Dienstag, 15. November 2011

Gezeichnete Geschichten


Neulich hab ich mal was für mich ganz Neues gemacht. Ich habe eine Comic-Lesung im phil moderiert. Man könnte auch sagen eine Doppel-Graphic-Novel-Buchpräsentation. Das mit den Bezeichnungen ist auf diesem Gebiet schon mal nicht ganz einfach. Jedenfalls ging es um zwei Comic-Autorinnen-Debüts aus dem Berliner Reprodukt-Verlag. Um "Alien" von Aisha Franz und "rpm" von Martina Lenzin.
Die Geschichte von Aisha Franz dreht sich um drei Frauen. Um die mehr oder weniger alleinerziehende Mutter, die ältere und die jüngere Tochter. Die jüngere wird schlicht "Mädchen" genannt und ist grad in der Pubertät. Die ältere hat die Schule abgeschlossen und macht grad erste sexuelle Erfahrungen und die Mutter scheint bereits mit ihrem Leben abgeschlossen zu haben und bemerkt, dass sie sich in einem Hamsterrad befindet, aus dem sie wohl nicht mehr raus kommt. Das alles spielt in einer bleistiftgrauen Reihenhaussiedlung in einer beliebigen Kleinstadt.
Das klingt trister als es ist, es geht schon nahe, berührt, macht aber oft auch schmunzeln, weil man sich oft ertappt fühlt. Franz trifft Gefühle und Erinnerungen die man kennt und setzt diese schlicht und einfach aber stimmig und überzeugend um. Gerne zeichnet sie Wangen, Wiesen und Rauchwolken, omnipräsent sind auch Zäune. Ja, es ist schwer für die drei auszubrechen, ja, alle drei flüchten sich in eine Parallelwelt. Das Alter-Ego der Mutter steigt aus dem Fernseher und ist super erfolgreich, die ältere Tochter träumt sich in die Kindheit zurück und Mädchen hält sich ihren Alien für diverse Experimente. Erwachsen werden und erwachsen sein auf einzigartige Weise gezeichnet und getextet. Empfehlung!
Aisha Franz hat in Kassel Visuelle Kommunikation studiert, Alien ist ihre Abschlussarbeit und mittlerweile ist sie Neu-Kölnerin. Mehr auf www.fraufranz.com

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