Freitag, 26. Juli 2013

Österreich Rallye

Wir stehen auf der Spitze des Waubergs in Drobollach am Faaker-See, schauen auf die TANN-Wurstfabrik und die Gail und haben trotz bescheidener 694 Höhenmeter Gipfelgefühle.

Wir sind eingezwängt in penisbetonende Klettergurte, blau behelmt, mit Seilrolle und Karabiner gesichert, lernen Muskeln kennen, die wir nicht haben, genießen den Blick über den See und schweben über den Wipfeln. Wir machen uns auch fast an, aber nur fast. Wir überwinden gleich einen ganzen Katalog von Urängsten, lassen uns fallen und wollen "HochHinAuf" im Waldseilpark auf der Taborhöhe (dabei gefällt mir persönlich doch am besten, dass auch das "Hin" groß geschrieben ist, vermutlich um den Thrillfakor zu erhöhen und auf die im Hintergrund bzw. am Waldboden lauernde Gefahr hinzuweisen).

Wir stehen auf der Bühne der Poolbar in Feldkirch und slammen uns die Stimmbänder aus der Kehle. Wir lassen die In-circle-dancer-Sonnenbrille im Tanzkreis wandern und verrenken uns zu DJ Künsten von Cocerto Cristall und Mieze Medusa.

Wir posen auf der Staße und vor dem Turm (in Feldkirch).
Wir erklimmen trotz Geburtstag und vorabendlicher Grillparty (vielen DANK!) die Nassereither Alm, belohnen uns mit Kaiserschmarren, Tiroler Knödel und Waldluft die vom Verkehrslärm beeinträchtigt wird. Wir holen uns keinen Muskelkater, sind aber eh noch bedient.

Wir verbringen einen Sommerhitzetag im Zug. Aber nicht nur. Von Graz nach Nassereith machen wir Station in: Stainach-Irdning (umsteigen auf den Schienenersatzverkehrsbus bis Bischofshofen), Salzburg, Innsbruck und Imst-Pitztal.

Wir spoken word performen für das Megaphon im Auschlössel in Graz. Wir trinken uns der Mitternacht zu. Wir lassen Prosecco-Korken knallen, wir schneien in eine Jam-Session und tragen bei, was wir können (freestylen, dancen, trinken und gscheit reden). Wir essen Pommes und Currywurst am Hauptplatz.
Wir verbringen Feiertage. Es geht uns gut und der Urlaub steht noch bevor.
JUHUI!

Freitag, 12. Juli 2013

Die Instandhaltung der Füße

Fliegen umschwärmten uns, als ob wir Scheiße wären. Im Gegensatz zu diesen fühlten wir uns nicht ganz so wohl. Kohlgase trieben in uns ihr Unwesen wäre falsch gesagt, die taten schlicht wofür sie berüchtigt sind.
Wir waren also innerlich aufgewühlt und nach außen hin vermutlich nicht ganz so cool wie gewünscht.
Vielleicht stanken wir sogar ein wenig. Es war ja auch Sommer und heiß. Wir waren ja auch den ganzen Tag unterwegs und hatten 1300 Höhenmeter in unseren Beinen und die Füße hatten seit 10 Stunden kein Tageslicht erblickt, waren drauf und dran sich mit den Socken zu einer dampfenden Masse zu verschmelzen, die olfaktorisch vorerst noch relativ erfolgreich von den Schuhen in Zaum gehalten werden konnte, vorerst. Dank an der guten Schuhe Werk und Undank an des Schweißteufels Beitrag.
Der Schafsberg war von uns über den Himmelspfortensteig erklommen. Hinterher im Mondsee flugs ein Bad genommen, dann soff der Reim ab. Es zischte kurz, dann bibberten wir und suchten das Weite respektive eine Gastwirtschaft mit Forellen und Bier aus der Region.
Schilling
hieß das Bier und war süß. Die Forelle nannte ich Ferdl. Ferdl ragte über den Tellerrand hinaus und auch Schilling schäumte über. So lässt's sich leben.  
Urlaub in Österreich - unerschöpfliche Freuden für Magen, Fuß und Herz!

Montag, 24. Juni 2013

20 Ausreden bzw. nicht angenommene Entschuldigungsgründe am kommenden Sonntag bei der DUM-Präsentation im Anno nicht dabei zu sein

20. Barack Obama hat angerufen und gefragt, ob ich Kontakt zu einem gewissen Tschif hätte, da er dringend einen neuen Redenschreiber brauche.
19. In der Warteschlange vor dem Buffet im Ottakringer Freibad verhakte sich meine linke Ringzehe in einem brennend heißen Gulligitter, worauf sofort die Verschmelzung begann und ich mittlerweile bis zum Knie im Gulli stecke.
18. Die vor und hinter mir Wartenden fanden Gefallen an meiner Situation, schmierten mich mit Cornetto Softeis ein und steckten mir die Tüten in die sich anbietenden Körperöffnungen.
17. Ich habe vergessen, wo sich das Anno befindet, mein Handyakku war leer und das Internet in meiner Wohnung gerade auf Zigarettenpause.
16. Ein Fotoreporter der gratis und umsonst verbreiteten Quatsch-Klatschzeitung „Heute“ fragte, ob er mich wie ich da so im Gulli steckte und von Tüten besteckt wurde als Badespaß-Foto-des-Tages ablichten und veröffentlichen dürfe. Ich bekäme dafür ein Gratis-Jahres-Abo von „Heute“ frei Haus. 15. Ich muss einen eingeschriebenen Eilbrief verfassen, um der bevorstehenden täglichen „Heute“ Heimsuchung Einhalt zu gebieten.
14. Ich lese gerade das sehr aufschlussreiche Buch die Pinguin-Strategie, trage dabei – aus Empathhiegründen – einen Frack und traue mich damit nicht ins Anno, da dies sicher als Verkleidung und somit als Disqualifizierungs- oder Verprügelungsgrund geahndet würde (Präzedenzfälle bereits aktenkundig)!
13. Die Leihgebühr des Fracks ist so hoch, dass ich mir die fünf Bier, die ich pro Anno Besuch mindestens brauche, nicht leisten kann.
12. Frank Stronach will eine Literaturzeitschriftenmacher-Gewerkschaft gründen, klopft gerade mit einem Geldkoffer an meiner Tür und will mich nach meinen Einstellungen und meinen Werten abklopfen.
11. Da die ÖVP gegen eine Entschärfung des Mafia-Paragraphen 278a stimmte, bin ich als DUM-Redaktionsmitglied Hauptverdächtiger der potenziellen Terrorzelle mit dem Decknamen „ALSO“ und daher bis auf weiteres in U-Haft.
10. Das mit dem Eis, den Tüten, dem Gulli und so stimmt gar nicht. Aber ich habe mir die Zehe verstaucht und da ich nie ohne Zehe außer Haus gehe, bin ich daheim.
9. Ich habe gelesen, dass neuerdings die Wölfe, Säbelzahntiger und Wildschweine des Wienerwaldes nachts auf Beutezug in der Lerchenfelderstraße gehen und es ganz besonders auf schlacksige Brillenträger mit Sturmfrisur abgesehen haben.
8. Der Sonnenbrand, den ich mir in den letzten Tagen geholt habe, hat mich endgültig verbrannt und ich bin nur mehr Asche über meinem Haupt.
7. Die Alpine ist pleite und das macht mich so, soo, sooo traurig, war doch DSV-Alpine seinerzeit immer mein Lieblings-Fußball-Club.
6. Apropos traurig. Ich schreib grad nur traurige Texte und finde, dass vor allem in der Türkei und in Brasilien gaseinsatzbedingt momentan viel zu viele Tränen fließen.
5. Ich muss mich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten. Denn die MA Freibäder möchte mich als Hofnarren einstellen (und ich dachte schon das gäb's nur in der Blumau).
4. Ich habe Angst vor Wolfgang Kühn, der ist immer so freundlich.
3. Ich liege zu Hause und sinniere in meinem Schwitzwasserbett über den Satz: Ausreden sind Umwege auf der Flucht vor dem Ziel.
2. Ich habe Angst vor dem Anno. Das kostet mich immer Nerven, Euro und Gehrinzellen.
1. Ich habe ein Burn OUT!

Donnerstag, 6. Juni 2013

Mit Hradce Králové werd ich nicht warm

Wenn jemand die Liebe schon im Namen trägt, ist das zwar schön, heißt aber noch gar nichts. Hradce Kralove ist laut Eigenaussage der Einheimischen die tschechische Stadt mit der höchsten Lebensqualität.
Die Einwohner seien hier am glücklichsten. Ist ja in der Tat auch ein schmuckes Städtchen. Viele 1920er Jahre Bauten, ein großer Hauptplatz, ein Fluss (der nicht über die Ufer tritt), einige martialische Zweckbauten und eine halbe Stunde von Prag entfernt.
Über 100.000 Menschen leben hier, das ist genug, um auch hier für die deutsche Sprache Werbung zu machen.
Ich versuche, so wie sie, mich in Gelassenheit zu üben
und freue mich auf 5 Stunden Zugfahrt
Das weiß das Goethe-Institut und so macht "Šprechtíme" auch hier Station. Letztes Jahr war ich da ja in Ostrava und Budweis, ich wusste also, was mich erwarten wird.
Aber dass die Masse (denn viele waren es eh) derart träge reagiert, bzw. nicht reagiert, damit war nicht zu rechnen. Sie sind wohl einfach zu glücklich hier!
Soll sein. Ich hatte auch einen glüchseligen Bierabend gestern und um 11 Uhr geht es eh wieder retour.

Montag, 27. Mai 2013

Sprechende Tische und Beine

Die Dreiländertour ist um, die Dokumentation hinkt hinterher. Aber man kann ja nicht immer im Netzt rum hängen, wenn es vor Ort so viel zu sehen, fotografieren und notieren gibt.
Nach Rijeka folgte Lubljana, da waren wir länger, ließen das Pfingstwunder auf uns wirken und workshoppten feitertagsunbeeindruckt zum Thema Exilliteratur. Juhui das war toll, fast hätten wir darob den Maifrost vergessen. Aber wir hatten uns ja vorsorglich einen Winterspeck angefuttert und so kann an dieser Stelle bald ein Cevapi-Gedicht stehen.
Als letzte Station war dann St. Johann im Pongau auf dem Programm. Ping Pong Poetry im Pongau.
Drei Tage dichtes Programm, zwei war ich mit voller Dichtung dabei, am Samstag zugte ich mit jeder Menge Dreckwäsche aber vielen frischen Erinnerungen wieder Richtung Wien und das Foto hat der Robert Pendl gemacht.
Vielen Dank!

Donnerstag, 16. Mai 2013

Cevapi sei Dank

Der vierte Tourtag und jetzt erst Zeit zum Schreiben. Der Grund ist aber ein guter. Es war zu schön.
Nur jetzt - in Rijeka, im Hotelzimmer mit Blick auf Meer und einem fetten Containerschiff in der nahen Ferne - regnet es grad mal und es ist fein im Zimmer und im Internet.
Deshalb im Schnelldurchlauf durch die letzten vier Tage.
TAG 1: Maribor. 2012 war Maribor ja Kulturhauptstadt. Bunte Aufkleber und Blumentröge erinnern noch daran. Ich bin nicht zum ersten Mal hier. Die guten Kaffeetrinkplätze hab ich schon vor Jahen ausgeforscht. Die Sonne ist da, macht sich aber nicht zu wichtig. Das Slam-Duell ist in der Uni-Bibliothek und die Mitten im Zentrum. Tolles Publikum, ausgezeichnetes Sprachniveau und ein Kamerateam des nationalen Fernsehens, das die Veranstaltung aufzeichnete, Mieze Medusa und mich interviewte und dann gut 15 Minuten lang unsere Bücher abfilmte. Bin gespannt, wie das dann im Beitrag rüber kommt. Nach der Show noch nach Zagreb auf ein Absackerbier in der Sahara Bar unweit unserer Pension Domino und dann aber wirklich gute Nacht.
Mieze Medusa mit Tourmanager Johann
TAG 2: Zagreb.
Mit einem Eieromelettte in den Tag, mit Lust in die Stadt. Zuerst in die Ober- dann in die Unterstadt. Sonne auf unseren Dächern und Freude in allen Gesichtern. Ein Apfel kostet einen Kuna und Kaffee kosten wir nicht nur, sondern nippeln wir mit Genuss. Der Slam ist im Kino Europa. Da wird gerade das Subversiv Festival gegeben. Das passt uns gut. Oliver Stone ist da. Slavo Zicek war schon da und eine Grazer Schülerinnengruppe macht die Veranstaltung fast zu einem Heimslam. Volle Hütte und irgendwann nicht nur alle betrunken, sondern auch alle zufrieden.

TAG 3: Zadar.
Gute Idee, die Uni direkt ans Meer zu bauen. Toller Blick. Aber wie man da studieren soll? Gut. Im Winter vielleicht. Da pfeift der Wind und es ist grau. Aber dann, den ganzen lieben Rest des Jahres...
Da muss man doch die schmalen Gässchen lang bummeln und sich Fisch oder Bier reinpfeifen. Das verlangt diese Stadt doch von einem?
Wir taten unser bestes. Viele Tiere, die einst zu Land und im Wasser vegetierten, durchwandern nun unsere Darmgänge. Ich sag nur: ein Gedicht!

TAG 4. Zadar - Rijeka.
Die Küstenstraße: spektakulär!
Der Verkehr: nicht vorhanden.
Die Aussicht: Nebelschau.
Die Aussichten: Wird schon werden. Wurde kurz, aber nur sehr kurz, und schüttete dann wieder.
Das Hotel: Eine Wucht mit Meeresrauschen.
Der Hunger: auch schon angekommen.
Das Internet: jetzt verlassen.

Freitag, 19. April 2013

Sonne und andere Versüßungen

Wer hätte das gedacht? Die Geburtsstätte der gesunden Watsche liegt in Norwegen. HAUGESUND weiß dies mit Bestimmtheit zu vermarkten. Stavanger hingegen ist die Hauptstadt des Öls und Bergen heißt so, weil sieben Berge die Stadt umgeben. Ja, sieben Berge und auf einen hirschte ich heut rauf. Der Floyen ist immerhin 320 Meter hoch und man kann eine Standseilbahn oder seine Beine in die Hand nehmen, um ihn zu erklimmen. Ich bin Resttiroler, ergo geländegängig und ausgelüftet gehörte ich auch, also machte ich mich auf den Weg und ehe ich oben war, wäre mir fast das reiche Frühstück hoch gekommen. Aber ich hielt tapfer durch und es unten und durfte dann den Überblick vom Oberdeck genießen. Die Sonne ließ sich auch blicken, da wird dann im Nu aus müdem Grau sattes Blau und alles ist gut. Regen mag zwar verbindend sein aber Sonne kann dann doch mehr. Danke Himmel!
Da flutete das gestern zugeführte Hansa-Bier die Poren und verließ mich wieder. Daraufhin besuchte ich die Hansehäuser in der Brygge. Holz, bunt, bekannt. Das sind die, die man von Bildern kennt.
Ich knipste auch. Dann kurz wieder Regen, damit man sich ja nicht zu gut fühlt und dann marschierte ich zum Galgenbakken, nicht jedoch ohne vorher ein Vermögen für Souvenirs und einen Norwegerpulli ausgegeben zu haben. I've got some money to burn and I burn it here! Das ist eine Möglichkeit, um sich hier wohler zu fühlen. Es gibt auch andere. Beispielsweise wollte ich mich gester belustigt über die beim Workshop kredenzten Erdbeeren äußern, da kam mir eine Einheimische zuvor und meinte: Wir müssen uns das Leben hier versüßen. Sei so!

Donnerstag, 18. April 2013

Stimmungsaufheller am Frühstücksteller

Zufluchtsraum mit Duschgelegenheit
Die Vorhänge zuzuziehen, hat sich als gut erwiesen. Hätte ich das nicht gemacht, ich hätte sofort gesehen, dass es keinen Grund zum Aufstehen gibt. Regen volle Kanne. Sicht null. Stimmung schon früh morgens im Keller. Aber, da muss es einen Stimmungsaufheller geben, denke ich mir und begebe mich schnurstracks in den Frühstücksraum und siehe da, jetzt ist mir klar, wie es der Norweger schafft, selbst den verregnetesten Tagen kühn ins Auge zu blicken. Köstlichkeiten in allen Farben, von Fisch über Fleisch und Käse und Kuchen über Bohnen und Omeletten und frischen Säften und Filterkaffee, ja, Filterkaffee. Aber ansonsten alles paradiesisch.
Wasser von oben, Wasser am Boden, Container und Kräne dazwischen
Hätte ich was zu sagen, ich würde einen Frühstücksbuffetkaffee-Ombudsmann einrichten. 1981 führte Norwegen einen Ombudsmann für Kinder ein, einen staatlichen Kinderbeauftragten, der alle vier Jahre vom König ernannt wird und weitreichende Befugnisse hat, bereits 1978 eine Ombudsfrau für Gleichstellung der Geschlechter. Da fehlt nur noch der Frühstücksbuffetkaffee-Ombudsmann. Norwegen erhöre mich – ich komme wieder und bin guter Hoffnung.
Einstweilen tröste ich mich mit Kiwiingwerjuice und groove in den Tag. Ich werde heute sicher noch schwungvoll tanzen. Mach ich das alleine, dann führe ich den wilden Einmanntanz „Halling“ auf, tanze ich zu zweit, dann mache ich den „Springar“, bin ich bzw. sind wir dann müde, dann sollte es noch für den „Gangar“ reichen. Traditionelle Volkstänze – ja, was für Touris, ich bin einer.
Johanneskirche, guter Orientierungspunkt

Mittwoch, 17. April 2013

Trollland

100 NOK = 13 €
Mit „Hei“ und „Takk“ kommt man schon recht weit. „Takk for maten“ würd ich gern zu wem sagen, aber zum Essen werde ich wohl erst morgen eingeladen. Da sag ich dann „tüssen takk“. Einstweilen übe ich mich darin, nicht umzurechnen. BERGEN hier regnet es viermal so viel wie in Berlin, steht im Reiseführer. Weiß nicht, wie nass Berlin ist aber jetzt grad regnet es in Bergen und es macht auch ordentlich Wind, dafür ist es noch bis 21 Uhr hell. November und Dezember sind nicht so gemütlich da, hell wird es da nie und dass es weniger regnen würde in diesen Trauermonaten, wäre auch gelogen. Ich bin hierher geflogen. Mit KLM über Amsterdam. Davon hatte ich nicht viel, das waren zwei Kurzflüge, die einem nur Süßes oder Salziges und einen Blümchenkaffee einbringen.
Versteifte ich mich also auf die Reiseführerlektüre und jetzt weiß ich, wie man in Norwegen Stahlroste nennt, die quer über der Fahrbahn liegen und das freie Umherwandern von Weidvieh unterbinden sollen, nämlich „Ferist“. Eine Baustelle hingegen klingt weit poetischer: Vegarbeidsomrade
Ich spreche mehrmals laut „Vegarbeidsomrade“ vor mich hin, die Stewadress lächelt sich zu mir und ist um mein Wohl besorgt, sie versteht mich nicht, sie kommt ja aus Holland und ich will ins Trollland. Dort gibt es nämlich 24 Prozent Mehrwertsteuer, Husfliden-Läden und gute Bezahlung für alle Berufsgruppen. 

Nationaltheater
Et glass vann?“ fragte sie routiniert. Ja, ich kühlte mein Mütchen mit Wasser, „Kake“, also Kuchen, wird es vielleicht später geben. Was es an Sonntagen anscheinend in Norwegen nicht geben sollte, ist Schnaps. Schnapsverbot an Sonntagen. Das Freitagfeierabendbier allerdings ist Pflicht, das hat auch einen eigenen Namen, den hab ich mir aber nicht gemerkt, irgendwas mit fredagpils und das norwegische Nationalgetränk Aquavit habe ich noch nie getrunken, ist allerdings bei uns auch billiger als hier. 
BERGEN ist die zweitgrößte Stadt und reich. Bergen profitiert vom Ölreichturm des Westlands, Bergen ist eine Bankenstadt, Bergen war Hansestadt und in Bergen legen natürlich auch jede Menge Kreuzschiffe an, ab Mai dann. Jetzt ist eher noch Tristesse royale. Weil Norwegen nach wie vor eine parlamentarische Monarchie und der Thronfolger anscheinend eh ein klasse Bursch ist. 5 Millionen Norweger und davon studieren insgesamt circa 150 Deutsch, nicht hier in Bergen, sondern im ganzen Land. Es gibt an sich keinen Grund für einen Norweger, Deutsch zu lernen, Norweger brauchen nichts von den Deutschen. Norwegen hat Landschaft und seit den 1960er Jahren Öl. Viel Öl. Norwegen ist der weltweit siebtgrößte Förderer und drittgrößte Exporteur von Erdöl. 
Reiseleiter Norbert und Klippfiske
Öl“ heißt auch Bier aber das nur nebenbei. Jens Stoltenberg heißt der Ministerpräsident seit 2005 aber demnächst sind Wahlen, ob die Ap (Arbeiterpartei) dann immer noch die Nase vorn haben wird, steht in den Sternen. Manche haben nämlich die Nase voll von diesem komischen Sozialismus. Das Geld aus den Öleinnahmen wird für die Zukunft angelegt und die öffentliche Hand ist knapp bei Kasse. Ich hingegen übe mich im Nichtumrechnen und frage mich, was wohl ein „Fiskeboller“ ist, „Hundefotterfisk“ jedenfalls ist teurer. Morgen mehr.

Dienstag, 16. April 2013

Schwere Kost und Leichtsinn

Ohne Worte. Flughafen Wien.
Da kommst du also erstmals in der Stadt an, vor der du als 16-17-18jähriger viel gehört hast, denkst dir, 20 Jahre, das ist lange her, da muss sich doch einiges getan haben, landest vorfreudig, eine neue Stadt kennenzulernen und dann merkst du recht  bald, dass das kein ganz gewöhnlicher Städteurlaub gepaart mit Workshop und Slamauftritt wird. Sarajevo verlangt dir mehr ab. Sarajevo beschäftigt dich. Sarajevo katapultiert dich zurück in die 1990er Jahre, lässt dich an den Teenager denken, der du damals warst, ruft dir in Erinnerung, dass in deinem Elternhaus ja auch eine bosnische Familie wohnte, dass die geflüchtet sind, war dir schon klar, viel mehr aber auch nicht.
Sarajevo betrübt dich. Sarajevo hat diese Kraft, vermutlich noch länger. Du kommst am Flughafen an, bekommst mit, wie zentral dessen Funktion in der Zeit der Belagerung war, wirst in das Zentrum gefahren und sofort wird dir klar, wie spürbar die Folgen des Krieges hier noch sind. Dass Häuserfassaden Einschusslöcher aufweisen, die noch immer nicht geflickt sind, findest du anfangs erstaunlich, mit der Zeit dann immer trauriger. Du wills davon jedenfalls keine Fotos machen. Du versuchst dir in Erinnerung zu rufen, wie das damals war. Du hast gewisse Bilder vor Augen, du hast gewisse Aussagen im Kopf, von einer gewissen Eigenschuld ist da immer die Rede.
Ja, das Museum ist geschlossen. Nein, fragt nicht warum.
Du fühlst dich unwohl in deiner Haut. Du dachtest, du wärst ein kritisch reflektierter Jugendlicher gewesen. Dir wird bewusst, dass du eigentlich nie mit einem Betroffen geredet hast, obwohl du welche in deiner Umgebung gehabt hättest. Gut, sagst du dir, die wollten ja auch nicht darüber reden. Ja, das mag stimmen, es wird wohl noch lange dauern, bis dieser Krieg halbwegs verdaut ist.
Deine Verdauung hat es hier auch schwer. Du bestellst Cevapi wie es sich gehört, du langst auch bei den rohen Zwiebeln zu, das solltest du bereuen. Du trinkst besser vorausbeugend mehr
Sarajevsko. Du schläfst dann ja auch besser. Du hast ja auch Zeit dich auszuschlafen. Du schaffst die paar wirklichen Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten ja auch am Nachmittag, du musst feststellen, dass das Wetter in Sarajevo am Vormittag immer besser ist. Du hast an sich ja nichts gegen Regen, du willst aber auch keine nassen Füße haben, du darfst dich ja nicht verkühlen, du musst ja fit sein, für die Workshops und die Moderation. Du schonst dich also. Nein, du isst viel und gut und du trinkst mehr und besser vor allem Espressi zum verlieben. Du könntest dich auch in beinah alle Studierenden verlieben. Du findest nicht nur, dass sie perfektes Deutsch sprechen, du findest sie auch sympathisch. Du magst, dass sie schreiben und vortragen wollen, dass sie etwas zu sagen haben, dass sie die Bühne für sich reklamieren. Das versöhnt dich mit vielem. Du freust dich über deine Reisebegleitung (Doris) und du freust dich über den Organisator der ganzen Sache (Florian). Du bedankst dich an dieser Stelle mit einem großen HVALA. Du schreibst vielleicht später noch was. Du sagst vorerst ZDRAVO und auf Wiedersehen.
Florian und Doris