TAG 1: Bis 11 lässt man
uns ruhen. Dann steht der Dekan persönlich parat, um uns Tashkent zu
zeigen. Kristina, die uns abgeholt und im Vorfeld alles organisiert
hatte, ist mit von der Partie. Wir fahren an allen Monumenten der
Neustadt und schmucken Plattenbauten vorbei, schrammen kurz auch der
Altstadt entlang, steigen aus, um das
Kaffal-Shashi-Mausoleum und die
Medrese Barak Chan und den Ort, mit dem berühmten
Lederkoran zu sehen und stürzen uns sodann ins Basar-Getümmel. Die
Entdeckung sind schrill-bunte Salatberge und die Kurt-Abteilung (
Kurt
ist Trockenkäse).

Brot wird in alten Kinderwägen am Straßenrand
angeboten und ist heilig (immer zwei kaufen, nie verweigern oder
irgendwo liegen lassen!), nur leider am Hotelfrühstücksbuffet nicht
in dieser Form zu kriegen. Vor dem Basar ist eine Handwerkerstraße.
Spezialisiert ist man hier auf Kinderbetten mit integriertem Topf und
einem Leitungssystem, das Kleinkinder windellos schlafen lässt. Dann
geht’s heim zum Dekan: Plov essen. Der Dekan der
Weltsprachenuniversität Tashket wohnt mit Frau, Sohn und Schwägerin
in einer Fünfzimmerwohnung in einem Plattenbau direkt an einer viel
befahrenen Straße. Töchter hat er auch, alle haben studiert und
arbeiten. Die Frau kocht. Wir essen. Es schmeckt.

Wir schneidersitzen
auf diesem Riesenbettgestell mit Tisch in der Mitte. Uns wird
reichlich Tee gereicht. Süßigkeiten und Trauben sind schon da und
wollen verkostet werden, obschon das Essen erst beginnen wird. Salate
in allen Farben. Die rote Rübe wird hier hoch gehalten und mit
Walnüssen, Bohnen, etc. veredelt. Krautsalate mit massig Kräutern.
Karotten mit Kreuzkümmel, dazwischen Radieschen und Kohlrabi in
besonders knackiger Form und grellem grün. Mariniert wird mit
Kefirsoße und Eingelegtes dominiert. Dazu natürlich Brot –
äußerst schmackhaft. Und dann Plovts. Der sympathische
Dekan erzählt von seiner Zeit in der DDR, von seinen Kindern, dass er eines
von zwölfen war, etc. Das ist alles sehr ungezwungen, relaxed und
interessant. Dann wechselt er auch noch bei einem Freund Dollar und
Euro für uns und kommt mit einem ganzen Sack voll Geld zurück. Wir
sind eingeschüchtert und lernen den SUM kennen.

Die Zugtickets
hätten wir ohne seine Hilfe wohl nur unter Aufbringung von viel Zeit
und Gestikgeschick erstanden. Die Bahnhöfe sind abgesichert wie
Flughäfen. Wir sind in einem -istan, einem Endsilben -istan-Land.
Bedrohung ist nicht virulent aber jederzeit möglich. Dass wir am
ersten Abend ein Lokal in Hotelnähe finden, das an sich einen noblen
Eindruck macht – Luster, Teppiche, schweres Gedeck – in dem das
Bier aber nur sensationelle 2000 Sum kostet, ist ein genehmes Wunder.
Im Hotelfernsehen dann ZDF Sonntagnachmittagsport (weil vier Stunden
Zeitverschiebung). Die 7000 fürs Hotelbarbier zahlen wir dann gar
nicht gern, zumal es in der „Hemingway Bar“ endlos trostlos ist.
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