Dienstag, 12. Januar 2010

Verschriftstellert

Ja, Kollege Schmidt hat mich auf die Idee gebracht, diesen Basel-bzw.-Dicke-Bücher-Blog zu machen.
Schmidt hat täglich 20 Seiten Proust gelesen und darüber dann ausführlich berichtet.
Ich nehme mir monatlich eine Schwarte vor (im Jänner eben Manès Sperber) und lese täglich was geht.
Apropos Proust:


Verschriftstellert

Ich prouste, du jonkst mir entgegen.
Ich habe keine Joyce, ich grasse dir eines vor den Lenz, dass du nur so köhlmeierst und deinerseits deinen Menasse scharf raimundest und mir zweigst, wo der Hackl hängt.
Das schillert, schindelt und schuht an meinem Nestroy aber ein Schwitters fritzt mir dabei nicht aus meinem Einbaum.
Das musilt dich, du wondratschekst, dass es andere Kofler braucht, um dich zu verkrausen.
Mit einem bisschen Streruwitzen kann man mich nicht jelineken.
Und wer bloß mitterert, der jandelt meist Schrott.
Ich rühm mir ja frischmuthiges Zenkern.
In diesem Simmel: Artmann


Montag, 11. Januar 2010

NdT4

Manès Sperber: Wien eine Träne im Ozean 6 (Seite 308-356)

Störte und seine Wundertaten. Die Gestapo schleuste Leute in Kommunistische Gruppen ein oder schnappte sich Kommunisten, folterte sie so lange, bis zum Kollaborieren bereit waren und wartete, auf den geeigneten Zeitpunkt, um alle hoch gehen zu lassen. Störtes Aktionen sind erfolgreich, Sönneck ahnt warum und lässt den Undercovermann auffliegen. Da steht schon die Gestapo vor der Tür und alle müssen flüchten. Josmar findet Zuflucht bei seiner Ex-Nachbarin Thea. Deren Ex-Gatte („Ich scheiß auf die Politik, bin aber ein braver Nazi.“) ihm dann trotz allem die Kugel aus der Schulter holt.
Es entspinnt sich eine eigenartige Beziehung. Allein liebesfähig ist Josmar längst nicht mehr.

„Also schloß Josmar, war diese Thea in ihn gerade verliebt. Er sollte nicht weggehen, ehe sie seinen Skalp hatte. Gut, das konnte sie haben. Diesen Abend wollte er noch Musik machen, doch morgen würde er sich in einen Liebhaber verwandeln und zwei Tage später weggehen.“ (s. 341)

Traurige Erkenntnis: „Nur keine großen Gefühle, nur nicht leiden, darauf kam es an.“ (S. 344)
Traurige Erkenntnis 2: „Hinter jedem einzelnen, der sich opfert, stehen andere, die opfert er mit – ohne sie zu fragen, ob sie es wollen.“ (S. 349)
Allgemein anwendbare Formel
(z. B. auf Linz09): „Wen das Wunder einen Abend lang sättigt, der muß drei Tage hungern nachher.“ (S. 310)
Nicht mehr gebräuchliche Wendung
: Expropriation der Expropriateure
Zu klärendes Fremdwort:
Megäre
: Böse, wütende Frau, Furie (Rachegöttin)

Sonntag, 10. Januar 2010

Tabs&Tees&Ticks

Ein großer Teetrinker bin ich fürwahr nicht
Doch deucht mich schon, das war mal anders
Ich spreche von den Teebeutelaufhängevorrichtungen
Sind die normal nicht schlichter?
Wenn nein, seit wann nicht mehr?

Ich geb es offen zu, ich hab beide nicht erstanden
Die lagen offen in der Küchenlade
Auf dass sie aufgespürt und aufgebrüht
Ich bracht's nicht übers Herz
Schwein gehabt ihr Beutel!

Seid ihr das überhaupt noch?
Kann ein Tetraeder je ein Beutel sein?
Und überhaupt: was ist das zweite Gebilde, ein Tab?
Der Fragen viele, hier, der Schneeflocken auch, draußen

Ich will mich überwinden
Flott, flott der Kessel möge pfeifen
Die Tassen hurtig raus geräumt
Ich senk das Tab und zieh am Label
Die Spannung steigt, ich piss mich an

Mit Majestät und Symentrie entspinnt sich edel doppelzüg'ge Eleganz
Ich bin entzückt, noch immer feucht und widme mich dem Tetraeder
Chaotisch lustig purzelt dieser in die leere Tasse
Er landet selbstbewusst und harrt des heißen Schüttguts das ihn treffen mag

Er ist bereit, ich bin es auch, genug gewartet, Tee getrunken
(Gaumen verbrannt)

Freitag, 8. Januar 2010

NdT 3

Manès Sperber: Wien eine Träne im Ozean 5 (Seite 268-307)

Emigration. Josmar und Sönnecke in Prag. Es scheint an Sönneckes Sessel gerüttelt zu werden. Seine Partnerin Irma hat geschwatzt. Dojno ist auch wieder frei – er war im Konzentrationslager – mit Hilfe von Stetten ist er befreit worden. Edi, Bärtchen, Mara, Karel, Stetten alle da und alle haben was zur Lage zu sagen, z. B. Edi:

„Doch da die Opferbereitschaft in ihnen vermtulich stärker ist als die Vernunft, so akzeptieren sie auch die absurdeste Begründung und beginnen ihren Opfergang damit, daß sie ihr bißchen Vernunft als erstes Opfer darbringen. Es gibt nichts, wofür die Menschen dieses Geschlechts nicht bereit wären zu krepieren.“ (S. 296)
Dojnos Erzählungen wird nicht all zu viel Beachtung geschenkt, nur Hanusia schenkt ihm Gehör und in der Folge dann auch sich selbst. Für kurze Zeit. Sie verlässt ihn for a change.

Große Worte: „Wie ich das Geschwätz vom aussichtslosen Kampf hasse! Als ob eine Revolution sich ihrem Ziel je anders genähert hätte als durch aussichtslosen Kampf.“ (S. 275)

Vertraute Lebenseinstellung: „Doch schnell genug vergaßen sie wieder die Welt, das Dorf war groß genug für ihre Armut, der getrocknete Hering zu teuer, als daß sie ihn hätten geringschätzen dürfen.“ (S. 281)

Vertraute Situation: „Daß er nichts ganz ernst nahm, hätte beunruhigen können. Doch verzieh man es ihm, da er so erlaubte, daß man ihn selbst nicht ganz ernst nehme.“ (S. 293)

Dilemma des Tages: „Daß ich ihm alles glaubte, genügte nicht. Er verließ mich, weil ich nicht mehr an ihn glaubte.“ (S. 285)

Weisheit des Tages: „Wer über den Tatsachen steht, dem fliegen sie zu; wer ihnen nachkriecht, dem türmen sich die nichtigsten zu Bergen.“ (S. 290)

Donnerstag, 7. Januar 2010

Stillleben mit Schlot


Spätweihnachtliche Idylle

Schloten ist nichts verboten!

Oh wie kümmerlich wirkt das zart Bäumchen
Oh wie kläglich der Behang
Oh wie sperrholzig die Krippe
Oh wie lacht, das traute hochheilige Paar
Und wo sind jetzt die Könige?, fragt Jo
Auf Zeitausgleich, weiß Mary
Ochs und Esel: muiahen

Merke: Der Tag der Heiligen Drei Könige ist hier kein Feiertag

NdT 2

Manès Sperber: Wien eine Träne im Ozean 4 (Seite 219-267)

Bürgerkrieg!
Die Demokratie ist verloren aber Österreich könnte noch gerettet werden.
Professor Stetten mit Familie am Essenstisch und draußen rumst es. „Österreichs Schicksal ist besiegelt“, tönt es aus dem Maul des zum Nazi mutierten Sohnes. Der Professor kontert, doch die Familie lehnt sich auf. Wieder eine Frau die geht.
„Niemand ist geblieben, er war ganz allein. So ging er in den Bürgerkrieg“ (S. 227)

Dort wird er Zeuge von Unmenschlichkeit, verdroschen und eingesperrt. Freilich kommt er aufgrund seiner Kontakte frei und spricht mit Politik und Kirche – wieder so ein Apparat: „Sie billigt alles, was geeignet ist, die geheiligten Grundlagen des einzigen deutschen katholischen Staates wiederherzustellen und gegen jeden Angriff zu sichern.“ (S. 234)
Und der „es geziemt sich nicht“-Prälat setzt noch eins drauf und erklärt, warum Professor Stetten nun nichts mehr zu sagen hat:
„Unter allen Gottesleugnern und Kirchenfeinden waren Sie am hemmungslosesten dem teuflischen Werke der Zersetzung verschreiben, haben Sie am lautesten das Recht des Menschen gegen Gott, des Diesseits gegen das Jenseits verkündet. Sie haben am ungeheuerlichsten Betrug teilgenommen: die Menschen glauben zu machen, sie könnten auf Erden glücklich sein“ (S. 241)
Auch Edi zieht in den Bürgerkrieg und Relly bleibt nur im Ungewissen daheim zu warten.

Vertraute Situation: „Seine Zuhörer waren zu müde, der Mann spürte, daß er jetzt endlos fortfahren konnte, ohne unterbrochen zu werden, aber ihm fiel im Augenblick nichts mehr ein.“ (S. 263)

Zu klärendes Femdwort:

pitoyable: armselig, elendig, kläglich, bedauernswert

Mittwoch, 6. Januar 2010

Wolkenwerfer


Basel
die Stadt
in der die Wolken
gemacht werden.

Wolkenmaschinen brauchen vor allem eines: Viel Wasser. Das kann Basel bieten. Der Rhein wird angezapft und speist die Wolkenfabriken am Horizont.
An einem normalen Werktag produzieren die Baseler Wolkenwerfer ausreichend weiße Wolkenmasse, um das Gebiet von Lörrach über Basel bis Liestal zu zu decken.

Nicht die Toten

Manès Sperber: Wien eine Träne im Ozean 3 (Seite 161-218)


Dritter Teil: „Nicht die Toten werden Gott preisen ...
Elend, Folter, Verrat. Traurige Geschichten, schwere Schicksale.
Dieser Teil bietet wenig Hoffnung. „Die Illegalen vom vorigen Jahr wahren zumeist nicht mehr: auf der Flucht erschossen, in Zuchthäusern eingemauert, in den Konzentrationslagern täglicher Folter ausgesetzt.“ (S. 176)

Neben tragischen Lebensläufen (Albert und Erna) wird hier der Werdegang des p. v. (politisch verdächtigen) Herbert Sönneckes ausführlich beschrieben. Held im Ersten Weltkrieg (Eisernes Kreuz), nunmehr beständig auf der Flucht und im Untergrund aber immer noch erfolgreich. „Doch man lebte, also lebte die Partei. Und die starb nicht mit denen, in denen sie lebte. Denn es gab immer neue. Herbert Sönneckes Aufgabe war es, dafür zu sorgen, daß es sie gab.“ (S. 177)

Seine Frau Herta sieht das allerdings anders: „20 Jahre lang haste unrecht gehabt, immer warste auf der Seite, die wo gerade die schlimmste Haue abgekriegt hat.“ (S. 201)

Sönnecke gerät in einen Naziaufmarsch und sucht Zuflucht bei Jochen von Ilming („Dieser Schwätzer ist hundert Maschinengewehre wert.“). Der ganz und gar nicht seiner Seite angehört. Aber man ist sich doch in einer Sache einig: „Doch stimmen wir jedenfalls darin überein, Sie und ich, wir hüben und ihr drüben, daß der Zweck alles erlaubt. Darauf allein kommt es an.“ (S. 214)
Um den Zweck zu erfüllen, braucht es den Apparat:
„Mit Apparat bezeichnet man die besonders geheimen Sonderorganisationen, die die Polizei und den Nachrichtendiensten der Partei stellten. (…) Man hatte nicht neugierig zu sein, wenn die Rede auf den Apparat kam.“ (S. 216)
Albert war ein Opfer des eigenen Apparats. Grausliche Zeiten!

Zweifelhafte Methode: „Legen Sie Ihre rechte Hand aufs Kreuz und schwören Sie, daß Sie wirklich ein Kommunist sind.“ (S. 188)

Sympathische Eigenschaft: „Albert mochte Löffelerbsen mit Speck.“ (S. 189)

Dienstag, 5. Januar 2010

Die Vorbereitung

Manès Sperber: Wien eine Träne im Ozean 2 (Seite 106-160)


Zweiter Teil: Die Vorbereitung
In diesem Teil geht es um die Vorbereitung auf die Revolution. „So erhaben ist eine Revolution, daß es lohnt, für sie zu leben, daß alle Gegenwart blaß, schal wird, wenn sie nicht der Vorbereitung der großen Umwälzung dient.“ (S. 115) Dojno in Wien. Erst bei bei Edi und Relly auf Werbetour, Edi bleibt hart, Relly ist weich, hatte früher ein Gspusi mit Dojno, dann bei seinem ehemaligen Professor dem Historiker und Philosophen Baron von Stetten.
Stetten ist einer, der alle Welt heraus forderte, „weil es ihm Spaß machte“ und der immer gegen das war „woran gerade die Zeit sich besoff, um sich sodann als die große gerieren zu können“ (S. 122)
Dojno fühlt sich dem Professor in der „Technik des Denkens“ nahe, stimmt jedoch inhaltlich selten mit ihm überein. „Es wäre falsch gewesen, ihm zu folgen, es war richtig, ihn nie zu verlassen.“ (S. 124);

Der Professor führt Dojno seinen Wandel vor Augen: „Aber jetzt haben Sie überhaupt keine Gedanken mehr. Sie haben nur eine Meinung. Und der Pöbel, die organisierte Meinung, die man Partei nennt, hat Sie.“ (S. 127) Die Nachricht des bevorstehenden Generalstreiks lässt Dojno zurückkehren (nach Deutschland und zu Gerda). Doch gestreikt wird nicht: „die unteren Funktionäre haben es nicht verstanden.“ (S. 164ff)

Wahrheit des Tages: „Die meisten Menschen werden deshalb politisch nie klug, weil sie, was sie erleben, erst erfassen, wenn es Vergangenheit geworden ist.“ (S. 106)

Vertraute Situation: „Kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, begann sie zu essen – mit jener aggressiven Gier, die der Appetit der Traurigen ist.“ (S. 145)

Zu klärende Fremdwörter:
Astarte
: Fruchtbarkeitsgöttin westsemitischer Völker
Rubaschka
: Hemd
Garmoschka
: russische Harmonika

Montag, 4. Januar 2010

Lichtschweif


Hinweisschild des Tages:

Die Basler Fasnacht wirft ihre Schatten voraus. Das Comité feiert 100jähriges Bestandsjubiläum und deshalb verkehrt ab dem 9. Jänner 2010 ein FasnachtsGenDrämmli. Ich habe keine Ahnung, was das ist bzw. was da verkehrt aber dieses Pissoir-Hinweisschild finde ich schon mal einen schönen Vorboten für die närrische Zeit (22.-24. Februar).
Ob der pullernde Kasper verschiedenfarbig blinkt, muss ich noch überprüfen.

Ach ja und FasnachtsGenDrämmli mach ich auch gleich noch zum Wort des Tages.