Freitag, 3. Dezember 2010

Der Ö-Hase


Nein, also ich sag nicht ja, sag ich jetzt mal. Also wenn Sie wissen, was ich meine, also ich mein, nicht ja, aber jetzt auch nicht unbedingt gleich nein. Also bedingungslos nein. Ich finde, wir könnten da einen Mittelweg finden. Ja, vielleicht ist schon mal ein guter Ansatz, fürs erste. Wobei, so vage möchte ich nicht bleiben, ich mein, man kann sich durchaus darauf einigen, erst einmal zu warten, als zu schauen. Nicht?

Das mag für Sie jetzt abgedroschen oder – sofern Sie konkrete Entscheidungen gewohnt sind – auch durchaus ungewöhnlich klingen. Aber ich sag jetzt einfach mal frank und frei heraus, dass das hierzulande so läuft. Ja, ja, der Ö-Hase schlägt Haken, sag ich immer. Der Ö-Hase schlägt immer den dritten Weg ein, der Ö-Hase versteht sich auf unvorhersehbare Wendungen. Denn der Ö-Hase berücksichtigt seine Umwelt. Des Ö-Hasen Umfeld hilft dann bei der Entscheidungsfindung, denn des Ö-Hasen Gesellschaftsbindung ist von einer nicht zu unterschätzenden Wichtigkeit.
Ohne Rückfragen im Ö-Hasen-Stall keine Entscheidung, ohne Dringlichkeit ewige Gemütlichkeit, ohne Gefahr im Verzug immer eine Vollzugs-, Vollstreckungs-, voll Macht-nichts-Einstellung. Ohne Tempovorgabe von höheren Instanzen lahmt der Ö-Hase, lahmt, lümmelt und mosert rum, nuschelt, kuschelt, tuschelt rum.
(Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Keifattacke


"Wir brauchen mehr Glauben und weniger Gläubiger", sprach der Neffe. "- und Eigentum darf nicht bestraft werden" Ja Heilandsack und Schnitzelbums was soll denn der Katholen- und Pfründeschützerscheiß!

380 Millionen will die Regierung bei den Familienbeihilfen einsparen, 58 davon bei den Studis. JP gelobte Abschleifung bei Härtefällen. Ich schleife JP auch ab und zwar da wo's weh tut, in der Mitte, ich schleif ihm seine Ö-Strichchen ab und mach daraus ein O: Proll.

Proll Prall Brüll und ausrast! Der Riesenradvorplatz im Prater war mit 32 Mio projektiert, gekostet hat er 60! Die Skylinkkosten wurden um 400 Millionen Euro überschritten. Arghh!

Ja, knurr, keif, bell rum
Rum Cola, Koala, BumBum
Kläff vorlaut und äff nicht nach
Sei kein Lemming, kein Pudding, keine Hot-Dog-Kack-Wurst
Sei kein Mir-doch-Wurschtikus
Mach den Mund auf!

Gut. Ich werde sprechen.
Ich werde meine Stimme erheben.
Es lässt sich nicht mehr vermeiden.
Es brennt. Es braucht einen Wortschwall.
Die Sprachladung muss gelöscht werden.
Sonst läuft was über oder geht was unter,
geht was schief, läuft außer Rand und Band.
Es brodelt im Laderaum, die Wortkessel zischen.
Es will Dampf abgelassen werden, es pfeift aus Ritzen
Ritsche, ratsche, ritsch
Es muss was raus.

Die Sozialstaatsaat geht nicht auf
Der Sozialstaatsalat ist viel zu light und versalzen
Der Sozialstaatspagat ist ein Gewaltakt gegen die armen Würstchen
Jaja, jammer ruhig. Jammer laut, lamentier, motz rum, monier Unsäglichkeiten
Steh auf, steh dahinter, steh drauf und verhinder
Kinder zum Beispiel, wenn nicht erwünscht und Reime
zum Beispiel auf -ünscht
(Fortsetzung folgt)



Dienstag, 30. November 2010

Vordergrundgefuchtel

Jaja, vom Hörensagen.
Vom Sprechenreden, vom Meinenglauben,
vom Riechenkönnen, vom Haarespalten,

vom Fäusteschwingen, vom Magenkrampfen,
vom Zehenspreizen, vom Muffensausen, vom Herzrasen,

vom Fersenballen, vom Knieschuss, vom Beckensprung,
vom Knochenbruch, vom Nackenschauer, vom Schulterblatt,

vom Wadenbein, vom Aderlass, vom Brustkorb,
vom Augenaufschlag, vom Schwarzsehen, vom Rotwerden,

vom Braunkotzen, vom Grünkacken, vom Kreidebleichen,

vom Lippenschließen, vom Wimperntuschen,
vom Brauenzupfen, vom Schamhügeln,

vom Achselschweißen, vom Gerüchtescheißen, vom Lügen-schmieden, vom Schattenboxen, vom Hörensagen, jaja, komm mir nicht so!

Montag, 29. November 2010

randlos


Joseph Zoderers 75er war der Grund für ein Literatur-Festival in Bruneck. 30 AutorInnen, drei Tage Programm in mehreren Sprachen bei unterschiedlichstem Wetter. Hier eine Auswahl der schönsten Zitate, Versprecher, Bonmots:
"Ich mache keine Lesungen. Lesungen sind langweilig." Gerhard Rühm
"...überall lagen lebende Körperteile." Jürg Amann
"In der Diktatur werden wichtige Sachen verboten. In der sogenannten freien Welt wird das Rauchen verboten." Robert Menasse
"Werde gesund schmutzig." Matthias Zschokke
Die Diskussionen - so randlos die Themen auch immer formuliert waren - waren hoch interessant, das Podium zwar immer angreifbar, doch es wurde stets bis in die Nacht hinein weiter debattiert. Ob über die Schwierigkeiten des Erotischen in der Literatur oder über Lügen, Leiden (und die Gefahr der Alliteration in Fragenformulierungen) und das politische Engagement von AutorInnen. Ich sag mal: Jede Generation muss ihre Sprache finden, um sich politisch zu artikulieren, die Kanäle haben sich geändert, der öffentliche Diskurs findet, wenn es ihn den gibt, dann im Internet statt.

Dienstag, 23. November 2010

Lochkörper

Der Förderturm versteht es, sich ins rechte Licht zu rücken. Dabei gab es gefühlt in den Bochumtagen keine Bläue am Himmel nur Gräue bis zu den Kniekehlen. Umwölkt hingegen waren wir schon, mindestens so wie die Steigerstube (in der man übrigens auch heiraten kann).
„sehr stilvoll und überaus dezent“ wurde im Informationsmaterial der Vinotegg vom Schloss Grafenegg (das ist jetzt allerdings in Niederösterreich und wieso mir das jetzt einfällt, weiß allein mein Denkapparat, vielleicht der schlichten aber doch markant anderen Wörter wegen) die dortige Kühlrinne und der Lochkörper bezeichnet. Fürwahr fürwahr und das Gut wachse auf mächtigen Lössterrassen. Schön schön.
Bochum jedenfalls war gut zu uns, ließ uns lange schlafen (in der SlammerInnen-Seniorenresidenz Kolpinghaus), ließ uns lange feiern (im Freibeuter), ließ uns gut speisen (u. a. in der Uhle: Sauerbraten, Rotkohl, Klöße) und ertränkte uns in Moritz Fiege Pils.
Schön ist's nicht hier - aber schön kann man sich's machen.

Montag, 22. November 2010

Dunkelgrau 2


Oder kuriert mich.

Lasst mich in wohlig-warmer Umgebung ausdampfen, salbt mich mit Lavendel-, Koriander- und Spekulatiusölen, braust mich, setzt mich neu auf, entrümpelt meinen Desktop, säubert meine Festplatte, zieht der negativen Energie den Stecker raus und lasst mich nicht Beute des Schwarzen Winterlochs werden.
Whirlpoolwellen klatscht mich ab, Duschschwälle habt Erbarmen mit meiner Körpermickrigkeit, Massierhände wuchtet, rundumüberholt mich aber brecht mir nicht mein verspanntes Kreuz, helft mir vielmehr, es zukunftsfroh durch die dunkle Jahreszeit zu tragen.
Man möge mich wieder aufrichten, danke!

Sonntag, 21. November 2010

Dunkelgrau

Wo bin ich? Ich bin in Herbststimmung. Die Novemberdröhnung hält an. Seit Halloween kaum mehr Sonne gesehen und zugegeben auch kaum vertragen. Nachtschicht mit Trinkdrang hat grad Vorrang.Allmorgendlich Schluckspechtkopfklopfen und Magenraumausdehnung Richtung Rachen. Ob ich ein gesundheitliches Defizit aufweise? Ja, ich bin maximal dezi-fit, bin ein Zehntel meiner Gehirn- und Muskelmasse, der Rest schwabbelt unkontrollierbar.
Komme mir eminent biervermüllt und schnapsübersäuert vor, bin eine Alkkloake, stülpe toxische Sekrete aus mir und verströme Verwesungsgestank. Bin ein starkes Riechmittel, ein glitschiger Flutschbrocken und grad mehr marodes Ekelding als Individuum. Bin ein November-Zombie, der das Licht am Ende des Wintertunnels nicht mal erahnen kann. Bin mau-mau-müde, sehne mich nach einer Sargharpfe, gießt mich in Bettbeton, weckt mich im Mai.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Zug abgefahren, Zeit um!


Oktober, Sommerzeit und Ptuj
na svidenje!
Auch Pragersko (im Bild das Bahnsteigklo in Pragersko) adieu!
Tschüss Thermalbad Ptju
(vier Punkte des 10er Blocks hab ich noch).

Auf Wiedersehen Bahnhofskneipe in Ptuj
(best Pljeskavica und Piacetto Espresso in town).

Habe die Ehre Kulturhauptstadt 2012.
Auf nie mehr Wiederhören all ihr nach außen gerichteten Lautsprecher mit Privatradiorotz.

Hvala lepa, adio se vidimo!

Samstag, 30. Oktober 2010

Ptujbetonung

Was wäre der Kommunismus ohne Beton gewesen?, fragt man sich immer wieder.
Parkbänke aus Beton, Terrassenbalustraden aus Beton, Straßenbeleuchtungshalterungen aus Beton, Balkonverdecke aus Beton, vormals Stuck, Holz, Schmuck aus Beton, vormals Ideen, Ein- und Vorstellungen aus Beton, Blumentröge aus Beton.
Gut, dass Beton nicht wieder nach wächst, sondern kaschiert werden kann.

Ptuj geht in die Blumentrogoffensive!
We proudly present the Kulturhauptstadtblumentrogcover!
Zu entdecken im Modell "Flotter Langquadersarg inklusive Blumenschmuck" (siehe Bild) und im Modell "Flowered Octogonoverkill"(bleibt uns hier erspart!)

Freitag, 29. Oktober 2010

Schild des Tages

Achtung Luftbrücke
für Schwanenbrot
oder
Achtung fliegende Brotprügel
oder
Achtung Haus spuckt Brotwecken
oder
Achtung Baguetteflugbahn
oder
Achtung hier führt wer was im Schilde
gesehen in Maribor am Ufer der Drava
welches sich im Übrigen von gut 50 Schwänen
geprägt und kotübersät präsentiert
doch kein Dreck der Welt kann diesen Tieren die Anmut verkacken.

Jandl würde wohl dichten:

schwanen schwanen
schwanen schwanen ahnen
schwanen ahnen bahnen
schwanen ahnen statt
schwanen pissen wasser
schwanenahnen pissen besser
schwanenstadt satt