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Denkmäler im Wandel: 1940 Stalin, 1967 Marx, seit 1993 Amir Timur |
Autos weiß, Kleider
schwarz, Kuppeln blau, Zäune türkis und Zähne gerne goldig. Soviel
zu oberflächlichen Auffälligkeiten.
Schlaglöcher und
Straßengräben. Löslichkaffee, Beuteltee und weiße Sprüche des
Präsidenten. Soviel zu evidenten Ärgerlichkeiten.
Sowjetarchitektur
prägt die Neustadt. Breite Straßen, riesige Plätze und massive
Kastenbauten. Da und dort ein neues, orientalisch anmutendes Hochhaus
mit Glas und runden Formen. Springbrunnen an allen möglichen Orten
und wo kein Springbrunnen, da ein Semigur. Das ist ein
geschichtsträchtiger Vogel.
Urwüchsige Bäume
und davon viele. Im Frühling grünt's hier wohl prächtig. Grün
auch die Uniformen der Wächter. Nicht hell, nicht dunkel, so ein
landesflaggenpetrolgrün – sehr kleidsam. Die Kopfbedeckungen (wie
nah „Bedeckung“ am Deckel ist, wird einem hier klar) sind ohnehin
unschlagbar.

Die offizielle
Arbeitslosigkeit ist gering, die tatsächliche nicht eruierbar. Die
Großfamilie bietet Rückhalt. Der offizielle SUM-Kurs ist gering,
die zahlreichen offenbar hauptberuflichen Wechsler bieten 30 % mehr.
Der größte Schein ist ein 1000er. Ein Dollar inoffiziell 2600 Sum
wert. Will man am Basar einkaufen, geht man mit einem Nylonsack voll
Geld dort hin. Will man mehr einkaufen, braucht es schon einen
Rucksack voll. Man wedelt mit 100.000er Packerln, die mit
Gummibändern gebündelt sind.
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Schal falsch. Zimmer im 9. Stock. Aufzug? Ja. |
Die Einreise
verläuft recht unproblematisch und flott. Das Gepäck wird noch mal
gescannt und die ausgefüllten zettel gestempelt. Dann wird man ins
Land entlassen. Eine Ankunftswartehalle gibt es nicht. Aber eine
Taxifahrermeute, die sich auf einen freut. Für 3000 SUM sollte man
in Tashket an sich überall hin kommen. Aber je nach Dringlichkeit,
Verfügbarkeit und Wetter ändert sich der Preis natürlich. Auch
gibt es offizielle Taxis mit Taxischild wie man das kennt. Aber noch
viel mehr inoffizielle Taxis. Wer ein Auto hat und gerne Auto fährt,
ist Taxler. Die Kofferräume sind etwas kleiner, weil sich darin der
Gastank breit macht. Gurte hinten sucht man vergeblich, ein Taxameter
auch, egal, es muss ohnehin verhandelt werden (vorher!). Die paar
Touristen-Hotels kennen alle und man sieht sie auch von weitem.
Dass für
Late-night-check-in im Hotel Shodlik nur die Hälfte verrechnet wird, ist toll. Dass
es so ausschaut, als wäre für uns nicht reserviert, ist zur
Ankunftsstunde (3 Uhr 30) weniger lustig. Aber wir werden schließlich
aufgenommen und dürfen gegen 4 Uhr und 13 Stunden Reise in die
Betten sinken. Daheim ist's grad Mitternacht.
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