Freitag, 18. März 2016

Popliteraturdebatte reloaded?

"Man hört ja so Sachen, und am Ende waren's immer die Netten.", schreibt Ronja von Rönne bzw. ihre Heldin Nora bereits auf Seite 11 in ihrem Romandebüt "Wir kommen" (Aufbau 2016). Man hört ja seit einem Jahr so allerhand von RvR. Sie deklarierte sich als Egoistin - nicht als Feministin. Machte mit provokanten Blogeinträgen und journalistischen Beiträgen für die Welt auf sich aufmerksam, war 2015 auch beim Bachmannpreislesen mit dabei, fiel da zwar durch, aber eben auch auf, weil sie einen eigenen Tonfall hat. Weil sie keine Scheu vor gar nichts hat und weil sie pointiert böse formulieren kann. Ob sie eine Nette oder einfach eine gut auf den Literatur- und Feuilletonbetrieb Vorbereitete ist, sei vorerst einmal dahingestellt. Jedenfalls scheint sie einen Gesamtplan zu haben und in diesem Plan war jetzt der Debütroman dran. "Wir kommen" also. Klingt nach einer Drohung ist aber im Text, auf einer Party einfach die Antwort auf die Frage: "Gehen wir?" Wer fragt, wer geht, wohin?

Es geht um eine experimentelle Viererpack-Beziehung: Nora, Leonie, Jonas und Karl + Kind von Leonie: Emma-Lou. Emma-Lou schweigt trotz ihrer 5 Jahre. Sie hat ihrer Welt nichts zu sagen. Nora schreibt, das hat der Therapeut empfohlen. Von dem bekam sie ein Notizbuch mit Streichholz vorn drauf inklusive englischem Wortspiel ("it's a match"). "Ich habe genickt. Das kann ich gut.", schreibt Nora (S. 12). Und natürlich kann sie auch das aufschreiben gut. Sie konzentriert sich auf Details und gibt sich sprachlich motivierten Auseinandersetzungen hin. "Ich bin eifersüchtig auf jeden Gegenstand mit einem weiblichen Artikel. Die Marmelade. Die Tür. Alles Schlampen." (15)
Nora weiß, was sie macht, was kein Grund ist, es nicht zu machen. "Meine Gedanken sind nicht gut, und meist folgen ihnen Taten. Und den Taten dann Probleme." (38) Selbsterkenntnis schütz nicht vor Problemen!
Sie deckt Marotten der Pärchensprache gnadenlos auf, sie treibt ihre Analysen schön auf die Spitze. So steht dann beispielsweise am Ende einer längeren Betrachtung das Einkaufsverhalten der Menschen im Kaufland betreffend: "Wahrscheinlich bricht das ganze System zusammen, wenn Putengeschnetzeltes nicht im Angebot ist." (30)
Die Heldin ist in Therapie, weil sie mit nächtlichen Panikattacken zu kämpfen hat. Ihre Kindheitsfreundin Maja - die angeblich gestorben sein soll, so hebt der Text übrigens an - hat auch so ihre Probleme, aber war vor allem für alles zu haben und wusste sich immer zu helfen: "Rausgehen hilft gegen Angst vor Rausgehen." (41) Wie wahr!
Und warum ist diese Generation so? Hat das epigenetische Gründe? "Das Unglück liegt in der Verfügbarkeit von Alternativen." (102)

Ja, diese Leute haben alles, aber sie haben eben auch neue Probleme "die vage Langeweile unserer sandigen Leben." Kleinigkeiten werden Katastrophen. Moral muss nicht sein. Nora arbeitet als Moderatorin der Fernsehsendung Super-Shopper. Karl schreibt Sachbücher (u.a. über das Glück: "Es ist unfair, dass ich ohne Talent unglücklich bin, während er damit Geld verdient." 98). Jonas ist Grafikdesigner für eine Werbeagentur. Leonie lächelt, ist schwarz und bringt Multikulti-Touch in die Viersäulenbeziehung.
Der Plot ist einfach aber auch einfach gar nicht so wichtig. Nora notiert. Das Beziehungskonstrukt wackelt. Die Krise wird bekämpft, indem man sich in ein Strandhaus zurückzieht und weitgehend auf Smartphones verzichtet. Dazwischen ploppen immer Maja-Geschichten auf und der Tod schwingt im Hintergrund. Etwas Verbindendes für die Gemeinschaft wird gesucht. "Hauptsache ein Uns." (74)
"Plotlos unglücklich" wäre eine gute Überschrift für einen Verriss. Und Verrisse wird es geben und hat es schon gegeben (Klaus Nüchtern im Falter z.B.). Aber man kann einfach auch eine Freude daran haben, wie Nora den Metaphern misstraut, wie sie Verhaltensmuster demaskiert und ihren Schreibprozess permanent hinterfragt. Das ist Sprachskeptizismus NEU mit ordentlich Humor und vielen schönen Sätzen.
Christian Kracht wurde für "Faserland" vor 20 Jahren auch nicht nur geliebt. Ronja von Rönne mag zwar grad zu viel Thema sein in Medien aller Art, aber sie hat es offensichtlich geschafft, das nächste Level in ihrem Spiel mit den Marktmechanismen zu erreichen. Dass es nach wie vor so einfach ist zu provozieren, überrascht zwar, aber gut, besser Empörung als Ignoranz.
Man muss "Wir kommen" einfach nicht als Drohung auffassen, dann kann man sich an vielen Bonmonts erfreuen und darauf freuen, dass RvR sicher noch viele aufregende Bücher schreiben wird. Ich jedenfalls hatte meinen Spaß.

Montag, 7. März 2016

Die Dächerdraufsicht ergibt ein recht aufgeräumtes Bild. Keine Kanäle ersichtlich. Gepflegt beziegelt, herausgeputzte Terrassen, Balkongebattle und die Antennenwälder sind Vergangenheit, Sat-Schüsseln wiederum gern gut getarnt - löblich.
Rot-braun-gelb-beige-Studien böten sich an. Vokabular müsste recherchiert werden: siena, ocker, umbra, etc. Die Selfiestangengefechte halten sich in Grenzen.
Fucking Tischsymetrie am Markusplatz - nix chaotisch italienisch - streng in Reih und Glied. Wenigstens die Tauben hocken wo und wie sie wollen. Airconditionkästen ballen sich prominent auf Dachterassen der fetten Paläste und rühren vor sich hin. Solarzellen haben noch nicht so recht Fuß bzw. Dachschräge gefasst.

Die "Call Home" Zelle im Campanile-Eck ist auch ein Relikt aus der Prä-Handy-Zeit, nimmt aber gut Platz ein - ist ja schließlich auch ein Monument, ein Denkmal. Rund um mich smartphont's und tablettet's und Teleobjektive- respektive Schwanzvergleiche werden ausgetragen und ich schau zu und schreib's nieder.
La Serenissima hat mich um den Finger gewickelt - gut gewickelt!

Donnerstag, 3. März 2016

Durchs Jahr mit den Incandenzas

Schreiben und an die Glocke gehen verboten!
Infinit Jest: Teil 2
Jetzt aber mal eine ordentliche Portion Depression. Der Mann weiß, wovon er schreibt. Das greift tief und langt ordentlich zu. Indes hat sich der saudische Gesundheitsattaché zu Tode unterhalten und wir lernen Hals Kollegen etwas näher kennen. Außerdem wird ein neues Fass, das Spionage- und Agentenfass aufgemacht. In der Tennisakademie aber sind alle nur müde uns lästern über ihre Trainer ab, durchschauen aber auch, dass dieses Ablästern von ihnen gewünscht wird. Oh ja, das sind schon alles Schlaumeier, diese angehenden Tennisprofis. Aber sie haben natürlich auch alle schon ihre Schäden und Macken und wer macht's wieder gut? Die Chemie und das Gemeinschaftsgefühl, aber mehr die Chemie. Das ist schon alles ziemlich lustig, wird aber noch besser, wenn Mario Incandenzas romantische Erfahrung mit dem weiblichen Aufschlagmonster im Dickicht samt verstecktem Husky-VI-Stativ beschrieben wird. Dann wird man aber gleich wieder runter geholt mit einer flirrend-brutalen Drogenmilieu-Story. Das kommt sprachlich alles so unterschiedlich daher, so souverän unterschiedlich, dass man wirklich nur den Hut ziehen kann. Und kaum wird ein Drogenkollege im Container entsorgt und das laute Klonken seines Schädels im leeren Container beklagt, wehklagt ein verunglückter Maurer über sein Flaschenzugschicksal, das zwar auch mit erheblichen Verletzungen endete, aber dermaßen lustig ist, dass man sich wünscht, er hätte sich noch mehr gebrochen.
Womit wir gerade mal ein Siebtel (200 Seiten) des Gesamten gelesen hätten. Was heißt hier wir? Ich. Morgen stelle ich den Wuchtwälzer wieder ins Regal (Bibliothek in der LiterarMechana Venedig-Wohnung) und mal sehen, vielleicht lese ich im Sommer in Griechenland weiter.

Dienstag, 1. März 2016

Die Schirmherrschaft der Singlebrust im verlorenen Paradies

Ich sitze am Ofen und unter einer Titte.
Aus den Boxen wird gefotzhobelt, schräg gegenüber ein Ritter am Pferd: Papppferd, Blechritter. Ich habe noch nichts getrunken, fange aber an.
Die Suppe heißt „Tempesta“. Ob das was mit Shakespear zu tun hat, weiß ich nicht. Noch bricht kein Sturm in mir los, gleichwohl es schon ein westernsaloontauglicher Pot Bohneneintopf ist. Für einen ersten Gang schon mal solide. Ich selbst bin bereits halbseitig durch, man müsste mich wenden. Behelfsmäßig entledige ich mich des Pullis.
Rechts von mir die Bühne mit Klavier und drunter gestapeltem Schlagzeug. Vielleicht doch auch abends herkommen, wenn der Sturm nicht zu stark ausfällt – haha – einsetzt natürlich. Eigentlich sitze ich ja auf dem Sessel, am Tisch, am Kamin, aber im Kamin steht ein Ofen und der lodert. Nur der Vollständigkeit halber: im Kamin hängt auch ein Ventilator. Wäre Sommer, bliese mir wohl der Kaminventilator ins Gesicht, ob es sommers auch die Sturmsuppe gibt, weiß ich nicht. 

Auf der Kaminbank auch ein etwas obszöner Kerzenkürbis; daneben – in der Feuerstelle – der Feuerlöscher. Die Hauskatze sitzt am Brotschneidtisch und leckt sich. Eine Frutti-di-Mare-frittiert-Schwade ergreift sich Raum, lässt mich aber kalt. Das ist der Vorteil an Gangzweiabwartphasen, sofern Gang 1 schon für ausreichend Sättigung sorgte, was im Strumsuppenfall definitiv der Fall ist. Infolgedessen ist im Wittgensteinschen Umkehrschluss die Suppe die Welt: die Ursuppe.
Und nach der Welt kommt nun die Wucht: ein Schneidbrettl voll dampfender Seppie mit Polenta. Wenn's heut noch gewittert und stürmt, wird der Niederschlag wohl schwarz ausfallen – haha – abfallen natürlich. Mahlzeit!
Man könnte dieses Gericht „die Schöne und das Biest“ nennen. Die Schöne ist glibbriger Golschwabbel, das Biest geteertes Beuschl, und ich mag Beuschl und Schwabbel auch. Wahrscheinlich müsste man hier so lange sitzen, bis man zwei Titten sieht.

Perspektivenwechsel.
Jetzt lass ich mich rechtsseitig (gerade noch rechtzeitig – hihi) anbrutzeln. Vorher Blickrichtung Küche, jetzt Blick lokalauswärts (hollawind, heut fliegen mir die Wortspiele nur so zu, huiwui: Wortspielsturm). Vielleicht find aber ohnhin nur noch ich das lustig – bin einen Halben Weiß zu Mittag halt auch nicht gewöhnt. Der Mittagsschlaf wird heute wohl etwas länger ausfallen – haha!
Jetzt reicht's mir selbst! 
 
Toll hier, danke Matthias für den Tipp!
Paradiso Perduto, Fondamenta della Misericordia

Montag, 29. Februar 2016

Infinit Jest

David Foster Wallace - Unendlicher Spaß
Einerseits ist es natürlich die unglaubliche Textmenge, andererseits Respekt der einen vor diesem gewaltigen Buch erst einmal zurück schrecken lässt. Wann soll man das nur alles lesen? Ich bin jetzt in Venedig, links und rechts von mir Bücherwände und was zupf ich mir raus? Den Wallace-Megaschinken: Schmökermoloch, Lektürehimmmelundhölle, Buchstabenmoor... Ein monumentaler Monolith. Ja, wenn man sich überwunden und Zeit gefunden hat, erst mal rein zu kommen, wirklich ein unendlicher Spaß. Der „Bleiche König“ hat mich ja etwas enttäuscht und liegt halb gelesen in Bettnähe. Hier bleiben mir noch vier Tage, was wohl auch nicht ausreichen wird, mich durch dieses Groteskgebirge zu fräsen. Aber der Anfang ist geschafft, die erste 100 Seitenschneise geschlagen. Ein Versuch das bisher Eingesaugte verdichtend widerzugeben.

Zu allererst begegnen wir verstörenden Kapitelüberschriften wie „Jahr des Glad-Müllsacks“ u. ä. Im Wallace Kosmos, der gespeist ist von amerikanischer Populärkultur (aber nicht nur) bieten diese Bezeichnungen einen Haltegriff, um das Folgende einzuordnen. Also kein Jahr des „Hasen“ oder so, sondern ein „Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche“ u.s.f. 
 
Der Einstieg ist rasant und fährt gleich mit jeder Menge Figuren auf und einem besonderen Merkmal: Die Figurenrede wird immer nur zum Teil aufgeschnappt. Der vermutliche Hauptheld Hal ist einer Männerrunde ausgesetzt. Es geht um die Aufnahme in ein Tennis-Schul-Leistungszentrum. Und zapp: schon sind wir in einem Kifferhirn, das uns zu überzeugen versucht, nun aber definitiv aufzuhören. Und zapp: der saudische Minister für Unterhaltungselektronik will unterhalten werden und macht dies zu Hause, Unterhaltungspatronen konsumierend und eine Art Fresstablett unters Kinn montiert. Und zapp: Hal ist älter und soll von einem professionellen Konversationalisten zum Sprechen gebracht werden – das gelingt, und wie! Furiose Verstiegen- und Vertracktheit – ein Spaß! Und zapp: eine Düsterwelt aus vergangenen Tagen. Da wird gekloppt und genötigt und die Unterschicht winkt. Und zapp: Orin hat ein spezielles Verhältnis zu Schaben. Und zapp: alle haben ein spezielles Verhältnis zu Drogen. Tatsächlich stirbt auf den ersten 100 Seiten auch wer. Ungewollt, aber doch. Schuld ist die Beschaffungskriminalität eines Tablettensüchtigen. 
Ach ja, mit Tennis haben auch alle irgendwie zu tun. Fäden werden wohl noch lange ausgelegt werden, hab ja erst ein Fünfzehntel gelesen! Die Fußnoten im Übrigen erstrecken sich mitunter auch über mehrere Seiten. So ist z. B. Orins Filmographie nachzulesen – aus dieser stammt auch der Buchtitel.

Samstag, 27. Februar 2016

Gut gebrüllt Venedig

Der venezianische Löwe schwingt seine Prunkpranke und wummst mich um vor lauter Pracht. Hier bezieht man Prachtprügel. Fast nicht auszuhalten diese Stadt. Faszinierend.
Gut, jetzt regnet's ja grad und dann ist Venedig die Hölle mit Regenschirmen. Venedig im Regen, das Ende der Welt, da hatte Thomas Forstner insofern recht, als Venedig im Regen, im Vergleich zu sonst, 0 Punkte verdient, weil einem die mit Regenschirmen wehrhaft ausgestatteten Touristen alle Augen ausstechen, nicht weil sie wollen, nur weil sie können und faktisch müssen, zumal die Gassen ja so schmal.
Eheglück mit Grinsen, Stillleben mit Chemtrail und Lagune
Ich flüchte also in die Schluckhütte beim Fischmarkt, in der ich mich neulich bei Live-Musik schon gemütlich betüterte und nebenbei dichtete. Das ging recht flott von der Hand. Die Happy-Hour wurde weidlich genützt - 2 Euro für einen Aperol-Spritz, ist ja nicht nur ein Angebot, das ist schon ein Trinkgebot. Da kann und will ich nicht und muss ich auch nicht nein sagen. Man will sich ja einfügen.
Hier also billige Drinks, Café gut wie überall und Netz stabil.  
Terra del Lupo heißt zumindest das Netz. Im Streifgebiet des Wolfes also. So sei es. Ich streife, ich wolfe, ich schreibe, ich dichte, ich entgehe dem Regen, ich entsage der Schreibblockade. Schön war's schon auch. Gleich zum Auftakt wurde ich (aber nicht nur, die ersten drei Tage verbrachten wir zu zweit) mit Sonnenschein belohnt.
Lido, Vaporetto, dolce vita. Pesce, Pasta, Poesie.
Alles schon reichlich konsumiert, gemacht, gegessen.
Zum Bild links: Nicht nur Ponte Rialto ist eine Baustelle, auch dieses Gesicht. Ramponiert trifft's nicht ganz, demoliert schon eher. Augen auf Halbmast, Kragen steif, Lippenluke respektive Labialschotten sowie sonst wohl auch noch dicht. Dahinter verbirgt sich allerdings Tiefenentspannung. Bekanntlich das Stadium vor der Schreibexposion. Sie möge kommen, die Lunte schwelt schon mal.

Sonntag, 7. Februar 2016

Auf der Flucht?


Nein, nicht mit Falco.
Aber in prominenter Umgebung für eine gute Sache, ein Beitrag zum Thema Flucht.
5 Euro pro Buch gehen direkt an die Flüchtlingshilfe!


Montag, 25. Januar 2016

Sonne - Sauna - Schnee

An sich bin ich ja kein Winterurlauber. Schifahren ist mir wurscht, Aprés Ski Rambazamba mehr als das. Aber wenn sich Arbeit und Vergnügen verknüpfen lassen, kann man schon mit mir rechnen. Wie zum Beispiel neulich. Mieze Medusa ereilte der Ruf, in der im Oktober 2015 eröffneten Kunsthalle in St. Christoph mit dem bezeichnenden Namen "arlberg1800" zu lesen. Als Lohn dafür dürfe man sich und einen Partner nach Wahl drei Tage dort verwöhnen lassen, hieß es. Da die "Contemporary Art and Concert Hall" zur Fünfsternehütte mit dem etwas irritierenden Namen HOSPIZ gehört, ließ kurzes Googeln erahnen, dass das ein fairer Deal werden könnte. Dem war so.

Wir traten also die Reise Richtung Arlberg an. Tätigten in Innsbruck noch dringende Sportbekleidungseinkäufe, hatten dann also Funktionsunterwäsche und Bücher im Gepäck und ließen uns überraschen. Ich war ja nur Gast und hatte vorerst nichts zu tun, außer mich vorzufreuen. Wurde dann aber flugs zum Special Guest und somit ebenfalls eingeteilt, zwei Texte in das anwesende Publikum zu schmettern und danach wurde fürstlich getafelt und kleine Bierchen gebechert (die großen sind dort die kleinen, die kleinen sind Pfiffe und wirklich große Biere gibt es nicht - daraus sollten wir lernen und ab dann wurde Wein getrunken).

Tags drauf dann ab in die Loipe. Wir spurten. Wir tankten Sonne. Wir doppelstockschoben uns durch die Landschaft. Wir diagonalten aber auch mit durchaus etwas Gleitphase. Wir ärgerten uns über die neuen Schistockschlaufen (unflexibel). Wir ärgerten uns aber über sonst nichts. Wir schütteten Glückshormone satt aus und weil wir wussten, dass der Muskelkater folgen musste, begaben wir uns fürsorglich in die Sauna. Wir schwitzten. Wir verloren kleine große Biere. Wir lachten über Saunabesucher die offenbar erfolgreicher im Trinken und dementsprechen kommunikativ aber nicht ganz aufgussresistent waren. Wir verbrannten uns die Fußsohlen. Wir bestaunten die Kunst in der Sauna und im Pool. Wir entdeckten Bekannte - Nikolai Vogel (war schon mal Gast beim Innsbrucker Prosa Festival und macht offenbar auch in Bildender Kunst). Wir ließen dem Sauna- ein Schäferstündchen folgen und verschliefen fast das Abendmahl - fast. Wir abendmahlten vorzüglich und löschten mit Riesling aus der Wachau. Wir lauschten den Bass-Harfe-Schwestern bei ihren originellen Versionen von "Sweat Child of mine" und "Weilst a Herz host wiar...." und wünschten uns das "Wochenendhäuschen in der Fickt-euch-Allee". Wir schliefen nicht früh. Wir spürten den nahenden Vollmond.
Wir lieben den Vollmond. Wir träumten bunt, worauf sich der folgende Tag monochrom weiß präsentierte. Wir wagten uns trotzdem ins Gestöber. Wir waren die einzigen Menschen in der Loipe. Wir sahen das Ratrack fast nicht. Wir waren froh, dass die gezogene Spur uns leitete. Wir waren froh, dass die Sicht dann doch auch wieder besser wurde. Wir hatten ähnliche Probleme wie die Abfahrer auf der Streif. Wir rissen aber keine Sterne. Wir schnitten Grimassen und belohnten uns mit Kaffee und Kuchen. Kräutersauna folgte. Essen natürlich auch. Oh wie wohl war uns am Abend.
Und dann schafften wir es tatsächlich am Sonntag Vormittag vor dem Konzert von Jasmine Choi (Flöte) und Giorgos Fragos (Klavier) bereits unsere Runden gedreht, geschwitzt und glücklich gewesen, um dann rechtzeitig gepackt und zum Zug gebust zu sein.
Wir verbrachten angenehme fünfeinhalb Stunden im Railjet, lasen und ließen die Tage Revue passieren.
Hat gut getan.
Merci Hospiz und "arlberg1800"

Dienstag, 15. Dezember 2015

Kosovo

O Prizren, Prizren, Prizren
Ich bin verliebt, ein bisschen
In dich, die Sprache und dein Land
Das ich bisher nur mit Mühe auf der Karte fand
O Prizren
Deine Flussbettsteinpflasterung
Machte mir mehrmals die Beine krumm
Du machtest mich sanft Stolpern
Ließt mich tapsig durch die schöne Altstadt holpern

O Prizren, Prizren, Prizren
Ich bin verliebt, ein bisschen
In dich, deine flotteen Minarette
Und den Muezzin, der mich um 6 holte aus dem Bette
O Prizren
An jeder Ecke gibt's Nüsschen
Nur warum heißen die Tetovo?
Wir sind doch hier im Kosovo!

O Kosovo, O Kosovo
Deine Sprache macht mich rundum froh
Meint ihr "nein", dann sagt ihr "jo"
Meint ihr "ja", dann sagt ihr "po"
Das ist für micht nicht schwer
Ich sag danke dafür und noch mehr
Ich sag: Eure Festung ist wirklich eine Wucht
Die weitum ihresgleichen sucht
Beim Raufgehen hab ich schwitzen müssen
Ich sah, die Jugend trifft sich dort zum Küssen
Ich sah, wie groß du bist Prizren
Und war noch mehr verliebt als bloß ein bisschen

O Prizren, Prizren, Prizren
Du kannst mir sehr gefallen
Und trinke ich 5 Peja
Dann muss ich sicher lallen
Das ging sich zwei Mal ganz gut aus
Nach vier Tagen flog ich wieder nach Haus
So, Prizren-Gedicht: Jetzt bist du aus!

Dienstag, 29. September 2015

Romresümee

Gerade eben die letzte Tazza d'Oro geschlürft und mich über die neuen Tassen und das Logo geärgert.
Die aus einem Tuch Kaffeebohnen übers Land säende Frau schaut auf den Tassen mit nach unten geneigtem Henkel in ihrer Goldvereinfachung aus wie eine Frau, die mit ihrem überdimensionierten Gemächt die Landschaft beregnet. Überhaupt die Tassen: eine Stilverfehlung!

Aber der Kaffee nach wie vor großartig und für diesen Hotspot mit 90 Cent auch noch immer super billig. Kaffeeresümee: von 80 bis 1,30 an der Bar - mehr nicht.
Im Sitzen freilich kann man diverse Wunder erleben, aber das war schon immer so und wenn der Kaffeesüchtler weiß, wo er seine Droge einnehmen darf, macht er das und sitzt dann halt irgendwo anders.  
Caffé Perú in der Nähe der Piazza Farnese und Bar San Callisto grad ums Eck vom Trastevere Hauptplatz.
Die Plätze wo man für den Stehpreis auch sitzen darf, gibt es ja auch noch:
Kulinarische Highlights: Trippa romana da Francesco und das 5-Gänge-Menü zum Fixpreis bei der Trattoria Der Pallaro.
Pasta brauch ich jetzt mal eine Zeit lang keine mehr. Ansonsten scheine ich dieses Monat ohne gröbere Schäden überstanden zu haben.