Donnerstag, 13. November 2025

Indienklischeeabbaustelle Fortsetzung

Was weiß ich schon von Indien? Nicht viel. Es werden 1.600 verschiedene Sprachen dort gesprochen und da sind die Dialekte noch gar nicht dabei. Es leben circa eineinhalb Milliarden Menschen dort und man kennt erstaunlich wenige davon. Das hat natürlich mit der westlichen Weltsicht zu tun, das hat aber auch damit zu tun, dass Indien zum Beispiel wenig weltweit bekannte Künstler*innen oder Sportler*innen hat. Gemessen an der Menge der Menschen, müsste es doch immer mal wieder Medaillen bei den Olympischen Spielen geben. Aber ich kann mich leider nur daran erinnern, dass da mal einer war, der im Speerwurf überraschte, gemerkt hab ich mir den Namen leider nicht und schon recherchiere ich. 

Wikipedia weiß: Neeraj Chopra (Hindi नीरज चोपड़ा Nīraj Copṛā [niːrəʤ ˈtʃoːpɽaː]; * 24. Dezember 1997 in Khandra, Haryana) ist ein indischer Leichtathlet, der sich auf den Speerwurf spezialisiert hat. Bei den Olympischen Spielen 2020 gewann er die Goldmedaille in dieser Disziplin mit einer Distanz von 87,58 m und 2023 wurde er Weltmeister. 

Und ich wusste immerhin, dass ich unter Indien, Speerwurf, Olympia nachschauen musste. Weil da was im Hinterkopf hängen geblieben ist. 2024 war es dann die Silberne und dann gab es noch ein paar Brozene für die gesamte Nation.  Aber das nächste Mal ist das Cricket olympisch und da ist natürlich mit Indien zu rechnen. 

Natürlich kenne ich Salman Rushdie. Den haben wir auf unserer Hochzeitsreise in New York (das war noch vor dem Messerangriff auf ihn), in der größten Buchhandlung der Stadt am Union Square live gesehen und das gleich am ersten Tag. Mit riesigem Polizeiaufgebot und einem souveränen Rushdie. Dass er - als er mit der Fatwa belegt wurde - eine Zeit lang von Rudolf Scholten im Waldviertel versteckt wurde, habe ich irgendwann mal mitgekriegt. Dass dort jetzt das Literaturfestival Heidenreichstein stattfindet, ist eine schöne Geschichte. Eine traurige Geschichte ist, dass ich mir als junger Student in den 1990er Jahren "Des Mauren letzter Seufzer" gekauft habe und daran gescheitert bin. Ich wollte etwas vom großen Salman Rushdie lesen und war zu klein dafür. 

Auf die Reise nehme ich aber nicht Rushdie sondern "Der Gott der kleinen Dinge" von Arundhati Roy mit.  Morgen mehr.

Montag, 10. November 2025

Reisevorbereitungen

Wie sich auf eine Indienreise vorbereiten? Da gibt es natürlich die unterschiedlichsten Zugänge und Arten. Am frühesten hatte ich mich mit den Vorbereitungsimpfungen auseinander zu setzen. Typhus, Tollwut, Dengue Fieber, Polio, Keuchhusten, Tetanus, Hepatitis wird aufgefrischt und der FSME-Schutz passt noch. Der September 2025 ist mein Impfmonat, die Tollwut ist dreistufig und hat es ganz schön in sich. Ich unterschätze das beim ersten und zweiten Mal und bin danach tagelang ein Impfzombie. Nein, dieses Wort wollen wir nicht etablieren. Mich praggte es nicht grad um, aber es beutelt mich schon ordentlich her, einmal verlier ich sogar meine Stimme und muss mit einem Reststimmchen auftreten. Aber alles besser als Tollwut. Die Impfungen kosten mich vermutlich mehr als die ganze Reise. Aber daran soll man nicht denken. Das ist Vorbereitung und dient generell der Gesundheit. Damit ist man körperlich für Indien gerüstet. Gegen Durchfall gibt es Kohletabletten und gegen nicht aufhören wollenden Durchfall gibt es Imodium. Ich werde wohl doch eine Flasche Schnpas mitnehmen und immer direkt desinfizieren, was ich zu mir nehme. Peel it, cook it or leav it - heißt es bekanntlich. Ob sich immer alles schälen lässt, bezweifle ich. Schnaps wird mir beistehen. Soviel zum gesunheitlichen körperlicher Art. 

Den Geist muss man natürlich auch auf diese Reise vorbereiten. Es fragen einen ja nicht wenige, ob man Erleuchtung sucht. Such ich nicht. Der Geist lässt sich lesend, Filme schauend und bei der Indischen Botschaft auf die Ausstellung eines Visums wartend vorbereiten. Im Grunde geht es mehr um Gelassenheit. Mit Gelassenheit lässt sich vermutlich auch Durchfall besser vertragen. Gelassenheit jedenfalls übt man ab besten in der Indischen Botschaft in Wien, Opernring. Nein, online lässt sich da nichts machen. Es ist zwar viel online zu machen, dann auszudrucken und mitzubringen, aber ein Online-Visum, nein, nein, nein. Das mit der Digital-Nation mag auf eine Region irgendwo in Indien (wo ist das Silicon-Valley Indiens?) zutreffen. Hier wird noch mit Papier gearbeitet und erstmal an der Ausfüllmaske auf der Homepage verzweifeln, denn die stürzt gerne ab, während man noch überlegt, wo die eigene Mutter geboren wurde. Ja, es wird allerhand abgefragt. Das geht schon ganz schön in die Tiefe. Ab dem zweiten Mal kennt man Leute, die demnächst auch nach Indien wollen. Manche haben es schon ziemlich eilig, die Beamten nicht. Man kommt ins Gespräch, tauscht sich aus, was beim jeweiligen Antrag fehlte. Sehr sympathisch eigentlich, müsste man nicht ein drittes Mal Antanzen, bis dann alles passt. Aber Indien braucht, wie die Eintrittskarte für das Land, Geduld. 

Wenn jemand mit dem Pass und einem auf das richtige Datum ausgestellten Visum den Büroraum verlässt applaudieren die anderen Leidgeplagten. So schnell entsteht eine Schicksalsgemeinschaft.  Davon liest man in den "Gebrauchsanweisungen für Indien" nichts, das erzählt einem auch kein Mensch, der schon in Indien war, da sind dann doch andere Dinge eindrücklicher und wichtiger - das ist nur zu verständlich und ich freu mich auch schon drauf. Um meine drei Wochen dort dann bestens auskosten zu können, mache ich diese Vorarbeit hier. Die Vorbereitungen festhalten, die Reiseeindrücke dann auch. Es soll ein Davor, ein Danach und das Dazwischenhauptbild entstehen. Ich bin bereit. Morgen mehr.

Sonntag, 9. November 2025

Indienklischeeabbaustelle

Was weiß ich schon von Indien? Nichts. Fast nichts. Nichts als Klischees. Gut, in die Schlagzeilen geriet Indien im Sommer hierzulande durch den Ausspruch Rajiv Bajaj, Chef des KTM-Miteigentümers Bajaj Auto, im indischen Fernsehen. "Die europäische Produktion ist tot", sagte er und sorgte damit natürlich für Beunruhigung. 
KTM hatte bei mir lange einen hohen Stellenwert. Ich spielte gerne Quartett und beim Motorrad-Quartett gab es eine KTM-Moto-Cross, die ziemlich gut war, fast so gut wie Heinz Kinigadner, der war Tiroler und erfolgreicher KTM-Moto-Cross-Fahrer und was wünschte sich mein Kleinkind-Ich: ja, eine Mini-Moto-Cross. Was hatte ich? Ein Vollgummifahrrad mit Stützrädern aber immerhin im Moto-Cross-Style. Den entsprechenden Sound hatte ich selbst zu machen: Mööh, mööh, mööh, mmemmem, möh... Bald schon konnten die Stützräder entfernt werden, ich wurde waghalsiger und der vorläufige Höhepunkt der Waghalsigkeit war, dass ich mich vom großen Bruder mit dem Puch MV50 Moped (und einem daran und an meinem Lenker befestigten Abschleppseil) ziehen ließ, jedoch recht bald die Kontrolle über mein Gefährt verlor, das ich jedoch nicht auslassen wollte und so halt in Western-Manier über den geschotterten Parkplatz gezogen wurde. Immerhin eine bleibende Erfahrung, die schmerzte so wie vermutlich KTM-Arbeiter*innen die Aussage von Bajaj schmerzte. Weil wenn die europäische Produktion tot ist, ist auch Mattighofen tot und so endgültig mehr Museum als Produktionsstätte. 

Das mit dem hohen Stellenwert von KTM hat sich freilich rasch geändert. Der Tiefpunkt war die KTM-Motohall, die als Museum eingestuft und aus dem Kulturbudget finanziert wurde, letztlich aber nichts anderes ist als ein Stefan-Pierer-Mausoleum, halt ein mit öffentlichen Geldern aufgestelltes. Landeshauptmann Thomas Stelzer freilich sah das anders: „Die KTM Motohall zeigt in Oberösterreich ein Projekt von Weltformat. Was KTM hier hinsichtlich Emotionen und Engagement leistet, ist sehr beeindruckend. Zu spüren, wie motivierte Mitarbeiter hier Möglichkeiten wahrnehmen und gemeinsam mit KTM als Leitbetrieb einen Teil der Erfolgsgeschichte des Landes Oberösterreich mitgestalten, ist beeindruckend und motivierend – ich gratuliere KTM zur Umsetzung der KTM Motohall.“

Ich gratuliere dem Herrn Landeshauptmann zu diesem Statement. Was Stelzer zum Ausspruch Bajajs zu sagen hatte? Ich weiß es nichtIch weiß so vieles nicht und sehr wenig von Indien, werde aber in fünf Tagen eben dorthin aufbrechen. Damit ich also möglichst offen für die konkreten Indien-Erfahrungen bin, versuche ich hier im Vorfeld abzulegen, was mich an Indien-Klischees und -Bildern vorbelastet. 
Was ich erst durch das Schreiben dieses Beitrags und dem damit verbundenen Rumgoogeln erfahren habe ist, dass Bajajs  Großvater ein Adoptivsohn des indischen Staatsgründers Mahatma Gandhi war, dass er aus altem, indischem Industrieadel stammt und dass die Fünf-Millionen-Einwohner-Stadt Pune der Standort der KTM-Fertigung in Indien ist. Ob ich dort vorbei komme? Wir werden sehen. Morgen mehr. 

Dienstag, 4. November 2025

Parkhäuser und Eisdielen in Slamnitz

Chemnitz ist Kulturhauptstadt und Chemnitz war Slamnitz, war eine Woche lang auch die Poetry-Slam-Metropole, denn die deutschsprachige Slam-Szene kürte wieder mal ihre Meisterin. Gratulation Ayşe Irem (damit ist sie erst die dritte Siegerin in der Geschichte der deutschsprachigen Meister*innenschaften). An sich wollte ich ja gar nicht mit dabei sein, aber weil die Krankheitswelle so grassierte und die Plätze für Österreich ja seit Jahren hart umkämpft sind, sprang ich (nicht nur ich auch Mieze Medusa) ein, nahm den Zug und acht Stunden später war ich schon in Chemnitz, wo mir der Wind um die Ohren pfiff (was die umstehenden Windräder rechtfertigt). 

In Chemnistz selbst fielen mir - neben den Plattenbauten und der mir ja sympathischen Brutalismus-Architektur - vor allem die Menge an Eissalons und Parkhäusern auf. Parkhäuser kenn ich nur noch aus Kindheitstagen, da wünschte sich mein Kleinkind-Ich ein Parkhaus mit integrierter Tankstelle, um mit den Autos aus und ein zu fahren, zu tanken und sie auch mit dem Aufzug raufzukurbeln. Arg. Wie wir mit dem Autospielen auf eine Autozukunft vorbereitet wurden. 

Bei uns verschwinden Autos in Städten ja zunehmend in Tiefgaragen, in Chemnitz ist noch Platz genug. Da gibt es selbst im Zentrum, in der Altstadt mehrere Parkhäuser. Gehörten alle gesprengt, meine Meinung. Oder zumindest mit Kunst verschönert. Ein bisschen was war ja zu sehen von der Kulturhauptstadt. Vieles aber versteckte sich in Garagen. #3000Garagen - unter diesem Label firmierte das Hauptprojekt im Rahmen der Kulturhauptstadt. Die Garage - da wo sich Auto, Hobby und Menschen trafen und weitgehend unkontrolliert machen konnten, was sonst nicht möglich war in der DDR. 

Zeit für eine Garagentour hatte ich nicht, mich verblüffte die Anzahl der Eissalons, Eisdielen, Eis-Cafés, der Irgendwas-mit-Eis-Spots die auch Eispol heißen konnten, aber wohl Wärme und Wohlsein suggerieren sollten. Diese Eis-Hot-Spots waren auch gut besucht und die Chemnitzer*innen schaufelten ganze Kübel in sich rein. Es muss wohl ein Mittel sein, sich die Stadt schön zu eisessen. 

Die Fabrikshallen von einst sind jetzt alle Ausstellungsräume, Veranstaltungs-Locations oder umgebaute Wohnungen. Das schaut ganz schön toll aus und erinnert auch an die Industrie-Vergangenheit. Chemnitz war das Manchester Sachsens. Wie geht man mit einem derartigen Erbe um? Versucht man das Birmingham Sachsens zu werden? Jaja, Transformationsprozesse machen Menschen und Städte durch, die Sprache sowieso. Ich wollte einen Turnbeutel mit Kulturhauptstadt-Logo kaufen und musste erfahren, dass das eine Gym-Tasche wäre. Nicht das aber der Preise schreckte mich ab. Ich investierte lieber in Kulturbier (aber auch nicht sehr viel). Die Nase rann mehr, als dass ich Bier die Kehle runter rinnen lassen konnte. Eine Erkältung meldete sich an obwohl ich weder den Eispol noch sonst eine Gelateria aufsuchte. 

Der bunte Schlot, der von Weitem zu sehen ist, dürfte wohl zum Markenzeichen der Stadt werden. Wenn er ein Produkt der Kulturhauptstadt ist - gut. Wenn er schon länger steht - umso besser. Der Kurztrip nach Chemitz war eine runde Sache. Dass Lia Hartl - die frische Ö-Slam-Siegerin - auch dritte der deutschsprachigen Poetry Slam Meister*innenschaften wurde, war natürlich der Sahnegupf des Aufenthalts.   

Ein Nachtrag, um zu demonstrieren, was ich von KI halte. Der Prompt "Slam 25 Siegerin" wurde von KI wie folgt beantwortet:  
Die Siegerin des Poetry Slam 25 gibt es nicht mehr, da "Slam 25" wahrscheinlich eine falsche Jahreszahl war . Die deutschsprachige Poetry-Slam-Meisterschaft fand 2025 nicht statt, da sie erst im November 2025 stattfand und Ayşe Irem die Siegerin war, oder der Wettbewerb wurde unter einem anderen Namen ausgetragen.
 
Warum sich auf den Scheiß verlassen?!

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Slam the Cello

Die letzte Woche hatte ich richtiges Boy-Group-Tour-Feeling. Mit dem Programm "Slam the Cello - Rock the Poetry" war ich mit Cemplified und dem Beatboxer Samuel Plieger unterwegs (mit Zug und Schienenersatzverkehr) und wir spielten zwei speziell an den Nationalfeiertag angepasste Shows im Alten Kino Landeck (dort wurde auch das tolle Foto als Plakatsujet verwendet, vielen Dank!) und im Treibhaus in Innsbruck. 

Cemplified besteht aus den zwei Cellisten Julian Walkner und Peter Pölzer. Sie präsentierten nebenbei ihre neue CD tungsten wound und sie spielen eigene Nummern und interpretieren Hard-Rock-Klassiker und andere Ohrwürmer. Wir machten vier Nummern gemeinsam, sie vier solo, ich vier solo und drei Nummern gingen gemeinsam mit dem Beatbox-Star über die Bühne. Der Treibhaus Turm war voll und wir alle voll und ganz zufrieden. Mögen weitere gemeinsame Auftrittsmomente entstehen!

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Thomas Bernhard heißen meine Brüder

Wer ein richtiger Thomas Bernhard Fan ist, besucht mindestens einmal im Leben Ohlsdorf. Er*Sie rutscht dann auf den Knien um den Hof des Weltliteraten und wettert vor sich hin: "Wien hat mich nicht verdient, Graz ist nichts, Linz ist nichts, rechts von Linz ist nichts, Salzburg ist die Hölle, Ohlsdorf der Vorhof davon...." oder ergötzt sich einfach an den Spuren, die Thomas Bernhard in diesem Ort hinterlassen hat und entdeckt Neues. Ich hatte ja die größte Freude daran, dass direkt bei der NMS-Haltestelle ein Haus mit einmaliger Fassaden- und Zaungestaltung direkt darauf gewartet hat, von mir entdeckt zu werden. 

Als ob es mir zu Fleiß vor die Nase gestellt worden wäre. Ich mit meinem "Land der Zäune" auf Lesereise (am Abend steht die Lesung daraus in der Kurdirektion in Bad Ischl an) und was tut sich da vor meinen vor Erstaunen aufgerissenen Augen auf? Nicht nur die prächtigste Gabbionengrundstücksumrandung, nein, damit nicht genug. Gabbionen wurden auch als Fassadenelemente verwendet! Nicht zu fassen. Aber auf jeden Fall ein Foto wert. Ein Mahnmal der Geschmacklosigkeit und der Zaunmoden gleichermaßen. Ein Sinnbild der Verschlossenheit. 
Ohlsdorf sonst natürlich tiptop. 

Montag, 6. Oktober 2025

Selbst ein Kärntner See ist keine Frittatensuppe

Der jüngste Aufenthalt in Kärnten stand im Zeichen von Familie, Arbeit aber auch Freizeit mit Freund*innen. Wir haben zwei Nächte in Egg am Faaker See bei Familie Clar (Danke Peter!) verbracht und eine lange beziehungsweise kurze Nacht in Klagenfurt im Musilinstitut (Danke Edith!). Die kulinarische Reise reichte vom Weißwurstfrühstück am Sonntag bis zu Arni Furno ke Gigantes (Lammstelze mit Riesenbohnen) beim Griechen in Villach. Dazwischen wurde Wimitzer gereicht. Das war in Summe die perfekte Mischung, hat aber doch dazu geführt, dass wir recht augepowert die Rückreise antraten. Wie gut, dass das Lunchpaket eine ganze Backhendlfarm enthielt. Wir werden Kärnten fleischig herzhaft in Erinnerung behalten. 

Nicht unerwähnt soll freilich auch der Marktbesuch am Samstag Vormittag bleiben. So viel Speck und Würste hab ich lang nich mehr gesehen. Kaufte einen Kärntner-Kasnudel-Vorrat aber schon auch (von Bertl Mütter empfohlenen) Senf, nona Speck und richtete mich - nachdem es am Freitag doch Samstag und 3 Uhr geworden war - mit einer Friattensuppe in der Markthalle wieder auf. Dass ich dort auf die Lesung im Musilinstitut angesprochen und mit Lob überhäuft wurde, war der wärmendste Moment des Aufenthalts. Obwohl an sich eh an zwei Tagen noch ordentlich die Sonne scheinte. Aber gegen Suppe und Lob kommt kalt selbst ein Kärntner See und Spätsommersonne nicht an. 

Dieses Suppenküchenlob allerdings war ähnlich überraschend wie die Entdeckungen, die ich im Großraum Faaker See machte. Dort hat doch tatsächlich ein*e Fan/Freund*in/Unbekannte*r "Land der Zäune" Pickerl ziemlich gezielt an gut ausgesuchten Stellen angebracht. Ich nahm die Schnitzeljagd an und hab versucht, zu dokumentieren (was ich halt so fand in einem 2 Stunden Spaziergang). 

Freitag, 12. September 2025

Abenteuerwels

Wandle auf alten Pfaden. Mache einen Wels Abstecher. Kaufe ein "Wös is ka Fisch"-T-Shirt und besuche die aktuelle Stadtschreiberin im Black Horse Inn. 
Es ist kein Geheimnis, dass die aktuelle Welser-Stadtschreiberin Mieze Medusa (also meine Frau) ist. Es ist alles andere als ein Geheimnis, dass wir die Antrittslesung am Dienstag, den 23. September im Hotel Hauser gemeinsam bestreiten werden. 
Deshalb, so hab ich mir gedacht, kann es nicht schaden, wieder mal vorbei zu schauen. Zu schauen, was sich so getan hat in den letzten 8 Jahren. Und es gibt viel zu schauen. Da wird großflächig entsiegelt, dort wird großflächig versiegelt. Vielen Dank für das Renaturierungsgesetz - geschätze Leonore Gewessler!

 


Dienstag, 1. Juli 2025

Schärding ist nicht Schladming - Schärding ist schön

Darmflora

Du bist mein Leberblümchen
Nicht meine zarte Gürtelrose
Bist mein Vergissmeinnicht
Bist Veilchen und auch Herbstzeitlose

Du bist nicht mein Ohrenkaktus
Du bist mein schmatzend Schamlosmoos
Bist Glockenblume, Iris und auch Nektarsoß

Du bist Wurzel, Knospe, Blüte
Ich dir nicht gewachsen
Bist Farbe, Freude, Güte
Ich mach nur Faxen

Du bist der Schön-, Herzlich-, Fröhlichkeiten ein ganzer Strauß
Und dieses Landesgartenschaublumengedichtchen nun aus

Mein erstes Mal in Schärding. Tolle Stadt. Brauerei im Zentrum. Landesgartenschau drumrum. Tadellos. Großer Hauptplatz, Bahnhof etwas außerhalb aber mit Bummelzug verbunden. Bummelzug stinkt zwar etwas, aber wollen wir außnahmsweise drüber hinweg sehen. Ist ja schließlich ein öffentliches Verkehrsmittel. Aber für die Zukunft: E-Bummelzüge müssten schon drinnen sein, gell! Wenn wir schon beim Kritisieren sind, sei auch gleich gesagt, dass es auch schön gewesen wäre, wenn die Gastro und die Toiletten mit etwas Baumschatten versehen worden wären, von der Bühne wollen wir jetzt mal gar nicht reden. So eine Klozelle in der prallen Sonne heizt sich ganz schön auf. Ich fall ja nicht so schnell in Ohnmacht aber das durchschnittliche Landesgartenschaupublikum ist halt doch etwas betagter. Aber wir hatten eine feine Zeit dort und das nächste Mal bleib ich auch länger, denn Schärding ist ja so interessant, wie ich herausfinden durfte. 

Wusstet Ihr, dass das allseits bekannte Sprichwort "Gut Ding braucht lang Weil" ursprünglich "Gut Schärding braucht lang Weil" lautete? Also: Damit es dir in Schärding gut geht, braucht es Langeweile. Das ist ein anachronistischer Aufruf zur Langsamkeit, der uns - die wir von der Hektik des Alltags und der generellen Schnelllebigkeit geprägt und gefordert sind - allen gut tut. Nehmen wir es uns von nun an zu Herzen: Gut Schärding braucht Langeweile!  

Wusstet Ihr überdies: Das Schärding ist ein Ding, das schert. Das Schärding wurde lange zur Schafschur verwendet. Mit der Erfindung der Schafschere allerdings war diese Beziehung beendet. Schärding hat aber nciht den Kopf in den Sand respektive die Wolle gesteckt, Schärding hat sich neu orientiert, umgeschult und neu positioniert als - nein, nicht größter Käse Österreichs - sondern als Blumen-Hot-Spot. Schärindg ist nunmehr ein Blumenmeer. Schärding blüht auf. Schärding ist schön, sehr schön. So schön schön ist nur Schärding. Ich komme wieder. 

Samstag, 17. Mai 2025

100 Jahre Poetry Slam

Don't try this at home, ist man geneigt zu sagen. Versuchen Sie nicht, dieses Projekt nachzuahmen. Zu zahlreich die potenziellen Fehlerquellen. Versuchen Sie nicht, eine Überraschungsparty für zwei demnächst 50 Jahre jungen Menschen zu organisieren, versuchen Sie erst recht nicht, diese Menschen dann auch noch mit einem Buch zu beschenken, das sich nur um diese dreht - 300 Seiten lang. Das kann nur schief gehen. Nie und nimmer lässt sich das über zwei Jahre geheim halten. Irgendwer wird plaudern. Es plaudern doch alle so gern. Sie schweigen und schreiben aber offenbar noch lieber. Denn ja, es ist geglückt. 

Es ist den Herausgeber*innen und Organisator*innen von "100 Jahre Poetry Slam und mehr" Peter Clar, Martin Fritz und Yasmin Hafedh tatsächlich gelungen, 40 Menschen ins Boot zu holen, um Beiträge und Verschwiegenheit zu bitten und es ist ihnen überdies gelungen noch viele weitere Menschen zur Fete am Samstag, den 10. Mai 2025 ins Depot zu locken, um dieses Irrsinns-Buchprojekt zu feiern. Was soll ich sagen: Buch des Jahres und Party des Jahres und bestes Geschenk ever! Ihr seit großartig. Wir fühlen uns sehr geliebt und werden weiterhin zurücklieben! Das Buch ist im Sonderzahl Verlag erschienen und hier erhältlich.