Freitag, 27. März 2020

Schotterblume

Die Tulpe des Tages!

Blüten statt Schotter

Frohsinn statt Depression

Frühling statt Winterfarce

Ottakringer statt Corona

Schüttbilder statt Schottergärten

Hoch- statt Kiesbeete

Rote Bete und Rübe

Rote Tulpen und gelbe

Rote Nasen und blaue

Kunterbuntes Drunterunddrüber

hoffentlich bald wieder

Donnerstag, 26. März 2020

Lebensentzugserscheinungen

Ich bin zum Morgenmenschen mutiert.
Heute um 6 ausgeschlafen aus dem Bett gesprungen. Die letzten Tage auch immer gegen 6 oder 7.
Das mag für viele normal sein, für mich war es vor Corona die Ausnahme.
Aber momentan gibt es einfach keinen Grund, die Nacht zum Tag zu machen, weil die Tage schon lang genug sind.
Ich verdiene kein Geld, aber ich brauch auch keins.
Das Lebenswerte findet momentan nicht statt.

Ja, gemeinsam kochen ist eh schön. Gemeinsam essen gehen aber auch.
Daheim trinken ist eine Totalniederlage. Außerhaus etwas trinken oft ein Gewinn.
Netflixen ist eh okay, aber ins Admiral Kino ginge ich lieber, ich ginge sogar lieber in die Lugner City, also ins Lugner Kino. Einzwei Lesungen/Theaterstücke/Konzerte streamen ist eh lustig, aber das Liveerlebnis halt doch was anderes.
Ich weiß schon: Minimalbetrieb.
Notbetrieb trifft es besser.
Kulturkonsum am Bildschirm macht mich auf Dauer traurig.

Mittwoch, 25. März 2020

Sesselreisen

Letzte Woche wurden Schreibtischsessel durch die Straßen und ins Home-Office geschoben. Diese Woche werden große Dinge verschoben. Kann ich alles verstehen. Gut sitzen ist wichtig, wenn man von zuhause aus arbeiten soll. Die Olympischen Spiele also erst 2021. Der Lyrik-Preis-Meran also erst 2021. Die Fußball EM also erst 2021.
Irgendwie hab ich das Gefühl, 2021 könnte ein sehr dichtes Jahr werden. Ist okay, ausgeruht, wie wir nach dem Coronaurlaub wider Willen alle sein werden. Meine Absagen reichen jetzt schon mal bis Mitte Mai. Bin gespannt, ob in der ersten Jahreshälfte noch was möglich ist an Auftritten. Bis Mitte Mai ließe sich durchstehen, die zweite Maihälfte ist start mit guten Terminen belegt. Wenn das alles wegfällt, dann habe die Ehre! Nein, dann habe ich viel Freizeit und keine Einkünfte.
Schreibtischsessel sind dann wohl dieses Jahr die einzigen, die auf Reisen gehen. Denn ein Urlaub im klassischen Sinn ist wohl nicht drin heuer. Ist nicht schlimm. Schlimm wäre nur, wenn wir auch noch im Juni in der Wohnung zu sitzen hätten. Denn ab Juni wird es sehr, sehr heiß in unserer Wohnung. Da ist an Arbeit, Kochen, Es-fein-haben in der Wohnung nicht zu denken, da muss man die Wohnung flüchten. Hoffentlich ist das in absehbarer Zeit möglich.
Um diesen Text etwas abzukühlen, sei hier ein Foto von DUM-Kollegen Martin eingefügt. Gestern gemacht in seiner Hood. Das kühlt und tut gut!

Dienstag, 24. März 2020

Tirol: Coronaherz der Alpen

2019 Ibiza – 2020 Ischgl. Dass Massentourismus böse ist, ist evident. Er ist aber vor allem sehr dumm. Menschen in Massentourismusorten lassen sich offenbar zu hirnrissigen Äußerungen hinreißen. Man muss aber gar nicht irgendwo hin reisen, man kann auch daheim Blödsinn verzapfen. Man kann sich auch mit einem Interview im Landesstudio Tirol für immer und ewig blamieren. Man muss dabei gar nicht unter Drogeneinfluss stehen, es genügt oft schon die Machthörigkeit, die bedingungslose Untergebenheit. Bedingungslos klingt nicht umsonst so wie besinnungslos. Besinnungslosigkeit fällt Menschen im Massentourismus sehr leicht. Den Zustand der Besinnungslosigkeit herzustellen, ist eines der Hauptziele im Massentourismus á la Ischgl und Ibiza. Besinnungslosigkeit und drumrum schöne Landschaft. Zwar immer mehr versiegelte Landschaft, zu betonierte, zu asphaltierte, vershoppingcenterte Landschaft. Aber im Grunde – haha – im Grunde sind die Gründe, ist die Gegend schön, ist das Grüne schön im Sommer, ist das Weiße schön im Winter, sind das Grüne und das Weiße Grund genug für einen Tirol-Urlaub. Das Rote und das Klare, also der Glühwein und der Schnaps, also das Blausein ist aber wichtiger und berauscht sind nicht nur die Gäste, berauscht sind auch die Touristiker. Die sind im Geldrausch. Die können auch gut schlucken. Sind Gierschlünde erster Güte und so ein Geldrausch macht zwar nicht betrunken, aber um so mehr besinnungslos, bedenkenlos und verantwortungslos. Er macht aber zudem mächtig. Macht in der Hand von besinnungslosen, bedenkenlosen und verantwortungslosen Menschen im Geldrausch, mit einem Harnisch aus Präpotenz und Provinzialität, einem Granitschädel und einem gut gewachselten Selbstbewusstsein führt zu Ischgl 2020. Ob es Rücktritte geben wird? Schwer vorstellbar. Denn an der Tiroler Vorstellbar ist Vernunft selten zu Gast. In der Tiroler Vorstellbar hat immer noch ein Massentourismuskonzept der 1970er Jahre das Sagen. Transparent ist dort nur der Obstler. Aufklärung ist dort ein Sex-Gags-Automat am Männerklo. Und die Universalstrategie lautet: Augen zu und durch. Möge ein Untersuchungsausschuss Augen öffnen. Mögen Recherchen von europäischen Zeitungen mit den Fingern in den schwärenden Wunden pulen.


Montag, 23. März 2020

Käsehunger

Bestandsaufnahme Status Quovid 19 Nummer 2, am 23. März 2020

Gassi gegangen werden from Markus Köhle on Vimeo.

Sonntag, 22. März 2020

Fastenzeit by Accident

Zweiter Sonntag mit Ausgangsbeschränkung. Spielplätze und öffentliche Sportgeräte sind gesperrt. Absperrbänder sind per se etwas Besonderes. Sie haben die Kraft, Dinge im Nu zu verwandeln. Hat Christo je was mit diesen rot-weißen-Absperrbändern gemacht? Ich nehme an, ja. Öffentliche Sportgeräte sind ja auch etwas Besonderes und zusammengeschnürt haben die dann schon etwas von einer Skulptur im öffentlichen Raum. Wüsste man es nicht. Es könnte auch ein "No Sports" Statement sein. Spazierengehen dürfen wir in Wien ja noch. Auch Joggen ist noch erlaubt. In Tirol ist die Lage da schon weit dramatischer. Das will ich mir nicht vorstellen. Wir haben keinen Balkon, keinen Garten, keine große Wohnung. Die strikte Quarantäne träfe uns schon sehr hart. Diese Woche war ich ja dreimal Laufen, das hab ich schon ewig nicht mehr geschafft, ist also ein positiver Effekt der Corona-Krise. Außerdem essen wir gesund, weil wir nur selber kochen und gute Zutaten einkaufen und saufen, ist grad auch kein Thema, denn wir trinken nur auswärts, haben kein Bier im Kühlschrank. Dass ich mich auf ein frisch Gezapftes irgendwann dann sehr freue, ist unbestritten. Das soll dann aber in einer Kneipe sein.
So beschert und die Corona-Krise eine ganz besondere Fastenzeit. Meine Hosen sitzen jetzt schon locker. Es ist also nicht alles schlecht, was gerade so zu tun ist. Einiges ist in die Zeit danach mitzunehmen. Noch kann von der Zeit danach allerdings nicht einmal spekuliert werden. Noch ist noch lange Notbetrieb.

Samstag, 21. März 2020

Schinken-Käse-Trost

Zitate, die grad wenig Trost spenden, aber doch gut sind:
„Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster.“
Antonio Gramsci
„In der Weltanschauung der indigenen Völker der Anden, blickt man vorwärts in die Vergangenheit.
 Der Zukunft kehrt man den Rücken, denn man weiß nicht, was kommt.“
Philipp Weiß
„Nur die Phantasie kann zur Wahrheit vordringen.“
Doris Lessing

Und zur Beruhigung ein Zitat, das grad Trost spendet, aber an sich ungut ist:
„Es ist schwieriger, sich das Ende des Kapitalismus vorzustellen als das Ende der Welt.“
Slavoj Žižek

Freitag, 20. März 2020

Das hilft garantiert gegen Corona!

Daheimbleiben. Daheimbleiben und lesen, kochen, essen. Ich koche gerne. Ich rette gerne den Reis vorm Überkochen, ich rühre gerne mit einem Kochlöffel in einer Pfanne rum, ich finde es erhebend, Knödel mit einem Knödelheber aus dem wallenden Wasser zu holen. Ich reibe gerne Karotten, wasche Salat, ja, ich schneide sogar gerne Zwiebel. Allein ich muss mir eingestehen, ich bin nicht sehr versiert im Umgang mit Messern und Reiben. 
Ich schneid oder reib mich täglich. Noch sind zwar alle Finger dran, aber in den letzten Tagen habe ich mir in den linken Zeigefinger geschnitten, die rechte Daumenkuppe leicht angerieben und der rechte Mittelfinger hat sich beim Herausholen eines Küchengeräts in dessen scharfe Schneidezähne gegraben. Momentan blute ich also täglich. Kein Grund zur Panik. Ein paar Blutstropfen fallen bei drei geriebenen Karotten nicht weiter auf. Ich bin nicht blutleer nur winterbleich. An sich also alles noch dran und mit Pflastern versehen.
Das Problem ist nur, dass durch das dauernde Tippen und Händewaschen die Schnitte nicht heilen wollen und immer wieder zu bluten beginnen. Das „i“ schmerzt am meisten. Es ist ohnehin ein Teufelskreislauf. Meiner Meinung nach bin ich nämlich nur deshalb gerade so schneidempfindlich, weil die Hände so weich sind vom vielen Händewaschen. Nicht dass ich sonst Fischerhände hätte. Ich bin Sprachwerker und im Handwerklichen weitgehend talentfrei, habe aber jahrelang Schlagzeug gespielt und an sich nicht so softe Hände. 
Gut, die Reiben und Messer sind neu. Aber früher hat man sich auch geschnitten und da blieb die Reibe dann halt in der Hornhaut hängen oder man zog das Messer ohne Blutspur aus der Fingerkuppe. Jetzt aber an allen Fingerenden leck. 
Ich mag es nicht als Alterserscheinung auslegen, ich hab weniger Problem damit, zuzugeben, dass ich einfach ungeschickt bin und unser Küchengerät früher stumpfer, schlechter war. Außerdem hab ich früher keine Karotten oder rote Rüben gerieben, denn Karotten und rote Rüben verirrten sich nicht in meinen Kühlschrank und Faschiertes war schon zerkleinert. 
Ja, ich lebe mittlerweile gesünder. Ja, Corona veranlasst mich dazu, noch gesünder zu leben. Denn wenn schon kochen, dann mit Rohmaterial. Dosen kommen mir keine ins Haus. An Dosen kann man sich nämlich ganz fürchterlich schneiden. Weiß ich aus Erfahrung von früher. 
So, jetzt muss ich aber aufhören. Der „k“, „i“, „Beistrich“ Finger schickt sich nämlich schon wieder an zu bluten und ich will mir hier ja nicht die Tastatur versauen. 
Eins noch. Warum der Titel? Das hat mit den potenziell nach Rezepten gegen Corona Googlerinnen und Googlern zu tun. Vielleicht bringt mir diese Überschrift mehr Leserinnen und Leser. 
Jedenfalls: Gesund und ganz bleiben! Und: Cut!

Donnerstag, 19. März 2020

Fieberkopf Köhle


Bestandsaufnahme Status Quovid 19 am 19. März 2020



Mittwoch, 18. März 2020

Coronahotspot

Jetzt also auch Sölden und St. Christoph unter Quarantäne. Verdachtsfälle? Der Bürgermeister sagt mal so: "56 Personen sollen jetzt mal daheim bleiben." Wie bitte? Daheim bleiben sollen alle und alle, die mit dem infizierten Barkeeper - auch hier, wie in Ischgl also ein Barkeeper - in Kontakt waren, müssen in Quarantäne.
Ich muss ja gestehen. Ich war von 6. bis 8. März in St. Johann in Tirol. Auch das ein Tourismusort erster Güte. Ich war allerdings beim artacts Improvisationsmusik und Free Jazz Festival. Viel los war auch dort.
Auch am 10. März war ich wieder in Innsbruck, weil ich an sich eine Lesung in der Bücherei Arzl halten sollte, die dann abgesagt wurde. Dann gingen wir halt auf ein paar Bier - auch da kommt man in Kontakt mit Menschen. Nicht ganz so eng wie im "Kitzloch" aber schon auch. Und Barkeeper sind die Coronaschleudern, soviel ist schon mal sicher.
Schlechte Gedichte helfen nicht gegen Corona, aber Humor ist in diesen Tagen ganz besonders wichtig und schlechtes Bier war ja noch nie eine Lösung, kein Bier aber auch nicht. Deshalb hier ein weiteres Gedicht. Mögliche Titel:

Sport spart Sprit

Ausgangsbeschränkung ist ein sperriges Wort
Spazierengehen ist noch kein Sport
Corona ist als Virus besser als als Bier
Und hier steht als Nummer vier