Donnerstag, 23. Dezember 2010
Blendbäume
Freitag, 17. Dezember 2010
Herzauflauf
Na das kann ja was werden.
Was heißt was werden? Wir sind. Du bist, ich bin. Du bist mein Weichziel.
Was soll denn das heißen? Dass du dich gut, weich angreifst oder dass du gut ausweichst, wenn ich dich angreifen will? Ist ein Weichziel etwa eine dialektische Angelegenheit?
Beziehungszeugs ist immer höchst diffizil und dialektisch.
Öha. Ob mir das nicht zu viel schwierige d-Wörter sind?
Nur nicht defätistisch werden mein Dusseldäumling. Rück mal raus mit einem flotten Kompliment, ruck zuck.
Ähm... Du bist der Saum meiner verwahrlosten Gefühlsböschung.
Gefühlsböschung? Böschung klingt nach Wildwuchs und ich soll dich maßregeln? Geht’s nicht vielleicht etwas lieblicher?
Du mein von Wicken umranktes Blütenblätterhaupt reckst mir doldendrall deinen Bestäubstempel entgegen.
Geht’s nicht vielleicht etwas weniger lustgesteuert? Die Gegenwart erlaubt uns die Lustprinzipsteuerung, das ja. Aber ästhetische Grundprinzipien dürfen darob nicht den Bach runter gehen.
Jetzt sei doch nicht gleich so barsch.
Hamletbarsche können das Geschlecht wechseln und es mal so mal anders treiben.
Das klingt interessant.
Interessant ist auch Tatsumi Hijikata Lebensmotto, das da lautet: „Ich bin noch nicht geboren geworden.“
Für dieses Zitat gibt’s jetzt 'n Orden.
Donnerstag, 16. Dezember 2010
Best of Brunnen
Mittwoch, 15. Dezember 2010
Traumfigurknete
Was mir eine Straße in Nürnberg alles erzählte: Hollywood American Style Nails bietet eine Neumodellage um 24 Euro und Auffüllen um 20 Euro an. Pinienzapfen kosten 1 Euro. Club beendet Horror Advent. Mobiler Surf Stick um schlappe 0 Euro. Option Laptop Internet Flat monatlich nur 20 Euro. Schlemmerwochen bei Martin Optik. Comfort Funk Gong Home Tec CFG 1000. Stahlharter Abwehrriegel Panzerriegel PR 2700. 10 Stück Strasssteinchen nur 4 Euro. Brautkatalog 2011 ab sofort erhältlich.
Doppelwandige Thermopumpkanne
Nürnbergs Museenpalette ist bunt. Ein paar Beispiele:
Mittelalterliche Lochgefängnisse
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Historischer Kunstbunker
Schwurgerichtssaal 600
Laubenmuseum
Taubenmuseum
Rotes Kreuz Museum
Museum Henkerhaus
und zu guter letzt das Weizenbierglas Museum.
Kein Bratwurst-, Zwetschgenmann und Lebkuchenmuseum und der Christkindlmarkt heißt hier Christkindlesmarkt.
Donnerstag, 9. Dezember 2010
Geschrubber
Wer schrubbte dir was?
Er, ein Halbschlurf im Vollzwirnpyjama, ein steifer Stelzmann, ein gelackter Stolzschnösel.
Das klingt nicht gerade nach einer Sympathiebekundung, wie schrubbt der?
Er ist eine gelungene Verquickung von Misslichkeiten, mit strizzihafter Proletenkaltschnäuzigkeit. Von dem würd' ich mich nicht mal anschrubbern lassen. Der kommt mir nicht in die Nähe meines Brazilian Landing Strips.
Wie kommt's dann zum Geschrubber?
Naja, der Depp kann halt schreiben.
Ach so, eine rein geschäftliche Beziehung also.
Das Wort Beziehung will ich in diesem Kontext nicht bemühen. Aber der Kotzbrocken hat's halt drauf.
Nacktschnecken sind gerne Kotzbrocken, das ist ihre Stärke, ihr Fressschutz, Nacktschnecken sind Ekelpakete vollgepumpt mit giftigen, bitteren, scharfen Stoffen und wenn sie wer frisst, kotzt er sich gleich wieder aus.
Und er kotzt eben Ideen am laufenden Band.
Höre ich da Anklänge von Neid raus?
Nein, nein, nein. Neid? Niemals. Nicht doch. Ausgerechnet auf so einen... niemals.
Du dünngeschabte Faserlosigkeit.
Häh?
Rückgratlose Weichbirne du, du diensteifrige Fusselrolle du, nimmst wohl auch alles auf, was dir vorgesetzt wird, hm?
Fusselrolle, sagst du. Du bringst mich auf eine Idee, danke.
Mittwoch, 8. Dezember 2010
Unbefleckte Staunempfängnisse
Ich lese und staune 1: „Der Oberösterreichische Kameradschaftsbund sieht in der Wehrpflicht für Frauen ein gutes Mittel zur Förderung der Integration und fordert eine allgemeine Wehrpflicht für alle Staatsbürgerinnen und Staatsbürger.“ stand unlängst auf der ORF Website geschrieben.
Ich lese und staune 2:
Menschen mit Migrationshintergrund haben neuerdings einen neuen Namen ausgefasst: „Migrantigrus“
Ich lese, staune und amüsiere mich:
Das Kernkraftwerk Zwentendorf hat 1050 Räume aber kein Klo und keine Heizung. Die Fäkalien eines Reaktortechnikers im Dienst gelten als radioaktiver Müll. Essen, trinken, rauchen ist in einem Kernkraftwerk verboten. Die Arbeitenden hatten orange Feinrippunterwäsche zu tragen, die im KKW auszuziehen und zu waschen war. 1978 war Zwentendorf fertig, dann stimmten 50,47 % gegen die Inbetriebnahme. (Zuerst gebaut, dann gefragt. So läuft das in Österreich. Aber immerhin, das Ergebnis ist ein erfreuliches.)
Ich lese, staune und stimme zu:
Die Integrationsdebatte dient vor allem der Verhüllung anderer Probleme, sagt Doron Rabinovici. Kein Problem, das nicht der Zuwanderung angehängt wird: Mangel im Sprachunterricht, Frauenunterdrückung, soziale Ungerechtigkeit, steigende Arbeitslosigkeit, Verelendung von Wohngebieten Kriminalität.
Dienstag, 7. Dezember 2010
Das Hirn ist keine Marzipankartoffel
Alles, alles, alles, alles schwarz. Was für ein Anfang.Dann regnet es plötzlich Spaghetti. Was für ein Wetter.
Al dente Spaghetti noch dazu. Was für eine Verschwendung.
Und dann – als hätte sie sonst nichts zu tun – rollt das Mädchen aus dem Photoshop auf einem Basket Ball in die Szenerie. Was für ein Auftritt.
Ja, das Mädchen rollte. Es hatte keine Ecken und Kanten. Es war weichgezeichnet vom Leben im Photoshop und eben so rund wie das Wort Photoshop. O-o-op. O-iger geht’s echt kaum mehr. Das Ro-ro-ro-rollen also lettristisch legitimiert. Was für eine Rechtfertigung.
O, dachte ich mir und süß, worauf ein Tusch erklang und dann marschierten sie über die Bühne im Hinterstübchen, die Süßigkeitenvorreiterinnen dieser Stadt. Allen voran die Marzipankartoffel, warum ausgerechnet sie, ich weiß es nicht, vielleicht der Form wegen, gefolgt von der Maroniblüte und dem leicht hinkenden Rehrücken (war vermutlich angeschossen worden), die Esterhazy Torte machte auf Nase hoch, die Husaren Torte auf Kopf runter und Scheuklappen auf, die Malakoff Torte ließ die Biskotten lustvoll wippen und der Waldbeerenfleck hielt sich bedeckt. Was für Kuchenversuchungen!
Jawoll Kuchenversuchungen! Sag ich ja immer, sagt wer. Wortbildung als Kohäsionsmittel, das ist meine Devise! Nur so geht das, nicht anders. Nicht anders find ich generell zu ausschließend aber gegen das Auslegen und Vorführen von Textualitätskriterien hab ich nichts einzuwenden. Was für eine Erkenntnis.
Kohäsion, Informativität, Intentionalität, Intertextualität, Situationalität, Akzeptabilität. Die muss man erst einmal unter bringen in einem Text. Gut, man muss ja nicht. Aber. Ja, was eigentlich? Ich glaube, ich habe mich im Text verlaufen. Was für ein Eingeständnis.
Ich habe mich im Text verlaufen und alles was mir dazu einfällt, ist ein Kafka-Zitat: „Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen.“ Was für ein Zitat.
Danke. Bitte und Imponderabilien ist doch eh ein schönes Wort, das man verlässlich falsch ausspricht. Die Unwägbarkeiten machen es einem dabei etwas einfacher. Womit die Brücke gelegt wäre, um endlich Lebensweisheiten mit Ratgeberqualität los zu werden. Was für ein Übergang.
Achtung: Hast du dein Leben gefunden, besteht die eminente Gefahr, es jederzeit wieder zu verlieren. Was für ein Schlusssatz.
Nachsatz: Das verhält sich mit der Sprache nicht anders.
Montag, 6. Dezember 2010
Bischofsviolettes
Peter Esterhazy wurde 1950 in Budapest geboren. Wer mehr über seinen Geburtstag wissen möchte, der möge den Text "A hard day's night" in "Thomas Mann mampft Kebab am Fuße des Holstentors" lesen. Wer mehr über seine Familie und die Geschichte Ungarns wissen möchte, dem sei Esterhazys Opus magnum "Harmonia Caelestis" (2001) ans Herz gelegt. Dafür erhielt er u. a. den Ungarischen Buchpreis und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.Der Stiftungsrat würdigte Peter Esterhazys "Mut zum offenen Bekenntnis und zur poetisch-heiteren Beschreibung" und bezeichnete ihn als "Joyceianer".
Esterhazy studierte Mathematik und arbeitete in den 1970er Jahren als Datenverarbeitungsspezialist. Seit 1978 ist er als Freier Autor tätig und schaffte mit seinem Debüt "Termelesi regeny" 1979 den Durchbruch.
31 Jahre später ist dieses Buch nun auch auf Deutsch erschienen (übersetzt von Terezia Mora). Das durchaus als üppig zu bezeichnende Werk heißt auf deutsch: "Ein Produktionsroman (zwei Produktionsromane)" und wurde seinerzeit von der oppositionellen Kritik gefeiert.
Peter Esterhazy brachte in den 1970er Jahren gegen die offizielle Ideologie eine neue Literatur in Stellung. Er hat die Lieblingsgattung des sozialistischen Realismus parodiert und ins Groteske gesteigert. Im idealtypischen Produktionsroman sollte es um die optimistische Darstellung der heroischen Welt der Arbeiterklasse gehen. In Peter Esterhazys Produktionsroman geht ein Datenverarbeiter in einem Rechenzentrum schließlich in einem Papierberg unter.
Der erste Teil ist der eigentliche Produktionsroman, er sprüht vor Sprachwitz und verblüfft mit ständigem Ton- und Stilwechsel. Der zweite Teil ist ein Anmerkungsapparat bestehend aus 68 Fußnoten. Hier wird ein bunter Themenstrauß serviert: Familie, Literatur, Fußball, Schreibprozess - alles Themen die in Esterhazys späteren Werken auch im Mittelpunkt stehen sollten. Auch dieser Teil ist ein munterer Parcour an Sprach- und Stilebenen in dem man sich festlesen kann.
Das Buch lädt ein zum Kreuz- und Querlesen, ist mit zwei Lesebändchen ausgestattet und ideal um ein paar verschneite Winterabende daheim im Lesesessel zu verbringen. Wenn man dann mehr will, kein Problem. Esterhazy hat fleißig publiziert in den vergangenen drei Jahrzenten (z. B. früher bei Residenz). Ein spannender, überraschend witziger und mit vielen Wassern gewaschener Autor. Eine Entdeckung.