Nassereith - nicht sehr weit von der Quarantäne-Zone Paznauntal entfernt. Ein Arzt aus einem Nachbardorf hat sich infiziert und das Virus sicher weiter verbreitet. Die Straßen sind verlassen. Die Leute bleiben in den Häusern. Die Schule - er als Schulleiter - hat offen zu sein. Der Bürgermeister hat ihm geflüstert, dass das wohl nicht bloß wochenlang so sein wird, dass den Gemeinden wohl nahegelegt wurde, keine Investitionen mehr zu tätigen, sondern Rücklagen zu bilden.
Es geht die Runde vom Barkeeper in Ischgl, der wohl noch tagelang weiter arbeiten musste, wissend, dass er infiziert war. Er ging quasi viral - international. Dahinter stand ein großer Tourismus-Boss, der wohl auch durchsetzte, dass die Skigebiete nicht so schnell wie die Kulturbetriebe geschlossen wurden.
Bruder Bernhard bringt uns Brot, er kriegt dafür Bücher. Das ist ein Tauschsystem, auf das wir uns verstehen. Er bringt auch Palmkätzchen und Forsythien - es ist ja nicht bloß Corona-Time sondern schon auch Frühling. Um hier auch mal ordentlich abstruse Theorien zu verbreiten: Palmkätzchen und Forsythien in einen 0,5 Liter Donauinselfest-Becher gesteckt, gewässert und auf den Küchentisch drapiert hilft gegen Coronainfizierung, sofern man selbst sich ebenfalls an den Tisch platziert und den Palmkätzchen und den Forsythien beim auf- und verblühen zuschaut. Ist gar nicht mal so abwegig geworden, denn Daheimbleiben hilft ja wirklich.
Bernhard wirft ein, dass es jetzt eine gute Zeit dafür wäre, über ein Grundeinkommen zu reden. Es ist auch eine gute Zeit dafür, hervor zu heben, was politisch alles möglich ist. Ob das zum Wohle der Maßnahmen gegen desn Klimawandel ist oder genau das Gegenteil, auch das wird sich weisen. Vermutlich fallen diese sowie auch die Steuerreform aber den Auswirkungen der Corona-Krise zum Opfer. Krise scheint in diesem Fall das passende Wort zu sein.
Zum Bild: Wasser trinken ist gut, hilft aber nicht gegen Coronainfizierung, selbst wenn eine Zirbenkugel das Wassergefäß ziert und eine Kristallsäule das Wasser auflädt.
Das Tier der Stunde - der Hamster
Seit Freitag, den 13. März ist also klar, dass ab Montag, den 16. März noch nie da gewesene Maßnahmen in Kraft treten, die das Leben ganz schön auf den Kopf stellen werden. Ich mache mich also auf den Weg, um zu schauen, ob schon nach Bekanntgabe der drastischen Einschnitte sichtbare Veränderungen in meiner Umgebung spürbar sind.
Mein Weg führt mich vorbei an meinem Nahversorger. Ja, auch hier ist das Klopapier ausverkauft. Menschen aller Altersschichten tragen so viel Klopapier sie tragen können in ihre Wohnhöhlen - als ob es sich beim Corona-Virus um eine Magen-Darm-Grippe handelte. Taschentücher gehen nicht so gut. Klopapier ist der Renner. Das größte Leid, dass sich der Mensch akutell vorstellen kann, ist offenbar Klopapierknappheit. Meinetwegen. Sagt auch schon genug. Außerdem aus: Dosenmais und Pastasoßen. Ich sehe sie vor mir: Sugo in den Topf gekippt mit Dosenmais aufgepeppt, Nudeln gekocht (Nudeln sind nicht aus, nur die Billigware), reingeschaufel und dann bloß drauf wartend, endlich aufs Klo gehen zu können, um den Scheiß loszuwerden. Wenn immerhin dieses Bewusstsein vorhanden wäre.
Gönne mir am Yppenplatz mein letztes Bier nach vier, versuche zuerst "GRM" von Sibylle Berg zu lesen, lausche dann aber doch lieber meiner Umgebung die kursierenden Geschichten ab. Von "übertrieben" ist die Rede. Es wird viel geredet und irgendwie ist Corona der neue Fußball: alle haben was zu reden, alle glauben, sich auszukennen, laufend gibt es zu kommentierende Neuigkeiten, Italien ist wieder mal meilenweit voraus, Spanien zieht aber nach, Deutschland ziert sich noch.
Sehe Menschen mit Wasserflaschen durch die Gegend laufen. Kann Zufall sein, kann aber auch sein, dass sie daran glauben, dass es gegen Corona hilft, wenn man alle 15 Minuten Wasser trinkt. Weil sich so die Magensäure verdünne und blablabla. Das mag gegen das Bier Corona helfen nicht aber gegen das Virus.
Andere Leichtgläubige vertrauen auf den Selbsttest: 10 Sekunden die Luft anhalten, dann weiß man ob man das Virus hat oder nicht. Echt? Wenn man nicht zehn Sekunden lang die Luft anhalten kann, dann hat man auf jeden Fall ein Problem, Covid-19 muss dieses aber nicht heißen.
Mein Weg führt mich vorbei an meinem Nahversorger. Ja, auch hier ist das Klopapier ausverkauft. Menschen aller Altersschichten tragen so viel Klopapier sie tragen können in ihre Wohnhöhlen - als ob es sich beim Corona-Virus um eine Magen-Darm-Grippe handelte. Taschentücher gehen nicht so gut. Klopapier ist der Renner. Das größte Leid, dass sich der Mensch akutell vorstellen kann, ist offenbar Klopapierknappheit. Meinetwegen. Sagt auch schon genug. Außerdem aus: Dosenmais und Pastasoßen. Ich sehe sie vor mir: Sugo in den Topf gekippt mit Dosenmais aufgepeppt, Nudeln gekocht (Nudeln sind nicht aus, nur die Billigware), reingeschaufel und dann bloß drauf wartend, endlich aufs Klo gehen zu können, um den Scheiß loszuwerden. Wenn immerhin dieses Bewusstsein vorhanden wäre.
Gönne mir am Yppenplatz mein letztes Bier nach vier, versuche zuerst "GRM" von Sibylle Berg zu lesen, lausche dann aber doch lieber meiner Umgebung die kursierenden Geschichten ab. Von "übertrieben" ist die Rede. Es wird viel geredet und irgendwie ist Corona der neue Fußball: alle haben was zu reden, alle glauben, sich auszukennen, laufend gibt es zu kommentierende Neuigkeiten, Italien ist wieder mal meilenweit voraus, Spanien zieht aber nach, Deutschland ziert sich noch.
Sehe Menschen mit Wasserflaschen durch die Gegend laufen. Kann Zufall sein, kann aber auch sein, dass sie daran glauben, dass es gegen Corona hilft, wenn man alle 15 Minuten Wasser trinkt. Weil sich so die Magensäure verdünne und blablabla. Das mag gegen das Bier Corona helfen nicht aber gegen das Virus.
Andere Leichtgläubige vertrauen auf den Selbsttest: 10 Sekunden die Luft anhalten, dann weiß man ob man das Virus hat oder nicht. Echt? Wenn man nicht zehn Sekunden lang die Luft anhalten kann, dann hat man auf jeden Fall ein Problem, Covid-19 muss dieses aber nicht heißen.
Samstag, 14. März 2020
Urlaub in Quarantänemark
Das ist ein übertriebener Titel. Wien ist nicht unter Quarantäne. Heiligenblut, das Paznauntal und St. Anton am Arlberg sind aktuell unter Quarantäne. Aktuelles ändert sich allerdings gerade sehr, sehr schnell. Deshalb soll hier festgehalten werden, wie sich die Ereigniesse und Erlässe gerade überrollen. Zwei Tage vor der Schließung sämtlicher nicht lebensnotwendiger Geschäfte, zwei Tage vor der Schließung der Cafés, Bars, Gasthäuser um 15 Uhr, vier Tage nach dem Verbot, Veranstaltungen von mehr als 100 Leuten in geschlossenen Räumen abzuhalten. Alles große Einschnitte in unser aller Leben, die bald schon wieder überholt sein können. Deshalb hier ein simpler Bericht der letzten sechs Tage.
Wenn man mitten in ereignisreichen Zeiten ist, kommt einem oft ja das Festhalten des Passierenden gar nicht so wichtig vor. Man hört lieber die gerade laufende Pressekonferenz und erfährt dadurch eh nicht wirklich sehr viel Neues, vergisst aber darauf, was sich schon alles abgespielt hat. Was am Dienstag dieser Woche noch total erzählenswert war, kann ich jetzt niemandem mehr auftischen, alles längst Schmäh von gestern. Aber längst nicht unwichtig für die Entwicklung. Diese Woche ist eine permanente Zuspitzung, es seien die letzten Tage hier nachgezeichnet und dann versuche ich, am Ball zu bleiben.
Der Montagmorgen (9. März) begann so erfreulich. Eine Nachricht aus Meran in Südtirol. Herzlichen Glückwunsch, Sie sind unter den 9 zum 15. Meraner Lyrikpreis geladenen Autor*innen. Die Lesungen finden am Freitag, den 15. und Samstag, den 16. Mai 2020 in Meran statt. Oh, Meran - schön. Lyrikpreis - super. Auch schön, dass sie so optimistisch in die Zukunft schauen. In zwei Monaten wird man schon wieder nach Italien einreisen dürfen, denke ich mir am Montag, den 9. März am Frühstückstisch und freue mich auf die Reise dorthin.
Vorerst aber freue ich mich auf meine Lesung in Arzl am Dienstag, den 10. März in der kleinen Bücherei dort. Im Zug versinke ich fröhlich in Arbeit, ich komme in Innsbruck an und alles hat sich verändert. Seit Dienstag, den 10. März um 11 Uhr gilt ab Mittwoch, den 11. März die Regelung, dass Veranstaltungen über 100 Menschen in geschlossenen Räumen verboten sind. In der Bücherei Arzl hätten sicher keine 100 Menschen Platz, auch tritt die Regelung auch erst einen Tag später in Kraft, aber es wird, was ich durchaus verstehen kann, abgesagt.
Am nächsten Tag - Mittwoch, den 11. März - wäre ich Veranstalter in der Bäckerei: Slammer.Dichter.Weiter. mit Janea Hansen aus Wien und Emil Kaschka. Die Bäckerei würde die Veranstaltung noch erlauben, ich bin mir aber sicher, dass es besser ist, abzusagen. Weil ich keinerlei Überblick darüber habe, wieviel Menschen kommen würden. Tags drauf, geht dann eh die offizielle Meldung raus, dass bis 3. April mal alles abgesagt ist. Dass der reguläre Bäckerei Poetry Slam davon betroffen sein wird, war ohnehin klar. Wie auch immer - alles verständlich. Wenigstens treffe ich am Dienstag-Abend Freunde zum Biertrinken. War ich halt auf Pizza und Bier mit Freunden in Innsbruck (umgerechnet die teuersten Biere - Hotel musste ich ja schon bezahlen).
Am Donnerstag, den 12. März hätte ich einen dreistündigen Workshop im Gymnasium Stainach abhalten sollen. Der fällt natürlich aus. Ebenso die Moderation des Poetry Slams im ccw in Stainach am Freitag, den 13. März. Dafür bin ich seit Mittwoch wieder in Wien und habe vorerst alle Hände voll damit zu tun, Absagen einzufahren und Ersatztermine vorzuschlagen. Vier Termine wären es diese Woche gewesen. Eine Woche, in der ich ganz gut verdient hätte, wird zum Minusgeschäft. Wie es ausschaut, wird nicht nur der März sondern auch der April zur Gänze einkommenlos ausfallen. Das kann ja heiter werden.
Wenn man mitten in ereignisreichen Zeiten ist, kommt einem oft ja das Festhalten des Passierenden gar nicht so wichtig vor. Man hört lieber die gerade laufende Pressekonferenz und erfährt dadurch eh nicht wirklich sehr viel Neues, vergisst aber darauf, was sich schon alles abgespielt hat. Was am Dienstag dieser Woche noch total erzählenswert war, kann ich jetzt niemandem mehr auftischen, alles längst Schmäh von gestern. Aber längst nicht unwichtig für die Entwicklung. Diese Woche ist eine permanente Zuspitzung, es seien die letzten Tage hier nachgezeichnet und dann versuche ich, am Ball zu bleiben.
Der Montagmorgen (9. März) begann so erfreulich. Eine Nachricht aus Meran in Südtirol. Herzlichen Glückwunsch, Sie sind unter den 9 zum 15. Meraner Lyrikpreis geladenen Autor*innen. Die Lesungen finden am Freitag, den 15. und Samstag, den 16. Mai 2020 in Meran statt. Oh, Meran - schön. Lyrikpreis - super. Auch schön, dass sie so optimistisch in die Zukunft schauen. In zwei Monaten wird man schon wieder nach Italien einreisen dürfen, denke ich mir am Montag, den 9. März am Frühstückstisch und freue mich auf die Reise dorthin.
Vorerst aber freue ich mich auf meine Lesung in Arzl am Dienstag, den 10. März in der kleinen Bücherei dort. Im Zug versinke ich fröhlich in Arbeit, ich komme in Innsbruck an und alles hat sich verändert. Seit Dienstag, den 10. März um 11 Uhr gilt ab Mittwoch, den 11. März die Regelung, dass Veranstaltungen über 100 Menschen in geschlossenen Räumen verboten sind. In der Bücherei Arzl hätten sicher keine 100 Menschen Platz, auch tritt die Regelung auch erst einen Tag später in Kraft, aber es wird, was ich durchaus verstehen kann, abgesagt.
Am nächsten Tag - Mittwoch, den 11. März - wäre ich Veranstalter in der Bäckerei: Slammer.Dichter.Weiter. mit Janea Hansen aus Wien und Emil Kaschka. Die Bäckerei würde die Veranstaltung noch erlauben, ich bin mir aber sicher, dass es besser ist, abzusagen. Weil ich keinerlei Überblick darüber habe, wieviel Menschen kommen würden. Tags drauf, geht dann eh die offizielle Meldung raus, dass bis 3. April mal alles abgesagt ist. Dass der reguläre Bäckerei Poetry Slam davon betroffen sein wird, war ohnehin klar. Wie auch immer - alles verständlich. Wenigstens treffe ich am Dienstag-Abend Freunde zum Biertrinken. War ich halt auf Pizza und Bier mit Freunden in Innsbruck (umgerechnet die teuersten Biere - Hotel musste ich ja schon bezahlen).
Am Donnerstag, den 12. März hätte ich einen dreistündigen Workshop im Gymnasium Stainach abhalten sollen. Der fällt natürlich aus. Ebenso die Moderation des Poetry Slams im ccw in Stainach am Freitag, den 13. März. Dafür bin ich seit Mittwoch wieder in Wien und habe vorerst alle Hände voll damit zu tun, Absagen einzufahren und Ersatztermine vorzuschlagen. Vier Termine wären es diese Woche gewesen. Eine Woche, in der ich ganz gut verdient hätte, wird zum Minusgeschäft. Wie es ausschaut, wird nicht nur der März sondern auch der April zur Gänze einkommenlos ausfallen. Das kann ja heiter werden.
Donnerstag, 13. Februar 2020
Stainach-Irdning-Pürgg
Mit großem Bedauern geben wir kund, dass am Dienstag, den 12. Februar 2020 um 15Uhr30 im Gymnasium Stainach unsere liebe Freundin und Mutter unzähliger Seiten, die von uns allen geschätzte Schreiblust von uns gegangen ist. Ihr plötzliches Ableben traf uns alle unvermittelt und hart. Die Schreiblust bescherte uns viele schöne gemeinsame Stunden und ist leider für immer futsch. Wir verabschieden uns von der geliebten Freundin und Mutter im Rahmen eines Poetry Slams im ccw und zwar am Freitag, den 13. März 2020. Wir bitten, von Blumenspenden abzusehen, freuen uns aber, wenn Sie alle Ihre Freundinnen und Freunde mitnehmen, um für die Schreiblust ein letztes großes Fest abzuhalten. Der Leichenschmaus wird ausschließlich in flüssiger Form gereicht werden, aber ausreichend vorhanden sein. Auf Ihre Teil- und Anteilnahme freut sich die Trauergemeinde rund um Papa Slam.
Freitag, 1. November 2019
Laber- statt Biberkopf in Berlin
In bester Rainald Goetz Manier loslabern aber auf den Spuren von Alfred Döblin wandern, das war mein Begehr.
Ich nützte meinen Berlin Aufenthalt, um mir den Alexanderplatz vorzuknüpfen. 90 Jahre nachdem Franz Biberkopf vom Großstadterlebnis Berlin überwältigt wurde und die Stadt mit allen Sinnen in allen Fasern wahrgenommen hatte und Alfred Döblin somit einen Klassiker der deutschen Moderen geschaffen hatte, begab ich mich per U-Bahn Richtung Alex, um aufzuschreiben, was mir unterkommt, wenn ich mich von der U-Bahnstation bis zur Weltzeituhr begebe.
155 Schritte, jede Menge Eindrücke, an sich nicht zu fassen, was einen alles umgibt. Ich konzentrierte mich auf 70 Minuten und danach war ich fertig aber glücklich.
Der Text wird dann demnächst im Musilhaus in Klagenfurt bei einem Döblin & Musil Symposion zu hören sein. Ich freu mich.
Ich nützte meinen Berlin Aufenthalt, um mir den Alexanderplatz vorzuknüpfen. 90 Jahre nachdem Franz Biberkopf vom Großstadterlebnis Berlin überwältigt wurde und die Stadt mit allen Sinnen in allen Fasern wahrgenommen hatte und Alfred Döblin somit einen Klassiker der deutschen Moderen geschaffen hatte, begab ich mich per U-Bahn Richtung Alex, um aufzuschreiben, was mir unterkommt, wenn ich mich von der U-Bahnstation bis zur Weltzeituhr begebe.
155 Schritte, jede Menge Eindrücke, an sich nicht zu fassen, was einen alles umgibt. Ich konzentrierte mich auf 70 Minuten und danach war ich fertig aber glücklich.
Der Text wird dann demnächst im Musilhaus in Klagenfurt bei einem Döblin & Musil Symposion zu hören sein. Ich freu mich.
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