Dienstag, 2. Oktober 2012

Pelikanterien

Hier brennt Hanno vor viel Wasser und der Gefängnisinsel Alcatraz. Die ist ja aus Buch, Kino und so bekannt und berüchtigt.
The Rock dient aber schon seit über 50 Jahren nicht mehr als Gefängnisinsel und ist mittlerweile unter den Top-to-do-Dingen für San Franzisco Touris. Das bin ich gerade. Mit Homebase in Berkeley.

Berkeley ist ein entzückend überschaubares Studi-Städtchen mit schwacher Footbal Mannschaft (GO home BEARS!).
Aber wir haben sie gesehen, verlieren gesehen, am Samstag. Wir und 50.000 andere enttäuschte CAL-Fans. Das war dann wohl bisher mein amerikanischstes Ding, gut, dass wir bereits am Abend zuvor mit der Beieinträchtigung unserer Wahrnehmung (unter Zuhilfenahme von canadischem Whiskey und Bier aus aller Herren Länder) begonnen haben und dies dann auch am Spieltag (mit Stadion Hot Dog) fort setzten. Die Sonne besorgte den Rest. Stechkopfschmerzen, ein verbranntes Dach und Massenbeklemmung. Schön.

Gut, dass so ein Spiel nur circa drei (gefühlte sechs) Stunden dauert. Hinterher sind dann alle fröhlich (oder betrübt) und gehen den Sieg (oder die Niederlage) jedenfalls mit Bier begießen.
Wir werden hier übrigens bestens beherbergt von Anna Babka, Joana und Peter Clar.
Sehr freundliche und geduldige Menschen, die, immer wenn wir bis 10 Uhr schlafen, glauben, dass wir schon seit drei Stunden aus dem Haus sind.

Hoch lebe der Arbeitseifer, der Optimismus und die Wissenschaft, Urlaub sowieso!

Freitag, 28. September 2012

If you see something, say something

Hinweisschilder sind ja schon in Österreich exotischer als einem lieb sein kann. Man denke nur an "Bitte sich festzuhalten" oder "Das Überqueren der Gleise ist lebensgefährlich und deshalb verboten". Die Schilder hier eröffnen aber wieder ganz neue Dimensionen. "Emploees must wash hands" sieht man natürlich gerne auf Restaurant-Restrooms. Das beruhigt. Ob die "Stand pipe siamese" oder die Doppellöscheinspeisung eleganter ist, sei dahin gestellt. "Alive and well donation 1 $" überrascht einen dann doch etwas. Aber gut, man befindet sich ja in einer Kirche und nicht etwa beim Zahnarzt. "United sleep diagnostic" befindet sich direkt neben dem "Imagine smile design" ein "Signature smile design" Schild hab ich später auch noch entdeckt. "Unterschriftenunterzeichnungslächelnhersteller" das wär doch mal was, zumindest für den Wortvertreter. Das Foto ist übrigens unweit der Wallstreet entstanden. Also mitten im Financial District. Da gab es Weißbier-Sonnenschirme und eben Bierbänke. Prost!

Dienstag, 25. September 2012

Herzschrittmacher

Gedichte düfen alles, sie dürfen einen nur nicht kalt lassen. Rock 'n' Roll des Herzens von Josef K. Uhl und 111 Gedichte also, quasi 111 beats per book. Rock 'n' Roll ist ja an sich eher eine Lendensache, dieser R'n'R, diese Gedichte sind aber wohl anders. Das ist gut, denn jedes Herz schlägt und jedes Hirn tickt anders. Leider hat dieses lyrische Herz allerdings immer wieder arge Aussetzer. Oft ist dieses Buch dem Herzinfarkt nahe (die Grade eines Buchinfarkts reichen von "Weglegen" - relativ normal, kommt bei den besten Büchern vor - bis zum "Wegschmeißen" - eher selten. Aber immer kurz vor dem Riss des Lesergeduldfadens macht dieses Herz dann doch wieder "pieps". Unter den ersten 59 Gedichten haben "Gute Nacht" und "Naturtrüb" diesen positiven Pieps. Dazwischen möchte man den Inhaber dieses Herzens wahlweise ohrfeigen, bemitleiden oder in die "Schäm dich Ecke" zitieren. Da wimmert die Lust erbärmlich, da knirscht's morsch im lyrischen Gebälk und wenn gereimt wird, hängt es einem Hirn und Hüften gleichzeitig aus. Das tut weh. Vertwistet sagt man dazu wohl in R'n'R Kreisen. Aber was soll's. Manchen Dichter_innen reichte ein gutes Gedicht, um sich ein Leben lang nicht verkannt und missverstanden zu fühlen. Und ja, auch in diesem Haufen Herzscheiße stößt man auf Gold, Geduld vorausgesetzt.

Samstag, 22. September 2012

Ohne weitere Worte

Jenny Holzer, City Hall Park, New York

Freitag, 21. September 2012

Im großen Apfel

Hier brennt Hanno am Times Square. Unsere Fußsohlen brennen auch, aber die Waldviertler tun ihr bestes dagegen. NY is a walking city. Ja, eh. NY ist aber auch eine Literatur-Metropole. Drei Tage da (fast immer wach) und schon eine Salman Rushdie Lesung mit Diskussion besucht, beim Nuyorcian Poetry Slam 28,4 (10. 9,9. 8,5) Punkte eingeheimst und gestern T. C. Boyle gesehen, gehört und auch mit ihm gesprochen! (Foto folgt).
Abschließend ein praktischer Bierbestellungstipp: Wenn man zwei (nicht drei!) Bier bestellen will, unbedingt Zeige- und Mittelfinger verwenden, meinetwegen auch Mittel- und Ringfinger aber keinesfalls Zeigefinger und Daumen. Denn das - so ließ mich der Barmann wissen - "...is a gun! I've never seen that man!"
Mehr Heiteres über kulturelle Missverständnisse bald hier.

Mittwoch, 12. September 2012

Zeitweilige Zerwürfnisse

Du legst dich gerne quer, du legst dich gerne an
Du läufst nicht gegen Mauern, du lockerst Steine und machst was Neues draus
Zu groß ist dir dabei nichts, ohne einen Grundstein kein Forwärtskommen, sagst du
Du willst die Weltordnung durcheinander bringen und ein neues Weltbild malen
Welt: du blauer Planet, du vollgesoffene Kugel, du unterbelichteter Globus, sagst du
Welt: dein eingedepschter Schädel, deine Schräglage, dein gemächliches Eiern um die eigene Achse du bis überbewertet, sagst du
Du hast keine Angst vor großen Worten, Inhalten, Bedeutungen
Ach, Inhalte!, sagst du. Ach, Bedeutungen!, sagst du und ach, Worte!
Worte schießen nicht! Worte schließen vielmehr eine Lücke, lassen Stilblüten sprießen und wuchern mitunter.
Beispiele? Gerne: Da hätten wir beispielsweise die Allüren. Ja, über Allüren ließe sich trefflich was schreiben. ALLÜREN
Kaum Wörter die ähnlich klingen: Alü-Alü-Allürütuldjo
Alü-Alü-Salü Allüren: Abführen
Allüren erweisen sich nicht als ergiebig. Allüren geben nichts her. Allüren fordern ein, setzen voraus. Nachsatz: Allüren öffnen Türen NICHT! Allüren hat man wie Krankheiten. Aber gegen Allüren ist ein Kraut gewachsen. Es gedeiht am harten Boden der Realität, es heißt: Konfrontation und treibt Blüten der Ernüchterung
Ernüchterung ist auch so ein Wort.
Er-nüchter-ung! Hat was von Er-höre-uns!
Alü-Alü-Allüren-Ernüchterung erhöre uns, mich im Speziellen. Lass mich nicht abgehoben sein, erde mich, pflanz mich in den Lustgarten der Wortwucherungen, setz mich ein neben den Sprachzeitlosen und lass mich sprießen, lass mich heranwachsen zu einem veritablen Satzgewächs, einem um sich greifenden Textgeflecht das irgendwann dann wen erreicht, erfreut, erquickt. Lass mich einen überraschenden Schluss dieses Fragments finden:
Sorry Mann, hast du mal eben Allüren für mich?
Nein, tut Leid, ich allüre nicht.

Montag, 10. September 2012

Sprachfreiraum

Hier brennt Hanno auf einem Traktor, der bei der 14. Aicher Trophy dabei war. Ich war derweil auf der Hans Wödl Hütte und beschäftigte mich mit einem Kaspressknödel. Im Zuge des Verdauprozesses stieß mir Folgendes auf:
Es waren jetzt ja zehn Tage lang die Paralympics im Gang und vom Gang kommt man gleich in den Ganges oder aber zum Gehen. Dazu braucht es mindestens circa ein Bein. Schneller sind aber heutzutage die, die nur circa zwei halbe Beine haben. Denn daraus kann man mit wundervoll eleganten Bein- und Fußprothesen, rein von der Länge her, so in etwa zweieinhalb Beine machen und inst anderen dann um Nasenlängen voraus. Das schmerzt die Ein- und Wenigerbeinigen sicher. Dafür habe ich Verständnis. Ein einbeinbeeinträchtigtes Dasein zu führen, stelle ich mir schwierig vor. Wenngleich ich das Wort "Einbeinbeeinträchtigung" doch als großen Wortschatz empfinde. Vollends fürchterlich einerseits und wortwertvoll andererseits, wird es dann, wenn sich zum fehlenden Bein schmerzbedingte Pein gesellt, was dann im kaum mehr zu übertreffenden Wort "Einbeinpeinbeeinträchtigung" zum Ausdruck kommt. Alle Einbeinpeibeeinträchtigten auf Erden verdienen entsprechende Entschädigungen und die Sprache verdient mehr Freiraum. Mein Einbeinpeinbeeinträchtigungs-Abriss kann diesbezüglich durchaus als Vorschuss betrachtet werden.

Pilgerpöbel

Michael Stauffer hat unter anderem die Romane: „Haus gebaut, Kind gezeugt, Baum gepflanzt. So lebt ein Arschloch. Du bist ein Arschloch“ und „Normal. Vereinigung für Normales Glück“ geschrieben.
In letzterem gründet der Held eine Religion und deckt so die Mechanismen von derartigen Vereinigungen auf. Im neuen Roman „Pilgerreise“ lässt Stauffer seinen Helden Bela zur Läuterung zu Fuß gehen, bis die Füße schmerzen.
Bella ist ein skrupelloser Schriftsteller und Unterrichtender am Literaturinstitut, dessen Leidenschaft es ist, Grenzen aus zu loten. Das macht er in jeder Beziehung (Eltern, Schüler_innen, Partner_innen gegenüber). Zu recht wird er verlassen und gerät darob vollkommen außer Kontrolle und wäre da nicht sein Cousin: „Ich kann dich beruhigen, in meinem Weltbild gibt es durchaus Platz für Hilfe, die nichts kostet und von einem Teppich [mit dem Bela gerne spricht] kommt.“, Bela wäre wohl verloren.
Aber er findet für sich einen Ausweg: den Pilgerpfad. Bela lässt goldene Pilgervisitenkarten anfertigen, macht sich auf den Weg, schreibt fleißig Postkarten, lernt viele Menschen kennen, verschreckt einige davon und hat einen großen Plan.
Dass das Ganze eine bitter-böse Satire ist, braucht eigentlich kaum erwähnt zu werden. Wie trocken und unvorhersehbar Stauffer seinen Helden anlegt, ist allerdings äußerst bemerkenswert. Diese Pilgerreise gerät zu einem mitunter absurden, oft drastischen und immer höchst unterhaltsamen Trip. Fünf Wanderstöcke hoch!

Samstag, 25. August 2012

Griechische Symbiose

Ich bin ein Olivenbaum.
Ich souvlake den ganzen Tag rum.
Ich moussaka ins Meer und pastizio mich nichts.
Ich ouzo und fixe und im Wasser bin ich eine Nixe.
Ich bin auch ein Feta, bin aber magerer geworden vom vielen Schlafen, Sport und Wenigertrinken.
Ich habe noch drei Tage Frist.
Dann ist der Urlaub endlich vorbei und Sand wieder ein reines Kinderspielplatzthema und nicht in allen Ritzen. Apropos:
Über allen Ritzen war Ruh, unter dem Mosquitonetz waren ich und du,
und wir geschlechtsverkehrsrührten uns kaum bis nicht
Weil die Zimmerwand war nicht dicht
Nicht dicht wie auch wir nicht immer waren
in all den Jahren (um noch etwas abschließende Urlaubsendemelancholie ins Blogeintragspiel zu bringen)

Mittwoch, 22. August 2012

Putzbrigade


Ich bin der Putzfisch der Schmutzgesellschaft; ich bin die himmelblaue Saugbarbe der dukelschwarzen Gegenwart. Ich bin die Krake der kranken Tanten und der Orka der oargen Onkel; ich bin der Schwertfisch der Unglücksritter und der Goldfisch der schwarzen Schafe mit Pechsträhnchen; ich bin der Seeigel der Bequemlichkeitsfanatiker und die Feuerqualle der Brandblasenfadbarsche
Ich mach reinen Tisch – ich putz jeden Fisch – ich mach klare Sicht – ich freischnorchel dich
Ich polier dir die Hammerhaifresse; ich frisier dir die Schillerlocken; ich stutz dir die Welsbartl und weil sich auf Welsbartl sonst nichts reimt, erfind ich dir den Felsblockzartl; den Felsblockzartl flock ich dir aus und dem Tintenfisch saug ich für dich die Tinte raus; ich wiener dir den Karpfen bis er die Schuppen verliert; ich wasch dir die Moräne samt ihrer Zähne;
Ich mach reinen Tisch – ich putz jeden Fisch
Ich staubwedel dir den Stör, bis er seine Ö-Strichchen verliert und zum Stor, also zur reinen Gardine wird; ich spül dir die Regenbogenforelle bis ihre Farben verschwimmen; ich bring dir den Leuchtaugenfisch zum Glimmen, nein, zum Down-timmen seiner Blinker, damit man nicht so genau sieht, was noch alles zu tun wäre; ich blitzputzseeverteufel dich und mit einem Wisch ist alles weg