Montag, 27. April 2015

Besch Barmak in die Luft

Bischkek TAG 1
Kleine Uniformbürschchen mit großen Deckelmützen bei der Passkontrolle. Die übliche Taxlermeute beim Ausgang und ein Wechselstuben-Nulldialog mit Behilfsmittel Taschenrechner.
Auf der Straße viele unerschrockene Hunde, neben der Straße viele schwarze Schafe und außerhalb der Stadt originelle Wartehäuschen (die wie Minitankstellen aussehen). In den Autos eine überraschende Uneinigkeit was die Ausrichtung der Lenkräder betrifft, im Taxi läuft "Gloria" und "Together in Harmony", der Fahrer demonstriert Deutschkenntnisse, er singt "Eins-zwei-Polizei" und teilt mir mit, dass er Putin-Fan ist, der Rubel für alle gut war und die Sowjetunion auch. I-Love-Russia-T-shirt trägt er zwar keines, ich habe aber schon eines gesichtet. Im Hostel sind die Schuhe auszuziehen und man muss in knarzend-schmatzende Softschlapfen schlüpfen - yammi! Das Zimmer besteht aus: Bett, Klimaanlage, Bildschirm und ein Möbel an dem ich grad stehend schreib und draußen rauscht der Verkehr. Charming! Wie man sich halt so fühlt nach 14 Stunden Anreise.

Aeroflot-Flieger TAG 1
Fensterplatz. Ich wache auf und sehe schwer zu benennende, geäderte Braunverwaschungen, da und dort weiß gesäumte Pfützen, nichts klar Ausmachbares. Schaut lebensabweisend, ja, etwas außerirdisch aus. Kirgistan habe ein hochgradig endemisches Pflanzenreich, aber was wir hier gerade überqueren, weiß ich nicht. Ist das die unendliche Steppe? Am Horizont ein Schleier wie aus hellbrauenem Sand, dann Wolkentupfer, die Schatten werfen, dann eben dieses Nichts in steter Variation. Von Zivilisation fehlt jede Spur. Ist das das weite Kasachstan? Die Wüste/Steppe Kasachstans? Da immerhin ein Fluss, der schlängelt und verliert sich wieder und dort rötliche Becken. Rohrschachtestbildchen die Menge, gelegentlich ein Schnitt mit Symetrie - Menschenhand vermutbar. Hier möchte man nicht hingeworfen werden. Jetzt wenigstens alles schön hübsch zudeckende Wattebäusche. Dann plötzlich stechen wir durch eine Wolkenwand und es wird grün. Felder, Wege, Häuser lieblichen mich an.

Dienstag, 14. April 2015

Linz
(drei bekannte Bedeutungen)

1) Linz ist eine Richtungsangabe. Linz ist nicht links aber fast. Linz ist ein Eizerl von links abweichend. Um es in Kompasssprech auszurdürcken. Wenn geradeaus Nord ist, dann ist Linz West-West-Nord. Für die Donau ist Linz ein Links-Rechts.

2) Linzen ist ein Verb. Wenn du linzst, dann schaust du wie ein Oberösterreicher aus. Das hat mit dem berüchtigten Aussehen-Ausspruch des ehemaligen oberösterreichischen Landeshauptmannes Josef Ratzenböck zu tun. Ratzenböck linzte gehörig.

3) Linz ist die Hauptstadt von OÖ und hat in der Hammerlingstraße ein tolles Gymnasium mit den poetryslamtechnisch begabtesten SchülerInnen überhaupt. Wofür sicher auch die engagierte Lehrerin Anita Döllerer verantwortlich ist.

Sonntag, 12. April 2015

Der Nußbach ist ein Leberkässtrom

Nußbach, der
(drei bekannte Bedeutungen)

1) Das Verb "nußbacheln" ist leider etwas veraltet und wird heutzutage nur mehr von Medizinern verwendet, um das Ausscheiden von sehr intensivem, gelbbräunlichen Urin zu bezeichnen.

2) Der Nußbach ist ein mehr stehendes als fließendes Gewässer und jährlich Schauplatz der Österreichischen Meisterschaften im Nasenschnorcheln. Dabei haben die Teilnehmenden sich an einer beliebigen Stelle des Nußbaches auf dem Rücken ins Wasser zu liegen und zwar möglichst lange.
Dabei wird im Idealfall durch die Nase geatmtet (sprich: geschnorchelt). Der Nußbach ist ganz schön kalt, Nussschnaps ist ganz schön wärmend. Zu gewinnen gibt es die begehrte Leberkästrophy, einen 1:1-Guss der Siegerin oder des Siegers in Leberkäse. Die Leberkästrophy ist kein Wanderpokal sondern zum Selbstverzehr geeignet.

3) Nußbach ist eine freundliche Gemeinde mitten in Österreich, in Oberösterreich. Die dortige Bücherei ist äußerst rührig und bemüht, auch junge Leserinnen und Leser zu gewinnen. So wurde beispielsweise unlängst ein Poetry Slam Workshop ausgerichtet, der mit dem reichhaltigsten Buffet ausgestattet war, das je bei einer Literaturveranstaltung gesehen ward. Dank an das gesamte Team und vor allem Carmen Forstinger.

Freitag, 3. April 2015

Das Seufzen nach Aist in Irdning

Stainach, das
(drei bekannte Bedeutungen)

1) Das Stainach ist das Seufzen der Steine. "Das Seufzen der Steine" ist ein Klassiker der Postmodernen Literatur österreichischer Provenienz und wurde in den Jahren 1983-1986 von Hildegard Sacknaht verfasst, fristete allerdings zwei Jahrzehnte lang ein Schubladendasein (Sacknaht verschickte das Manuskript an 34 Verlage, bekam 19 Absagen, 14 Verlage meldeten sich gar nicht, ein Verleger sah sich zwar nicht in der Lage, das Buch zu publizieren, pflegte jedoch bis zum plötzlichen Tod Sacknahts 1999 eine intensive Brieffreundschaft mit der leidenschaftlichen Briefeschreiberin Hildegard Sacknaht).
Hildgard Sacknaht verunglückte bei einem Brückeneinsturz nahe Bruck an der Mur. Im Kofferraum des Unglückswagens befanden sich mehrere gebundene Exemplare des Originalmanuskripts. Der Kleinverlag "Pusteblume" reagierte am schnellsten und schaffte es tatsächlich, "Das Seufzen der Steine" als literarische Sensation in die staunende Literaturlandschaft zu pflanzen. Der Rest ist Geschichte. Mittlerweile gibt es jährlich Sacknaht-Literaturtage in Stainach-Irdning (siehe dritte Bedeutung) und auch eine Sacknaht-Stiftung, die das Vermögen verwaltet und jährlich einen Hangverbauungswettbewerb ausschreibt.

2) Stainach ist auch eine Zeitangabe. 50 Stainach heißt. 50 Jahre nach Aist ("nach Aist" ist ein Anagramm von "Stainach"). Hergott von der Aist lebte im 18. Jahrhundert auf seinem Anwesen im Ennstal als Fürst mit dem Hang zum Unkontrollierbaren. Er lebte die Gottlosigkeit und prägte Wörter und Rituale, die mittlerweile zwar etwas in Vergessenheit geraten sind, aber für einen eingeschworenen "Aist-Kreis" nach wie vor als eine Art Religion gelten.

3) Stainach ist die erste Hälfte des Doppelnamenortes Stainach-Irdning im steirischen Ennstal. In Stainach-Irdning gibt es das wohl beste Bahnhofsrestaurant und direkt gegenüber das großartige ccw (Kulturzentrum Wolkenstein). Auch das Gymnasium dort ist insofern etwas Besonderes, als es jährlich einen mehrtägigen Poetry Slam Workshop mit abschließenden Poetry Slam im ccw ausrichtet.

Ad Foto: Gesehen auf einer Geschäftsfassade im Zentrum von Stainach-Irdning 2014. 2015 wurde die Esoterik aus dem Angebotsprogramm und die Buchstaben von der Fassade genommen. Leider konnte ich davon kein Beweisfoto machen (ein Aufruf an alle Stainach-Irdninger: Bitte schicken! Danke).

Montag, 16. März 2015

Nackenkissenbrüste

Leoben, der
(drei bekannte Bedeutungen)

1) Der Leoben ist die Schaumkrone der vom Wind abgekehrten Seite eines frisch gezapften Krügerls Bier.

2) Das rückbezügliche Verb "leoben" meint, sich an Bier und Kürbiskernöl gütlich tun.

3) Leoben ist eine Stadt in der Steiermark, die vor allem für ihre Apotheken-Auslagengestaltung über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Auf den Beispielfotos wird für Husten- und Bronchialtee sowie für eine Schutz-Creme für den Windelbereich geworben.
Ob die BHs und die Plüschbrüste in Nackenkissenform auch in der Apotheke zu erwerben sind, konnte ich leider nicht eruieren.

Außerdem ist Leoben auch ein Hotspot der Poetry Slam
Szene. Im Habakuk wird monatlich geslammt. An Schulen finden regelmäßig Poetry Slam Workshops statt und die Poetry Slam Meisterschaften der Steiermark und Kärnten finden auch meist in Leoben statt (dieses Jahr - am 22. Mai 2015 die U20 Meisterschaften).
Dem Tschif sei Dank!

Donnerstag, 5. März 2015

Ginfizz. Kostnix. Leibnitz.

Leibnitz, die
(drei bekannte Bedeutungen)

1) Als Leibnitz werden Hauttaschen bezeichnet, die nach raschem Gewichtsverlust vor allem in der Bauchgegend hängen bleiben.

2) Die Leibnitz ist ein Schilddrüsensekret und fungiert als Transmitter von phänomenalen, also von außergewöhnlichen Frohsinn auslösenden, unterbewussten Körperreaktionen.

3) Leibnitz ist ein Ort in der Steiermark der von Graz per S-Bahn Richtung Spielfeld-Strass zu erreichen ist. Die falsche S-Bahn führt nach Gleisdorft, was natürlich der perfekte Bahnhofort ist.

Unweit von Leibnitz befindet sich auch das Bildungshaus Retzhof.
Im Zimmer 109, das vier Tage lang meine Schreibkammer war, entstanden die Fotos vom Kiwiesel-Beutel und den ominösen Garderobenhandschuhen.

Samstag, 7. Februar 2015

TAMSWEG

Tamsweg, der
(drei bekannte Bedeutungen)

1. Mit "Tamsweg" wird der plötzliche Zustand des Nicht-mehr-Vorhandenseins des "Tams" bezeichnet.
"Tam" ist der kleine Bruder von Bahö, der große heißt "Tamtam".

2. Der "Tamsweg" ist ein Leidensweg.
Der "Tamsweg" ist der Kreuzweg der Stammtischritter, das heißt ihr frühzeitig angetretener Rückzug (Heimweg) aufgrund plötzlicher (meist familiärer) Abkommandierung.

3. "Tamsweg" ist eine Marktgemeinde im Lungau. Hübsch ist die Anreise per Murtalschmalspurbahn (von Unzmarkt über Murau nach Tamsweg). Tourismus ist nicht die Haupteinnahmequelle. Kellner-O-Töne: "In einer Vanillesoße ist automatisch immer Alkohol drinnen." Antwort auf die Frage einer besorgten Mutter, die für ihr circa sechsjähriges Kind einen Milchrahmstrudel mit Vanillesoße bestellte und sich über die Fahne ihres Kindes wunderte. "Bei uns wer'n alle Würscht kocht." Antwort auf die Frage warum die Bratwurst gekocht war.
Poetry Slam hingegen wird in Tamsweg groß geschrieben (http://www.lungaukultur.at/) und das Bundesgymnasium scheint eine wahre Talente-Schmiede zu sein.

Montag, 22. Dezember 2014

It's a long, long way to Tamsweg

In der Unterführung in Unzmarkt
kommen wohlige Gefühle auf
Hab grad keine Sorgen und nichts zu Klagen.
Hab grad Feiertagsvorfreude und nichts zu tun.
Hab grad Lust auf Nichts-zu-tun und Nichts-versäumt.
Hab grad celsiusgradbedingte Frühlingsgefühle und Wintersehnsucht.
Hab grad keine Wortaufläufe und nichts zu - doch:
alles glühweint, es liederlicht ein Chor und es christbäumt sich nichts auf. Alles verquatscht, verkitscht, verbratäpfelt.
Alles verzuckergusst und verkarpft, verkekst und verzeletet. Alles verweihnachtlicht umnachtet.
Ach, alles halb so schlimm.
Hab grad keine Sorgen und nichts zu sagen, auch trockene Lippen und rote Augen.
Aber rot geht ja immer um diese Zeit.
Zeit aufzuhören.
Ab in den Jahreswechselurlaub.
Juhui!

Montag, 8. Dezember 2014

Über Schneelanzen und Zwickerbussis

Während andere Nüsse knacken, sich von Krampussen verdreschen lassen oder einfach James Bond schauen, fahren wir Zug, um dann Gondel fahren zu können und auf über 1600 Höhenmeter den Vollmond nicht zu sehen aber vor geladenen Gästen in zwei Blöcken Wortlawinen loszutreten. Davor gab es Griesnockerlsuppe und Wildlachs auf Blattspinatbett mit Risottotuchent und Gemüsekissen, danach dann Polsterzipfel odre süßes Mousse und Kuchenkanten aller Art. Wir wissen nun, dass Mexico City höher liegt als die Mutterer Alm, dass der Auerhahn LiftbetreiberInnen schlaflose Nächte bereitet, die Mehlpriemel nicht minder, wir wissen auch, was ein Pistenbock ist und dass dieser eine Rodel-Reveolution darstellt, glauben wir gerne, wie die Aufstieghilfe funktioniert, die Ziesel genannt wird, aber nichts mit dem aufständischen Nagetier zu tun hat, bleibt uns jedoch weiterhin schleierhaft, so schleierhaft, wie das Wetter ist. Dass im Gefecht um die weiße Pracht jetzt aus Lanzen geschossen wird und Kanonen Schnee von gestern sind, haben wir ebenso mit eigenen Augen gesehen wie müde Fliegen und verhaltenoriginelle KellnerInnen. Dass angeschickerte, ältere Damen einen Text mit der Verabreichung eines original Salzburger Zwickerbussis quittieren, ist mir bis dato noch nie untergekommen, war aber verschmerzbar und machte sowohl die Zwickerbussi Verteilerin als auch den gelassenen Empfänger sympathsich. In Summe ein eindrücklicher Abend mit interessanten touristischen Einblicken und einem Zimmer mit Badewannenblick auf Innsbruck im Hotel Seppl.

Freitag, 28. November 2014

Katertag

Jetzt sickert der Kopfschmerz in den Nacken und macht mir den Kopf schwer. Eindeutig eine Alterserscheinung, diese Kopflastigkeitsprobleme. Dann noch eine Nebelwatsche und die Novemberdepression ist perfekt. Qualloses Drauflosschreiben gilt es zu erreichen: ungeniert, ungehemmt und unumwunden. Man schreibt sich ab. Man schreibt sich immer an etwas ab. Die Abschreibung muss Einlass iin die Bilanz finden, die Bilanz ein Buch werden, dann ist alles gut. Dann könnte alles gut werden, sofern man sich gut abgeschrieben hat, nachvollziehbar, authentisch, sympathisch. Man muss Lust auf die jeweilige Abschreibung kriegen und um diesen Lustkrieg zu gewinnen, ist jedes stilistische Mittel recht. Ein Wortschuss vor dem Bug reicht nicht aus. Die Sätze müssen schon einschlagen und aufgehen. Aufgehen aber auch zupacken. Das ist ja ein regelrechter Präfix-Auflauf, ein Präfix-Foxtrott, eine Präfixerei. Das gehört dazu. Was noch? Was gehört noch zu einer erfolgreichen Abschreibung? Erstmal ein abschreibbares Leben und dann natürlich Glück. Ohne Glück klappt nichts. Die Glücksklappe ist ein begehrtes Tool aber leider in keinem Toolshop erhältlich. Glücksklappen sind rar. Man kann durchaus von Glücksklappenknappheit sprechen. Man kann auch übersprechen. Man kann alles übersprechen und unter Unterredung hat man sich etwas Offizielles vorzustellen. Eine Lebensabschreibungsunterredung kann sowohl ein Gespräch mit einem Verlag als auch mit einem Notar sein. In ersterem wird das eigene Buch, in zweiterem das eigene Testament verhandelt. Für Testamente finden sich leichter Abnehmer als für Bücher. Es sei denn, sie sind Krimis. Testamente können auch Krimis sein oder zumindest guter Stoff dafür. Guter Stoff ist ein generelles Betriebsmittel, Betriebsmittelmäßigkeit leider eine landläufige Plage. Landläufig und stadthäufig und österreichweit und breit. Der Tod einer Abschreibung ist der Durchschnitt. Der Durchschnitter ist gefürchtet. Durchschnittsware gibt’s zum Schweinefüttern und Durchschnittsware ist auch zu nichts anderem zu gebrauchen.