Samstag, 5. April 2014

Schokomasse und Bergmassive - oder die Kunst der Verführung bei Bergers zu Lofer

Temperierrohr oder der Schokoquell
Wir fahren von Salzburg Richtung Lofer. Machen eine Ehrenrunde im Walser Kreisverkehr. Da steht nämlich ein Walser Birnbaum in einer Art Calimero-Schale. Wir fahren vorbei an vielen Betrieben, an Zäunen hängen Werbebanner mit Anzugmännern die Festnetz-Tastentelefonhörer ans Ohr halten und sich als diverse Versicherungsmakler präsentieren. Wir passieren einen Trödelverkauf, eine Forellenräucherei, ein Landratsamt, ein Bergwachtsheim. Tiere, die wir nicht kennen, weiden im Grün. Wir überqueren dauernd Gewässer, die Unkenbach, Saalach und Schwarzbach heißen. Wir kurven uns voran. Schilder amüsieren uns. Es geht nach Schneuzelreuth, zum Kniefpass, zum Röhrenwirt. Hangsicherungsgitter bewahren uns vor Steinschlag, nicht aber vor Steinmauern.
Mieze beim Hasenguss
Die hat man gern hier. Fensterumrandungen sind hier offenbar auch ein Muss. Es gibt aber auch nackte, neue Häuser. Die sind dann schnittig modern in Reihe mit Tiefgarage und Grasbalkondeko oder sonst irgendwie trendig kunst-am-bauig. Es reichenhallt. Da ein Waffeneck, dort das Café Bobo's, Deppenapostrophen dort und da, Schiständer auch. Die Fleischhauerei heißt Rass und der Familientagespass kostet 82 Euro. Rundherum – klar – Berge: die Reither und die Lofer Steinberge mit dem Reifhorn (2504 m) in der Mitte. Das gibt sich matterhornig, schneebedeckt und exponiert. Der Ort hat noch Läden keine klassischen Vorstadt Fressnapf-Drive-in-Baumax-Gebäudekomplexe. Unser Ziel ist die Firma Berger (feinste Confiserie). Unser Vorhaben ist eine Fotostrecke. Unsere Aufgabe Osterhasen herzustellen.
Wir (dem mit dem Doppelkinn, die mit dem Doppelsinn) produzieren Schokoladenhüter -
 Wir machen das in schokobraunen Mänteln und in weitgehender
Lachende Hasen und lauernde Formen
Unkenntnis des Prozesses. Wir lernen aber schnell. Schokolade fließt und härtet schnell. Wir arbeiten langsam. Wir sind keine Schminkroboter. Wir pinseln händisch mit weiß, braun, grün, oranger Qualitätsschokolade. Die Formen sind negativ und spiegelverkehrt zusammenzuklappen. Das erfordert schon Umdenken genug. Wir tupfen, verstreichen und streifen Hasen, wir malen uns fette Blumen aus und verleihen Schlappen Ohren Pfiff. Wir verlieben uns in das Temperierrohr (das ist eine nie versiegende Schokoladenquelle, ein Schokobrunnen im Loop). Wir verlieben uns generell in Wörter: Schokoladenfladen, Knuspernougatmänner, Knallbrausenhase. Wir füllen die Formen großzügig. Wir sind nicht die Gramm-, wir sind die Kilo-Klasse. Wir haben ein Faible für die Rüttelplatte, die die Hasen hoppeln und die Form auskleiden lässt, die Schokoschleuder erinnert uns an Prater-Attraktionen - „Jetzt geht’s up and down und hoch und her und rauf und runter und munter weiter bis zum Magen Bruch!“ - nur beschert die Schokoschleuder den Hasen ihre generelle Hohlheit, wohingegen
Mieze malt
Prater-Attraktionen maximal für Magenfreiheit sorgen. Wir geben den Hasen Zeit, zum hart werden und verbeißen uns einstweilen in Konfekt und alkoholische Eier. Wir schauen angehenden Pralinenmeisterinnen beim Mandelsplitterstreuen und Verpackerinnen beim Zellophaneinschlagen zu. Wir dringen in den Bürotrakt ein, Anschauungsobjekte unter Glasstürzen, Bürokräfte vor Bildschirmen, im Eck das Besprechungszimmer mit rundem Tisch und freier Sicht auf die Bergmassive. Wir sind überwältigt, obersgetrüffelt und voll edel satt. Couchierte man uns jetzt, wir wären feinste Masse, Walzengut bester Qualität. Wir werden informiert, beschenkt und betütet. Wir schütteln Chefitäten-Hände wie vorher Hasenformen. Wir fühlen uns bestens behandelt und lassen uns im Verkaufsraum verführen. Wir kaufen Geschenke für mehr Freunde als wir haben, aber wir haben Freude und noch was vor.
Der bekennende Grobmotoriker schaut zu und ist um Schadensbegrenzung bemüht
 In Wals wartet die Ostereierbemalerin, in Salzburg der Wetterhahnherstellmann. Hase – Eier – Hahn – Firma – Frau – Mann.
Eine runde Sache, ein bunter Ostertrip, eine Fotostrecke mit Mieze Medusa und Markus Köhle am nächsten Donnerstag im Magazin ihres Grauens: NEWS

Montag, 17. März 2014

Verkiesung

Wenn man aufwacht mit dem Bild eines „schwarz gesandeten Teerpappdaches“ dann weiß man, dass man von einer Welt geträumt hat, in der man sich schon lange nicht mehr bewegt aber die man kürzlich – familienbesuchsbedingt – aufgesucht hat. Teerpappnägel fallen einem dann auch gleich ein und die Gummiteller die diese von normalen 100er Nägeln unterscheiden. Seltsame Welt der Träume.
Was da hervorgekehrt wird. Ja, ich habe vor geschätzten 30 Jahren dabei geholfen, das Dach des Holzschuppens mit Teerpappe zu decken. Und ja, den einen oder anderen Nagel habe ich irgendwie (also schon mit einem Hammer) durch die Pappe ins Holz drunter gejagt, wohl mehr schief als recht grad. Und nochmals ja, das Dach gibt es in dieser Form längst nicht mehr, den Schuppen schon (Schuppen sind hartnäckig). Das Dach ist jetzt kiesgeschottert. Was so als Wort betrachtet ja auch was kann.

Samstag, 15. März 2014

Tierisches Opava

Lange Nacht der kurzen Texte in Opava. Zwei Nächte, zwei Workshops, jede Menge Texte. Tina hat geladen und organisiert - vielen Dank! - und Opava (Troppau) hat sich von seiner sonnigsten Seite präsentiert.
Wien-Breclav-Ostrava-Opava (4 Stunden, zwei Zwischenstopps, ein Radegast). Da ich mich ja momentan mit Wolpertingern befasse (siehe: http://wolpertingerschnitzeljagd.wordpress.com), kam mir das Tierische dieser Stadt sehr entgegen und es entstanden so einige Texte (abseits der Workshops). In den Workshops natürlich auch. Zum Beispiel dieser:
Oh nein - ein WS-Liebesgedicht - oh doch!


O lila Liebe Angelie
und ach du lieber Scholli
Ein Hundgedicht wird das wohl nie
O nein, im Ernst verroll di
Du Kaktusdepp, du keine Ahnung
Du Scheibenkleister-Rasterfahndung
Du Schokotorten-nachts-Verputzer
Du moneybankaccount-Benutzer
Du Wörterbücherschluck-und-schnapper
Du Stammbaumwurzeln-Schnitt-Abkapper
Du keine Ahnung, was weiß ich
Ich mach's kurz: Ich liebe dich!
Oh nein!
Oh doch!
Du bist mir mein Tag-und-Nacht-Vergissmeinnichtstraußbinder
Ich bin dir dein Sonnenschein-togogogo-Erfinder
Du bist mir mein Morgenmuffelwegküssdoppelmocca
Ich bin dir dein Schüttelrüttet-mach-dich-rund-um-locker
Du bist mir mein Spülmaschinen-ein-aus-Lader
Das ist mal eine ehrliche Ansage!
Ich bin dir dein See, dein Fluss, dein Strom zur Herzschlagader
Du bist mir mein Schnellkoch-Eintopf-satt-Gericht
Bin ich dir am Ende leicht zu schlicht?

Freitag, 14. März 2014

Schadnager Preisschlager Kwizda ist da!

Zu meiner Zeit lockte man Kinder mit Raider.
Raider oder Mars war die Frage.
Hauptsache irgendwas zäh-pickig-süßes mit Karamell.
Jetzt also Schadnager. Soll sein.
Ist auch ein schönes Wort: Schadnager.
Und auch eine gute Werbung.
Allein diese Farbgebung.
Und dann die Wortwahle: Rattenscharf!

Gesehen bei mir ums Eck in der Haberlgasse.
Ratten nehmt euch in Acht.
Raider geht um, da hilft twix.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Jogginghosensäcke am Welttag der Samen

Keine Joho - eine Pyho!
Heute ist der Tag der Samen. Es gibt einen Weltfriedens und einen Weltkrebstag, es gibt den Murmeltiertag und den Weltnierentag, den Pi-Tag und den Tag des Deutschen Bieres, den Weltschildkröten- und den Weltzugvögeltag, den Mutter- und den Milchtag, den Barnabas- und den Bloomsday, natürlich den Tag des Handtuchs, den Weltdufttag und den Tag gegen den Lärm, den Tag der Freude und der Fische, den Lungen- und Kopfschmerztag, den Tag der Sauna und den Tag der Tollwut, es gibt einen Vorlese- aber keinen Zuhörtag, es gibt den Tag des Eies und den Weltnudeltag und tatsächlich auch einen Tag der Feuchtgebiete und der 21. Jänner ist der Welttag der Jogginghose und nicht nur das; es ist auch der international hug day und das trifft sich gut, denn wer eine Jogginghose hat, wird Tag für Tag gehugt.
Denn die Jogginghose (Joho) ist weit mehr als ein Stück Wohlfühlstoff. Die Joho ist Stoff für ganze Dramen und ohne Joho keine Kultur, also keine Freizeit- und Fernsehkultur. Ohne Joho auch keine Daniel T. Spira Alltagsgeschichten und generell keine Sozialpornos. Ja, vermutlich nicht mal Exhibitionisten ohne Joho, also schon ohne, aber vorher hatten sie meist eine an. Ohne Joho würden wir immer noch im Pyjama die Zigaretten, Post und Bier holen. Ohne Joho wäre Mel C Sporty Spice noch Vorstadtfrisörin. Ohne Joho steckte der Hip-Hop noch in den Kinderschuhen und ohne Joho hätten es viele Poetry Slammer nie auf die Bühne geschafft. Ja, eine Joho enthält vermutlich mehr Genmaterial als eine Samenspende und heute - 6. Februar - ist der Tag der Samen. Amen.

Dienstag, 14. Januar 2014

Vogelorigami

Ich bin ein Sprecht! Das lautstark zu beteuern, komme ich oft nicht umhin, zumal der Sprecht! ein Vogel ist, der mir sehr entspricht. Einerseits der Imperativ von "sprechen" - andererseits dies beharrlich klopfende Wesen. Ein "Sprecht!" halt. Sonja hat mich erhört und in Papier gebannt.
Vielen Dank dafür!

I



Ach ja: Sprecht! ist zu finden (lesen und hören) in "Ping-Pong-Poetry" von Mieze Medusa und Markus Köhle, erschienen im Milena Verlag 2013.

Freitag, 3. Januar 2014

Wende der Buchkunst

Erlass des Wirtschaftsministeriums: Bücher in Möbel-
einrichtungshäusern brauchen keine Seiten
Modernes Märchen
(mit Goethe-Zitat-Fakt-Check)

Es war einmal in Österreich.
Eine mit allen Theoriewassern gewaschene Akribie-Bitch traf auf einen Bourdieu-Nerd. Der Quotenpups war auch dabei. Das ironiegetränkte Metaebenengekudere sloterdejkte so dahin, Blumenberg war keiner zu erwarten.
Da kam Urs. Urs war klug, urklug. Alle nannten Urs Diskurs.
Die
Akribie-Bitch erstarrte, der Bourdieu-Nerd ergab sich in Feldtheorien, der Quotenpups verzog sich. Urs ließ seine Aura wirken und sprach... vorerst nichts, weil er ja seine Aura wirken ließ. Wirk, wirk, wirk.
Das
Wirkwerk dauerte. Die Akribie-Bitch und der Bourdieu-Nerd wurden unruhig. Sie trommelte mit ihren Fingernägeln auf dem Kaffeehausmarmortischchen, er ließ seine Tellerpupillen im Stroboskop-Takt flackern. Urs hielt der Spannung stand..., fand aber nicht die richtigen Worte und ging wieder.
Moral: Gut Ding braucht lang' Weil *
(Alternativmoral für Regierungsimagepflegezwecke: Es braucht weder ein Wissenschaftsministerium noch eine einschüchternde Intelligenzija, es braucht lediglich Menschen wie du und ich und alles wird gut.)

* Originalzitat von Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meister Wanderjahre oder die Entsagenden: „Gut Ding will Weile haben“


Dienstag, 31. Dezember 2013

Nachbeben

Flughafenstillleben in Bergen (Norwegen)
Strandstimmungsstillleben am Fakersee (Kärnten)
Inselstillleben mit Hemd (Griechenland)
Haltestellenstillleben an der Wand (Niederösterreich)
Ein Jahr im Schnellrückblick. Pro Monat ein spezielles Ereignis (Buch/Film/Auftritt/Erlebnis). Herausragend im Jänner war die Live-Aufnahme der Ping Pong Poetry CD am 14.1. im rhiz. Mieze Meudusa und ich in Höchstform und das Publikum in Applauslaune. DANKE! (Buch des Monats: Land spielen von Daniel Mezger).
Der Februar war dominiert von der Usbekistan-Tour (16.-22.): Eine Woche Exotik an allen Fronten und danach direkt auf die Habil-Fete vom guten alten Steinacher Roland (BdM: loslabern von Rainald Goetz).

Im März verstand man mich in Kiel nicht dafür aber in Lübeck und auf Sylt und mit Auszügen aus dem Standardwerk von Franz Holzmann Durch weniger Sex intelligentere und gesündere Kinder (BdM) gewann ich in Hamburg den Cover-Slam.

Thor Kunkels Subs (BdM) begleitete mich durch den April, der mich von Ostrava über Sarajevo bis nach Bergen führte. Dennoch war das Städtebattle München-Innsbruck am 6.4. in der Bäckerei ein Jahreshighlight ohne gleichen.
Mit Jörg Fauser Goethe, Trotzky und das Glück (BdM) wandelte ich durch den Mai, Maribor, Zagreb, Zadar, Rijeka und Ljubljana und tourte mit den amtierenden Ö- und CH-Slam-Champs Klaus Lederwasch und Renato Kaiser durch Österreich - schön und ganz schön anstrengend.

Im Juni busbimste es mich nur so durch die Bezirke Wiens, passend dazu die Präsentation von Wien schön trinken (BdM hg. von Vanessa Wieser) am 13.6. im phil und passend dazu der neue Krügerlrekord im Schweizerhaus mit anschließender Saisonausklangs-DUM-Präsentation im Anno (hui!).
Der Juli hatte viele schöne Seiten in Buch- und anderer Form. Zum Beispiel den Schafsberg (1783m) am 9.7. oder aber Isabella Straubs Südbalkon (BdM) oder auch den Wauberg am Fakersee oder auch den Nachhauseweg vom poolbar-Slam am 21.7. und natürlich die Geburtstagsgrillfeiern in Nassereith.

Der August wurde - fast schon traditionell - auf Zakynthos verbracht mit vielen Workshops, Büchern und u.a. Sand (BdM) von Wolfgang Herrendorf kurz vor seinem Abgang.
Am 19. September erslammte ich das Faltrad Jango und erfreute mich auch über Frühling der Barbaren (BdM) von Jonas Lüscher. Der September hatte aber auch z. B. Sprachsalz in Hall und Meat-Pepo-Slam mit Viech live und Spanferkel in Aich zu bieten.

Im Oktober, am Nationalfeiertag las ich das Buch des Jahres: Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters von Tilman Rammstedt, kaufte mir eine neue Brille und trank Vodka in Warschau.

Whisky war's dann im November in Bielefeld - aber nicht nur! Ich verlor auch meine Stimme auf der Buch Wien und fand sie in Salzburg beim Dead or Alive Poetry Slam in der ARGE wieder, um gegen Ingeborg Bachmann zu bestehen. Bestechend war Der weiße Hai von Peter Benchley (BdM).

Kaktusstillleben mit Beistand in Venedig (Italien)
Die Dezember-Tour mit Wolf Hogekamp (Langenlois-Wien-Graz) Anekdoten, bulgarischem Schnaps und Poetry Clips im 40er-Hof-Kino war nur noch durch das 70er-Salon-Fest in der Villa im Saggen zu toppen (eine eingene Geschichte - kommt noch, irgendwann im nächsten Jahr). 
Huch!
Jetzt hab ich noch gar keinen Film erwähnt.
Hm.
Das wird wohl Only lovers left alive von Jim Jarmusch werden, den schau ich mir heut noch an.

Danke 2013 - ich freu mich auf 2014!

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Hobbits, Orks und Langenlois

Wer nichts weiß...
Schön langsam habe ich eine Ahnung, wie das Land der Hobbits, Orks, Elfen etc. ausschaut und schön langsam kenne ich mich auch im Kamptal aus.
Das heißt, ich weiß, wann ich aus- und umsteigen muss (Hadersdorf am Kamp) und finde auf Anhieb ins Zentrum von Langenlois, wenn ich am Bahnhof, der zwar wirklich ein Hof ist, also ein mehrstöckiges Haus mit allem drum und dran, in dem aber nichts mehr drin und drum ist. Nicht einmal einen Fahrkartenautomaten gibt es dort, nur nichts und das schaurig. Eine ideale Kulisse für Westernfilme. Für Hobbit-Filme eher nicht, da muss es noch dunkler sein und die Pfade verworrener, steiniger. Steinige Kellergassen und Hohlwege gibt es zwar auch in der Weinmetropole, aber das reicht nicht um als Filmort für den dritten Teil herzuhalten.
Auch nicht für den zweiten Teil von:
Die Pute von Panem. Die Hunger-Games. Diesmal geht es um die Brust und wie immer ans Herz. Schmackhaft (ein Wort, das ich nur erwähne, weil alle Deutsch-Studierenden in Usbekistan es verwendeten, was der Konsumation ihrer antiquierten Literatur geschuldet war).
Und noch ein paar Film Verballhornungen nachgeschossen, Feiertagshomekinotipps mit eingeschlossen:
The Kings Bitch
The Kings Kondom
Kongs Kingdom und - wer eher auf Dokus steht:
Die Viagra-Fälle.
Das sollte reichen - so lange ist das Jahr ja nicht mehr und - wie schon unser gemütlicher Finanzminister Hobbit Spindelegger trefflich zu formulieren wusste, um sich endlich mal wieder ausschlafen und nicht an diesem langweiligen Finanzministertreffen in Brüssel teilnehmen zu müssen - "eines nach dem anderen".
In diesem Sinne: Tu felix Austria - Gute Nacht!

Freitag, 6. Dezember 2013

Bedienung statt Bedrohnung

Als ich heute morgen mein Frühstück von einer Drohne im Nikolokostüm serviert bekam, dachte ich mir – hoppala – da stimmt etwas nicht. Das Frühstück an sich war tadellos. Kaffe: heiß/stark. Brot: frisch/kross. Honig: süß/pickig. Aber ich halt auch müd, matt, morgenmuffelig – ja gar verkatert, verärgert, vergrämt, weil ich verschlafen hatte. Und obwohl ich dank des prompten Drohnen-Frühstück-Services wertvolle Minuten gewann, kam mir denn doch was komisch vor. Bloß was?
Komisch jedenfalls ist ein komisches Wort. Komisch ist eine Mischung aus seltsam und unterhaltsam. Man muss gleichzeitig schmunzeln und sich wundern. Nicht grad erstaunt Kopfschütteln aber schon die Augenbrauen hochziehen und etwas die Augen verdrehen und eben schmunzeln. Schmunzeln ist auch ein komisches Wort: einerseits ein verhaltenes Lächeln, andererseits... – aber das führte jetzt zu weit. Zurück zur Drohne.
Die Drohne war höflich, keine Frage. Sie machte keinen Pieps, surrte nur ein wenig und fuchtelte mit dem Bischofstab. Das schätze ich, vor allem am Morgen. Vielleicht war sie sogar zu höflich?

Überhöfliches Verhalten ist mir ja sofort suspekt. Trällert mir jemand am frühen Morgen so ein überdreht gut gelauntes „Hallllooo“ ins restfett-zerknitterte Gesicht, fahr ich automatisch die Verteidigungswälle hoch. So viel Freundlichkeit in fünf Buchstaben gepresst, da muss Kalkül dahinter stecken. Man kennt das ja, erst ein „Hallllooo!“, und dann ein: „Was darf's sein?“
Jaja, ich kenne das, ich hasse das. Erst Hallo-Terror, dann gleich noch eine Entscheidungsfrage nachgelegt. Aber ich bin resistent dagegen: Wenn mir mein Frühstückswunsch nicht von den Augen ablesbar ist, hat die jeweilige Fachkraft ihren Beruf verfehlt. Kaffee und keine Fragen! Danach bin ich verhandlungsbereit. Aber die Hallllooo-Pest ist allgegenwärtig. Auch in meinem Stammcafé – leider. Aber die Drohne heut morgen – auf Anhieb anstandslos und dann auch noch dieser Bart. Hut ab!

Vielleicht ist die klassische Kellnerei ja das wahre und ideale Einsatzgebiet für Drohnen? Nicht Paketzustellung, nicht gezielter Menschenmord sondern Bedienung.
Auf Wunsch ließe sich sicher ein Grummeln einprogrammieren, um die WienerInnen und TouristInnen nicht zu sehr zu schrecken. Die servierende Grummel-Drohne wäre sicher ein Verkaufsschlager und Publikumsmagnet. Aber warum sucht mich so ein Prototyp heim?, fragte ich mich.
Warum wissen die – ja die, NSA, hat drei Buchstaben, deshalb Plural – warum wissen die, was ich frühstücken will? Warum bin ich unfreiwilliger Proband? Warum macht man mich zum Drohnen-Test-Dummie? Bin ich denen dumm genug?
Wer führt mir da eine Nikolo-Frühstücksdrohne vor der Nase herum und versucht meine Kritikfähigkeit mit Kaffeeduft niederzubügeln?
Wer – verdammt – und warum ausgerechnet mir? Schickt mir lieber einen Staubsaugerroboter – wobei, die sind laut Presse neuerdings suizidal veranlagt, schließen sich mit Induktionsherden kurz und verschmelzen in romantisch-letal-heißer Weise. Schickt mir lieber eine Putzfrau, einen Putzmann, nein, wohl lieber überhaupt eine Frau, einen Mann oder so.

Bin ich womöglich einsam?, schoss es mir nun durch das leicht koffeinerregte Hirn.
Bin ich winterdepressiv? Bin ich mir nicht genug?
Hab ich an sich nicht genug zu tun, um mit mir klar zu kommen?
Brauch ich jetzt etwa noch jemanden dazu? Kann ich mir vielleicht mit einer Frau besser Herr werden? Brauch ich gar einen Mann, um mich endlich wieder mal herrlich zu fühlen?
Oder brauch ich einfach nur Winterschlaf? Will ich ein Bär sein oder bloß ein dickes Fell haben? Eine dicke Haut und eine gute Haut an meiner Seite? Oder genügt ein Flanellpyjama und eine Wärmflasche?

Schickt mir eine Heizdeckendrohne mit Schnapsfässchen!, schrie ich in den Lampenschirm. Man meint ja immer, die Überwachung käme von oben.
Nein, schickt mir einen Menschen, einen Kuschelmenschen, legte ich nach. Schickt mir Liebe, Wärme und einen Kuschelmenschen mit Frühstücksbox.
Das wäre doch ein Job für die kalte Jahreszeit: Frühstücksbox-Transporteur mit inkludiertem Kuschelservice. Füllige Damen und bärtige Herren bevorzugt. Und wenn der Bart schön kultiviert wird, lässt sich der Frühstücksbox-Transporteur mit inkludiertem Kuschelservice sogar zum bummeligen Weihnachtsmann bzw. die Damen zum Christkindl umrüsten.

Ui! Umrüsten – da wären wir wieder beim Drohnenthema. Bei der Bedrohnung, die mich heute am Frühstückstisch in tückischem Tarngewand heimsuchte, die mich aber nicht überzeugen und für sich gewinnen kann. Ich steh auf Menschen und seien sie auch noch so grantig. Und ich steh auch auf überraschende Enden. Oder um es etwas hiphoppiger zu sagen:
Ich verzichte auf eine Schluss-Punchline – ich zieh mir lieber noch einen Schuss Punsch rein!