Montag, 22. Dezember 2014

It's a long, long way to Tamsweg

In der Unterführung in Unzmarkt
kommen wohlige Gefühle auf
Hab grad keine Sorgen und nichts zu Klagen.
Hab grad Feiertagsvorfreude und nichts zu tun.
Hab grad Lust auf Nichts-zu-tun und Nichts-versäumt.
Hab grad celsiusgradbedingte Frühlingsgefühle und Wintersehnsucht.
Hab grad keine Wortaufläufe und nichts zu - doch:
alles glühweint, es liederlicht ein Chor und es christbäumt sich nichts auf. Alles verquatscht, verkitscht, verbratäpfelt.
Alles verzuckergusst und verkarpft, verkekst und verzeletet. Alles verweihnachtlicht umnachtet.
Ach, alles halb so schlimm.
Hab grad keine Sorgen und nichts zu sagen, auch trockene Lippen und rote Augen.
Aber rot geht ja immer um diese Zeit.
Zeit aufzuhören.
Ab in den Jahreswechselurlaub.
Juhui!

Montag, 8. Dezember 2014

Über Schneelanzen und Zwickerbussis

Während andere Nüsse knacken, sich von Krampussen verdreschen lassen oder einfach James Bond schauen, fahren wir Zug, um dann Gondel fahren zu können und auf über 1600 Höhenmeter den Vollmond nicht zu sehen aber vor geladenen Gästen in zwei Blöcken Wortlawinen loszutreten. Davor gab es Griesnockerlsuppe und Wildlachs auf Blattspinatbett mit Risottotuchent und Gemüsekissen, danach dann Polsterzipfel odre süßes Mousse und Kuchenkanten aller Art. Wir wissen nun, dass Mexico City höher liegt als die Mutterer Alm, dass der Auerhahn LiftbetreiberInnen schlaflose Nächte bereitet, die Mehlpriemel nicht minder, wir wissen auch, was ein Pistenbock ist und dass dieser eine Rodel-Reveolution darstellt, glauben wir gerne, wie die Aufstieghilfe funktioniert, die Ziesel genannt wird, aber nichts mit dem aufständischen Nagetier zu tun hat, bleibt uns jedoch weiterhin schleierhaft, so schleierhaft, wie das Wetter ist. Dass im Gefecht um die weiße Pracht jetzt aus Lanzen geschossen wird und Kanonen Schnee von gestern sind, haben wir ebenso mit eigenen Augen gesehen wie müde Fliegen und verhaltenoriginelle KellnerInnen. Dass angeschickerte, ältere Damen einen Text mit der Verabreichung eines original Salzburger Zwickerbussis quittieren, ist mir bis dato noch nie untergekommen, war aber verschmerzbar und machte sowohl die Zwickerbussi Verteilerin als auch den gelassenen Empfänger sympathsich. In Summe ein eindrücklicher Abend mit interessanten touristischen Einblicken und einem Zimmer mit Badewannenblick auf Innsbruck im Hotel Seppl.

Freitag, 28. November 2014

Katertag

Jetzt sickert der Kopfschmerz in den Nacken und macht mir den Kopf schwer. Eindeutig eine Alterserscheinung, diese Kopflastigkeitsprobleme. Dann noch eine Nebelwatsche und die Novemberdepression ist perfekt. Qualloses Drauflosschreiben gilt es zu erreichen: ungeniert, ungehemmt und unumwunden. Man schreibt sich ab. Man schreibt sich immer an etwas ab. Die Abschreibung muss Einlass iin die Bilanz finden, die Bilanz ein Buch werden, dann ist alles gut. Dann könnte alles gut werden, sofern man sich gut abgeschrieben hat, nachvollziehbar, authentisch, sympathisch. Man muss Lust auf die jeweilige Abschreibung kriegen und um diesen Lustkrieg zu gewinnen, ist jedes stilistische Mittel recht. Ein Wortschuss vor dem Bug reicht nicht aus. Die Sätze müssen schon einschlagen und aufgehen. Aufgehen aber auch zupacken. Das ist ja ein regelrechter Präfix-Auflauf, ein Präfix-Foxtrott, eine Präfixerei. Das gehört dazu. Was noch? Was gehört noch zu einer erfolgreichen Abschreibung? Erstmal ein abschreibbares Leben und dann natürlich Glück. Ohne Glück klappt nichts. Die Glücksklappe ist ein begehrtes Tool aber leider in keinem Toolshop erhältlich. Glücksklappen sind rar. Man kann durchaus von Glücksklappenknappheit sprechen. Man kann auch übersprechen. Man kann alles übersprechen und unter Unterredung hat man sich etwas Offizielles vorzustellen. Eine Lebensabschreibungsunterredung kann sowohl ein Gespräch mit einem Verlag als auch mit einem Notar sein. In ersterem wird das eigene Buch, in zweiterem das eigene Testament verhandelt. Für Testamente finden sich leichter Abnehmer als für Bücher. Es sei denn, sie sind Krimis. Testamente können auch Krimis sein oder zumindest guter Stoff dafür. Guter Stoff ist ein generelles Betriebsmittel, Betriebsmittelmäßigkeit leider eine landläufige Plage. Landläufig und stadthäufig und österreichweit und breit. Der Tod einer Abschreibung ist der Durchschnitt. Der Durchschnitter ist gefürchtet. Durchschnittsware gibt’s zum Schweinefüttern und Durchschnittsware ist auch zu nichts anderem zu gebrauchen.

Mittwoch, 19. November 2014

Pinocchio ist in uns!


Markus Köhle: Die wahre Lüge oder Pinocchio ist in uns from Markus Köhle on Vimeo.
Ach, war das ein schöner Ausflug. Mittersill - Matrei - Virgen - Mötz - Messehalle Innsbruck Tirolissimo Gala 2014. Eine bewegte Woche. Jeden Tag aufs Neue Herausforderungen Sonderzahl - schön!
Bei der Tirolissimo Gala war ich Keynote-Speaker. 800 Menschen lauschten und ich ließ sie für mich LÜGE sprechen. Hat Spaß gemacht, ist ein schönes Video (copyright: tirolissimo 2014) geworden.
Seht selbst.

Sonntag, 16. November 2014

Becherei in Bayreuth


Nicht der Becher-Brausaal sondern der berühmte Bayreuther Bretterbrunnen
 Das Literaturcafé in Bayreuth feiert 10 Jahre Jubiläum und hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Großstadtpoesie in Bayreuth in der Brauerei Becher. Toll! Volker Strübing und Micha Ebeling aus Berlin eröffneten vor zwei Wochen, Hazel Brugger und Phibi Reichling aus Zürich folgen in zwei Wochen und Mieze Medusa und Markus Köhle vertraten Wien. Schön war's! Vielen Dank! Genächtigt haben wir im Marmeladenhotel Goldener Löwe - klein, verwinkelt, supersüß. Gebechert haben wir (in Maßen) im Bechersaal der Brauerei und flaniert sind wir dann tags drauf. Die Sonne schien uns gnädig, Kaffeeoasen ließen sich auch finden, geshoppt haben wir nicht aber gegessen und zwar in angenehm kleinen Wirtschaften die "Bei Inge", "Bei Gabi" und so hießen und mächtige Häufen auf Teller türmten und uns schaufeln und staunen machten. Dass Bayreuth nur 70.000 Einwohner hat, überraschte. Dass viele in den Becher-Brausaal kamen, freute. Dass es hier mehr Brauereien als Kaffeehäuser gibt, ist eine Herausforderung. Dass der Stabreim - aufgrund von Wagnertexten - sich in Bayreuth großer Beliebtheit erfreut, kam mir sehr entgegen. Dass hierorts beim Betreten diverser Gasträume die Runde gemacht und zur Begrüßung auf die Tische geklopft wird, fanden wir Wiener ähnlich lustig, wie die Bayreuther unseren Konjunktivgebrauch. Ach, Reisen bildet. Vielen Dank für zwei angenehme Tage. Auf ein Wiedersehen!

Mittwoch, 24. September 2014

He-Ho-Herbst-Holladrio

Unverschämt eigentlich.
Diese Kulisse.
Aus fototechnischen Gründen ein paar Wolkenreststreifen, dahinter ein sattes swimmingpoolblau, das den ganzen Himmel füllt.
Hab die Sonnenbrille natürlich in Wien vergessen.
Denkt man ja nicht daran, wenn man bei Regen und Tristess losfährt.
Aber hier, ein fröhliches He-Ho-Herbst-Holladrio.
Da muss ich natürlich raus und rauf und kann hier nicht länger rumtippen.
Irgendeine Alm wird mir schon Knödel, Sonne und Bier geben. Mehr brauch ich ja gar nicht.

Freitag, 12. September 2014

Biberfieberkopf im Topf

Nein, auf einen Gedanken kann ich mich nicht konzentrieren, mich durchstromen zig Gedanken auf einmal und auf einmal bin ich schon wieder ganz wo anders. Anders hieß der, Thomas Anders und sein Bruder hieß brother loui, loui, loui – ui, ui, ui: Liedgut ist ein positiver Begriff: Leergut hingegen ist sich uneinig. Was soll gut daran sein, dass die Flasche leer ist. Flasche leer ist längst ein geflügeltes Wort. Wort und Totschlag – Schlag und Sahne – Sahne und Kuchen – Schnaps und Fahne – Fahnen sie fort – Kuchen sie früh! Frühkuchen bringt allen was. Was? Ist nicht die Frage. Die Frage ist immer eine andere. Andere hatten wir schon mal. Nein, anders. Stimmt. Wer bist denn du? Du bist ich. Ich bin du? Du verwirrt? Verwirrt und zugenäht und fix und foxi fertig. Fertigkeiten sind mir lieber. Lieber als? Lieber als Baum bin ich Biber. Lieber als Hals Bin ich Kopf. Lieber als Pest hab ich Fieber. Lieber als Torf bin ich Topf. Das heißt am liebsten wärst du ein Biberfieberkopf im Topf? Das kann man so nicht sagen. Sagen kann man alles. Alles und nichts. Nichts, was noch nicht gesagt worden wäre, wäre wohl keinen Gedanken wert. Nicht? Nein. Wau.

Donnerstag, 11. September 2014

Kein Stimmungsaufheller

Bald ist wieder Wintermantelzeit - Juhui!
Mach doch mal was Negatives.
Mach doch mal in Moll, ist ja schließlich Herbst:
Titel: Trübsal und Salbei.

Mein Dulddocht glimmt
Die Lage stimmt
mich bedenklich
nein, ich bin nicht kleinlich, denk ich
Ich bin wach
Ach, schlief ich doch tief
Ach, rief ich doch die Zweifelgeister nicht andauernd an
Ach, blieb ich doch viel näher noch am Denkvermögen dran
Ach, hätt' ich doch, ach, würd ich doch, ach, machte ich vielleicht
Ach, schrüb ich doch mal einen Text, der tief und nicht so seicht
Ach, schiss ich doch auf Metrum, Rhythmus, Versmaß und Gleichklang
Ach, schrüb ich doch mal keinen Text der fünf Minuten lang
Lang, lang, lang, lang, lang, lang – unverlangt
Ach, hätt' ich doch, ach, würd ich doch, ach, machte ich vielleicht
Ach, hätt' ich, hätt' ich, hätt' ich, hätt' ich, hätt' ich, doch im Bett dich
Im Bett dich mit mir
Wired
Wird schon werden
Wer nicht tot ist, wird sterben

Dienstag, 2. September 2014

Die Invasion der Unterordner – vom Regulativ zum Chaossuperlativ

Als mir neulich mein Bildschirmschoner ein Foto eines mir besonders verhassten Menschen zeigte, beschloss ich, nicht nur meinen Desktop, sondern auch meine Festplatte aufzuräumen.

Was für ein Fehlentschluss, was für ein Schuss ins Knie, was für ein Kniefall vor dem vergeblichen Versuch, Ordnung ins Leben zu bringen. 

Chaos bedeutet im Altgriechischen nicht zu Unrecht Abgrund. Ich gebe mich geschlagen, gebe auf und kapituliere vor der Invasion der Unterordner. Diese Ordner ordnen nichts mehr. Diese Ordner sind der Chaossuperlativ und dieses Foto ist mir dabei auch untergekommen (gesehen in Braunau). 

Ausgeschlachtete Telefonzellen müssen sich ja wirklich einsam fühlen. Vielleicht ist diese Postkastenschutzhütte eine Lösung.

Samstag, 12. Juli 2014

Wie wir euch sehen

Durfte neulich bei der Ausstellung "Wie wir euch sehen" von Jay Finger, Gerlinde Gröllinger, Margit König, Renee Sillam und Ute Walter einen Wortbeitrag abliefern. Die Ausstellung läuft noch bis 25. Juli in der Quellenstraße 149, im 10. Bezirk. Vorher aber - an einem Freitagmorgen im Jänner - saß ich Modell und wurde porträtiert. Ich kannte niemanden und nützte die Gelegenheit, während ich gemalt wurde, über die Malerinnen zu schreiben. Es entstand folgender Text:

Mahlzeit zum Quadrat

Ute mit Hut trägt eine beängstigende Plastikschürze.
An malen habe ich dabei nicht gedacht – eher an schlachten.
Gerlinde vollführt ein graziles Pinselflorett, die Linke elegant am Rücken.
Margit redet viel und hat mir den Weg gewiesen.
Jay lugt immer wieder hinter der Staffelei hervor und mag meine Socken.
René mag meinen Mund. Mein Mund wird die Schinkenfleckerl mögen.
Vier von fünf tragen Schürzen.
Die Malschürze scheint den Malerinnen das zu sein, was mir der Morgenmantel ist.
Eine Malschürze verrät natürlich viel über einen. Eine Malschürze ist aussagekräftiger als ein gut gewartetes Facebook-Profil. Mit der Malschürze schlüpft man in eine andere Welt.
Mit dem Überstreifen der Malschürze legt man den Alltag ab beziehungsweise deckt ihn zu, um in die eigene Welt einzutauchen.
Mit dem Überziehen des Morgenmantels decke ich die Nacht zu und schlüpfe in den Tag.
Die Malschürze ist ein Ticket in die Innenwelt – losfahren muss man dann aber schon noch.
Um Fahrt aufzunehmen, muss Farbe aufgetragen werden.
Mit dem ersten Stricht beginnt die Reise ins Irgendwo.
Eine Malschürze kann verräterisch und aufschlussreich sein.
Eine Malschürze ist wohl auch so etwas wie eine Kuscheldecke.
Sobald sich die Malschürze an einen schmiegt, schmiert man ab, will heißen driftet man ab und taucht ein in die persönliche Welt, die es dann nur noch um- und aufs Blatt zu setzen gilt.
Mit dem Schreiben ist das ja ähnlich. Gut, ich kann schon auch ohne Morgenmantel – im Sommer. Aber vielleicht sollte ich mir auch eine Schreibschürze zulegen.
Vielleicht lässt sich die Muße mit einer Schreibschürze locken.
Vielleicht schaut sie dann öfter vorbei. Einen Versuch ist es wert.
Ab morgen werde ich mich wortlos in den Schreibschurz stürzen, auf dass der Schreibsteilflug beginnen möge und Schnitt und ab in die Gegenwart:
Aus der Küche die ersten Gerüche
Langsam krieg ich Schinkenfleckerlodeur induzierten Speichelfluss
und Schwierigkeiten beim Stillsitzen macht nur der überschlagene Fuß
Aus dem Gang Türglockenklang
Wer klopfet an?
Die Vicky – na dann – Klappe und Mahlzeit die zweite!