Montag, 14. September 2015

Der Gladiolenflüsterer

Bin in Rom und schreib an einem Roman. Wenn's nicht stimmte, wär's mir zu kalauernd. Aber hinter jedem Kalauer lauert natürlich eine tiefere Wahrheit. Die Wahrheit augenblicklich ist, dass ich zwar in Rom bin und an einem Roman schreiben sollte, mir aber jede Gelegenheit reicht ist, abgelenkt zu werden. Und in Ablenkung ist Rom schon ganz gut. Möchte übrigens in meinem Roman nicht über Rom schreiben. Bin mir auch noch nicht sicher, ob es ein Roman im klassischen Sinn wird. Wobei da die Grenzen ja erfreulicherweise nicht so streng gezogen sind. Kommerziell erfolglose Romane können schon auch genreexperimentierfreudig sein. Und das alles in der Tradition von Arno Schmidt und Frank Schulz nur mit weniger Lesen, dafür mit Bildern. Nette Bilder, weniger Seiten, mehr Pointen. Ein Buchstabengebirge, das nicht bestiegen werden muss. Eines zum Rauffahren mit der geheizten Gondel. Leseabenteuer leicht gemacht und viel dabei gelacht, hätt ich mir gedacht. Und peinlich gereimt ist stets gut gemeint und das eigentlich das Gegenteil von gut, aber egal. Alles mit Garten, Küche und Krimi geht, sagt der Buchmarkt. Okay, ich mach was mit toten Blumen und Essen. Nicht alle Blumen müssen sterben, aber genug. Nicht alles Essen kann man lesen, aber genug. Ja, was ungemein Ungereimtes. Was schwer Verdauliches, trotzdem Blumiges, leidlich Spannendes mit Lokalkolorit und einer Identifikationsfigur. Arbeitstitel: Der Gladiolenflüsterer!

Dienstag, 8. September 2015

Rom rund um die Uhr

Teil 1: Nachtruhe


Um 22 Uhr singen deutsche Burschen „Lebe wohl Ade“. Bier trinken sie ab Mittag. Die Kleinkarierthemdträger der Capitolina zu Rom (CV) sind direkte Nachbarn und haben einen Balkon mit Blick auf die Via Tor Millina.
Gegen 23 Uhr hat man gegessen und kann jetzt endlich gestärkt mehr und lauter reden. Deshalb wird auch die Musik lauter, werden die vier unterschiedlichen Musiken der Lokale in unmittelbarer Umgebung lauter.
Ein vermeintlicher Startenor schmettert Arien. Hunderte Touristenhände spenden Beifall. Ziehorgeltrottel und Geigenärsche spielen in Endlosschleife die immergleichen verstümmelten Melodien von drei bis fünf Ohrwürmern.
Das steigert natürlich den Getränkekonsum. Nun singen auch andere. Die folgenden Stunden sind geprägt von typisch italienischer Innenstadtlebhaftigkeit garniert mit Gegröle aus aller Herren Länder.
Zwischen 0 und 3 Uhr haben leere, klapprige Sackkarren ihren Auftritt. Gegen 3 wird der Glascontainer – den ich am Tag noch nie gesehen habe – geräuscheffektvoll entleert. Zwischen 3 und 4 verschaffen sich Kehrmaschinen Gehör.
Von 4 bis 6 schläft Rom (die Mücken nicht).
Von 6 bis halb 7 stöhnt sich eine Nachbarin im Umkreis von 100 Metern dem Höhepunkt entgegen. Um halb 7 erwachen die Lieferanten-Dreiradtransporter und knattern durch die Gassen. Ab 7 werden Rollläden mit Rumms hochgezogen und rauschen Klospülungen im ganzen Haus. Oh, die Nachbarin stöhnt noch immer (eine andere?).
Gegen 8 werden erste Motorinos gestartet. Einzelne orientierungslose Rollkoffer irren durch die Straßen – willkommene, wandelnde Slalomstangen für die hochtourig fahrenden Mopedler. Und – Ratsch-Rumms – wieder ein Rollladen.
Guten Morgen Bauarbeiter! Was schremmen wir denn heute? Ach, bis 9 bloß mal auf den Gerüststangen rumhämmern? Wer sonst schon wach ist, teilt das auch mit.
Es ist 10: Mein Penis weckt mich auf, er klopft mir auf die Stirn.
Wieder eine römische Nacht überstanden!

Samstag, 5. September 2015

Herbstputz?

Beruhigend, dass Algorythmen mich noch nicht ganz durchschauen. Habe soeben einen FENSTERSAUGER angeboten bekommen. Für streifenfreie Fenster. Nicht nur, dass ich Fensterputzen als eine der gefährlichsten Haushaltstätigkeiten einstufe, es ist meine Meinung nach auch eine der sinnlosesten.
Das Nachbarhaus wird seit Monaten umgebaut, im Innenhof Erdgeschoss wird auch grad der Boden raus gerissen. Putzte ich heute die Fenster, es kostete mich nicht nur viel Zeit und Mühe, es ärgerte mich spätestens morgen.
Außerdem ist so ein Schleier auf den Fenstern eine Art natürliche Gardine. Hell genug ist unsere Wohnung, ein Sichtschutz kann also nicht schaden, wenn wir unsere Erwachsenenspiele spielen. Was ja jetzt, da die Temperaturen langsam wieder angenehmer werden, durchaus wieder möglich ist.
Einen Fenstersauger brauche ich also wirklich nicht. Es sei denn, er ließe sich auch für andere Zwecke verwenden. Aber da tut es der normale Staubsauger auch.
Ach ja, im Übrigen bin ich grad gar nicht zu Hause sondern in ROM.

Montag, 6. Juli 2015

Schmaushausen, Schlumpfhausen, Lamprechtshausen

Lamprechtshaus, das

1) Das "Lamprechtshaus" hat es leider nie zu Berühmtheit gebracht, da das Ruprechtshaus marketingtechnisch erfolgreicher war. Das Lamprechtshaus war das Gewerkschaftshaus der Lämmer, landläufig Lamperln genannt.
Im Lamprechtshaus wurde den Lämmern Recht gesprochen.
Im Lamprechtshaus wurden im Sinne der Lämmer Entscheidungen getroffen.
Das Lamprechtshaus war eine Vorform des Rathauses, des Gemeindeamtes und tatsächlich stehen heutzutag in vielen Orten die Gemeindeämt an der Stelle, an der einst ein Lamprechtshaus stand.
2) Das Adjektiv "lamprechtshausig" ist leider etwas in Vergessenheit geraten. Lamprechtshausig waren einst, ähm, war einst..., jetzt, ähm, hab, ähm, ich, ich's doch tatsächlich...

3) Lamprechtshausen ist die Stille-Nacht-Gemeinde im Flachgau mit dem von der Krone gekürten, schönsten Maibau des Landes. Die Kopftuch- und Goldhaubengruppe ruft zur Ausrückung am 19. Juli auf. Grund: 50 Jahre Jubiläum der Jagdhornbläser.
Diese Gemeinde wächst. Die Mietpreise und die Lokalbahn sind attraktiv. 22 Kilometer nach Salzburg. Der Verkehr geht durchs Dorf. Die berüchtigte Stadler-Kurve ist eine Engstelle.
1934 gab's einen versuchten Nazi-Putsch. Die Aufarbeitung wird nicht wirklich gewünscht. Die Jugend wünscht sich eine Mülltrennunginsel für den Beach-Volleyballplatz.

Und für die Jugend hab ich einen Poetry Slam Workshop im Benediktussaal, im Gemeindeamt von Lamprechtshausen gegeben, weil ein Gemeinderat anrief und ein annehmbares Angebot unterbreitete.

Freitag, 26. Juni 2015

Gemeinwohlorientierungssinnstiftung

DUM wurde ausgezeichnet und bepreist. "Sülzchen mit Kernöl und Blattsalat" Literatur im Kino - die DUM-Reihe - hat - "Frischkäsetörtchen auf geschmorten Paradeiser mit Petersilpesto" - neben der IG Modellbahn Wachau, "Rosa Tafelspitz mit Kartoffelsoufflee und Karotte" dem Hochwasserschutzverein Spitz, dem Kammerorchester Krems "Gebratener Barsch auf Eierschwammerlreis mit Rucola" u. a. Geld (- 25 % Kapitalertragssteuer) und eine Plexiglastrophäe "Asmonte Spitzknöderl mit Jungzwiebelschaum und Ofenparadeiser" erhalten.
Die Übergabe fand in "Marinierte Erdbeeren mit Vanillecreme im Gläschen" Sandgrube 13 in Krems statt "Schokobanane 2.0" und wurde von einem mehrgängigen Menü "Kleiner Apfelstrudel" begleitet. An einschlägigen Getränken fehlte es freilich auch nicht.
Wir freuten uns und nahmen dankend alles an und auf.

Dienstag, 23. Juni 2015

Kohle in der Alten Schmiede

Nein, von Tradition kann man noch nicht sprechen. Aber bemerkenswert ist es schon, dass DUM gestern, am Montag, den 22. Juni 2015 und auch exakt gestern vor sechs Jahren, am Montag, den 22. Juni 2009 in der Alten Schmiede präsentiert wurde.
Nadja warf mit Kometen um sich und entführte ins 17. Jahrhundert
Wir folgten der Einladung von Lena Brandauer, Paul Dvorak und Daniel Terkl gerne und luden unsererseits Nadja Bucher, Christine Teichmann und Elias Hirschl ein, für uns und ein erfreulicherweise (trotz drückender Schwüle) zahlreiches Publikum, zu lesen.
Der Abendablaufplan folgte strikt dem Zeitschriftenaufbau.
Christine antwortete auf Mittelalterliches und beschwor steirisch den Himmel ihrer Oma
Das heißt: Lena führte ein (Editorial), interviewte Wolfgang Kühn und Markus Köhle (an Kathrin Kuna dachten wir laut), es folgten die Textblöcke mit jeweiliger AutorInnenvorstellung, dann der Wortvertreter, dann die besten Seiten (Buchtipps der drei Lesenden) und abschließend Termine der nahen Zukunft (Salon).
Elias schwankte zwischen Psychiatrie, Mathematik, Radfahren und Wildschäden
Wir hoffen natürlich sehr, auch am 22. Juni 2021 eingeladen zu werden, wollten das mit Daniel in der Wunderbar fast schon klar machen, nur leider hatte niemand einen Kalender dabei, der bis 2021 reichte.

Der Chef war zufrieden


Samstag, 16. Mai 2015

Autogrammstunde in der Weltausstellungshalle

So macht Buchmesse Spaß. Überschaubare Hallen, dahinter Luna Park, jede Menge Biergärten und andere Vergnügungsmöglichkeiten und auf der Messe interessiertes Publikum. 9 Texte wurden ins Tschechische, das Gespräch simultan übersetzt und ich kann nur gefühlsmäßig sagen - es war toll!
Tolles Gespräch, Publikum, das ausharrte. Offene Ohren, Münder und staunende Augen. Danach signierte ich tatsächlich länger als vermutet. Dass es noch immer so viele AutogrammjägerInnen gibt, war mir nicht klar.
Nach Runterkommbieren war es Zeit für das Eishockeyhalbfinale in einer typisch tschechischen Kneipe. Ich versuchte, möglichst viele Striche auf meine Liste zu bekommen, die Tschechen beschieden sich leider mit 0 Toren. Der Stimmung tat es - ja, schon doch - einen Abbruch. Sie schlurften alle heim. Ich eh auch - zur Regeneration - und um das zweite Halbfinale anzuschauen.
Ein Absacker muss wohl noch sein.
PRAG wummst!

Kneipenjazz in Prag - Mayröcker in Ljubljana

Sonntag bis Donnerstag in Ljubljana: Mayröcker-Lyriktag, Poetik Vorlesung und Poetry Slam Duell im Trubar Literaturhaus. Jetzt auf der Buchmesse Prag. Gestern Empfang im Goethe-Institut, das 25 Jahre feiert, in der Masarykovo Nábrezí (zwei Hasheks fehlen) liegt und früher die Botschaft der DDR war. Das ist direkt hinter dem Nationaltheater am Fluss mit Blick auf die Burg. Links von mir saß Thomas Brussig, rechts Michael Stavaric. Wir hatten je drei Minuten Zeit für Texte und dann jede Menge Zeit für Essen, Trinken, etc.
Apropos Essen: Die Essiggurke genießt hier noch einen anderen Stellenwert. Weder beim Goethe-Institut-High-End-Buffet noch beim Frühstück im Hotel musste ich auf stattliche, längs gevierteilte Essiggurkenschiffchen verzichten. Ich griff gerne zu, weil Essiggurken ja so wunderbar mit Bier harmonieren und Bier ist in Prag ja nie sehr fern.
Wurde dann auch noch Zeuge eines einmaligen Kneipenjazzkonzerts. Bin da als einziger Touri reingeraten, hab es nicht bereut. Das Bier kostete sagenhafte 26 Kronen. Die Sängerin trank Schnaps und Rotwein, Gitarrist und Bassist alles andere auch.
Heut um 13 Uhr gibt es 40 Minuten Köhle auf der Buchmesse inklusive Übersetzung ins Tschechische. Ich freu mich auf den Klang und geh jetzt Kaffeetrinken.

Mittwoch, 6. Mai 2015

Stacheln aus Osch im pur:pur

Ach, schön war's im pur:pur beim ersten Poetry Slam in Bischkek. 13 TeilnehmerInnen, eine Jury, die sich treu blieb und ein versöhnlicher Ausgang: Sezim aus Naryn und Slawa aus Bischkek ex aequo auf Platz zwei und die Siegerin des Abends kam aus Osch und hieß Nursat.
Das Team aus Osch erwies sich in Summe bestens gecoacht und motiviert und so geht die inoffizielle Teamwertung auch an Osch bzw.: Tattu, Bermet, Muslima, Elmira und Nursat.
Das pur:pur ist wie geschaffen für einen Poetry Slam. Schön schummrig, die Chefin hat einen ausgeprägten Hang zu Tom Waits Nummern, Schwarz-Weiß-Stumm-Filmen und ein Ohr für deutsche Texte, weil sie jahrelang in Köln lebte.
Siegerin Nursat ganz in weiß mit großer Geste
Auch der Chef der Produktionsfirma, die für die Aufnahme des historischen Events engagiert wurde, sprach fließend deutsch, weil er jahrelang in Bielefeld, Düsseldorf und Stuttgart studierte, ehe er sein Hobby in seiner Heimat zum Beruf machte. Ein paar Ex-Pats gesellten sich ebenso dazu wie GIZ-Bedienstete und DAD- und Bosch-LektorInnen. In Summe ein würdiges Publikum, eine würdige Kulisse und ein herzlicher Abend.
Nachdem Kristina das Projekt und ich die Regeln eines Poetry Slams erklärt hatte, ließen wir die Chose los gehen und zogen die Nummer eins: Slawa. Der legte einen expressiven Start mit einem Text über Angst hin und erntete gleich einmal die erste 10 des Abends und insgesamt 28 Punkte. Das sollte nur noch einmal von Sezim mit ihrem frechen Text, indem sie niest, spuckt und ausbricht aus Rollenbildern erreicht und schließlich von der Siegerin Nursat überboten werden. Nursat schrammte knapp am Höchstvoting vorbei, erhielt 29 Punkte für ihren Text über nicht zu unterschätzende Kopftuchstachelrosen.
Gespannte Blicke und erleuchtete Hüte
Blumen gab es dann für alle. Bier für alle die wollten. Ich sprach dem weißen Bären zu, bis der Zapfhahn nichts mehr her gab, was dramatischer klingt, als es war. Ich lernte deutsche Jungs kennen, die ein faires Laptoptaschenprojekt in Filz und Leder in Kirgistan realisieren und demnächst auf der Fesch-Markt in Wien auch ausstellen. Ich trank zur Feier des Tages einen Wodka und verschüttete einen weiteren und dann konnte getrost glücklich heimgegangen werden. Ein schöner Abschluss eines gelungenen Projekts. Vielen Dank Kristina Zulus!

Dienstag, 5. Mai 2015

1. Poetry Slam in Bischkek

Man gibt sich Mühe, mir den Aufenthalt zu versüßen
Bischkek: TAG 9
Heute wird geslammt in Bischkek und zwar im purpur, ab 19 Uhr. Es gibt heiße 15 Anmeldungen und tolle Preise. Das purpur ist grad um die Ecke des Interhouse Hostels, dh mein kürzester Weg zu einem Poetry Slam ever. Die PoetInnen kommen aus Osch, Naryn und Bischkek. Werden zum Teil von der Bosch-Stiftung eingeflogen - vielen Dank dafür Kristina Zulus - und werden heute um den ersten Poetry Slam Titel in ganz Mittelasien lesen. Papa Slam freut sich und ist gespannt, zumal ja alle TeilnehmerInnen von mir gecoacht wurden.
Jetzt noch schnell Süßigkeiten für das Publikum besorgen, der Rest ist vorbereitet und in viereinhalb Stunden geht es los.

Heute ist übrigens Feiertag hier - Tag der Verfassung - und der 9. Mai wird noch größer zelebriert. Jetzt schon überall Flaggendschungel, Plakatwälder, Denkmalaufläufe. Da bin ich dann leider schon wieder in Österreich. Aber war jetzt ja auch lange genug.
Apropos genug, genug hab ich jetzt auch von der kirgisischen Küche, ihr aber noch ein zwei Gedichte gewidmet.
Zum Beispiel dieses (Mante = Teigtaschen mit Fleisch, Kurdak = Hammelfett, Borsok = rausgebackene Teigwuzerl gern mir süßer Soße, Tschak-Tschak = noch süßer):

Ohne Gedicht habe ich nicht gegessen!

Ich wünsch mir einen Mante-Mantel
Mit Kurdak in den Taschen
Dann wär mir niemals kalt
Und hätt ich Hunger, könnt ich naschen
Ich wünsche allen alles Süße
Borsok-Borsok Tschak-Tschak
Ich wünsche schönen Abend, das ist es, was ich sag
In dieser tollen Location findet der erste Bischkek Poetry Slam nicht statt