Dieses Verhältnis lief ganz ausgezeichnet: Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko; Dann war mal gut, die Welt hatte schließlich auch was zu bieten: Industrielle Revolution, da war vorerst mal gut mit Kunst. Dann aber wurde die Kunst-Kirche-Affäre wiederbelebt mit Klassizismus und Neo-Alles-was-schon-mal-da-war. Dann wieder Welt - diesmal Kriege - und eh wurden in den 1950er und 60er Jahren auch ein paar neue Kirchen gebaut, aber an sich war die moderne Kunst dieser Zeit ein rotes Tuch für die Kirche (erst sprichwörtlich und dann - mit Nitsch - konkret). Und nun - Anno 2026 - das!
Es ist Fastenzeit und Innsbrucks Kirchen leisten sich Altarverhüllungen ganz besonderer, moderner Art. Fastentücher dienen dazu, das Vertraute zu verdecken und den Blick auf Neues zu lenken. Sie wurden auch Hungertücher genannt und waren anfangs meinst schlicht, entwichelten sich aber zunehmend zu einer Kunstform. Die Fastentücher, mit denen sieben Kirchen in Innsbruck jetzt aufwarten, sind ein Crashkurs in zeitgenössischer Bildender Kunst und das alles frei zugänglich.Zur Kunst und in die Kirche gehen (Teil 1)
"Spuren des Feuers" von Jakob Kirchmayr im St. Jakobs Dom ist eine geraffte, geschliffene, geschundene Wucht mit Gucklöchern. Barocker Glanz trifft auf evidentes Elend, auf künstlich geschaffenes Elend zwar, aber eindrücklich vermittelt - gezielt herbeigeführte Verelendung. Wer da nicht den Bezug zur Gegenwart herstellen kann, dem (ja, bewusst nur männlich gegendert) ist nicht zu helfen. Der Dom sprotzt ohnehin vor Kunst: Illusionsmalerei da und dort, ein Boden, der dich einsaugt und Orgelpfeifen, die dich umblasen. Aber Kirchmayr setzt noch eins drauf, er hängt dem Altar einen Fetzen an, der uns alle nachhaltig berauscht.
Für Prunk stehen die Jesuiten nicht - für Bildung schon eher. Dass "Blababels" von Ronald Kodritsch das nichtssagende Altarbild der Jesuitenkirche zudecken, ist stimmig. Dem Schwarz-Weiß-Raum tut das Pink gut. Das Bild des "Bad Painters" verträgt sich mit dem Neue-Sachlichkeit-Barock-Gemisch. Die Message liegt auch auf der Hand. Sprechblasen sind - da brauchen sie gar nicht erst gefüllt werden - sprechend genug. Oder, um es mit einem großen Präsidenten und Rhetoriker zu sagen: I have all the words. I have the best words.
Zur Kunst und in die Kirche gehen (Teil 3)
Flieger reich mir den Himmel.
Piloten ist nichts verboten.
Spann deine Schwingen - Ikarus-Spinner.
Breit deine Flügel aus - Armleuchter.
Geh steil! Flieg o (Flieg ab)!
Flieger tauch ein ins Blau.
Flieger sind auch nur Schwimmer im Himmelsmeer.
Flieg er - ist auch Imperativ Singular, dritte Person.
Wer einen Flieger hat, ist blau.
Flieger kreuz das Himmelsblau.
Thomas macht den Feuerstein.
Thomas glaubt nicht alles.
Feuerstein entflammt.
Thomas Feuerstein gelingt es mit "Planetares Blau", die Pfarrkirche St. Nikolaus zu einer Attraktion zu machen. Ein ausrangiertes Segelflugzeug aus den 1960er Jahren kriegt ein aus Kieselalgen produziertes, ultramarinblaues XXL-Stoffhoserl und bäumt sich auf, erhebt sich, färht in den Himmel ein. Die Baselitz-Hängung wäre ein höllischer Sturzflug. Feuerstein macht alles richtig und lockt die Menschen an.




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