Donnerstag, 3. Januar 2013

Trashclockworker


Diese Tage rund um Neujahr sind ja auch so die Tage, um Altlasten abzuarbeiten. Zum Beispiel grab ich mich grad durch die Berge auf meinem Schreibtisch und finde das eine oder ander Buch. Zum Beispiel: Uhrmacher von Andy Strauß. Schön ist, dass man momentan ja kaum was zu tun hat, man also sich gleich in Gefundenes vertiefe und loslesen kann. Alle, die irgendetwas mit Poetry Slam zu tun haben, werden Andy Strauß kennen, den anderen versuche ich erst gar nicht, ihn zu beschreiben. Andy Strauß ist ein Phänomen, das muss genügen und er stlammt nicht nur, sondern macht jede Menge Bücher. Zuletzt eben den Roman "Uhrmacher" (Unsichtbar Verlag).
Hat er gut gemacht diese Genre-Trash-Persiflage. Ein Erzähler, der nicht nur kommentiert, sondern auch eine Rolle spielt. Ein Held, der anders tickt. Eine abartig Dicke, die für allerhand Schweinkram herhalten muss. Ein durchgeknallter, reicher Esel, ein paar Running Gags, ein paar ins Leere laufende Handlungsstranblindgänger, ein paar fabelhaft phantasierte Geschichten rund um populärwissenschaftliche Skurrilitäten. Ein bissi Horror, Splatter, Schauermärchen. Ein bissi Sex, Suspense, Bespitzelei und immer den Pfad mit Kaninchenschlupfloch gewählt. Schier manische Beschreibungslust und pervertierte Detailversessenheit mit kalkulierten Brüchen. Unterhaltsam, abgedreht, selbstbewusst anders, mutig trashig.
Ein Genrebastard mit unvorhersehbaren Wendungen, Lust am Spiel mit Lesegewohnheiten sowie Leseerwartungen und guten Schlüssen.

Dienstag, 1. Januar 2013

Montag, 31. Dezember 2012

Romane Galore


Beste nicht besprochene Bücher dieses Jahres.
Gelesen: JA und gerne noch dazu, nur leider nicht geschafft, auch gebührend zu besprechen. Das hat natürlich unterschiedliche Gründe.
Edo Popovic
hab ich nur deshalb entdeckt, weil ich im Literaturhaus Niederösterreich mit ihm lesen durfte (das war im Feber) und um nicht gänzlich unvorbereitet darauf zu sein, hab ich mir KALDA mit nach Kappadokien genommen und am Flughafen von Antalia in der Warteschlange gleich mal die ersten 60 Seiten wie nix und voll Begeisterung weggelesen. In Wien, zuhause, gab ich mir dann den Rest und besorgte mir gleich mehr vom guten Mann aus Zagreb. Mitternachtsboogie und Ausfahrt Zagreb-Süd und demnächst gerne noch mehr. Außerdem veröffentlicht er ja im sympathischen Voland & Quist Verlag und da kann man getrost zur Liebslingsbuchhandlung eilen und nach Mehr verlangen.
Christian Kracht war ja schon immer wichtig für mich. Faserland wesentlicher Bestandteil meiner Diplomarbeit vor über 10 Jahren und IMPERIUM hätte ich mir sicher früher oder später zugelegt, dass ich es aber in Salzburg in der Bücherzelle vor der ARGE Nontal finde und zwar unangetastet und dann natürlich an mich nehme und von einem Tag auf den anderen auslese und zwar in meinem Lieblingshotel in Innsbruck liegend, das es jetzt leider nicht mehr gibt (RIP Hotel Mozart), das ist schon ein sehr, sehr erfreulicher Zufall. Der Kokosnusswahnsinn war natürlich eine rundum überzeugende Wucht, die sich nicht so salopp in eine Nebenbeibesprechung klopfen lässt.
Jörg Albrecht war ja mal Graz-Stadtschreiber und beim Bachmannpreis hat er eine Performance mit Handtuch um den Hals hingelegt. BEIM ANBLICK DES BILDES VOM WOLF war dann mein erstes Buch von ihm und ehrlich gesagt, kam ich anfangs gar nicht so recht rein und es lag lange am Nachtkästchen, das bei mir ja ein Socken- und Unterhosenschubladenkästchen ist. Dann aber, dann zog mich dieser Prekariatstext voll rein. Das rattert und pfeift und ist nah dran an allem, was einem grad so bewegt.
Ich bleibe in Graz, wechsle aber von Wallstein zu Surhkamp, also von Albrecht zu Setz, zu:
Clemens J. Setz und muss mich kurz halten, denn ich habe es noch nicht ganz aufgegeben, über INDIGO zu schreiben. Dieser Roman ist magisch und hat eine ausführliche Behandlung verdient. Ich hoffe, ich hab irgendwann 2013 dafür Zeit.
DEUTSCHBODEN von Moritz von Uslar ist ja schon 2010 erschienen und war lange auf meiner Leseliste, dass ich dem Buch aber ausgerechnet in Kritzendorf in diesem schrägen Sammelsurium aus Floomarkt und Fabriksabverkauf begegnen sollte und es dann im Kilopreis gemeinsam mit anderen Perlen (z. B. Hettche) erstehen durfte, war schon ein sehr willkommener Zufall. Seinen Erstling hab ich ja nicht fertig gelesen und sogar verschenkt, seine Reportagen und seine 99 Fragen Interviews im Zeit Magazin aber lese ich sehr, sehr gern und eine Reportage im besten Sinn ist auch Deutschboden und die Idee dahinter, ein paar Monate in einer deutschen Kleinstadt leben und einfach alles aufzuschreiben ist so einfach wie überzeugend. Nicht minder überzeugend, allerdings schon auch etwas schwerere Kost ist der aktuelle Goetz.
JOHANN HOLTROP
von Rainald Goetz hab ich auf Deutschlandtournee gelesen. Von der Kritik wurde der Wälzer ziemlich harsch behandelt, aber ein tolles Buch ist das schon. Schon klar, so kann man nicht über derartig großartige Bücher berichten aber besser kurz Jahresrückblick-mäßig aufgerollt, als gar nicht gewürdigt und vielleicht schaffe ich es ja doch noch mal die Notizen in Form zu bringen und Stichhaltigeres abzuliefern.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Ackerdemie-Montabaur

Das ist das Maskottchen der Ackerdemie in Montabaur.
Montabaur ist beschaulich und im Westerwald. Montabaur hat einen ICE Bahnhof - zehn Jahre schon. Kommt man dort an, steht man erst mal ziemlich in der Pampa, ahnt aber, dass da irgendwo eine Stadt sein muss.
Ist dann auch, mit Schloss, Stadtmauer, Kaserne und Jugendhaus (beste Betreuung von Ivan, vielen DANK!).
In Montabaurs Altstadt stehen teilweise sehr geneigte Fachwerkhäuschen und aktuell ein paar Buden mit Weihnachtskram, Wurstschnickschnack und Glühweindingsbums.
Am Bahnhof wird man von der örtlichen Jugend mit Hang zum Wochenendtrinken freundlich begrüßt mit: "He du mit der grünen Hose und der Brille!"
Es regnet nicht immer hier aber wenn es regnet, dann ist das mit dem Trinken nur zu gut zu verstehen.
Montabaur kann aber auch mit tollen Worten aufwarten.
Ein Firmenwagen preist "Leckortung" an.
Ich bin seit einer Woche unterwegs, immer privat untergebracht und ergo chronisch unterbefriedigt und stelle mir die aufregendsten Dinge unter "Leckortung" vor.
"Wellfleisch" wird auch angeboten. Auch hier beflügelt sich die Phantasie und lässt mich sexuell unterschiedlich Konnotiertes ausmalen.
Jaja, Weihnachten: Fest der Liebe!

Montag, 17. Dezember 2012

Orangerie und Buntkäfig

Zu Mittag sechs Nürnberger und zum Kaffee eine Bambergerin.
Am Abend dann im Karpfenland Pizza.
Ach, dieses Nürnberg ist schon eine kulinarische Hauptstadt.
Und dass Rösterrei Österreich so nah ist, ist mir auch erst hier in dieser phantastischen Kaffeerösterrei aufgefallen.
Bin echt kaffeebohnenberauscht und von guten, billigen Espressi verwöhnt.
Und das in Deutschland!
Löblich, löblich.
Diese Uhr weht übrigens auf Halbmast. Kein Wunder, ist ja fast fünf vor 12.
Und in der Orangerie war ich auch. Das ist das Bildungszentrum und da hat der gute Michl vor 40 60järhigen gelesen. Dann hab ich diese tollen Fußballkäfige entdeckt und war hin und weg.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Passauweia

Der Innkai ist eine ungeschützte Uferpromenade in hellstem Sonnenschein.
Die Altstadt ist ein kunterbunt verwinkeltes Gassensammelsurium.
Die Innstadt ist Bierodeur dominiert.
Die Gasthäuser sind von Pensionistengruppen geflutet, die Küche deftig und günstig.
Das Kaffeewerk ist ein Glücksfund und eine Fm4-Oase.
Der Dom ist ein Barockauflauf mit Orgelpfeifen Sonderzahl.
Der Inn strudelströmt mattkaltklar bedächtig. -
Die Donau ist sich ihres bevorstehenden Einflusses bewusst.
Alles schmuck, hübsch und überschaubar.
Alles einen Tag lang schön und fein aber darüber hinaus wohl bedrückend und zu klein.

Sonntag, 2. Dezember 2012

Klausur leiwand

Das DUM-Team war auf Klausur. Der Ort musste DUM mindestens enthalten. Das tut Gmunden. Gmunden hat auch einen See, das hilft.
Auf Seen kann man melancholisch blicken und dabei Gedanken fließen lassen. Gmunden hat ein Café Wien (mit Blick auf den See) das hilft auch, vor allem, wenn die Temperaturen winterlich sind und die melancholischen Blicke zu gefrieren drohen.

Gmunden hat außerdem eine entzückende Buchandlung, eine Straßenbahn (sic!), viele Trachtenmodenlodenfachgeschäfte, einen Engelhof und sicher noch allerhand, was wir nicht entdecken konnten, weil wir ja vordergründig dort waren, um DUM-Zukunfts-Dinge zu besprechen.
Das taten wir und so kann man summa summarum sagen: Gmunden tut DUM gut.

Samstag, 10. November 2012

DUM geehrt, gepröllt, bepreist

DUM, DUM, Haderer, GR Gerald
Kulturpreisgala des Landes Niederösterreich im Festspielhaus und DUM dabei, weil unter den Preisträgern der Kategorie: Volkskultur- und Kulturinitiativen. Drei Plätze für DUM in der zweiten Reihe reserviert. Der Schriftzug macht sich gut auf den blau-weiß gestreiften Sitzen. Eine 20köpfige Jazzband musiziert (auf ihren T-Shirts steht: Yes we jazz), der Melk-Prälat grüßgottet in alle Richtungen, Gerhard Haderer hält eine grandiose Eröffnungrede (in Österreich hat man es als Satiriker leicht, denn es braucht einem nichts einzufallen, weil einem immer etwas auffällt) und ruft dazu auf, dass sich Kulturschaffende zu einer Schule des Ungehorsams zusammentun und eine Denkfabrik bilden sollen, in der neue Formen des politischen Ausdrucks kreiert und probiert werden sollen.
Seit 20 Jahren ist in Niederösterreich Kultur Chefsache. Seit 20 Jahren gibt es DUM. NÖ ist ein Kulturland, sagt Papa Pröll. DUM ist eine Literaturzeitschrift. Nah. Näher. NÖN. steht auf einem Werbeplakat. Ich denk mir: Kühn, Kuna, Köhle. "Wir sind in der Lage, in die Speichen zu greifen", sagt PP. Ich finde, das hat er schön gesagt. Das Schönste, so PP, sei das Spannungsfeld in diesem Land. Ich dachte schon, es wäre der Schatz am Silbersee.
"Genug der Worte", sagt die Moderatorin nach dem Gespräch mit PP und "autorisierte Fotografen werden die Preisträger ins rechte Licht rücken, ...ähm ins beste Licht." Dann dodeln die Dornrosen. Darauf die Moderatorin: "Jetzt ist Schluss mit lustig."
Was nicht ganz stimmte, denn während das Publikum das Buffet stürmte, hatten die Preisträgerinnen und Preisträger Fotos in den unterschiedlichsten Konstellationen zu be- und durchzustehen. Wahrlich lustig. Essen gab es für alle. War zu faul zum Anstehen. Trinken war leichter. Trinken hilft! Danke. Prost.

Donnerstag, 8. November 2012

Flieg Baby, flieg!

Komm, hüpf auf Pegasus Schwingen und lass dich entführen in den Himmel voller Geigen, Vögel und Kindheitserinnerungen. Schnapp dir ein Buch, träum dich raus aus der Wirklichkeit, erheb dich über die Realität. Ja, Literatur kann das! Ja, Literatur arbeitet mit Bildern, Pathos und Schmiermitteln. Nein, das ist kein Leseförderungs-Kampagnen-Text, das ist ein Buchbesprechungs-Teaser „Für den Herrscher aus Übersee“.
Teresa Präauer wurde (1979) in Linz geboren, lebt in Wien, hat Malerei und Germanistik studiert, beispielsweise das Kinderbuch von Wolf Haas „Die Gans im Gegenteil“ illustriert und ihr Romandebüt „Für den Herrscher aus Übersee“ wurde neulich mit dem Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet. Bereits 2009 wurde sie mit „Taubenbriefe von Stummen an anderer Vögel Küken“ (Edition Krill) auffällig und demonstrierte ihr Faible für Vögel. Im Roman nun wird vollends durchgestartet, abgehoben und der Phantasie Flügel verliehen.

Zwei Kinder alleine zu Hause. Die Eltern auf Reisen. Als Lebenszeichen gibt es täglich eine Ansichtskarte von irgendwo. Der Großvater ist die alleinige Bezugsperson und liest vor, nein, interpretiert und erzieht auf seine Art und Weise, hat aber auch Flugzeuge und Beziehungen zu reparieren.  
Es geht ums Fliegen. Es geht ums Fabulieren. Es geht ums Einnehmen von unterschiedlichen Perspektiven und es geht natürlich auch um einen Großvater, der sich die Welt zurecht rückt, sein Lebensbild bunt pinselt und versucht, dieses seiner Enkelin und seinem Enkel weiter zu geben.
Ich sage euch ein Beispiel, das ihr nicht notieren müsst: Es kann einen großen, bösen Vogel geben, was aber nicht heißt, dass der kleine gut ist und umgekehrt. An beide sollt ihr zweitens, und das schreibt ihr wieder mit, nicht letztgültig euer Herz hängen. Hoffen und Erinnern, drittens, gehören zum Leben, es besteht aber zu größten Teilen aus dem Sein. Hier macht ihr einen Unterpunkt: Das Sein besteht aus Essen, Schlafen, Trinken und Fliegen. Alles andere folgt daraus.“ (S. 90f)

Das Ganze hat den Anstrich eines Märchens und wie es in Märchen so üblich ist, rollen zwischendurch schon auch mal Köpfe aber das Happy End ist gewiss. Das geopferte Huhn dient dazu, große Lebenslehren vermittelt zu kriegen, die Japanerin ist das große Sehnsuchtsbild und dann ist da noch die Fliegerin, die könnte das Konzentrat aus allen im Buch handelnden und das Buch lesenden Köpfen sein.
Sprachlich schnurrt das tadellos dahin. Im Vortrag gewinnt das nochmals mehr. Weh tut "Für den Herrscher aus Übersee" niemanden, gut vermutlich vielen, womöglich ist dieser Roman sogar ein Vorlesebuch für jung und alt und das ist – zumal Weihnachten naht – viel wert.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Augendübel

Wo die Optiker Augendübel heißen und die Wäschereien Heißmangel, da lass dich gerne nieder. KÖLN hat uns (Mieze Medusa and me) geladen. Weil Reim im Flammen 7 Jahre feierte. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und scheuen neun Stunden Zugfahrt NICHT. Wenn man Köhle heißt und früher Kötschi genannt wurde, ist es nahliegend, dass einem Kölsch schmeckt.
Kölsch schmeckt ist sicher ein Slogan den irgendeine Kölschmarke benützt. Wenn nicht, dann sei er hiermit freigegeben. Geschmeckt hat auch das Essen im Bier-Esel.
Wenn ein Wirtshaus Bier-Esel heißt, dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass mir das behagt, sagt mein ich. Der patenten Kellnerin konnte ich mühelos eine Tageskarte abschwatzen, denn wenn eine Tageskarte Gerichte führt wie: "Süß-saure Ferkelsnierchen 'Rheinischer Art' auf Sahnepüree und Apfelkompott dazu", dann geht dem Wortvertreter der Hirnlapen auf, in dem sich das Sprachzentrum befindet. Selbst wenn ich dann doch zu Gunsten des "Frische, grobe Metzgerbratwurst mit Speckwirsing und knusprigen Röstkartoffeln"-Gerichts entscheiden sollte aber schon auch beim "Jungschwein-Nackenbraten an Rahmsauce, marktfrischem Apfelrotkohl und Kartoffelklöße" mitnasche. Ein Sünner-Kölsch dazu und die Sonne scheint aus allen Poren.
Köln kann was. Köln ölt Köhle.
Köln könnte öventuell öfter besöcht werden.
Köln tut gut und Kölsch schmeckt. Prösterchen!