Zugfahren in Slowenien ist lustig.
Neulich war ich in Ljubljana. Davon bald mehr. Einstweilen: Winke-winke!
Das Ultimative Blog.
Bei meinen Streifzügen durch die Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum sind mir seit Sommer vier auffallend kantig, aufwändig bibliophil gestaltete und äußerlich unverwechselbare Bücher ins Auge gestochen. Haptisch erinnern diese an bereits ziemlich erfolgreich vom Fortschritt gefressene Videokassetten aber sie sind schwerer, liegen gut in der Hand und die Vermutung liegt nahe, dass hinter dem Verlag für Literatur „seccession“ alte Profis stecken dürften. Also nichts wie rein in „Mein Leben in Aspik“ dem Debütroman von Steven Uhly.
Man kann dieses Buch an einer beliebigen Stelle aufschlagen, daraus vorlesen und man wird sich prächtig unterhalten. Das ist eine große Qualität und auf jeden Fall ein Verkaufs- und auch Kaufargument für „Mein Leben in Aspik“. Der Held der Geschichte wird von seiner Großmutter „Jungchen“ genannt und dieses Jungchen macht alles, was von ihm verlangt wird und nimmt auch alles hin. Eine tragische Figur, ein Opportunist, wie er im Buche steht und wie wohl so viele, die für die jeweiligen politischen Entwicklungen verantwortlich waren und sind.
Wir verfolgen die „Entwicklung“ des Helden in etwa von den 1960er bis in die 1990er Jahre. Als Kind wurde er von den Erzählungen seiner Großmutter geprägt und gleich gehörig verstört. In der Liebe ginge es darum, wer das Sagen habe und böse Menschen müssten schon mal gewaltsam um die Ecke gebracht werden. „Sie ist schon sehr wild, meine Oma, dachte ich (...)“
Die Oma deckt schamlos auf, wer in der Familie mit wem was hatte und das nimmt inzestuöse Maße an, die man nicht einmal bei den Habsburgern oder in diversen geheimen österreichischen Kellern kennt. So ist beispielsweise Natascha Jungchens Schwester, Tante und Frau. Jungchen macht sich eh so seine Gedanken, zieht nur keine Lehren daraus. „Meine Familie erschien mir wie ein Strudel, der mich rückwärts in die Vergangenheit zog, je mehr ich erfuhr. Was würde mein Vater und meine Schwester erzählen? Natürlich war ich sehr neugierig, zugleich aber überkam mich eine unbestimmte Angst vor neuen Abgründen.“ (S. 27)
Abgründe ist ein wichtiges Stichwort, Abgründe und das Drehen an der Realitätsschraube, davon lebt der Text. Das macht ihn skurril, witzig und herrlich durchgeknallt. Man kann sich in der ersten Hälfte des Buches oft kaum halten vor Lachen. Stilsicher geschrieben, scharfe Dialoge mit jeweils wertvollem Hintergrundpersonal oder -geschehen, das dann lust- und effektvoll mit dem Gesagten zusammenprallt und Humorfeuerwerke ergibt.
Inhaltlich ist „Mein Leben in Aspik“ ein hakenschlagender Parforceritt durch die Zeitgeschichte und in die Tiefen der menschlichen Existenz. Hier werden Tabus gebrochen, wird auf Werte geschissen und das traditionelle Weltbild aber schon so was von aus den Angeln gehoben, dass es eine reine Freude und wahre Lust ist, dem Helden weiter auf seiner Irrfahrt durch sein Leben und in die Vergangenheit seiner Familie zu folgen.
Doch irgendwann, und es lässt sich gar nicht einmal genau sagen wann, hat man das doch satt. Die Inzestverwicklungen sind es nicht, da ist mir als Österreicher doch nichts fremd, was möglich ist und da kann man schon froh sein, dass in Jungchens Familie keine Tiere im Spiel sind. Auch die Gefängnisepisode und die Familienzusammenführung am großen, runden Tisch im Indischen Restaurant, deren Folgen hier aus Spannungsgründen nicht verraten seien, nimmt man gerne hin und lacht sich ins Fäustchen, dass die Geburt von Schantal Maria José (und dass sie so heißt) ein Massenspektakel auf einem Bürgersteig ist, ist ebenfalls ein humoristisches Highlight, dass Geld nie eine Rolle spielt, weil der Opa eine große Nummer im Pornobusiness war, soll auch sein, dass sich der Vater dann plötzlich als die Rotlichtfigur Nummer eins in Berlin entpuppt und Jungchen in einem seiner Etablissements zum Barkeeper wird, weil er nun ja Vater ist, und auch Geld nach Hause bringen muss, ist dann aber vielleicht langsam genug des Immernochschlimmer.
Doch Jungchen wird selbst noch zum Zuhälter (ein braver), muss schließlich (weil auf der Flucht vor den bösen Zuhältern) untertauchen und wird so zum Obdachlosen, der dann bald mal durchdreht und seine Zehen verliert. Irgendwann ist da keine überdrehte Realitätsschraube mehr, sondern ein anything goes, das von nichts mehr zusammengehalten wird außer von den Lügen aller. Weil gar alles möglich ist, ist einem als Leser halt auch allmählich alles ziemlich egal.
Freilich posaunt die unermüdliche Oma zwischendurch: „Und lass dich nicht irre machen. Das leben ist verrückt, es kommt nur darauf an, dass du es nimmst, wie es kommt.“ Das macht Jungchen, denn da seine Frau im Koma liegt, nimmt er sich eine andere: It's „Karma“. „War ich eine Art Superödipus?“ fragt sich Jungchen und „War das nicht alles lachhaft?“ Ja, eh. Und daran kann auch die Suche nach dem wirklichen Großvater (den Jungchen ja in Visionen des Öfteren vor Augen hatte) nichts ändern.
Das „Nazi-Schwein“ das als Jude in München lebt, vollbringt das von Jungchen Vorausgesehene, der Schluss funktioniert auf bewährt postmoderne Art (und sei hier auch nicht verraten). Was bleibt, ist allerdings ein komisches Gefühl.
Ja, anfangs viel gelacht und dann vielleicht zu viel erwartet? Ja, es geht um das Lügen und Verdrängen von Dingen und ja, es ist mir klar, dass gezeigt werden sollte, dass diese irren Zustände nur deshalb möglich wurden, weil die Großelterngeneration eben auf Teufel komm raus (und der Teufel ist in diesem Fall das Beschriebene) gelogen hat. Vielleicht sollte man dieses Buch einfach nicht in zwei Tagen sondern häppchenweise lesen, denn den Faden kann man nicht wirklich verlieren und Unterhaltung kann man immer gebrauchen. Wieder zur Hand nehmen und passagenweise lesen, werde ich es bestimmt. Empfehlen kann ich es nun, da ich meinen Zwiespalt dargelegt habe auch.
„Mein Leben in Aspik“ ist ein Buch, über das man lachen und sich Gedanken machen kann. Ob man beides tun soll, weiß ich nicht.
1 € für einen (fabelhaften) Espresso.
2 € für ein Bier (meist Lasko in Flasche, die Zapfhähne sind zwar vorhanden, doch selten in Gebrauch und es gibt ohnehin eine Unions vs. Lasko-Front, wer für was steht, muss ich erst herausfinden und ja, Lasko mit Hashek, den ich auch noch nicht gefunden habe auf meiner Tastatur) und
4 € für ein Mittagsmenü. Einige Stregel kenne ich mittlerweile schon und dober dan, adio und prossim gehen mir schon recht flüssig von den Lippen. Bei hvala verhasple ich mich noch öfters. Irgendwie liegt mir havla und halva immer näher.
Nun ja. Slowenisch werde ich in diesem Monat wohl nicht lernen, aber was hotel, toaleta, penzion, kalamari, pomfri, pire, omlet und park heißen, weiß ich und auch was juha heißt. Hinweis: isst man am besten heiß. Juhui!

Die Ptujerinnen und Ptujer beseelt ein unbedingter Wille zum Draußensitzen. Da kann ich nicht mit. Es ist Oktober. Da ist ein r im Monatsnamen und da war auch schon eines im letzten Monat. Nein, das ist nicht gut für Blase und Hämorrhoiden!
Es ist kalt, es regnet, es ist Oktober. Klar, es gibt dicke Kleidung Schirme und Wärem von innen. Aber, es gibt - außer man ist Kettenraucher - meines Erachtens keinen Grund, jetzt noch demonstrativ draußen zu sitzen. Draußen ist auch nicht keine Musik. Draußen sorgen mächtige Boxen für die Beschallung des öffentlichen Raums. Ich bin immer der einzige, der drinnen sitzt. Nicht dass ich nicht von vornherein als Tourist identifiziert werden könnte, aber so, mit diesem offensiven Drinnensitztick oute ich mich gleich doppelt: Fremder und verweichlicht.
Ojeh, so wird das nichts mit dem Leutekennenlernen. Dabei gefallen mir die Namen doch so: Olena, Tatjana, Bolena,....