Donnerstag, 27. März 2025

Welttag der Poesie in Rom

Klar fahr ich immer gerne nach Rom. Führen ja auch alle Wege dorthin. Fahren aber nicht alle Züge. Vor allem, wenn die FS, die Ferrovia dello Stato streikt. Was mitunter vorkommt.
Klar hab ich nichts gegen Streiks. Fahr ich also nicht wie geplant am 19. März schon nach Rom. Sondern erst mal von Innsbruck wieder zurück nach Wien, um von dort aus dann über Nacht nach Rom zu gelangen und zwar erstmals in einer super-fancy Nightjet Singlekoje. In Summe also sehr viel Zugfahren für einen Streiktag. So komme ich statt am 19. halt erst am 20. an und zahle die Nacht doppelt, einmal im Zug, einmal das Hotel.
Klar könnte einen das ärgern. Bin aber zu guter Dinge, um mich zu ärgern. Bin in Flaminio untergebracht. Das ist nicht zentral, aber gut angebunden, was super ist, wenn die öffenltichen Verkehrsmittel fahren. Was sie auch meistens tun. Außer die Öffis streiken, das kommt vor. Dass sie das am 21. März machen, ist ihr gutes Recht.
Klar, den Welttag der Poesie zum Streiktag zu machen, das hat was. Das kann ich nur gut finden.
Klar akzeptiere ich diesen Streik und marschiere an meinem zweiten Tag in Rom circa sechs Stunden (am Vortag waren es nur vier).
Gut, dass die Brunnen nicht streikten.
Gut, dass in der Ungarischen Akademie (wo der Welttag der Poesie zelebriert wurde) nicht streikte. Gut, dass ich mich, als ich drankam, noch auf den Beinen halten konnte.
Gut, dass ich den Text noch einigermaßen abrufen konnte.
Gut, dass ich beim Interview mit der RAI noch ein paar Brocken Italienisch aus den Ärmeln zaubern konnte.
Gut, nein, besser, wenn das vorab zuerkannte Taxigeld für Feierabendbiere ausgegeben werden kann. 

Tag drei verbrachte ich dann fast zur Gänze im MAXXI-Museum und schaute mir eine Foto-, eine Architektur-, eine Mode-, eine Installations-, und eine Firmengeschichte-Ausstellung an.
Von Guido Guidi über den Torre Verlasca bis zur Supercrema, also Nutella war da alles dabei und zum Drüberstreuen besuchte ich auch noch das dreitägige Literaturfestival im Auditorium und kam gerade recht, um Uwe Timm zu hören. 

Zurück ging es dann wieder per Nightjet. Die neuen Kojen sind einen eigenen Eintrag wert, zumal sich das Bahnfahren dadurch wirklich ändert und es neue Beobachtungen festzuhalten gilt.

Freitag, 21. Februar 2025

Literaturzäpfchen statt Fettnäpfchen

Es hat ein bisschen gedauert. Doch jetzt ist der Beitrag meiner Rumänien-Tour online. Ich habe hier ja auch gebloggt, wie es war in Timișoara, Cluj-Napoca, Iași und București. Aber für das Österreichische Kulturforum in Bukarest ist dann nochmal ein eigener Beitrag entstanden, der hier zu lesen ist. Das mit dem Schengen-Veto immerhin hat sich mittlerweile geändert. Es wird nicht alles schlechter. Als Präsent für jene, die den Beitrag gelesen haben, gibt es hier jetzt den Workshop-Text zu lesen, der aufgrund des Buchtitels "Mein Fußpflegerin stellt Fragen ans Universum" entstanden ist. Viel Vergnügen!  

Meine Fußpflegerin stellt Fragen an das Universum
Universum ist auch nicht g’schmackiger als Basilikum
Basilikum braucht man wenigsten nicht waschen
Waschen Sie sich endlich!
Endlich ist das Universum nicht
Nicht einmal das
Das ist eine herbe Enttäuschung
Enttäuschungen sind die Währung des Alltags
Alltagsenttäuschungen auf Vorrat gibt es aber auch
Auch das noch
Noch ist das kein Text
Text strickt sich nicht von selbst
Selbst und Ich und Überich
Überich als Konstruktion des Seins?
SeinS’ deppert oder was?
Was soll dieser plötzliche Fall ins Dialektale?
Dialektal ist mitunter dialektischer als man meint
Meint es irgendwer gut mit mir?
Mir kann man alles erzählen
Erzählen kommt nicht von Zahlen
Zahlen kommt von Geld
Geld hab ich mal mehr mal weniger
Weniger ist nur bei Gedichten mehr
Meer ist nur im Universum nicht Wasser
Wasser ist das Bier des Tages
Tage vergehen wie Launen
Launen sind auch mal hell, mal dunkel
Dunkel ist es im Universum
Universum tu nicht so groß
Groß ist meine Neugierde auch
Auch so kann man enden
Enden tut das Universum, wenn ich will
Will mich wer?
Wer will mich ?
Mich will niemand
Niemand entkommt dem Universum
Universum schleich dich endlich!
Endlich aus?
Aus!



 

Freitag, 22. November 2024

Waldheimat Birkfeld

Wenn es dir gelingt, Birkfeld mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen beziehungsweise zu verlassen, dann hast du es geschafft. Ich hab es geschafft! Tief hinein ins Feistritztal, über den Pfaffensattel, an Stuhleck vorbei, vorbei auch an leerstehenden, ehemaligen Hotelanlagen, vorbei an Ratten, vorbei an Rosseggers Walheimat und Geburtshaus und rein in die Gemeinde Birkfeld. 

Dort geht es gehörig auf und ab, rein geländemäßig. Was das Wahlverhalten anbelangt muss gesagt werden, dass es dort nur steil bergab geht: 40 % Blau, 33 % Schwarz, 11 % Rot, 6 % Pink und 4 % Grün. Aber das sieht man der Gemeinde nicht an. Alle Menschen, mit denen ich zu tun hatte, waren fröhlich, freundlich, positiv. 

Ich habe in einen vorbildlich geführten und bestens ausgestatteten Bibliothek einen Workshop abgehalten und in einer ebenfalls beispielhaften Schule, dem BORG mit Weitblick, Slam-Einblicke gegeben. Alles großartig, möchte man meinen. Und dann hab ich halt die Rückreise über Vorau und Rohrbach angetreten. Das war nicht ganz easy aber sehr interessant. 

Nächster Halt: Vornholz Waldseppl. Das sagt eigentlich alles. Wunderbare Landschaft, liebliche Hügel, ein protziges Stift und wieder mal eine neue Seite von Österreich kennengelernt. Das ist das Schöne an Schulworkshops.

Samstag, 16. November 2024

Kelenföld hat mir gerade noch gefehlt

Pécs - Fünfkirchen, die fünftgrößte Stadt Ungarns, dort sollte ich landen. Nicht in Osijek, Kroatien, Österreich Bibliothek im Rahmen der Österreich Wochen. Also eigentlich sollte ich ja eben schon in Osijek landen, also nicht landen, sondern ankommen. Aber dazu kam es leider nicht. Nach acht Stunden habe ich es bloß bis Pécs geschafft und ein Weiterkommen war nicht mehr möglich. Was tun? 

Erst mal verzweifeln und nicht wissen was tun. Also mal was zum Essen suchen. Das braucht es ja ohnehin. Die Möglichkeiten waren beschränkt. Es sollte ein Chinarestaurant direkt neben dem Bahnhof werden. Ich würgte Chicken with bamboo, mushrooms und rice in mich hinein und dachte bloß an den Nährwert und die daraus zu ziehende Energie, für die Kraftakte, die heute in irgendeiner Form auf jeden Fall noch zu folgen hatten. Der volle Magen hat mich gelassen gemacht. Was also tun?

Sich ein Hotel in Pécs checken und eine Online-Lesung machen. Ja, das hätte ich auch einfacher haben können. Aber konnte ich wissen, dass der Zug, in den ich um 7:27 in Meidling eingestiegen bin, gleich mal 40 Minuten einfach so im Hauptbahnhof rumsteht? Der erste Anschluss war somit futsch und beim IC von Budapest-Kelenföld nac Pécs verhielt es sich ähnlich. Kontinuierlich reicherten wir Verspätungsminuten an und schließlich war auch der Zug nach Beli Manastir dahin. 

Das Hotel heißt Sopianae. So hieß Pécs, als die Stadt noch Zentrum der Provinz Panonien war. In Pécs wurde immerhin bereits 1367 die erste Uni Ungarns gegründet und die Moschee "Gazi Khassin" am Hauptplatz ist zur christilichen Kirche umgebaut worden. Das finde ich schon mal ziemlich einzigartig. Außerdem war Pécs auch das Zentrum der Donauschwaben, die sich unter den Habsburgern hier angesiedelt haben. Also historischer Boden und ich sitze im Hotelzimmer!

Immerhin sind nicht nur Graz und Cluj-Napoca Partnerstädte von Pécs, sondern auch Osijek. Das ist doch eine schöne Verbindung. Das WLAN ist stabil. Ich habe das Publikum vor mir und kann es sogar hören und spüren und es sollte mir schließlich eh eineinviertel Stunden gelauscht werden - aber nicht nur. Es gab auch Wunschkonzert und die Wünsche wurden erfüllt. 

Bleibt zu hoffen, dass die Rückfahrt besser klappt und ich nicht noch einen Tag in Ungarn hängen bleibe.

Donnerstag, 31. Oktober 2024

Das große Ruckeln und Größenwahn


Reisen mit der Bahn ist in Rumänien momentan noch ein großes Ruckeln, Zuckeln und gemächliches Durch-die-Landschaft-Ziehen. Die Städte sind vorbildlich herausgeputzt: da strahlen die frisch renovierten Fassaden im Herbstsonnenlicht; da protzen die restaurierten Klassizismusprunkbauten; da ist man ganz Kulturhauptstadt (Timișoara 2023) und Jugendhauptstadt (Cluj-Napoca 2015) und geizt nicht mit Informationen; da ist an allen Ecken über prominente Menschen der Region oder Besonderheiten derselben zu lesen. 

 Ich weiß jetzt, dass der Bau eines gigantomanischen, nein, megalomanischen, nein, ganz einfach vollkommen durchgeknallten, irre-großen Palasts ausreicht, ein Land in den Ruin zu treiben. Ja, angesichts dieses Bauwerks versagen kurzzeitig die Sprachwerkzeuge. Ich bin richtiggehend empört über dieses Monsterbauwerk. 

Ich weiß jetzt sowohl, dass Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller in Timișoara studierte, als auch, dass Tarzan Johnny Weissmüller dort geboren wurde und dass Timișoara die erste Stadt mit elektrischer Straßenbeleuchtung war. Ich weiß aber auch, dass der Bahnhof nach wie vor eine Baustelle ist, weil der öffentliche Bahn-Verkehr hier offenbar nicht wirklich wichtig ist.

Der Individualverkehr ist alles. Das Auto ist Statussymbol. Die fette Karre steht für rasches Vorwärtskommen in allen Belangen. In București lässt man auch gerne die Motorradmotoren aufheulen, wenn die Siegesstraße entlang gebrettert wird. 

Ich muss lachen und weinen gleichzeitig, als ich sehe, dass mit dem Slogan "Sustainability is the new Stability" sogar auf dem Literaturfestival für eine Automarke geworben wird. Gerne würde ich ein Fettnäpfchen über das präsentierte Automobil schütten. 

Ach, so viele Fettnäpfchen, die bereitstehen und darauf warten, betreten zu werden, aber wenn mal eines braucht, zum Verschütten, dann ist keines da.


Montag, 28. Oktober 2024

Ego-Candy-Shooter-Crush


24 Stunden, einen ganzen Tag, Tag und Nacht habe ich jetzt in rumänischen Zügen verbracht. Von Timișoara nach Cluj, von Cluj nach Iași, von Iași nach București. Als ich in Bukarest ankam, stand am Gleis gegenüber ein Direktzug nach Wien, fast wäre ich eingestiegen, was mich vermutlich noch einen ganzen Tag gekostet hätte. 

Aber ja, ich fahre gerne Zug. Auch wenn aus sechs Stunden acht werden. Auch wenn es keinen Speisewagen gibt, auch wenn es kein Klopapier gibt, auch wenn es keine Beinfreiheit gibt, auch wenn die Sitznachbarn nicht gerade freundlich sind, auch wenn es keinen Platz gibt, den Laptop aufzuklappen und beispielsweise zu bloggen. Mich interessiert ja, was die Menschen so machen. Wie sie sich die Zeit vertreiben. Ich sitzt dann halt da mit meinem Notizbüchlein, gut, dass ich diesmal ein kleines dabei hab. DIN-A 5 wäre platztechnisch mitunter schon schwierig gewesen. Sitze geduldig da, schaue gar nicht so viel aus dem Fenster, weil da gar keines ist, also nur die Trennwand mit Steckdosen für diverse mobile Geräte, schaue mich halt um und notiere, was mir auffällt. 


Gerne hätte ich auf dieser Reise all die Kopfhörer, die ich in meinen bisherigen Flügen bekommen habe mit dabei gehabt, um sie großzügig an Jung und Alt zu vergeben. Dass mir einer drei Stunden lang im Nacken sitzt und irgendein Egoshooter-Game spielt, mir also den Hinterkopf vollballert, ist gar nicht das Schlimmste. Irgendwann sind die Ohren tot. 

Das tröpfelnde Pling-Pling, Brrchch von Handyspielen wie Candycrush ist mehr Folter. Das lässt dich nicht los, wie es ja auch die Spielenden nicht los lässt. Wenn jeder gelesene Setz-Satz von einem Pling bestätigt wird, dann macht das was mit einem. Es lässt einen die Zugfahrt nicht so schnell vergessen. Ob es sich mit dem Gelesenen ähnlich verhält, kann ich noch nicht beurteilen. Ohne "Monde vor der Landung" hätte ich die letzte Etappe meiner Reise wohl nur schwer angeschlagen überstanden (oder, wer weiß, vielleicht hätte ich mich hinreißen lassen, den Pling-Pling-Plingern ein Brrchch zu bescheren). 

Jedenfalls gut, dass ich ausreichend Lektüre, Sitzfleisch und in Asien angeeignete Gelassenheit im Gepäck hatte. Auch gut, dass ich einen oldschool Reiseführer mit dabei hatte. Obwohl die Karten oft leicht daneben liegen, bieten sie doch einen groben Anhaltspunkt und das genügt mir ja auf Reisen. Ich verlaufe mich ja gerne, um Dinge zu finden, auf die ich sonst nicht zugesteuert wäre. 

Jetzt wäre ich natürlich auch heiß auf Brașov und Sibiu. Aber das kann ich ja alles noch machen. Nicht dieses Mal. Dieses Mal bin ich herumgereist genug für zehn Tage. Aber: Ich komme wieder, keine Frage.

Bücherkiosk statt Bücherschrank. Davon stehen richtig viele in den Fußgängerzonen.

 

Samstag, 26. Oktober 2024

Schnitzeldasein in der langen Nacht

So was hab ich noch nie gesehen! Das "filit" ist ein Literaturfestival der Extraklasse. Die ganze Stadt Iași ist geprägt davon. Überall flattern einem die grünen Logo-Bücher entgegen. Am Einheitsplatz ist das Festivalzentrum, da stehen drei Zelte: Buch, Bühne, Backstage. Fünf Tage lang, alle Jahre wieder, steht die ganze Stadt im Zeichen der Literatur. Schon beim Einchecken ins Hotel Unirea huschte Abdulrazak Gurnah an mir vorbei. Am nächsten Morgen frühstückt er einen Tisch weiter und ich kann berichten: Er ist Tee-aus-Becher-Trinker und schaut zumindest in der Früh so grimmig drein wie am Pressefoto. Zeruya Shalev ist da, mit Colm Toibin unterhalte ich mich beim Mittagessen über die Schönheit der rumänischen Namen: Popescu, Burcescu, Antonescu, etc. 

Adrian Alui Gehorge will ich nach seiner Lesung einfach ein schnelles Kompliment (auf englisch) machen und er holt gleich seinen Übersezter, damit ihm nichts entgeht und das Ganze wird dann fast ein bisschen peinlich, weil so genau hab ich ihn dann auch wieder nicht verstanden, er hat ja rumänisch gelesen und da versteh ich (mit meinen Italienischkenntnissen) halt doch nur, was ich will und mir zurechtdenke. Aber egal. Ich bin großzügig mit Lob. Davon hab ich viel, kostet mich nichts und die lange Nacht der Poesie will ja vertrieben werden. Von 22 bis 4 Uhr stand am Programm und ich hatte schon Angst. Es dauerte letztlich aber eh nur vier Stunden und ich hielt von Anfang bis zum Ende durch, obwohl ich im Grunde nichts wirklich verstand. Aber Poesie ist ja eine Universalsprache und die hab ich schon halbwegs drauf. Die Bierbegleitung freilich hat da schon geholfen. Hat die Zunge und die Kontaktaufnahme lockerer werden lassen. Denn ins Gespräch kommt man halt am einfachsten in der Bierwarteschlange. Da teilt man von vornherein eine Gemeinsamkeit, trifft sich beim gemeinsamen Biernenner. Begegnet man sich dort mehrmals, teilt man auch noch Trinkgeschwindigkeit und Geselligkeitswillen. Tudor hab ich dort kennengelernt, vor seinem und nach meinem Auftritt. Da er mit Nachnamen Crețu heißt, muss er nicht all zu lange warten. 

Ich hatte den Vorteil gleich dran zu kommen, als Zweiter. Da ging's ausnahmsweise um den Anfangsbuchstaben des Herkunftslandes: A wie Austria. Ich war nicht unglücklich über diesen Startplatz. Cosmin Perța hatte länger zu warten aber guten Schmäh und es schäkerte sich ganz gut mit ihm. Denn dass alles großartig gewesen wäre, dass alle ins Mikrophon gesprochen, dass sich alle an die Zeit gehalten hätten, davon kann natürlich nicht die Rede sein und genau das ist dann ja Anlass zum drüber Reden. Wir hatten Spaß und der rührendste Moment des Abends war, als Claudiu Ioan Maftei, der Etrit Hasler der rumänischen Poesieszene, loslegen wollte, mit Mühe den ersten Satz lesen konnte, sich auf die Suche nach mehr Licht machte, nochmal ansetzte, wieder nicht weiter kam und sich dann jemand aus dem Publikum erbarmte und ihm seine Lesebrille reichte. Ein solidarischer Akt und ein poetischer - einmalig. 

Das Gegenteil davon gab es auch - hier sei kein Name genannt, aber der bekannte Irgendwas-Mediziner und Dichter, hat heillos überzogen, hat viele quasi ins Koma gelesen. Aber sonst keine Beschwerden nur Lob, Hochachtung, Freude.

Freitag, 25. Oktober 2024

Vonwegen Schlaflosigkeit - Muntermacher Poetry!

Wenn da ansatzweise ein Berg ist, muss ich rauf. Ich also runnig up that hill. Da steht ein Kreuz, ja, irgendwie anziehend. Noch immer. Da steht aber auch ein altes Gebäude. Dass eh groß "Hotel" drauf steht, übersehe ich vorerst. Vielleicht ist der Winkel beim Aufstieg so, dass ich es nicht sehen kann. Was ich sehe sind schräge Typen, knutschende Paare, Bag-Ladies und Absperrungen. In meinem Kopf geht es rund. Wer wohnt da oben? Ist wohnen überhaupt das richtige Wort? Wer ist hier untergebracht? Jedenfalls tolle Aussicht auf Cluj-Napoca. Schade, dass die Terrassen-Kneipen von einst verwahrlost sind. All die Restaurierungsaufmerksamkeit ist auf das Zentrum konzentriert, das auch wirklich strahlt, nicht nur in der Abendsonne.

Bin wieder nur zwei Nächte in der Stadt. Was leider eine zu wenig ist. Kann weder das tolle Hotel nützen, noch wirklich was anschauen. Bin ja hier, um was zu tun. Mache einen Workshop in der Österreich-Bibliothek in der ich im Jänner 2005 schon mal war und die gerade ihr 20 Jahre Jubiläum feierte. Jetzt also wieder da. Von damals hab ich nur mehr vage Erinnerungen, es gibt aber Fotos, die ich wohl mal suchen sollte. Zwei Lokale glaube ich wiederzuerkennen: Das Urania und das Insomnia und in zweiterem sollte dann auch der Auftritt stattfinden. 

Immer diese Befürchtung es könnte niemand kommen. Bis kurz vor 19 Uhr waren die auch begründet. Dann aber füllte sich der Raum und es fühlte sich gut an. Vielen Dank fürs Checken Manuela! In der Österreich Bibliothek arbeitet übrigens nach wie vor Lenka und der Gästebucheintrag vom letzen Mal hat meine Erinnerungen auch ein wenig aufgefrischt. "Zwei Schnitzel auf Reisen" haben wir (Wolfgang Kühn) die Tour genannt, die damals Michaela Hirsch organisiert hat. Das Foto vom Auftritt im Insomnia (unten) hat Manuela Dressel gemacht. Danke!

Und sonst?
Esse Sarmale Traditionale, trinke Ursus (zu wenig, weil Bierkonzerne die Zapfhähne erobert haben und auch die Craftbeer-Unart in Rumänien eingezogen ist), trinke aber genug gute Espressi, ziehe nachts nur ein bisschen durch die schönen Gassen, beschließe aber für mich selbst, wieder mal hier her zu kommen.

Mittwoch, 23. Oktober 2024

Nischbach nebst Fernwärmepumpwerk

Ich liebe mein Leben. Was mache ich? Alles, was von mir verlangt wird. Nein, natürlich nicht alles. Aber wenn ein renommierter Kulturverein, spezialisiert auf Jazz-Festivals (aber nicht nur) fragt, ob ich vielleicht gemeinsam mit Musiker*innen einen Poetry-Video-Clip in Temeschwar (Timișoara) machen möchte, dann mache ich das. 

Eingestellt war ich auf eine dunkle Proberaum-Session. Aber - surprise - es wurde im Freien gedreht und - nochmals surprise - mir, meinem Gedicht - wurde eine E-Harfe und ein E-Bass zugeteilt. Wir standen dann also im Kreise (der ein Dreieck war) beieinander, stellten uns vor und legten los. Wir standen in einer Straße die auf der einen Seite sehr baum- und blätterreich war, auf der anderen Seite aber auch ganz schön großstädtisch fabrikisch. Wie passend, dass der Stadtteil Fabric hieß und ich schaute auf eine Mauer, hinter der sich ein Fernwärmewerk befand. Ich habe also Poesie an die Wand geschmettert, während hinter der Wand heißes Wasser produziert wurde. Böse Zungen würden sagen: Heiße Luft meets heißes Wasser.


Ja, der Welt mit Poesie begegnen, ist oft wie gegen eine Mauer reden. Wir nahmen uns aber Raum und beschallten und bedichteten diesen. Eine E-Harfe schaut übrigens genau so aus wie das Guiness Logo und wird dann halt auf einen Ständer gestellt und gespielt. Die Melodie, die meinem "Wenn-Gewetter" unterlegt wurde, hatte ein bisschen was vom Twin-Peaks-Signature-Tune. Laura Palmer war natürlich nicht da aber Soundmann Jimmy, Kameramann Pedro, Checker Norbert, Harfinistin Orsi und Bassist Csaby. 

Die Sonne schien, der Kanaldeckel unter uns stank, wir groovten. Wir schrieben uns ein in die Straßenecke, die Episcop Joseph Nischbach hieß. Nischbach, das wär doch ein Bandname. Sollte unser Video ein Clickhit werden, wir werden uns Nischbach nennen. 



Mittwoch, 25. September 2024

Rambutan und Mangosteen

Was klingt wie ein Zauberspruch, sind zwei Früchte, die ich gestern erstmals gegessen habe. Aufgefallen ist mir Rambutan schon in Naga-City auf der Straße. Denn diese Frucht fällt auf. Aber weil ich nicht wusste, was man damit macht, habe ich abgewartet, bis ich kundige Leute fragen konnte. Da der gestrige Tag nicht wie erwartet mit Kongress an der Uni gefüllt war, weil es einen Streik der öffentlichen Verkehrsmittel gab also der Jeepneys und der Tricycles (der nicht ganz so ernst genommen wurde) und die Veranstaltung daher verschoben wurde, hatte ich die Gelegenheit, einen reinen Touri-Tag in Manila zu verbringen und das unter sachkundiger Führung von Madeleine und Jonathan. Rambutan und Mangosteen sollten wir schließlich in der größten Mall Asiens erstehen. Ich machte Fotos von weiteren Früchten, die ich noch nie gesehen hatte und hatte meinen Spaß in der Obst- und Gemüseabteilung. Rambutan genießt den Ruf, die Alien-Frucht zu sein. Ob es Legende oder Wahrheit ist, werde ich bei nächster Gelegenheit überprüfen. Aber Rambutan soll es sogar in Hollywoodfilme geschafft haben, als Frucht auf außerirdischen Planeten und ja, ich verstehe warum. Rambutan ist, einmal gelernt, recht einfach zu öffnen und essen und ist sicher sehr gesund, nicht nur süß und auf jeden Fall sehr dekorativ. 

Mangosteen (am Foto links ist was Anderes zu sehen, war zu teuer, kann ich nicht identifizieren) ist äußerlich nicht ganz so salonfähig und einmal geöffnet, wird man erneut überrascht. Denn das Ganze schaut aus, wie Knoblauchzehen und mitunter kommen diese sogar sehr schleimig daher. Das ist ein bisschen eine Überwindung aber geschmacklich dann unübertrefflich. Die größeren Zehen haben größere Kerne, die kann man fast absaugen, ablutschen, die kleineren Zehen schlürft man als Ganzes ein und der Tagesbedarf an Vitamin C dürfte dadurch gedeckt sein. Rambutan heißt Nephelium lappaceum und ist ein Seifenbaumgewächs. Das sei hier nur angemerkt, weil ich Nephelium ein schönes Wort finde und mir Seifenbäume auch gut vorstellen kann. Überhaupt die Phantasie! Die wurde ja so angeregt in den letzten Tagen. Immer wenn rund um mich Sprachen gesprochen wurden, die ich nicht kannte, hatte ich mir ja vorzustellen, was gerade geredet wurde und da ging sie mitunter mit mir durch. Das hat ganz schön Spaß gemacht, war aber auch anstrengend. Jetzt mal einfach nur nichts reden, aufnehmen, sehen, lernen, tun, wird sicher auch super.

Ampalayas sind Bittermelonen, die sich in Salaten sehr gut machen. Es gibt sie in allen Größen. Sie sind meiner Meinung nach auch sehr schön. Generell haben Melonen hier einen Stellenwert von Rang. Das war auch in Zentralasien schon so. Da war man ja auf die Honigmelone der Gegend stolz. Hier gibt's schon zum Frühstück Wassermelonen, Bananen, die ganz ansders ausschauen, als wir sie kennen - viel kleiner und nie so makellos gelb und Mangos schmecken in echt auch anders, als das, was wir so vorgesetzt kriegen. Habe gestern so viel Mango-Juice getrunken wie noch nie in meinem bisherigen Leben insgesamt. Denn es musste ja auch der grüne, säuerliche Mangojuice gekostet werden, nicht nur der süßlichere reife.

Aber natürlich habe ich auch allerlei Fleisch zu mir genommen. Einmal ganz besonders gut getarnt in einer Soße, die wie Curry ausschaute, aber Erdnusssoße war. In Kankan schwamm allerlei definitiv auch Innereien. Leber und Lunge, Zunge und Schwanz - hab ich alles anstandslos gegessen. Bin ja neugierig und wenn ich nicht schon zum Frühstück Knoblauchreis und Zwiebelbeef in mich schaufeln muss, dann bin ich durchaus auch experimentierfreudig in allen, nicht nur kulinarischen, Belangen. 

Und hier noch der Blick vom Restaurant auf Manila.